E-Book, Deutsch, 124 Seiten
Kraus Das reromantische Manifest
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7519-9019-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine Kulturkritik
E-Book, Deutsch, 124 Seiten
ISBN: 978-3-7519-9019-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Hier wird die Romantik und der Idealismus neu entfacht. Meine Doktorarbeit, die ich mit 20 Jahren ohne Studium schrieb... Es ist meine Wahrheit, meine Weltsicht und der Weg, den ich versuche zu gehen. - Uwe Kraus
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
II. Auch eine romantische Geschichte der
Philosophie zur Bildung der Menschheit
Die Romantik als Hauptbegriff
Die Romantik selbst ist ein System, das nicht nur die Literatur prägte, sondern auch die Politik. Doch diese drei Aspekte genügen immer noch nicht, um romantische Strukturen offenzulegen, denn auch in der Musik, in der Kunst, der Medizin, ja sogar im Liebesleben lässt sich die Romantik erkennen, das System der Magie in voller Blüte. Bisher haben wir in diesem Büchlein nur Grundbegriffe genannt, zum Beispiel: Ästhetik, Irrationalität und Pantheismus. Man hat gesehen, wozu diese nütze sind, wenn aus ihnen allein eine Theorie gebildet wird. Sie sind gut für die Erhaltung des friedvollen Lebens! Aus ihnen allein lässt sich eine Idee verwirklichen, die einen ersten Schritt gegen die antimotivierte Gesellschafft darstellt. Doch dies allein genügt nicht. Es muss eine tiefergehende Beschäftigung mit dem Hauptbegriff der Romantik geschehen!
Im 18. Jahrhundert herrschte vorerst die Rationalität Kants. Das Denken des Menschen bezog sich auf seine Handlungen, seine Vollbringungen, seine Arbeit. „Die Kritik der reinen Vernunft“ und der darauf begründete Aufklärungsgedanke der Bürokraten forderten dies.
Der Ausgang jenes Jahrhunderts jedoch fasziniert durch Irrationales. Der Mensch faszinierte nicht mehr als Handelnder, Arbeitender, sondern man interessierte sich für die Paradoxien, wie ich sie schon zu erklären versucht hatte. Es zählten Empfindungen, nicht mehr Berechenbares, sondern das magisch Unberechenbare war Kern dieser beginnenden Epoche.
Romantik, so wie sie die ersten romantischen Schriftsteller sahen, ist wie eine Operation der Welt zu sehen. Diese Operation bestand aus der Umwandlung der Welt Kants zur Welt des Ofterdingen. Dieser Eingriff ist aus diesem Sprüchlein zu erkennen:
„Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn gebe, dem gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es.“ (Novalis)
Ist dies nicht eine Umwertung der damaligen Werte?
Warum es dazu kam; warum aus Aufklärungsgedanken Irrationales, Romantisches wurde, will ich nun im Folgenden erklären.
Vielleicht fällt uns auch dann die Überwindung des Nihilistischen leichter.
Der Widerspruch im System Kants, zwischen Individualität und Anpassung, führte zu einer Unterdrückung der menschlichen Fähigkeiten.
Die Romantiker versuchten mit dem Ästhetischen, diese Krise zu bewältigen. Diese spaltete sich in ein Soziales, ein Politisches und ein Philosophisches.
Zum Sozialen: Die Lebensverhältnisse verschlechterten sich äußerst, das Leben selbst wurde zum Leiden.
Die Politik veränderte sich zum terrorisierenden Feudalabsolutismus. Das philosophisch-rationale Ideal machte aus den Menschen der damaligen Epoche mehr oder weniger Funktionäre des Systems.
Als Folge jener Krise ersieht man die Rückwendung zum Mittelalter, wie ich sie schon angesprochen habe. Man ersieht ein neues Geschichtsbewusstsein in voller Nostalgie.
Zum anderen erkennt man die Widerlegung des Fortschrittsoptimismus der Aufklärer.
Aufklärung heißt ja, wie angesprochen: Anpassung, sowie Individualität.
Diesen Widerspruch im System Kants, Lessings, Leibniz‘ erkannte Fichte und erkannten die angehenden Romantiker der frühen Jenaer Jahre. Sie stellten praktisch gesehen Ideen gegen die Idee der Anpassung der Gesellschaft auf, denn diese ist eine, die gegen den Selbstverwirklichungstrieb der Romantiker sprach. Die Aufklärung stand sozusagen der romantischen Antiaufklärung im Wege, da die Erkenntnis der romantischen Ideologie darauf aufbaut, nicht nur durch die Gesellschaft zu agieren, sondern durch das künstlerische, schöpferische Ich. Die Folge, die man nun überschauen muss, heißt Selbstverwirklichung des Künstlerischen. Der klassische Künstler steht im Gegensatz zum romantischen Genie. Man ist jetzt kein Moralprediger mehr und will es auch nicht sein; man ist als Romantiker ein Außenseiter der Gesellschaft. Daraus kristallinert sich eine Abwehrung des Philistertums, eine erste moderne Psychologie.
Was folgern wir aus dieser Revolution?
Wenn man nun die Problematik dieser ersten romantischen Revolution sieht, muss man sich doch eingestehen, dass sich die Gesellschaft heute in einer ähnlichen befindet. Wir haben sicher auch eine soziale, bestimmt eine philosophische Krise. Die soziale Krise besteht aber nicht aus Armut, sondern aus Überfluss, der uns träg werden lässt. Die philosophische Krise folgere ich als Antwort auf das Sozial-Dekadente.
Es ist vielleicht zu einfach, dem sozialen Überfluss eine Ästhetik gegenüberzustellen, eine Kunst, die von dem Individuum selbst ausgehen muss. Jeder für sich muss seine Kunst erwecken, jeder muss Künstler werden, um die Idee einer postmodernen Romantik zu vollenden, die die stagnierende Motivation aufhalten kann.
Betrachten wir uns nun Beispiele der ersten romantischen Strömung, die uns vielleicht erklären, was es heißt, Romantiker zu sein. Als Erstes habe ich mir überlegt, Gedichte, Werke Hölderlins zu präsentieren. Dieser war ein Ausnahmegenie, das nicht unbedingt in eine literarische Strömung einzuordnen ist und von seinen Zeitgenossen als unwichtig angesehen wurde. Seine Würdigung erhielt er erst in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Das Erste bietet uns zugleich einen Appell; es ist ein Aufruf an die junge Dichterschar der klassisch-romantischen Zeit. Doch was beachtet werden muss, bei der Betrachtung dieses Meisterstückes, ist die klassisch-dionysische Ader, der es entsprießt. Denn Hölderlin zählt zu mich zu den klassisch romantischen Einflüssen, die zu Beginn der Epoche vorherrschend waren. Wenn wir dieses Werk genau betrachten, kann es auch nützlich sein. Es ist nicht allein ein Appell der damaligen Zeit, nein, es kann ebenfalls ein Appell an uns sein, denn wenn wir Romantiker werden wollen, so müssen wir uns über unseren dichterischen Gedankenfluss aufklären. Wir müssen versuchen, die Welt in Reimen zu sehen, so wie es Hölderlin getan haben mag. Vielleicht wollt ihr auch in eurer Kreativität nicht nur dichterisch denken und handeln, vielleicht wollt ihr zudem das eine oder andere niederschreiben (in ästhetischer Hinsicht). Beachtet dabei dies Gedicht, denn dies zählt von gestern bis heute:
An die jungen Dichter
Lieben Brüder! es reift unsere Kunst vielleicht
Da, dem Jünglinge gleich, lange sie schon gegärt,
Bald zur Stille der Schönheit;
Seid nur fromm, wie der Grieche war.
Liebt die Götter und denkt freundlich der Sterblichen!
Hasst den Rausch, wie den Frost! lehrt und beschreibet nicht!
Wenn der Meister euch ängstigt,
fragt die große Natur um Rat.
Das ist vielleicht eine kleine Anleitung zum dichterischen Denken, handeln und schreiben, wie ich sie nicht besser geben kann. Ich lasse einfach die Magie dieser Zeilen wirken; eventuell wird es euch eine Idee liefern, romantisch die Welt zu erblicken. Es gibt vielleicht eine Illumination, die nützlich wäre. Des Weiteren möchte ich auf ein Gedicht verweisen, das ebenfalls durch die Feder Hölderlins das Licht der Welt erblickte. Es ist ein Lied, welches uns den Geniegedanken der Magier näherbringt:
Hyperions Schicksalslied
Ihr wandelt droben im Licht
Auf weichem Boden, selige Genien!
Glanzende Götterlüfte
Rühren Euch leicht,
Wie die Finger der Künstlerin
Heilige Saiten.
Schicksalslos, wie der schlafende
Säugling, atmen die Himmlischen;
Keusch bewahrt
In bescheidener Knospe,
Blühet ewig
Ihnen der Geist,
Und die seligen Augen
Blicken in stiller
Ewiger Klarheit.
Doch uns ist gegeben,
Auf keiner Stätte zu ruhn,
Es schwinden, es fallen
Die leidenden Menschen
Blindlings von einer
Stunde zur andern,
Wie Wasser von Klippe
Zu Klippe geworfen,
Jahr lang ins Ungewisse hinab.
Um noch eins mehr zu geben, habe ich mich um ein Hölderlinsches Exzerpt bemüht. Dies filtert die Wichtigkeit in voller Klarheit. Es soll von mir, mit Gedanken Hölderlins, eine Frage zur Sprache gebracht werden, denn:
Nun seid ihr dies (nachdem ihr mir soweit gefolgt seid)
Denn, ihr Deutschen, auch ihr seid Tatenarm und Gedankenvoll Dies ist der erste Ansatz des Reimes. Nun denn, sind wir wirklich tatenarm und seit einiger Zeit gedankenvoll?
Wenn wir dies sind, verstehen wir den Spruch in vollem Ausmaße!
Denn, ihr, auch ihr seid
tatenarm und gedankenvoll
Oder kömmt, wie der Strahl aus dem Gewölke kömmt,
Aus Gedanken die Tat?
Leben die Bücher bald?
So fragt...




