Kranz | Interaktion und Organisationsberatung | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 441 Seiten

Reihe: Humanities, Social Science (German Language)

Kranz Interaktion und Organisationsberatung

Interaktionstheoretische Beiträge zu Profession, Organisation und Beratung
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-531-91624-8
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Interaktionstheoretische Beiträge zu Profession, Organisation und Beratung

E-Book, Deutsch, 441 Seiten

Reihe: Humanities, Social Science (German Language)

ISBN: 978-3-531-91624-8
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
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Dr. phil. Olaf Kranz ist zur Zeit in einem vom BMBF geförderten Forschungs- und Transferprojekt zum Zusammenhang von Innovativität und Mitbestimmung an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der TU Chemnitz beschäftigt.

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Autoren/Hrsg.


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1;Danksagung;5
2;Inhaltsverzeichnis;7
3;Vorwort zur Arbeit von Olaf Kranz;13
4;1. Einleitung: Von der Skandalisierung der Organisationsberatung zur Professionalisierung der Soziologie?;17
5;2. Die Form ‘sozial’: Zum wechselseitigen Bedingungsverhältnis von System und Lebenswelt;38
6;3. Die Bedeutung von Wahrnehmung in Formen und Formaten der Interaktion;79
7;4. Die Form ‘sozial’ im Vergleich mit alternativen Konzeptualisierungen des Verhältnisses von System undLebenswelt;115
8;5. Zur Unterscheidung von Akteurs- und Funktionsbezug;155
9;6. Die Kategorie der sozialen Rolle: Hybrid zwischen Lebensweltmetapher und Funktionsbezug;195
10;7. Professionen: Zur Entparadoxierung des Lebensweltparadoxes;212
11;8. Organisation: Zur Entparadoxierung des Lebensweltparadoxes am Beispiel christlicher Klöster und Orden;238
12;9. Die Organisationsberatung als reflexiver Mechanismus derVermittlung von System und Lebenswelt und die Professionalisierungschancen der Soziologie;320
13;Bibliographie;414


6. Die Kategorie der sozialen Rolle: Hybrid zwischen Lebensweltmetapher und Funktionsbezug (S. 197-198)

6.1 Zur soziologischen Diskussion des Rollenbegriffs: Theater, Rolle, Person

Blickt man von dem inzwischen erreichten soziologischen Erkenntnis- und Begriffsniveau auf zuvor geführte Auseinandersetzungen zurück, erscheint es manchmal kaum noch begreiflich, weshalb es der soziologischen Begriffsbildung oftmals so ungemein schwer fiel, bestimmte Unterscheidungen zu treffen, die heute als codifiziertes Lehrbuchwissen vorliegen. An der Diskussion des soziologischen Rollenbegriffs, der in der anthropologischen Tradition (vgl. Linton 1936) und in der struktur-funktionalen Theorie (vgl. z.B. Parsons 1951: 25, Merton 1957 und Joas 1978) zunächst als gesellschaftlich-historische Universalie grundbegrifflich eingeführt worden ist, kann dies besonders deutlich studiert werden. Hier fällt auf, zu welchen Konfusionen und langwierigen Kontroversen es geführt hat, dass lange Zeit einerseits die Gesellschaft als Mengenbegriff konzipiert worden ist, als deren Elemente einzelne Menschen angesehen worden sind, und dass andererseits begrifflich nicht ausreichend zwischen psychischen Systemen und den sozial fabrizierten Erwartungscollagen von Person und Rolle unterschieden worden ist.

Ich möchte an dieser Stelle in einer kursorischen Diskussion der Entwicklung des Rollenbegriffs lediglich zwei Aspekte gesondert herausheben, die in der in dieser Arbeit verfolgten sozialen Zentralperspektive von Akteurs- und Funktionsbezug in den Blick geraten. Beginnen will ich mit dem Versuch, die soziologische Kommunikation über den Rollenbegriff als einen Prozess zu verstehen, der sich nur mühsam Schritt für Schritt von akteurssemantischen Instruktionen freizeichnen konnte, welche zunächst unweigerlich mit dem Ausdruck Rolle verbunden sind, weil dieser im Kontext der Theatermetaphorik steht (vgl. Konersmann 1986/1987 und 1992, Sennett 1983: 47ff.).

Anschließen will ich mit Überlegungen, die nicht am Bezugsproblem des „konventionellen, quasi-stratifikatorischen Rollenbegriff(s)“ (Lehmann 2002: 160) ansetzen, wie nämlich Individuen und Gesellschaft vermittelt sind, sondern vielmehr am Problem der doppelten Kontingenz, das heißt, am damit aufgerufenen Bezugsproblem der Verhaltensunsicherheit, das durch die immer wieder erneut zu leistende Ausbildung von Erwartungserwartungen bewältigt wird. Diese Diskussion führt vor das Ergebnis, dass Rolle als ein Hybrid betrachtet werden kann, der System und Lebenswelt miteinander verknüpft. Der Ausdruck Rolle kann auf Grund seiner akteurssemantischen Vertrautheit gleichzeitig lebensweltlich Verwendung finden und funktionssemantisch bestimmt werden. Der Formzwang der Form ‘sozial’ wird am Rollenbegriff dadurch kenntlich, dass sich mittels des Instruments Rolle Funktionsgesichtspunkte von Interaktion und von Kommunikationszusammenhängen in der Lebenswelt etablieren lassen.

Der Ausdruck ‘eine Rolle spielen’ gewinnt Bedeutung zunächst im Kontext einer Theatermetaphorik. In der gegenwärtigen alltäglichen Verwendung des Ausdrucks spielt eine Rolle, wer erlerntes Verhalten reproduziert, das fremden Vorgaben folgt und deshalb den individuellen Charakter einer Person nicht zum Ausdruck kommen lässt. In dieser Bedeutung wird der „Uneigentlichkeitsvorbehalt der Theatermetaphorik“ (Konersmann 1986/1987: 113) artikuliert. Ein Rollenspieler kann aber auch sein, wer Anlässe zur Gelegenheit expressiver Selbstdarstellung wahrnimmt. Oder er unterscheidet sich von all denjenigen, die keine Rolle spielen, dadurch, dass er einen hervorgehobenen Status einnimmt.

Die Theatermetaphorik kann in ihrer den Alltag instruierenden Funktion trotz gewisser Verkürzungen und Einseitigkeiten, die mit ihr verbunden sind, dennoch als glücklich gelten, denn zum einen bezieht sie ihre instruierenden Effekte aus einem gesellschaftlichen Phänomen selbst, und zum anderen wird in ihr eine gesellschaftliche Grunderfahrung wachgehalten. Immer geht es um beobachtetes Verhalten, das von seiner Beobachtung weiß und sich am Faktum seiner Beobachtung orientiert – es geht deshalb, wie immer adäquat formuliert, um die Erfahrung fungierender Erwartungserwartungen.



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