Kraus | Achtsam Lieben | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 220 Seiten

Reihe: tredition GmbH

Kraus Achtsam Lieben

Eine sexuelle Entdeckungsreise für mehr Sinnlichkeit, Intimität und Nähe
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-347-71652-0
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Eine sexuelle Entdeckungsreise für mehr Sinnlichkeit, Intimität und Nähe

E-Book, Deutsch, 220 Seiten

Reihe: tredition GmbH

ISBN: 978-3-347-71652-0
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Sexualität ist immer noch eines der größten Tabuthemen und oft läuft es anders, als wir es uns wünschen. In unserer Gesellschaft wird zu selten vermittelt, wie wir uns sexuell begegnen und wie tiefe Verbundenheit und Intimität im körperlichen Kontakt erlebt werden können. Das Prinzip der Achtsamkeit in Sexualität und Berührung zu integrieren, kann ein entscheidender Schlüssel zur Veränderung sein. Denn es ist möglich, ein erfülltes Liebesleben mit mehr Sinnlichkeit, Genuss und Freude zu erfahren. Ganz unabhängig vom persönlichen Alter oder der Dauer einer Beziehung. Dieses Buch versteht sich als Wegbegleiter: Zahlreiche Übungen laden dazu ein, das geteilte Wissen direkt umzusetzen. Ganz offen und authentisch sprechen die Autoren auch über ihre eigenen Erfahrungen.

Eine Krise in meiner Ehe 2013 hat mich und meinen Mann Christoph durch eine Sexualtherapie zum Thema Achtsamkeit gebracht. Recht schnell hatte dieses Thema nicht nur unsere Sexualität verändert, sondern auch Einzug in andere Lebensbereiche gehalten. Wir waren unglaublich dankbar und auch sehr überrascht, wieviel sich durch Achtsamkeit in unserem Leben verändert hat. Der Besuch verschiedener Seminare und Ausbildungen zum Thema Achtsamkeit, Sexualität, Tantra folgte. 2018 haben wir dann gemeinsam begonnen, dieses Wissen in Form von Workshops und Seminaren weiterzugeben. Neben dieser gemeinsamen Arbeit habe ich die Ausbildung zur MBRS-Lehrerin absolviert und gebe seit 2021 Achtsamkeitskurse zur Stressbewältigung. In 2022 habe ich eine zusätzliche Ausbildung zur Klangtherapeutin gemacht und biete Klangmassagen und Klangreisen /-meditationen an. Außerdem besuche ich seit 2020 regelmäßig Schweige-/Meditationsretreats für meine eigene innere Einkehr. Vor meiner Zeit als Achtsamkeitslehrerin war ich 17 Jahre in einem großen Konzern beschäftigt.
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Weitere Infos & Material


Was ist achtsame Sexualität?

Die achtsame Sexualität ist wie bereits erwähnt auch bekannt unter dem Begriff Slow Sex. Diana Richardson ist die Begründerin dieses Begriffes und die Autorin des gleichnamigen Buches. Wir waren bei Diana und ihrem Mann Michael in der Schweiz auf einem ihrer Making Love Retreats, bei dem sie erzählte, dass sie diesen Titel nicht selber gewählt habe. Sie wollte eher etwas wie »achtsamer Sex« nehmen. Doch damals gab es die Bücher zu Slow Food und die Verleger wollten auf diese Erfolgsstory aufspringen. So ist also der Begriff Slow Sex entstanden. Sehr oft werden wir gefragt, ob diese Art von Sex immer nur langsam sei: nein! Hier ist der Begriff tatsächlich irreführend. Achtsame Sexualität kann sehr wohl wild und leidenschaftlich sein. Es geht ums Fühlen im Moment. Und es geht um Kontakt. Kontakt mit uns selbst und Kontakt mit dem Menschen, dem wir sexuell begegnen. Um wirklich wieder ins Fühlen zu kommen, hilft die Langsamkeit sehr – gerade am Anfang. Wir sind es nicht gewohnt, mit aller Aufmerksamkeit auf unseren Sinnen eine Berührung zu geben oder zu empfangen. Wenn wir die Aufmerksamkeit auf unsere Sinne lenken (Fühlen, Schmecken, Riechen, Hören, Sehen), dann werden wir automatisch langsamer und bewusster in unserer körperlichen Wahrnehmung. Hierzu eine einfache Übung zur Verdeutlichung:

2 Minuten

Balle die linke Hand zur Faust und spanne dadurch den linken Arm an. Reibe mit der rechten Hand schnell über die Innenseite des linken Unterarmes. So schnell du kannst. Versuche, diese Berührung auf deinem linken Unterarm bewusst zu fühlen.

Höre abrupt auf.

Was hast du gespürt?

Nun mache diese Übung noch mal mit dem anderen Arm. Lasse hierfür den rechten Arm und die rechte Hand locker. Streichle leicht und langsam mit der linken Hand über die Innenseite des rechten Unterarmes. Versuche, diese Berührung auf dem rechten Unterarm bewusst zu fühlen.

Gehe ganz langsam wieder aus dem Kontakt.

Was hast du nun gespürt?

Sicherlich hast du im ersten Durchgang der Übung bemerkt, dass die Haut warm oder heiß wurde und sich schnell gereizt anfühlte, eventuell sogar unangenehm. Und vielleicht auch, dass es nicht möglich ist, einer so schnellen Bewegung bewusst zu folgen, sie also wirklich zu fühlen. Vielleicht hast du auch bemerkt, wie sich im Rest des Körpers eine gewisse Spannung aufbaute, wie der Atem entweder schneller wurde oder du ihn sogar gepresst beziehungsweise angehalten hast. Bei der langsamen und entspannten Variante konntest du der Berührung sicherlich gut folgen und hast sie als angenehm, interessant und eventuell sogar sinnlich empfunden. Der Muskeltonus im Rest des Körpers blieb womöglich entspannt(er), der Atem ging ruhig und fließend. Vielleicht stimmst du der Aussage zu: Der Körper kann einer langsamen und bewussten Berührung viel besser folgen als einer schnellen.

Wie du dir sicher denken kannst, steht die erste Variante der Übung für die leistungsorientierte Sexualität; also schnelle Rein-Raus-Bewegungen des Lingams in der Yoni. Genauso wie dein Arm – oder deine Hand – dieser Bewegung nicht so gut folgen konnte, können auch Yoni und Lingam dies nicht. Solche hastigen, möglicherweise stoßenden Bewegungen im Sex bewirken das genaue Gegenteil von lustvollem Spüren. Und wir sprechen hier von Spüren, nicht von Geilheit, die sich bei schnellem, reibendem Sex durchaus als tolles Gefühl einstellen kann. Doch bei einer langjährigen Praxis von schnellen und stoßenden Bewegungen, passiert nicht selten Folgendes: Die Genitalien schützen sich. Das Gewebe verhärtet und wird langsam, aber stetig immer unempfindsamer. So kommt es, dass wir immer mehr Druck und Geschwindigkeit brauchen, um Erregung aufzubauen oder zum gewünschten Ziel des Orgasmus zu gelangen. Wenn das Gewebe mit der Zeit mehr und mehr verhärtet, wird der erigierte Lingam immer angespannter und fühlt sich in der Yoni zunehmend wie ein Fremdkörper an. Und die Yoni reagiert nicht selten mit Schmerzen oder Taubheit. Generell wird das Gewebe unserer Genitalien durch diese Art der Berührung eher angespannt und unempfindsam. Also genau das Gegenteil von dem, was wir in der Sexualität suchen: Entspannung und schöne Empfindungen.

Die zweite Variante steht für die achtsame Sexualität: Hier bleibt alles entspannt und geschmeidig. Man weiß nicht, welche Berührung als Nächstes kommt, lässt sich treiben, es gibt kein Ziel, einfach nur genießen. Wenn man ganz in seinem Körper ist, kann man ihm die Führung überlassen und wird oft überrascht, welche Berührungsimpulse sich zeigen. Wenn Yoni und Lingam in dieser Art miteinander verbunden sind, fühlt sich irgendwann alles an wie EIN Körper; die Grenzen verschwinden. Die Yoni ist weich, offen und einladend und heißt den Lingam willkommen. Der Lingam ist biegsam und auch in einer Erektion behält er eine gewisse Weichheit und Beweglichkeit. Ich (Christoph) sage gerne: Der Lingam darf (wieder) zu einem Fühlorgan werden.

Es geht nicht darum, eine bestimmte Technik zu erlernen. Viel wichtiger ist die innere Haltung, mit der du dir selbst und deinem Lieblingsmenschen sexuell begegnest. Nicht WAS du tust, sondern WIE du etwas tust, ist entscheidend. Und eigentlich müssen wir gar nicht so viel TUN, wie wir immer glauben. In unserer Gesellschaft herrscht großer Leistungsdruck auf allen Ebenen. Auch die Sexualität ist hiervon nicht ausgeschlossen. Wir suchen nach neuen Reizen und probieren alles Mögliche aus, um den nächsten Kick zu erfahren. Höher, schneller, weiter! Wir merken gar nicht, dass wir uns dadurch immer weiter von unserem Körper entfernen und zunehmend den Kopf steuern lassen. Wenn du Erfahrung mit Meditation hast, dann weißt du, wie schwer es fällt, die Gedanken loszulassen und im Körper anzukommen. Und wie sehr der Kopf darauf aus ist, die Oberhand zu behalten.

In der achtsamen Sexualität schenken wir dem ganzen Körper unsere Aufmerksamkeit. Yoni und Lingam werden nicht zielgerichtet stimuliert, sondern genauso achtsam und absichtslos berührt wie jedes andere Körperteil auch. Die Sinnlichkeit steht im wahrsten Sinne des Wortes im Vordergrund. Mit allen Sinnen das Hier und Jetzt erleben. Und ganz entscheidend ist hier das Eigenerleben. Hand aufs Herz: Wie oft bist du beim Sex mit deinem Lieblingsmenschen und dessen Erleben beschäftigt? Fragst dich, wie du deinen Lieblingsmenschen berühren sollst, damit es für ihn zur gewünschten Erregung führt? Achtsamkeit heißt, bei sich zu bleiben und gerade in der Sexualität den Fokus auf das eigene Erleben zu richten. So paradox es klingt: Je mehr du bei dir bist und dich selbst spüren, deinen Körper und alle seine Sinne auf Empfang stellen kannst, desto mehr wird deine Berührung bei deinem Lieblingsmenschen ankommen. Dazu später noch mehr.

Entspannung spielt eine ebenso große Rolle in der achtsamen Sexualität. Nur in einem entspannten Körper kann die sexuelle Energie ins Fließen kommen und sich ausbreiten. Im Leistungssex hingegen konzentriert sich die Energie meist nur in dem Bereich rund um die Genitalien. Stell dir vor, die Empfindungen, die du von einem Orgasmus kennst, würden durch deinen ganzen Körper fließen. Ohne, dass du gerade einen (herkömmlichen) Orgasmus erlebst…

Die Erregung spielt in der achtsamen Sexualität, genau wie der Orgasmus, keine Hauptrolle. Erregung ist etwas, das sich in der achtsamen Sexualität ganz von allein entfalten darf, der Sinnlichkeit folgend. So oft sind wir in der leistungsorientierten Sexualität damit beschäftigt, möglichst schnell eine hohe Erregung zu erzeugen, die dann bestenfalls in einem Orgasmus gipfelt. Idealerweise auch noch gleichzeitig mit dem Lieblingsmenschen. In der achtsamen Sexualität sind Erregung und Orgasmus jederzeit willkommen, stellen jedoch kein Ziel dar, das es zu erreichen gilt. Auch eine sexuelle Begegnung ohne Orgasmus ist eine wertvolle, intime, verbindende Erfahrung. Wir fühlen das, was da ist und beschäftigen uns nicht damit, uns gegenseitig irgendwohin zu bringen. Oder irgendeine Vorstellung von Sexualität zu bedienen. Diese Annahmen kommen in der Regel aus unseren Konzepten über Sexualität, also aus unserem Kopf. Dort hineingelangt sind sie aus unserem Umfeld, der Gesellschaft und den Medien. In der achtsamen Sexualität ist jede Begegnung neu und anders. Es gibt nichts zu wiederholen oder zu erreichen, sondern immer nur die Schönheit des aktuellen Momentes zu erfassen und zu genießen. Uns persönlich hilft es sehr, die Erregung eher im mittleren Bereich zu halten und immer, wenn wir bemerken, dass sie stark ansteigt, uns wieder etwas abzukühlen. Als bildhaftes Beispiel: Du bist eine Woche in den Bergen und siehst um dich herum einige Gipfelkreuze. Dein auserkorenes Ziel ist es, in dieser Woche möglichst viele davon zu erreichen und abzuhaken. Also gehst du schnellen Schrittes deinem Ziel entgegen, ohne nach links und rechts zu schauen, kommst...



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