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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 232 Seiten
Kraus Positive Leadership Crafting
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-5472-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
bloomingUP Your Business
E-Book, Deutsch, 232 Seiten
ISBN: 978-3-8192-5472-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Manola Kraus, Geschäftsführerin bloomingUP Positive Female Leadership, ist leidenschaftliche Leadership Coach & Mentorin für Positive Leadership sowie Beraterin für positive Organisationsentwicklung & Positive Business. Seit über 30 Jahren richtet sie ihr Hauptaugenmerk auf Menschen, die mit Freude, Sinn und Erfüllung führen (wollen) und auf die Unterstützung einer zukunftsweisenden positiven Leadership-Kultur, um die Arbeit von morgen sinnvoller und erfolgreicher für alle zu gestalten. Als Unternehmensberaterin und Führungskraft in Industrie- und Wirtschaftsunternehmen, war sie für den Aufbau von Personal- und Organisationsentwicklung verantwortlich. Davor als Lehrgangsleitung in Beruflichen Bildungseinrichtungen und in mehreren Einsätzen für Bildungsprojekte in der Entwicklungshilfe in Lateinamerika tätig. Als Autorin entführt sie in ihrem eben erschienenen fachlich fundierten und praxisnahen Buch Positive Leadership Crafting, verwoben mit zutiefst menschlichen Erfahrungen, die Leser*innen auf eine inspirierende Reise zu einem erfüllten Leben mit blühendem Business. Sie ist Dipl. Sozialpädagogin, Personal- und Organisationsentwicklerin, Systemische und Hypnosystemische Coach, Mediatorin (BM) und grad. Counselor Kunst- und Gestaltungstherapie, Zertifizierte Anwenderin / Beraterin für Positive Leadership / Zertifizierte Positive Leadership PERMA-Lead ® Profiler. 2023 erhielt sie den e-Learning Journal Award in der Kategorie Bestes Wissensmanagement. Co-Autorin im Fachbuch Führung und Erfolg, Eigene Potenziale entfalten, Mitarbeiter erfolgreich machen von Karl Kreuser und Thomas Robrecht, 2010, Gabler Verlag Wiesbaden.
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AUS MEINEM LEBEN – KINDHEIT, DRAMA UND ENTWICKLUNG
Ich war noch keine zwei Jahre alt, als eine Fürsorgerin mit mir auf dem Arm vor der Tür eines privaten Kinderheimes in Augsburg stand. Ein Notfall, der sofortiges Handeln erforderte. „Nein, das ginge auf keinen Fall, sie habe nicht die Kapazität, sich auch noch um so ein Kind zu kümmern …“, waren wohl die ersten Worte der Leiterin des Kinderheimes, meiner ersten Heimmutter. Doch irgendetwas habe ich wohl in ihr angerührt, denn ich lebte dann fast zehn Jahre lang in ihrem Kinderheim.
Wie kam es dazu? Ich wurde als uneheliches Kind geboren, als „Mischling“ oder „Bastard“, wie ich es in meiner Kindheit immer wieder hörte.
In meinen Adern floss „schwarzes“ Blut, denn meine Großmutter mütterlicherseits hatte sich mit einem „schwarzen“ Alliierten eingelassen und 1946 meine Mutter zur Welt gebracht, als der Soldat längst zurück in seiner Heimat war. Bereits meine Mutter war also ein uneheliches Kind, eine sichtbare Schande mit ihrer dunklen Haut und dem krausen Haar. So gab man sie bald in ein Heim. Erst als ihre Mutter wieder heiratete, adoptierte sie der neue Stiefvater und die Eltern holten sie aus dem Heim zu sich. Meine Heimmutter erzählte mir damals, dass meine Mutter wohl weiterhin ein leidvolles unglückliches Dasein erlebte und „leider“ genau nach ihrer Mutter kam, denn sie verliebte sich mit achtzehn Jahren in einen Gastarbeiter, meinen Vater. Und die Geschichte wiederholte sich: Eine uneheliche Geburt, ein „Mischling“ und die soziale Ächtung „sich mit so einem eingelassen zu haben“. Ich war nicht geplant, nicht gewollt. Meine Mutter fühlte sich völlig alleingelassen und überfordert, zumal schon dreizehn Monate nach meiner Geburt eine zweite Tochter zur Welt kam, mit noch dunklerer Hautfarbe als ich und „natürlich“ ebenfalls unehelich geboren.
Mein Vater verschwand, als sie bereits mit der zweiten Tochter schwanger war. Angeblich wurde er abgeschoben, weil er sich etwas zuschulden hat kommen lassen, so in einem Brief, den meine Mutter an meine Schwester schrieb. Diese Schwester, die ich erst mit 48 Jahren kennenlernte, hatte es geschafft, unsere Mutter ausfindig zu machen und nach 25 Jahren Suche auch mich, ihre Schwester. Durch sie erfuhr ich, dass wir beide zeitweise in einem Säuglingsheim untergebracht waren. Wer die Heime dieser Zeit kennt, der ahnt, was das für uns bedeutete. Eine Aufbewahrung ohne jede Ansprache, lediglich mit dem Nötigsten versorgt. Meine kleine Schwester wurde mit knapp einem Jahr adoptiert, ich galt als nicht „vermittlungsfähig“.
Mit genau diesem Kind auf den Armen stand wie beschrieben die Fürsorgerin vor der Tür des privaten Kinderheims, das mein Glück sein sollte, und in dem ich doch viel Unglück erlebte.
An die ersten Lebensjahre habe ich keine unmittelbare Erinnerung. Die Geschichten meiner „Ankunft“ und meiner Entwicklung erfuhr ich nur durch meine Heimmutter. Es gibt ein paar wenige Kinderbilder von mir, die ich – aus einem Impuls heraus – mit Anfang vierzig noch aus ihrem Fotoalbum abfotografiert hatte, bevor sie wenige Zeit später 88-jährig verstarb.
Die ersten bewussten Bilder und Erinnerungen an die Zeit im Kinderheim fallen in die Zeit, in der ich der Schule entgegenfieberte. Es ist ja oft so, dass wir das meiste aus unserer frühen Kindheit durch unsere Bezugspersonen erfahren, wenngleich natürlich gerade diese ersten Lebensjahre prägend für unsere Persönlichkeit sind. Wir erfahren von ihnen, was wir als Kind gut konnten, welche Unterschiede es vielleicht zu anderen Kindern gab, welche Sorgen und Probleme wir als Kind bereiteten, vielleicht auch, welche Freuden und welches Geschenk es für die Bezugspersonen bedeutete, dass man auf der Welt war.
Ich erinnere mich, dass ich bereits mit 5 Jahren wusste, dass ich nicht erwünscht war, dass es niemanden gab, der mich mochte oder mich besuchte, und dass ich schlichtweg unzumutbar für meine Umgebung war. Ich wusste mit 6 Jahren, dass ich eine „Negerin“, ein „Mischling“, ein Heimkind war, also anders, nicht gut und nicht hübsch genug, zum Schämen und nicht vorzeigbar.
An was erinnern Sie sich? Was konnten Sie gut als Kind? Wofür wurden Sie gelobt? Wofür vielleicht gestraft? Welches eindrückliche Erleben haben Sie noch heute im Gedächtnis? Was fühlten Sie damals? Und wie fühlt es sich heute an? Hat dieses Erleben (Aus-) Wirkungen auf Ihr weiteres Erleben, Ihre Grundhaltungen, Überzeugungen und Ihre Entscheidungen gehabt?
Ich liebte es, in der Schule zu sein. Ich mochte die Lehrerinnen und ich mochte das Lernen. Ich fühlte mich in der Schule frei und bewegte mich ungezwungener als im Heim. Meine Heimmutter erzählte mir später einmal, dass ich wohl schon in der Grundschule tonangebend war, man mir gerne folgte und ich so etwas wie eine natürliche Autorität ausstrahlte.
Doch auf dem Weg zurück ins Heim, vor allem auf den letzten zweihundert Metern, wurde mir wieder schwer ums Herz. Für eine Zwei in einer Ex gab es kein Verständnis, für eine Drei in Sport gab es Schläge, für ein fehlendes Lob über das Essen gab es Schimpfen. Oft wusste ich gar nicht genau, warum ich in der Ecke stehen musste oder im Flur mit hochgestreckten Armen, für alle anderen Kinder sichtbar. Schläge mit der Bürste auf meine Handrücken, an den Haaren Ziehen, immer wieder Ohrfeigen, Liebesentzug. Ich musste nachts vor dem Bett meiner Heimmutter knien als Strafe für etwas, das ich vielleicht nicht gesagt oder getan hatte, Zeit, in der ich mir den Kopf zermarterte, was ich wohl falsch gemacht oder nicht zum Ausdruck gebracht hatte. Wir Heimkinder reagierten nie zornig, äußerten nie ein Schimpfwort gegenüber der Heimmutter oder schrien sie wütend an. Geweint haben wir allerdings viel.
Als ich acht Jahre alt war, stellte ich mir mögliche Varianten vor, mich umzubringen. Ich stand am Fenster des Schlafsaals, den ich immer sauber machen musste, und überlegte, ob die Entfernung zum Boden ausreichte, um zu sterben. Mit neun Jahren ritzte ich mich und versteckte meine Arminnenseiten unter langen Ärmeln. Ich saß alleine im Spielzimmer, hatte Angst vor der Dunkelheit draußen, vor den Weberknechten, die in meiner Nähe waren. Ich fürchtete mich zu Tode während der Aufenthalte im Keller, wo ich im Kartoffelraum stundenlang die Keimlinge von den Knollen entfernen musste. Ich musste im Keller die Schuhe von allen anderen putzen und durfte erst wieder nach oben kommen, wenn alles so war, dass es den Vorstellungen meiner Heimmutter entsprach. Ich wusch die Socken aller Kinder – eine Arbeit, vor der ich mich sehr ekelte. Ich fühlte mich wie das leibhaftige Aschenputtel, nur dass der Prinz in weiter Ferne war.
Ich las leidenschaftlich gern und ich liebte Märchen. Zum Glück gab es reichlich Lesestoff. Ich bekam immer gute Noten auf meine Aufsätze, wofür ich von meiner Heimmutter tatsächlich gelobt wurde. Schönschrift musste ich jedoch üben, stundenlang, während die anderen schon spielen durften. Leider ist der Erfolg in puncto Schönschrift ausgeblieben …
So betete ich regelmäßig zum lieben Gott (ich war ja katholisch erzogen worden), er möge es doch bitte schöner machen für mich und dafür sorgen, dass ich wegkomme, irgendwohin, wo es mir besser geht.
Wie war das bei Ihnen? Welche glücklichen Momente gab es, an die Sie sich erinnern? Wann haben Sie sich unglücklich gefühlt? Was war da konkret? Gab es Momente oder Zeiten, in denen Sie gerne woanders gewesen wären? Jemand anderes? Augenblicke oder Zeiten, in denen Sie sich aus tiefstem Herzen etwas gewünscht haben?
Unsere Heimmutter hatte den Anspruch, Vorzeigekinder zu haben. Wir sollten gut in der Schule und Vorbilder für die Dorfkinder sein, die Familien im Dorf sollten uns als besondere Kinder wahrnehmen.
Sie selbst hatte außergewöhnliche Talente und Begabungen, ein gutes Gefühl für Schönheit. Wir Heimkinder trugen von ihr geschneiderte Kleider, die nicht selten bei anderen Kindern im Ort Neid hervorriefen.Wir spielten viel Theater.Auch hierfür schneiderte sie alle Kostüme selbst, malte wunderbare Kulissen und war unfassbar kreativ in ihrem Tun. Auch die Kinder von außerhalb durften am Theaterspiel teilhaben und waren stolz, wenn sie eine Rolle bekamen, oft gute Rollen, Hauptrollen. Mir blieben in der Regel die Rollen des alten Mannes, der Bettlerin, des Tieres oder sonstiger Randgestalten.Trotzdem mochte ich die Proben, das Verkleiden und die Möglichkeit, jemand oder etwas Anderes sein zu können. Märchen blieben meine Zuflucht für viele Jahre. Für mich waren sie lebensnotwendig, in ihnen fand ich mich wieder, in ihnen konnte ich träumen und mich in eine bessere Welt versetzen.
In welche Welten sind Sie als Kind abgetaucht? Welche fantastischen Ideen und welche Geschichten haben Sie beflügelt? Wo sind Sie aufgeblüht? Welche Figuren, welche Situationen im Märchen sind Ihnen noch heute gegenwärtig? An wen oder was erinnern Sie sich besonders gut? Wie haben...




