E-Book, Deutsch, 224 Seiten
Kraska Erfüllt älter werden an Gottes Seite
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7751-7548-7
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 224 Seiten
ISBN: 978-3-7751-7548-7
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wolfgang Kraska (Jg. 1952) lebt in Rheinstetten bei Karlsruhe. Nach 42 Jahren Arbeit als Pastor und Mitarbeit in Gremien des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, unter anderem der Bundesleitung, ist er im Ruhestand als Referent, Buchautor sowie Verfasser von regelmäßigen Beiträgen in den Zeitschriften 'LebensLauf', 'Christsein heute' und 'HauskreisMagazin' tätig. Außerdem verfasst und spricht er Rundfunkandachten für den SWR. In seiner letzten Gemeinde, der FeG Karlsruhe, engagiert er sich in verschiedenen Bereichen ehrenamtlich. Unter anderem hat er einen alternativen Seniorenkreis 'lebensweise' für Menschen im Übergang zwischen Arbeitsleben und Ruhestand ins Leben gerufen. In der Freizeit unternimmt er gerne Wanderungen und Radtouren, am liebsten zusammen mit seiner Frau Dorothea. Gemeinsam haben die beiden vier Kinder und neun Enkel.
Autoren/Hrsg.
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Teil 2
SÜNDE – ZWEIFEL – HEILSGEWISSHEIT:
DAS FUNDAMENT DES ALTERS
7 Zweifel – unangenehm, aber normal
Zweifel sind nicht angenehm! Die meisten Menschen leiden daran und würden viel lieber kindlich und fröhlich glauben können. Aus der Sicht der Bibel ist Zweifel immer eine Last. Jakobus hat sicher recht, wenn er schreibt: Wer zweifelt, gleicht den Meereswogen, die vom Wind gepeitscht und hin und her getrieben werden. Solche Menschen können nicht erwarten, dass sie vom Herrn etwas empfangen; denn sie sind in sich gespalten und unbeständig in allem, was sie unternehmen (Jakobus 1,6–8; GNB).
So etwas zu erleben ist alles andere als schön. Das Problem ist nur, der Zweifel lässt sich nicht einfach verbieten oder wegtherapieren. Er ist eine Not, aus der wir Menschen uns nicht durch eigenes Forschen herauswinden und durch Logik herausargumentieren können. Vor der Aufklärung galt der Zweifel sogar als Sünde. Der Philosoph Descartes (1596–1650) stellte die Dinge völlig auf den Kopf und erhob den Zweifel zur philosophischen Methode und zur Tugend. Er sei die Voraussetzung für jeden Fortschritt und für jede neue Erkenntnis. Nicht zu zweifeln galt seitdem für viele als Zeichen von Naivität und mangelnder Bildung. – Aber gilt das auch für den Glauben? Auch heute begegnen mir gelegentlich Menschen, die den Zweifel geradezu kultivieren. Es ist ihnen verdächtig, wenn sich jemand seiner Sache allzu sicher ist. Erst recht in Glaubensfragen.
Gott schuf den Menschen als Zweifler
Zweifel ist nicht erst die Folge des Sündenfalls, wie man vielleicht denken könnte. Ohne Frage hat der Sündenfall seine Bedeutung vergrößert, aber es gab Zweifel bereits im Paradies. Zugespitzt könnte man sagen: Gott schuf den Menschen als Zweifler. Die Möglichkeit zum Zweifel ist in der Erschaffung des Menschen bereits angelegt. Sie ergibt sich aus dem grundlegenden Unterschied zwischen Gott und Mensch. Für Adam und Eva wird die eigene Begrenztheit am Baum der Erkenntnis sichtbar und greifbar. Es ist der einzige Baum, von dessen Frucht der Mensch nicht essen darf. Der Mensch empfindet diese Grenze als Zumutung und Provokation. Er will Gott gleich sein. Er will alles selbst wissen und sich selbst sagen, was gut und böse ist, anstatt in Abhängigkeit von Gott zu leben. Bei der Diskussion zwischen Eva und der Schlange geht es um die Chance, diesen Wesensunterschied zu beseitigen und die Grenze der Erkenntnis zu durchbrechen. Die Schlange behauptet: An dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist (1. Mose 3,5). Sein wie Gott bedeutet, geöffnete Augen zu haben und letztes Wissen zu erlangen. Sollte das wirklich möglich sein? Sollte es wirklich so schlimm sein, von der verbotenen Frucht zu essen? Sollte Gott gesagt haben …? (1. Mose 3,1). Es gelingt der Schlange, Eva – mitten im Paradies! – zum Zweifeln zu bringen.
Die Versuchung des Sündenfalls bestand also darin, jede Abhängigkeit, jede Unsicherheit und jede Begrenzung auszuschalten. Oder auch, den immer spannungsgeladenen Glauben durch souveränes Wissen zu ersetzen. Den Zweifel nicht zu wollen, heißt darum letztlich, den Glauben nicht zu wollen. Denn die Beziehung zu Gott setzt immer voraus, dass ich mich damit begnüge, ein begrenzter Mensch zu sein und Gott und sein Handeln eben nicht immer zu durchschauen. Stattdessen darf ich mich an der Freundschaft mit dem mir unendlich überlegenen Gott erfreuen. Er ist mein Freund. Er ist mein Vater. Was gibt es Größeres und Schöneres?
Zum Glauben bestimmt
Nun ist es aber wichtig zu sehen, dass meine zugespitzte Aussage »Gott schuf den Menschen als Zweifler« nicht das Gleiche ist wie der Satz »Gott schuf den Menschen zum Zweifeln«. So als wäre das Zweifeln etwas Gutes und Sinnvolles, zu dem wir von Gott nun einmal bestimmt sind. Im Gegenteil. Unsere Bestimmung ist es, den Zweifel zu überwinden und zu einer vertrauensvollen Beziehung zu Gott zu finden. Das Ziel ist der Glaube. Geradezu klassisch wird das Spannungsverhältnis von Glaube und Zweifel in Hebräer 11,1 beschrieben: Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Hier sind zwei Schichten fest miteinander verbunden. Eine subjektive Gewissheit: feste Zuversicht und Nichtzweifeln. Und das bei objektiver Unsicherheit: (nur) hoffen und nicht sehen. Sehr schön kommt das auch in der Übersetzung dieser Stelle in der Gute-Nachricht-Bibel zum Ausdruck, die ich an das Ende dieses Kapitels gestellt habe. Wer das erlebt, darf sich wirklich glücklich schätzen. Seinem Jünger Thomas gegenüber drückt Jesus es so aus: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! (Johannes 20,29).
Um das Phänomen des Zweifels zu begreifen und vor allem, um mit ihm umgehen zu können, scheint es mir wichtig zu sein, diese beiden Schichten der Beziehung zu Gott auseinanderzuhalten. Es gibt eine subjektive Ebene, die Beziehungsebene. Und es gibt eine objektive Ebene, die Sach- oder Erkenntnisebene. Auf der Beziehungsebene kann man – nicht zuletzt durch das Wirken des Heiligen Geistes – eine unbeschwerte und tragfähige Gewissheit bekommen. Auf der Erkenntnisebene bleibt Gott uns jedoch immer ein Stück weit fremd. Wie hängen nun diese beiden Ebenen zusammen? Ich will versuchen, das mit einem Bild aus der Technik zu veranschaulichen.
Wissen Sie, was Bimetalle sind?
Unter Bimetallen versteht man Streifen aus zwei Schichten unterschiedlicher Metalle, die an den Enden bündig vernietet oder verschweißt sind. Bei Wärme dehnen sich die beiden Metallschichten unterschiedlich aus, sodass sich der Streifen als Ganzer verbiegt. Solche Bimetalle werden zum Beispiel in unseren Bügeleisen, Toastern und Kaffeemaschinen zur Temperaturregelung verwendet. An dieses technische Phänomen wurde ich beim Nachdenken über Zweifel und Gewissheit erinnert. Unsere Beziehung zu Gott und unser Wissen über Gott gleichen den beiden Schichten des Bimetalls. Lassen Sie mich das kurz erläutern.
Leben hat immer bedeutet, in Beziehung und in Abhängigkeit von Gott zu existieren. Nur in der gelebten Nähe und Beziehung zu Gott sind wir glücklich, haben wir Frieden. Wir sind mit unseren offenen Fragen versöhnt, weil wir Gottes Liebe erfahren und ihm vertrauen. Solange wir eine positive Beziehung zu Gott haben, können wir ertragen, dass unser Wissen über Gott begrenzt ist. Bildlich ausgedrückt: Das Bimetall ist entspannt und gerade. Sobald wir aber darauf bestehen, mehr zu wissen, als wir wissen können (Sachebene), oder die Beziehung zu Gott abkühlt (Beziehungsebene), verbiegt sich das System, und wir erleben und erleiden existenzielle Spannungen: den Zweifel. Beides geschieht natürlich immer wieder einmal, insbesondere wenn es um ganz persönliche Aspekte geht wie die Frage »Warum hat Gott mein Gebet nicht erhört und dieses Leid zugelassen?«
Eine persönliche Erfahrung
Es ist wichtig, sich klarzumachen, dass Zweifel nicht nur normal, sondern geradezu ein notwendiger Teil des Glaubens sind. Wer nie zweifelt, kann die Größe Gottes und die Ungeheuerlichkeit der biblischen Botschaft nicht wirklich verstanden haben. Wir können Gottes Wirklichkeit mit unserer natürlichen Ausrüstung wie Gefühle, Sinnesorgane und Verstand niemals auch nur halbwegs erfassen. Gott ist immer noch unendlich größer als alles, was wir sehen, fühlen und verstehen. Aber es gibt einen anderen und ganz eigenen Zugang zu Gott, und das ist der Glaube. Dabei bedeutet Glaube nicht das Für-wahr-Halten der Bibel, sondern die persönliche Beziehung zu Gott. Ein einzelnes Erlebnis, und sei es noch so eindrücklich, kann den Glauben niemals tragen. Der Zweifel kann nämlich jede auch noch so eindrückliche Erfahrung in sein Spinnennetz einweben. Entscheidend sind vielmehr die vielen Tausend Einzelerfahrungen und Begegnungen mit Gott im Alltag. Durch sie entsteht in uns ein Bild, wie Gott ist und was er von uns will. Es ist wie bei einem Mosaik oder Puzzle: Tag für Tag kommen neue Bausteine hinzu, die wir einfügen können. Und so wird das Bild immer detailreicher und schärfer. Sobald aber dieser lebendige Prozess abreißt, wächst auch unsere Distanz zu Gott.
Ich will das an einer persönlichen Erfahrung verdeutlichen. Als ich Anfang vierzig war, wurde ich durch einen Schlaganfall für sieben Monate aus dem normalen Leben gerissen. Nachdem die Möglichkeiten der Gerätemedizin ausgeschöpft waren, beteten befreundete Pastoren und Älteste meiner Gemeinde über mir und salbten mich mit Öl, so wie es in Jakobus 5 als Möglichkeit für Christen beschrieben wird. Kurze Zeit später machte der Professor, der die neurologische Klinik leitete, eine für ihn überraschende Entdeckung. Den Arztbrief von damals habe ich in meine Bibel geklebt, deshalb kann ich daraus zitieren: »Bei der heute kontrollierten transkraniellen Dopplersonografie ergab sich ein auffälliger Befund im Sinne einer Besserung. Die zuvor mehrfach nachgewiesene Stenose war in dem voruntersuchten Ausmaß nicht mehr darstellbar. Ich habe den Befund mehrfach überprüft und ihn immer wieder bestätigt. Dies ist ein ungewöhnlicher Vorgang …« Für mich ist das, was der Arzt schreibt, die Beschreibung eines Wunders, auf das er als Beobachter von außen draufschaut.
Faktenkrise – Deutungskrise – Beziehungskrise
So eindrücklich diese Erfahrung für mich bis auf diesen Tag ist, war doch auch sie nicht vor dem Zweifel geschützt. Andere Ärzte – darunter auch Christen – waren skeptisch...




