E-Book, Deutsch, Band 3, 364 Seiten
Reihe: Seday Academy
Kratt Erschaffen aus Dunkelheit (Seday Academy 3)
17001. Auflage 2017
ISBN: 978-3-646-30025-3
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Knisternde Dämonen-Fantasy für Academy-Fans über eine toughe Protagonistin, die sich zu behaupten weiß
E-Book, Deutsch, Band 3, 364 Seiten
Reihe: Seday Academy
ISBN: 978-3-646-30025-3
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nach ihrem Studium fand sich die lesesüchtige Mathematikerin Karin Kratt in der Bankenbranche wieder. Doch so sehr sie Zahlen auch zu schätzen weiß, die Macht von Buchstaben begeistert sie weitaus mehr. Seit ihrer Teenagerzeit nutzt sie jede freie Minute, um ihre Ideen auf Papier zu bannen. Träume, die auf Streifzügen durch die südhessischen Wälder entstehen oder beim Herumtoben mit ihren drei ebenfalls lese- und fantasiebegeisterten Kids.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
Der Morgen begann so vielversprechend. Samera hatte gut geschlafen, was eine wahre Seltenheit war, die Sonne schien warm vom wolkenlosen Himmel und der Kaffee aus der Bäckerei an der Ecke schmeckte einfach nur köstlich. Und dann das.
»Spontanbesuch des FBIs am frühen Nachmittag«, verkündete Braydon Shadd, ihr Chef, kaum dass sie ihren Schreibtisch in Fort Meade, dem Hauptsitz der NSA, erreicht hatte. »Einer der Agents hat ein paar Fragen an uns.«
Ein paar Fragen? Im Normalfall bedeutete das nichts anderes als endlose Stunden mit Erklärungen und Rechtfertigungen und noch mehr Erklärungen. Worauf beruhten ihre Risikoeinschätzungen und ihre Entwarnungen, was für eine Erkenntnis hatte welche Handlung nach sich gezogen und und und …
Samera hasste diese Gespräche. Andererseits war es wohl durchaus sinnvoll, wenn die Überwacher der Vereinigten Staaten ebenfalls überwacht wurden, und sie hatte schließlich immer gewusst, auf was sie sich mit ihrem Job beim amerikanischen Geheimdienst einließ.
Ihrer Kollegin Tierra Vale, die am Schreibtisch neben Samera saß, bereitete der Gedanke an die anstehende Verhörrunde offenbar ebenfalls Unbehagen, denn sie verzog missmutig ihr rundes Gesicht.
»Ich kann nichts dafür!«, verteidigte sich Braydon und mit dem Zeigefinger schob er seine Nickelbrille zurecht, die ihn noch intelligenter erscheinen ließ, als er es eh schon war. »Die Order kommt von ganz oben. Wenn es nach mir ginge, hätte der Kerl frühestens nächsten Monat einen Termin erhalten.«
Das stimmt, dachte Samera. Und niemand machte Braydon einen wirklichen Vorwurf. Er war ein prima Vorgesetzter und hielt ihnen die anderen Sicherheitsbehörden so gut es ging vom Hals, damit sie in Ruhe ihre Arbeit erledigen konnten. Aber manchmal war eben auch sein Einfluss nicht groß genug.
»Irgendetwas Spezifisches oder müssen wir uns auf eine generelle Rechtfertigung unserer Existenz einstellen?«, erkundigte sich Tierra stirnrunzelnd.
Braydon lachte. »Ich glaube, beides. Das FBI interessiert sich für den S-Tragon Hacker, doch es gibt wohl noch einen weiteren Grund.« Er zuckte mit den Schultern. »Fragt mich nicht welchen.«
S-Tragon, ja, der hat für einige Aufregung gesorgt. Mit einem ausgeklügelten Virus war es diesem Hacker gelungen, sämtliche Sicherheitsvorkehrungen des Committee of Global Security zu umgehen und in die persönlichen Daten des Vorsitzenden Mason Kibera einzudringen. Kibera war natürlich alles andere als erfreut darüber gewesen und hatte eine sofortige und umfangreiche Aufklärung gefordert. Bis auf den Codenamen des Hackers gab es allerdings keine einzige verwertbare Spur und den Namen wussten sie auch nur deshalb, weil S-Tragon ihn absichtlich in seinem Virus hinterlassen hatte.
Braydon zog sich in sein Büro zurück und Tierra überwand ihren Verdruss mit einem tiefen Seufzer. Sie drehte ihren Schreibtischstuhl in Sameras Richtung und die nächsten Minuten plapperte sie über ihr aktuelles Lieblingsthema – den Neuen. Nathan hieß der attraktive, braungebrannte Kerl. Er war siebenundzwanzig, groß, blond, blauäugig und seit seinem Eintritt in die Abteilung der Traummann aller weiblichen Mitarbeiter.
Samera war davon ausgegangen, dass die männlichen Kollegen mit Eifersucht reagieren oder sich zumindest nicht begeistert zeigen würden, doch das genaue Gegenteil war eingetreten. Nathan schien sie alle um den kleinen Finger zu wickeln, jeder mochte ihn. Nur sie selbst nicht.
Okay, das war jetzt vielleicht ein wenig übertrieben, Nathan war ja schon recht nett. Er hatte allerdings etwas an sich, das Samera immer wieder irritierte. In Nathans Nähe hatte sie andauernd das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmte. Mit ihm. Mit ihr.
Samera versuchte den Neuen zu ignorieren, aber das erwies sich als nahezu unmöglich. Denn erstens hatte Braydon Nathan an den Schreibtisch ihr gegenüber platziert und zweitens schien der Typ sich ausgerechnet für sie zu interessieren, für die einzige Person, die ihm nicht vollkommen erlegen war.
»Samera, hörst du mir überhaupt zu?« Tierra schnippte vorwurfsvoll mit ihren Fingern und deutete anschließend auf ihren Computerbildschirm. Die mollige Dreißigjährige hatte sich offenbar bereits ihrer Arbeit zugewandt, ohne dass Samera es mitbekommen hatte.
»Nein, tut mir leid«, antwortete sie wahrheitsgemäß und wandte ihre Aufmerksamkeit den Datenkolonnen auf dem Bildschirm zu. »Was stimmt mit der Zeta-Verschlüsselung nicht?«
»Aha.« Tierra nickte zufrieden. »Dann hast du ja doch zugehört. Also, pass auf …«
Für einen Moment kreuzte sich Sameras Blick mit dem von Nathan. Ihr neuer Kollege war gerade an seinen Schreibtisch getreten und irgendetwas schien ihn bestens zu amüsieren. Machte er sich etwa über sie lustig?
Samera verdrängte das wiederaufkeimende Misstrauen und konzentrierte sich auf Tierras Ausführungen.
***
Die Stunden vergingen wie im Flug und gegen Mittag erschien neben ihrer Tischgruppe Milo Cusson. Der bekennende Kaffeejunkie und Stellvertreter von Braydon wies sie darauf hin, dass es höchste Zeit zum Essen wurde – außer, sie wollten mit leerem Magen vor das FBI treten.
»Nathan, du kommst doch mit, oder?«, flötete Tierra mit ihrer süßesten Stimme. O Himmel! Samera musste bei dem schmachtenden Tonfall beinahe würgen.
»Natürlich«, erwiderte Nathan prompt. »Auf eine so hinreißende Einladung würde ich niemals verzichten.«
Wie in einer billigen Seifenoper …
Samera erhob sich kopfschüttelnd und folgte ihren Kollegen in die Kantine. Die Schlange für die vegetarische Mahlzeit war am kürzesten und somit war sie die Erste, die sich an ihrem Stammtisch am Fenster niederließ. Ein paar Minuten später setzte sich ihr Nathan mit einem absolut überladenen Tablett gegenüber, während Tierra sofort den Platz an seiner Seite in Beschlag nahm. Somit blieb Milo der Stuhl neben Samera und zufrieden genehmigte er sich einen Schluck aus seiner schätzungsweise zehnten Tasse Kaffee an diesem Tag, bevor er sich seinem indischen Curry-Gericht zuwandte.
Tierra setzte ihre Flirtversuche fort und erkundigte sich zum wiederholten Male nach Nathans Werdegang, nach seinem Studium in Australien und nach seinem ehemaligen Job bei einem Sicherheitsdienst in Europa. Mit seinem Charme und seinen Anekdoten gelang es Nathan mühelos Tierra und Milo in seinen Bann zu ziehen und schon bald lauschten die beiden fasziniert jedem seiner Worte.
Bei Samera hingegen verursachten Nathans Geschichten erneut ein Gefühl der Irritation. Konnte es sein, dass Nathan log …? Aber wozu? Mal ganz davon abgesehen, durchleuchtete die NSA akribisch alle Angaben ihrer Mitarbeiter und somit wäre es ausgesprochen lächerlich gewesen, hier etwas zu erzählen, das gar nicht stimmte.
Nathan verdrückte sein Dinosaurier-Steak, eine gigantische Ladung Pommes und einen dreiviertel Liter Vanillepudding innerhalb kürzester Zeit, während sie selbst eher lustlos an ihrem Gemüseburger knabberte. Schließlich legte Samera ihr Besteck beiseite, seit einigen Tagen hatte sie kaum noch Appetit.
»Du isst zu wenig«, kritisierte Nathan sie, als wenn er das Recht dazu besessen hätte ihr Essverhalten zu beurteilen. Doch bevor sich Samera über diese Anmaßung empören konnte, ergriff bereits Tierra das Wort.
»Ganz im Gegensatz zu dir«, gurrte sie. »Und trotzdem schaffst du es so schlank und fit zu bleiben. Nathan, wie machst du das nur?«
»Viel Sport«, erklärte Nathan lapidar. Er verschlang den letzten Rest seines Puddings. »Ich bin oft im Sportstudio und vor meinem Jobwechsel habe ich mir noch einen vierwöchigen Urlaub in Kalifornien gegönnt. Dort war ich in quasi jeder einzelnen Sekunde draußen unterwegs.«
O ja, wahrscheinlich hat er die gesamte Zeit damit verbracht die Mädels am Strand zu beeindrucken! Für einen Moment hatte Samera ein Bild von Nathan vor Augen, wie er sich waghalsig mit seinem Brett in die Brandung warf und sich dabei lässig die nassen, blonden Haare aus der Stirn strich. Sexy …
»Kommst du?« Nathan grinste breit. »Oder möchtest du den Anblick noch etwas länger genießen?«
Erst jetzt wurde Samera bewusst, dass sie Nathan wohl recht lange angestarrt hatte. Milo und Tierra waren bereits aufgestanden und schritten zur Tablettabgabe.
»Eingebildet bist du ja gar nicht, was?« Samera schnaubte verächtlich auf und erhob sich ebenfalls von ihrem Platz.
»Doch«, gab Nathan freimütig zu. »Aber ich arbeite daran.«
»Arbeite härter«, empfahl Samera dem Neuen und dann ließ sie ihn einfach stehen. Nicht besonders nett, wo er extra auf sie gewartet hatte. Allerdings war sie ja keineswegs darauf aus, dass Nathan sie nett fand.
Das angekündigte Gespräch mit dem FBI wurde sogar noch ätzender, als Samera es befürchtet hatte. Obwohl der dunkelhäutige Agent namens Darian Tenley, der pünktlich auf die Minute in Braydons Büro aufgekreuzt war, etwas durchaus Anziehendes an sich hatte. Er besaß warme, goldbraune Augen und war äußerst muskulös, vermutlich war er Stammkunde im gleichen Fitness-Center wie Nathan. Samera schätzte den FBI-Agent auf Anfang dreißig und das über seinem rechten Ohr in die kurzen Haare einrasierte Tribal verlieh ihm einen geheimnisvollen Touch.
Und trotzdem – als Allererstes hatte Tenley darauf bestanden mit jedem Mitarbeiter der Abteilung einzeln zu sprechen, in Braydons Anwesenheit natürlich. Mit nur mäßiger Begeisterung hatte sich Samera an dem runden Tisch in Braydons Büro niedergelassen. Weil sie aber wusste, dass Braydon die strikte Order erhalten hatte sich den Wünschen des Agents zu fügen, sofern...




