E-Book, Deutsch, 192 Seiten
Krause Projekt101
2. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-2200-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
ein Tech-Thriller
E-Book, Deutsch, 192 Seiten
ISBN: 978-3-6957-2200-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thorsten Krause (Jahrgang 1981) ist Autor, Familienmensch, Rechtsanwalt und KI-Enthusiast. Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in München und Irland, schreibt neben Thrillern auch Fachpublikationen zur KI und trainiert in seiner (spärlichen) verbleibenden Freizeit leidenschaftlich Martial Arts. Aus seiner intensiven Beschäftigung und Begeisterung für Künstliche Intelligenz entstand die Idee zu diesem Buch. Seit jüngster Kindheit will Krause Technik nicht nur anwenden, sondern verstehen und gestalten. Er lernte mit 11 Jahren BASIC und programmierte früh eigene Spiele, Tools und Automatismen und entwickelt bis heute Prototypen für Arbeitsabläufe. Seit 2023 arbeitet er intensiv mit künstlicher Intelligenz. Beruflich ist Krause Rechtsanwalt. Mit seinen Kanzleien unterstützt er Verbraucher unter anderem bei den bekannten "Diesel-Verfahren", Verlusten aus Online-Casino-Spielen sowie Rückforderungen nach Phishing-Betrug. Unternehmen berät er anwaltlich im IT-Recht zu Compliance, Datenschutz und der Einhaltung aktueller KI- und IT-Governance-Vorschriften. Mit seiner Beratungsgesellschaft begleitet er Rechtsanwaltskanzleien und Firmen bei der Einführung von Digitalisierung und KI. Als gefragter Referent, Keynote-Speaker, Impulsgeber und Trainer vermittelt er KI-Kompetenz ohne Technikjargon. Er schreibt seit früher Jugend, zunächst Kurzgeschichten die in der Schülerzeitung veröffentlicht wurden, später auch Reportagen, Berichte und Rezensionen in der örtlichen Lokalzeitung. Neben Projekt101, seinem ersten Tech Thriller hat er auch mit "Die Dunkle Seite der KI" ein Sachbuch über die Gefahren der künstlichen Intelligenz verfasst. Weitere Bücher sind in Vorbereitung.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1:
Vorbereitung
Alex’ Studentenzimmer war ein chaotisches, technisches Wunderland. Kabel, die wie Lianen von den Regalen hingen, stapelten sich neben unablässig flimmernden Monitoren. Das gedämpfte Summen eines 3D-Druckers und der metallische Geruch von Lötzinn erfüllten den Raum. Jede Ecke dieses Zimmers erzählte die Geschichte eines jungen Visionärs, der sein Herzblut in ein Projekt gesteckt hatte, das die Welt verändern sollte. Doch gerade wirkte der Bewohner dieses Zimmers alles andere als ein Genie, mehr wie ein Tier, eingesperrt in einen viel zu kleinen Käfig.
Alex lief in der Enge seines Zimmers rastlos auf und ab und hielt sein Tablet fest umklammert.
„Projekt101 ist eine Revolution“, murmelte er wieder und wieder, als müsse er sich selbst davon überzeugen. „Es ist nicht nur ein weiteres VR-Erlebnis; es ist das ultimative Eintauchen in eine virtuelle Welt, die sich in Echtzeit an die emotionalen und physischen Reaktionen des Nutzers anpasst.“
Mia, seine Freundin, saß auf dem Bett und beobachtete ihn mit einer Mischung aus Neugier und Besorgnis. Sie legte den Kopf leicht schief. Mia war die Ruhe in seinem Sturm, die Stimme der Vernunft, die ihn daran erinnerte, tief durchzuatmen und sich zu konzentrieren. „Alex, du musst darauf achten, klar und verständlich zu sprechen. Erklär ihnen die Technologie so, dass auch jemand ohne technischen Hintergrund sie versteht.“
Alex hielt inne, schaute sie an und lächelte schwach. „Du meinst, nicht in Technobabble zu verfallen?“
„Genau das“, antwortete Mia. Sie stand auf, ging die zwei Schritte durch den Raum und trat hinter ihn. „Erzähl mir noch einmal von der EEG-Funktion und wie sie das Erlebnis anpasst“, sagte sie, während sie ihm sanft die Schultern massierte. Ihre Berührung war beruhigend. Als er sich danach wieder zu ihr umdrehte, begegneten sich ihre Blicke.
Alex schloss kurz die Augen, atmete tief durch und begann erneut. „Das Headset ist nicht nur ein Display, es misst auch die Gehirnströme des Nutzers. Das bedeutet, dass es positive Reaktionen im Gehirn erkennt und das Erlebnis in Echtzeit anpasst. Wenn jemand an seinen Lieblingsort denkt – sagen wir an einen bestimmten Strand – und das System erkennt Freude, dann verstärkt es diese Elemente. Wenn es jedoch Zweifel oder negative Reaktionen wahrnimmt, passt es sich sofort an, um das Erlebnis angenehmer zu gestalten, das Setting ändert sich zum Wald, zu einem Park, es probiert die naheliegendsten Möglichkeiten durch, bis es eine positive Reaktion wahrnimmt. Auf dieser baut es dann weiter auf und verfeinert. Wenn es erkannt hat, dass der User auf den Wald positiv reagiert, testet es die unterschiedlichen Arten von Wäldern – Laubwald, Nadelwald, Urwald und so weiter. Als Nächstes die Jahreszeit, Temperatur, Geräusche, bis es genau den Wald wiedergibt, der der Lieblingsort ist, mit dem der Nutzer die meisten positiven Gedanken verbindet. Das bemerkt der Nutzer gar nicht, denn all diese Reaktionen und Anpassungen gehen schneller als ein Wimpernschlag. Unser Unterbewusstsein reagiert so viel schneller, als wir uns das vorstellen können, und meine Technik auch.“ Alex lächelte Mia siegessicher an.
„Okay, aber woher weiß das System, was es genau tun soll?“, fragte Mia, die genau wusste, welche Antwort folgen würde.
„Das ist ja das Großartige. Die Handhabung ist wirklich kinderleicht. Der User kann sich die Eckdaten für sein Erlebnis vorher definieren. Ganz einfach, indem er dem System sagt, was er erleben will. Da reichen schon minimale Eingaben. ‚Ein Spaziergang an meinem Lieblingsort‘ würde schon ausreichen, damit sich die generative KI an die Arbeit macht und ein tolles Erlebnis generiert. Gleichzeitig gibt es – sofern der User das wünscht und freigegeben hat – auch die Möglichkeit, dass ein Operator von außen das Erlebnis mit beeinflusst. Das ist zum Beispiel für Menschen mit weniger Fantasie oder die sich an die Erlebnisse noch nicht so herantrauen hervorragend geeignet, weil sie sich so begleitet an die Erfahrung heranarbeiten können. Der Operator sieht dabei ein vereinfachtes Erlebnisprotokoll in Textform auf einem Bildschirm. Der Operator kann die Prompts, also die Eingaben, mit denen die KI arbeitet, jederzeit anpassen, natürlich nur, soweit sich diese Anpassung auch mit dem deckt, was der Nutzer gerade auch sehen will. Bei unserem Beispiel mit dem Strandspaziergang könnte ein Operator also z. B. versuchen, Delfine in Strandnähe in die Luft springen zu lassen. Die KI findet dann in Sekundenbruchteilen heraus, ob der Nutzer darauf positiv reagiert und passt das Erlebnis an. Oder eben nicht.“ Alex hatte während seinen Ausführungen wieder angefangen, im Zimmer auf und ab zu tigern. Seine Augen strahlten vor Begeisterung. „Aber natürlich kann der Operator nicht alles mitlesen, was passiert. Er sieht praktisch nur eine Zusammenfassung. All die anderen Daten, welche Vorschläge die KI macht, wie der Nutzer darauf reagiert, das wird dem Operator nicht angezeigt. Zum einen wären das unglaublich viele Informationen, die ein Mensch unmöglich so schnell verarbeiten kann, zum anderen sind diese Daten auch viel zu sensibel, immerhin geht es da um viele unterbewusste Entscheidungen des Nutzers. Diese Daten werden in einem ausführlichen Erlebnisprotokoll direkt im System gespeichert, gut geschützt vor unbefugtem Zugriff. Diese ausführlichen Erlebnisprotokolle werden nur dazu genutzt, das System weiter zu trainieren und zu verbessern.“ Alex atmete tief ein.
Mia nickte anerkennend. „Gut, das ist schon viel besser. Jetzt verkaufe mir den Full-Immersive-Anzug.“
„Der Anzug“, begann Alex und strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, „nutzt elektrische Reize, um haptische Rückmeldungen zu geben. Das heißt, der Nutzer kann Berührungen fühlen, als wären sie echt. Zusammen mit den VR-Handschuhen, die ein feinmaschiges Haptiknetzwerk bieten, und der Seil-Aufhängung, die volle Bewegungsfreiheit ermöglicht, wird der Nutzer vollständig in die virtuelle Welt eintauchen. Geruchssimulatoren und ein System, das Geschmack und Textur simuliert, vervollständigen das Erlebnis.“ Alex’ Worte kamen vor Begeisterung nur so aus seinem Mund geschossen.
„Langsamer, langsamer, du willst sie doch nicht überfordern“, sagte Mia lächelnd. Alex atmete durch und versuchte seine Haltung zu entspannen.
„Und was ist mit der Sicherheit der Erlebnisprotokolle?“, fragte Mia und setzte sich wieder.
„Die Erlebnisprotokolle sind durch ein spezielles Verfahren gesichert, auf das nur ich Zugriff habe. Passwörter und meine Biosignatur sind nötig, um darauf zuzugreifen. Das System lernt und speichert individuelle Nutzererlebnisse, um ein immer besseres Erlebnis zu gewährleisten, aber die Daten sind bestens geschützt“, spulte Alex seinen Text herunter. Er wusste, dass das Thema Sicherheit ein wesentliches Thema der Präsentation sein würde. „Man könnte sagen, ich bin der einzige Schlüssel, um die ausführlichen Erlebnisprotokolle der Nutzer einsehen zu können, sicherer geht praktisch nicht“, ergänzte er unsicher.
Mia seufzte und schüttelte den Kopf. „Alex, du musst selbstbewusster auftreten. Die Investoren müssen sehen, dass du an dein Produkt glaubst.“
„Ich glaube daran“, sagte Alex trotzig. „Es ist meine Vision, meine Zukunft. Ich will, dass Projekt101 den Menschen das bestmögliche VR-Erlebnis bietet. Aber … was ist, wenn sie es nicht verstehen? Was, wenn sie es nicht finanzieren wollen?“
„Sie werden es verstehen“, sagte Mia sanft und legte ihre Hand auf seinen Arm. „Du bist brillant, und dein Projekt ist revolutionär. Zeig ihnen das. Lass sie spüren, wie sehr du daran glaubst.“
Alex nickte langsam und lächelte. „Danke, Mia. Ich weiß nicht, was ich ohne dich tun würde.“
„Du würdest immer noch durch dieses Zimmer laufen und mit dir selbst reden“, antwortete sie lachend. „Komm schon, lass uns noch einmal von vorne anfangen, die Präsentation muss wirklich perfekt sein.“
Während Mia sich wieder auf das Bett setzte und Alex sich räusperte, um die Präsentation zum x-ten Mal an diesem Abend durchzuspielen, schweiften seine Gedanken für einen Moment ab. Er erinnerte sich an den Tag, an dem die Idee zu Projekt101 geboren wurde. Es war ein regnerischer Nachmittag, und er hatte sich in der Bibliothek der Universität vergraben, verzweifelt auf der Suche nach einer bahnbrechenden Idee für seine Abschlussarbeit. Na gut, nach irgendeiner Idee, so bahnbrechend musste sie gar nicht sein …
Er war auf ein inzwischen schon als „alt“ zu bezeichnendes Buch über neuronale Netzwerke gestoßen und hatte Stunden damit verbracht, die Seiten zu studieren. Die Idee eines Systems, das aus Erfahrungen lernt und sich an diese anpasst, hatte ihn damals sofort zutiefst fasziniert. Was, wenn man diese Technologie auf virtuelle Realität anwenden könnte? Was, wenn man ein System schaffen könnte, das in Millisekunden lernen kann, was der Nutzer will, und die...




