Krause | Staller und der Feuerteufel | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 348 Seiten

Krause Staller und der Feuerteufel

Mike Stallers zehnter Fall
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-347-42121-9
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Mike Stallers zehnter Fall

E-Book, Deutsch, 348 Seiten

ISBN: 978-3-347-42121-9
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Gästehaus von Olaf Henning brennt. Die Feuerwehr findet die Leiche von Maria, dem Au-pair-Mädchen der Familie, im Bett. Unfall, Selbstmord oder Mord? Die Todesursache ist unklar. Schwierige Ermittlungen für Kommissar Bombach. Und das ist nur der Beginn einer Serie von Brandstiftungen, alle im Zusammenhang mit den Hennings. Polizeireporter Mike Staller und seine Kollegin Isa untersuchen die Vergangenheit der Familie. Dabei stoßen sie auf zwei Tote - im Auto verbrannt - und Olafs Vater, schwerverletzt in den Flammen seines brennenden Hauses. Zufall? Oder ein grauenvolles Familiendrama? Der Vater, Willy Henning, könnte viele offene Fragen beantworten, aber er ist dement und erkennt oft nicht einmal seine nächsten Verwandten. Die einzige Spur für Kommissar Bombach: Maria war schwanger. Der Vater des Kindes könnte ein Motiv haben - aber er ist unbekannt. War es ein unglücklich verlaufener One-Night-Stand? Oder gar Olaf Henning? Welche Rolle spielt Cousin Olli Henning, der Altenpfleger, der sich rührend um Willy kümmert? Mike Staller hat Urlaub, den er in seinem Wochenendhaus in der Heide verbringt. Auch dort kommt es zu einer Brandserie und die Dorfjugend bittet den erfahrenen Polizeireporter um Hilfe. Das führt zu den kuriosesten Erlebnissen, die nur in der dünnbesiedelten Einsamkeit Norddeutschlands vorstellbar sind. Hin- und hergerissen zwischen den Herausforderungen eines großen Falls, der sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt, und den halb kriminellen Manipulationen bauernschlauer Landbewohner, löst der findige Reporter schließlich beide Rätsel auf. Wieder ein spannender Kriminalfall, bei dem auch die humorvolle Auseinandersetzung zwischen den beiden Hauptpersonen nicht zu kurz kommt.

Chris Krause, geboren und aufgewachsen in Hamburg, ist bekannt als Fernsehjournalist und Autor vieler erfolgreicher Sendungen wie "Schillerstraße" und "Genial daneben". Zu Beginn seiner Laufbahn arbeitete er mehrere Jahre als Polizeireporter für RTL und andere Sender. Dabei sammelte er Erfahrungen bei unzähligen Kriminalfällen im In- und Ausland. Aus diesen vielfältigen Erlebnissen entstanden die beiden Protagonisten, die nun bereits den zehnten Fall der "Staller"-Reihe lösen. Krauses unbändiger Drang spannende Geschichten zu erzählen fesselt seine Leser bis zur letzten Seite. Der Hamburger Polizeireporter Mike Staller und Kommissar Bombach verleihen mit ihrer humorvollen Interaktion auch bedrückenden Fällen stets eine leichte, unterhaltsame Note mit jeder Menge Lokalkolorit. Mit seinem Debütroman "Staller und der Schwarze Kreis" drang Krause 2012 beim Wettbewerb um den besten Roman Norddeutschlands unter vielen hundert Einsendungen gleich auf einen der vordersten Plätze vor. 2017 kam der Band "Staller und der unheimliche Fremde" auf die Shortlist zum Leserpreis Krimi beim größten deutschsprachigen Buchportal LovelyBooks.
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* * *

„Danke, dass du gleich gekommen bist, Mark!“

Olaf Henning lehnte sich in seinem lederbezogenen Chefsessel zurück und deutete einladend auf den Besucherstuhl vor seinem Schreibtisch.

„Was gibt es denn?“

Mark Achterndiek war ein hochgewachsener Mann mit scharf geschnittenen Gesichtszügen und frühzeitig ergrauenden Haaren, die ihm im Zusammenspiel mit seinem makellosen Anzug einen äußerst seriösen Anstrich verliehen. Rein äußerlich konnte man ihn in die Riege gehobener Manager oder vielleicht im Vorstand einer Bank einordnen. Er war der kompetenteste Mitarbeiter von Henning und diesem fachlich sogar voraus. Er hatte das Wirtschaftsprüferexamen bestanden, während Henning lediglich – und auch das erst im zweiten Anlauf – die Steuerberaterprüfung abgelegt hatte. Trotzdem war Achterndiek nur angestellt. Allerdings hegte er schon längere Zeit die Hoffnung auf eine Teilhaberschaft an der Kanzlei.

„Ich werde ein wenig kürzertreten müssen in nächster Zeit. Es gibt ein Problem.“

Falls der Mitarbeiter überrascht war, ließ er es sich nicht anmerken, sondern fragte mitleidig: „Ein gesundheitliches Problem? Hast du was mit dem Herzen?“

„Nein, danke, mir geht es gut.“ Henning fuhr sich mit der Hand über die Freifläche oberhalb seiner Stirn und brachte so die angrenzenden Haare in Unordnung. „Am Wochenende gab es einen Brandanschlag auf unser Haus. Dabei ist unser Au-pair gestorben.“

„Ach du liebe Güte! Weiß man, wer das getan hat?“

„Die Polizei tappt völlig im Dunkeln. So schaut es jedenfalls aus. Es ist mitten in der Nacht passiert, ich war nicht zu Hause und Mareike hat geschlafen. Niemand hat etwas gesehen oder gehört.“

„Das muss schrecklich für euch sein. Kann ich irgendetwas tun?“

„Das könntest du tatsächlich. Zum einen werde ich in der nächsten Zeit meine Frau etwas mehr unterstützen müssen als vorher. Vielleicht kannst du mir ein paar Termine abnehmen.“

„Natürlich. Also, wenn ich nicht gerade selbst belegt bin.“

In seiner Funktion als Wirtschaftsprüfer war Achterndiek häufig außer Haus bei Mandanten beschäftigt.

„Klar. Und dann wäre da noch eine zweite Sache.“ Henning zögerte.

„Und die wäre? Schieß los!“

„Ich habe mir eine Menge Gedanken gemacht über die möglichen Hintergründe einer solchen Tat. Da ist unser Nachbar, der den Bau nicht wollte, irgendwelche Spinner, die möglicherweise was gegen Maria hatten, aber es gibt auch noch eine dritte Möglichkeit, die ich nicht ausschließen kann.“

„Meinst du einen Zusammenhang mit dem Job?“

„Wäre doch nicht ausgeschlossen, oder?“

„Hast du da eine konkrete Idee?“

„Bisher nicht. Aber ich werde weiter intensiv darüber nachdenken, ob einer unserer Mandanten dahinterstecken könnte.“

„Ich bin mir sicher, dass nicht jeder, für den wir arbeiten, eine so weiße Weste hat, wie er vorgibt. Aber ein Brandanschlag? Das klingt ja nach Mafiamethoden. Ist das nicht ein bisschen heftig?“

Achterndiek legte den Kopf schräg und schaute seinen Brötchengeber fragend an, während er ein unsichtbares Stäubchen von der messerscharfen Bügelfalte seiner Anzughose strich.

„Irgendwer hat es getan. Es war das Nebengebäude, in dem mein Arbeitszimmer liegt. Eine ganze Menge Akten ist dabei unbrauchbar geworden. Ob das jemandem einen Vorteil bringt? Ich weiß es nicht, aber ich möchte es auch nicht ausschließen. Gleiches gilt für die Firmen, bei denen du prüfst. Gibt es jemanden, dem vielleicht dein Gutachten sehr missfallen hat?“

„Verstehe. Im Moment fällt mir niemand ein, aber ich werde mal drüber nachdenken.“

„Mehr verlange ich auch gar nicht von dir. Wegen der Termine schicke ich dir eine Nachricht. Wenn du dann prüfen könntest, welche du mir abnehmen kannst …“

Achterndiek stand auf und zog unwillkürlich seine Hosenbeine glatt.

„Selbstverständlich, ich sehe, was ich tun kann. Wir bekommen das schon hin. Kümmere du dich in erster Linie um deine Familie. Kommen deine Frau und die Kids damit einigermaßen klar?“

„Mareike ist tougher, als man denkt. Und die Kinder sind noch jung. Wahrscheinlich haben sie das Thema in zwei Wochen vergessen.“ Henning schob seinen Schreibtischstuhl zurück und stand auf. „Ich muss es meinem Vater sagen. Nicht dass ich glaube, dass er es mitbekommt. Aber formal ist es ja noch sein Haus. Danke, Mark! Und wenn der ganze Mist vorbei ist, dann reden wir mal über die Teilhaberschaft.“

„Das würde mich sehr freuen. Bis dann!“

Henning wartete, bis sich die Tür hinter seinem Mitarbeiter geschlossen hatte, und drückte dann auf den Knopf der Sprechanlage, die ihn mit seiner Sekretärin verband.

„Ich fahre mal für ein gutes Stündchen weg. In ganz dringenden Fällen bin ich auf dem Handy zu erreichen, ansonsten übernimmt Mark, ja?“

Der Montagmorgen bot im Wochenvergleich für die Bewohner der Seniorenresidenz „Alte Eichen“ am wenigsten Abwechslung. Das lag daran, dass auf diesen Termin viele Teamsitzungen gelegt wurden, in denen Therapeuten und Pfleger sich austauschten und die neue Woche planten.

Willy Henning bekam davon wenig mit. Er war nach dem Frühstück zurück in sein Zimmer gefahren worden und saß nun mit dem Gesicht zur Balkontür, die wegen der angenehmen Temperaturen geöffnet war. Hier aus dem ersten Stock konnte man weit über das parkähnliche Grundstück schauen und sah im Hintergrund sogar den Ententeich. Der Blick hinaus in die Natur schien dem alten Mann im Rollstuhl als Beschäftigung zu genügen, denn er machte ein durchaus zufriedenes Gesicht. Dazu trug der lebhafte Verkehr kleiner Singvögel bei, die ein Vogelhäuschen auf dem Balkon mit großem Eifer frequentierten. Selbst im Sommer wurde die Futtergabe von ihnen dankbar angenommen. Eine Notwendigkeit im Sinne des Naturschutzes bestand ganz sicher nicht, aber der therapeutische Nutzen für den Bewohner des Zimmers überwog.

„Hä, hä“, machte Willy und seine Augen verrieten, dass dies ein Ausdruck der Freude war. Gerade hatte ein frecher Spatz eine Kohlmeise im Futterhäuschen praktisch umgeflogen, woraufhin diese empört zeternd das Weite suchte.

Die Tür zum Zimmer wurde ohne Anklopfen aufgerissen und Olaf Henning stürmte in den Raum. Beim Anblick seines Vaters beziehungsweise besser dessen Rückens holte er genervt Luft. Den ganzen Tag am Fenster sitzen und in die Botanik starren – was war das nur für ein Leben? Für sich selber hoffte er sehr, dass er den Löffel abgeben würde, bevor er derart weich in der Birne werden konnte.

„Vater, ich bin’s, Olaf!“

Keine Reaktion.

„Vater, wir müssen reden!“

Wieder nichts. Seufzend setzte sich Olaf in Bewegung. Natürlich war ihm lange klar, dass er statt eines Gesprächs mit Willy erfolgreicher eine Parkuhr volllabern konnte, aber zumindest eine Kopfbewegung durfte man doch erwarten, wenn der Sohn in seiner knapp bemessenen Zeit zu einem außerplanmäßigen Besuch erschien. Offenbar ging es zügig bergab mit dem Mann. Ein baldiges Ende wäre bestimmt eine Erlösung.

„Hörst du mich?“

Jetzt beugte er sich von hinten über den Rollstuhl und schaute dem alten Mann von der Seite ins Gesicht. Die Reaktion fiel bemerkenswert dürftig aus. Ein schneller Seitenblick, dann schaute Willy wieder in den Garten.

„Schau mich mal an, ich habe dir etwas zu sagen!“ Mit diesen Worten drehte er den Rollstuhl herum, um seinen Vater besser sehen zu können. Jetzt gab es eine Reaktion, allerdings keine, die gewünscht war.

„Nein“, begehrte Willy deutlich auf. „Garten!“ Gleichzeitig versuchte er sich im Stuhl zu drehen, um seine alte Blickrichtung wieder einzunehmen.

„Ist ja gut, alter Dickkopf“, brummte der Sohn und verschob den Rollstuhl erneut. Diesmal stand er etwas weiter von der Balkontür entfernt, damit Olaf sich einen Besucherstuhl heranziehen und schräg neben seinem Vater Platz nehmen konnte. Willy schien das zu akzeptieren, kümmerte sich jedoch nicht um seinen Besucher.

„Ich weiß, dass du wahrscheinlich wieder kein Wort von dem mitbekommst, was ich sage, aber ich versuche es trotzdem, okay?“ Er wartete gar nicht erst eine Antwort ab. „Am Wochenende ist etwas mit dem Haus passiert. Ein Brandanschlag. Jemand hat Feuer an das Nebengebäude gelegt.“

Für einen Augenblick schwenkte der Blick des Alten zur Seite und streifte den Sohn.

„Feuer?“

„Du hast ja doch noch ein bisschen Grütze im Kopf. Ja, Feuer! Es hat...



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