Vorbemerkungen
Formen japanischer Gedichte
Zu einzelnen beibehaltenen Bezeichnungen japanischer Besonderheiten ist zu bemerken:
Senryu sind Spottverse oder aus einer augenblicklichen Stimmung herausgeborene Stegreifdichtungen, die ganz nach der Art von unseren Schnadahüpfeln von dichterisch veranlagten Volksgenossen gedichtet werden. Ein bestimmtes Versmaß kennen diese Senryu nicht, sie sind auch nicht gereimt.
Dodoitsu sind volkstümliche Liedchen von einer besonderen Form, deren Erfinder ein Samisenspieler namens Dodoitsu-bo-Senka aus Mito ist. Ein Dodoitsu soll im neunten Tempo-Jahr (1838 u.Z.) zuerst gesungen worden sein, aber nach dem »Ume-Goyomi«, dem Pflaumenkalender, der von Tamenaga Shunsui verfaßt ist, wurde das Dodoitsu zum erstenmal im vierten Tempo-Jahr (1833 u.Z.) gehört.
Ein Kyoka (Fujisawa: Kioka) ist ein kurzes humoristisches Gedicht, wörtlich »Tollgedicht«, gewöhnlich ein Fünfzeiler, während das Kyoku, wörtlich »Tollverse«, gewöhnlich ein Dreizeiler ist.
Ein Haikai, auch Haiku oder Hokku, ist ein Gedicht, das immer aus drei Zeilen von im ganzen siebzehn Silben besteht. Diese Sonderbarkeit beruht auf einer geschichtlichen Entwicklung, auf die einzugehen hier zu weit führen würde. Es sei nur darauf hingewiesen, daß die japanische Dichtung weder auf Reim noch auf Kürze oder Länge der Silben beruht, sondern nur auf dem Wohllaut der einfachsten Silben. –
Das japanische Geld.
An die Angaben, die wir im folgenden bringen, darf man den Maßstab der heutigen Verhältnisse in keiner Hinsicht anlegen, denn das Leben im alten Japan war so ungemein billig, daß es uns fast märchenhaft vorkommt. Wir können es kaum begreifen, daß der kleinste Münzwert, das Mon, die kleinste von den ehemals im Umlauf befindlichen durchlochten Münzen, nach dem heutigen Geld genau 0,021 Pf. war, also 1/50 Pf. Als Rechnungseinheiten sind die Namen der nicht mehr im Umlauf befindlichen Münzen heute noch im Gebrauch, denn heute ist 1/2 Sen = 1 Pf. die kleinste Münze.
| 1 Yen | = | 100 Sen | = | 1000 Rin | = | 2,10 RM. |
| 1 Kwan | = | 10 Sen | = | 1000 Mon | = | 21 Pf. |
| 1 Yen | = | 1 Ryö | = | 4 Bu | = | 2,10 RM |
Es ist also 1 Sen = 2,1 Pf.; 1 Rin = 0,21 Pf.; 1 Mon = 0,021 Pf. Wir haben im folgenden das Mon als Heller wiedergegeben, um auf den geringen Wert der Münze hinzuweisen.
Japanische Zeitrechnung und Zeitbestimmung.
Eine allgemein anerkannte Einteilung der japanischen Geschichte gibt es nicht. Man rechnet gewöhnlich das japanische Altertum bis 1184 u. Z. Mit diesem Jahr, in dem das Shogunat, die weltliche Herrschaft, in der Familie Minamoto erblich wurde, beginnt das japanische Mittelalter, das erst 1867 mit der Übernahme der weltlichen Herrschaft durch den Kaiser endet. Bis dahin hatte sich die Familie Minamoto oder Zweiglinien derselben im Shogunat behauptet. Man unterscheidet in dieser Zeit: von 1184 – 1335 u. Z. die Herrschaft der Familie Minamoto mit der Hauptstadt Kamakura, daher die Kamakurazeit genannt; von 1335 – 1573 die Herrschaft der Familie Ashikaga mit der Hauptstadt Kyoto, die Ashikagazeit, und von 1573 – 1867 die Herrschaft der Familie Tokugawa mit der Hauptstadt Yedo, die Yedo-Zeit oder Tokugawa-Zeit; der Kaiser blieb als eine Art geistliches Oberhaupt in Kyoto. Im Jahre 1867 übernahm der Mikado die weltliche Macht wieder und Yedo wurde in Tokyo umbenannt. Damit begann die Meiji-Ära, die neue Zeit.
Um einzelne Jahre der Geschichte zu bestimmen, hat man ein umständliches System von Perioden, d. h. von den Herrschern für ihre Zeit willkürlich benannten Zeitabschnitten. Wir bringen im folgenden die für uns in Betracht kommenden Perioden, in der Reihenfolge nach dem Abc und nach den Jahren unserer Zeitrechnung. Bei Festlegung eines bestimmten Jahres ist zu beachten, daß das erste Jahr eines Zeitabschnittes immer mitgerechnet werden muß, so ist z. B. das sechste Bunsei-Jahr (1818–1829 u. Z.) das Jahr 1823.
Die Zeitabschnitte nach dem Abc, die Schreibweise Inouye's, in Klammern diejenige Satows.
| Anei (Anyei) | 1772–1780 | | Keio (Keiwo) | 1865–1867 |
| Ansei | 1854–1859 | | Kencho | 1249–1255 |
| Bunka | 1804–1817 | | Koan | 1278–1287 |
| Bunkyu | 1861–1863 | | Kot chot | 1261–1263 |
| Bunsei | 1818–1829 | | Koka (Kokwa) | 1844–1847 |
| Daiho | 701–703 | | Kyoho | 1716–1735 |
| Eikan (Eikwan) | 983–984 | | Kyowa | 1801–1803 |
| Engen | 1336–1339 | | Manen | 1860 |
| Enpo (Empo) | 1673–1680 | | Manji | 1658–1660 |
| Genroku | 1688–1703 | | Meiji | 1868–1911 |
| Genwa | 1615–1623 | | Meiwa | 1764–1771 |
| Hoei (Hoyei) | 1704–1710 | | Shotoku | 1711–1715 |
| Horeki | 1751–1763 | | Taisho | 1912–1927 |
| Jingokehm(Shingokeiun) | 767–769 | | Teikyo | 1684–1687 |
| Kaei (Kwaei) | 1848–1853 | | Tenmei (Temmei) | 1781–1788 |
| Kanbun (Kwanbun) | 1661–1672 | | Tenmon (Temmon) | 1532–1554 |
| Kanei (Kwanyei) | 1624–1643 | | Tenpo (Tempo) | 1830–1843 |
| Kanen | 1748–1750 | | Tensho | 1573–1591 |
| Kansei | 1789–1800 | | Tenwa (Tenna) | 1681-1683 |
| Keian | 1648–1651 | | Wado | 708–714 |
| Keicho | 1596–1614 | | Yoro | 717–723 |
Die Zeitabschnitte (Nengos) seit...