Liebe Besucherinnen und Besucher,
aufgrund unseres Sommerfestes sind wir am 03. September 2026 bis 14 Uhr erreichbar. Am 04. September 2026 sind wir wieder wie gewohnt für Sie da. Vielen Dank für Ihr Verständnis.
Ihr Team von Sack Fachmedien
Kreisler / Hellsberg / Rathkolb Trotz des Tosens der Kanone
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-99200-136-1
Verlag: Braumüller Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Frontbericht eines Virtuosen
E-Book, Deutsch, 136 Seiten
ISBN: 978-3-99200-136-1
Verlag: Braumüller Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Fritz Kreisler, am 2. Februar 1875 in Wien geboren, war ein österreichischer Violinist und Komponist. Bereits mit 4 Jahren erster Violinunterricht bei seinem Vater, dem jüdischen Arzt Samuel Kreisler, der auch Sigmund Freud behandelte. 1882 mit 7 Jahren als jüngstes Wunderkind Aufnahme in das Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. 1885 bis 1887 Studium am Pariser Konservatorium. 1898 Konzert mit den Wiener Philharmonikern. 1899 Konzert mit den Berliner Philharmonikern. 1904 Verleihung der Gold Medal der Royal Philharmonic Society in London. Kreislers Charakterstücke für Violine und Klavier (besonders die Alt-Wiener Tanzweisen Liebesfreud, Liebesleid, Schön Rosmarin, Tambourin Chinois, Caprice Viennois etc.), die sich an alten Formen und Stilen orientieren, erlangten hohen Bekanntheitsgrad. Er starb am 29. Januar 1962 in New York.
Weitere Infos & Material
FRITZ KREISLER – KÜNSTLER UND HUMANIST
VON CLEMENS HELLSBERG
Fritz Kreisler ist in mehrfacher Hinsicht eine zeitlose Erscheinung: Er gilt vielen als größter Geiger aller Zeiten, ist als Komponist bezaubernder Violinwerke („Liebesfreud“, „Liebesleid“, „Schön Rosmarin“, „Tambourin Chinois“, „Caprice Viennois“, „Kleiner Wiener Marsch“ etc.) im Konzertrepertoire präsent und wird aufgrund seines philanthropischen Engagements als Leuchtturm der Humanität verehrt. Die nun erstmals in deutscher Übersetzung vorliegende Schilderung seiner Kriegserlebnisse erschließt eine zusätzliche Seite dieses einzigartigen Künstlers: Kreisler offenbart sich als Erzähler, der seine Leserinnen und Leser in gleichem Maße in den Bann zieht wie einst das Konzertpublikum. Und obwohl von erstaunlicher Klarheit und Objektivität, vermittelt selbst seine ungeschönte Darstellung des Krieges unerschütterlichen Glauben an den Sieg der Menschlichkeit.
Fritz Kreislers Ausbildungsweg verband eine Verankerung in Wiens Musiktradition mit Internationalität auf höchstem Niveau: Aufgrund seines herausragenden Talents wurde er bereits im Alter von sieben Jahren in das Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien aufgenommen, obwohl dies laut den Statuten dieses Vorläuferinstituts der nachmaligen Wiener Musikakademie bzw. der heutigen Musikuniversität nicht möglich war (es sollte übrigens rund 70 Jahre dauern, ehe dieser „Rekord“ am 19. September 1952 durch den zum Zeitpunkt seiner Inskription fünfjährigen Rudolf Buchbinder unterboten wurde). Sein Violinlehrer entstammte „der“ Wiener Musikerfamilie schlechthin: Joseph Hellmesberger jun. (1855–1907), Konzertmeister und Abonnementdirigent der Wiener Philharmoniker sowie erfolgreicher Komponist von Operetten und Tanzmusik, war der Sohn von Joseph Hellmesberger sen. (1828–1893), dem Konzertmeister der Hofoper und der Wiener Philharmoniker, Direktor des Konservatoriums und führenden Quartettspieler seiner Zeit, sowie der Enkel von Georg Hellmesberger sen. (1800–1873), dem ersten Konzertmeister der Wiener Philharmoniker und Professor am Konservatorium, zu dessen Schülern etwa Joseph Joachim (1831–1907) und Leopold Auer (1845–1930), der bedeutendste russische Violinpädagoge, gezählt hatten. Ergänzt wurde die Ausbildung durch einen Theorielehrer, der ebenso an Prominenz nicht zu überbieten war – Anton Bruckner unterrichtete von 1868 bis 1891 am Konservatorium Harmonielehre, Kontrapunkt und Orgelspiel.
Nachdem Kreisler 1885 mit der Goldenen Medaille des Konservatoriums der Gesellschaft der Musikfreunde ausgezeichnet worden war, setzte er seine Ausbildung am Conservatoire National de Musique in Paris auf ebenfalls höchstem Niveau fort: Er erhielt Unterricht bei Lambert-Joseph Massart (1811–1892), dem aus Belgien stammenden Lehrer von „Allzeitgrößen“ wie Henryk Wieniawski (1835–1880) oder Pablo de Sarasate (1844–1908), und ergänzte die musiktheoretische Ausbildung bei Léo Delibes (1836–1891), dem Komponisten der Ballette „Coppélia“ und „Sylvia“ bzw. der Oper „Lakmé“. Auch in Paris reüssierte Kreisler glänzend und schloss sein Studium schon zwei Jahre später mit dem „Premier Grand Prix“, der höchsten Auszeichnung des Conservatoires, ab. Nach einer Amerika-Tournee (1888/89) mit dem Pianisten Moriz Rosenthal (1862–1946) gab er allerdings, diversen Lebensbeschreibungen zufolge, das Violinstudium weitgehend auf, um sich erst nach Ableistung des Militärdienstes (1895/96) wieder seinem Instrument zu widmen.
Im Zusammenhang mit dieser Unterbrechung erhält ein bisher unveröffentlichter Brief an die Wiener Philharmoniker besondere Bedeutung, wirft er doch ein neues Licht auf Kreislers Selbstverständnis als Geiger während jener Zeit. Am 5. Oktober 1891 schrieb der sechzehnjährige Künstler an das Komitee, also den Verwaltungsausschuss der 1842 von Otto Nicolai (1810–1849) gegründeten, unabhängigen und sich bis heute auf demokratischer Basis selbstverwaltenden Musikervereinigung:
.
Davon abgesehen, dass Kreisler sich interessanterweise nicht auf seinen früheren Lehrer Joseph Hellmesberger jun. berief, sondern auf Jakob Grün (1837–1916), der von 1868 bis 1897 Konzertmeister der Hofoper und der Philharmoniker war, lässt das durchaus selbstbewusste Ansuchen keinen Schluss auf Zweifel hinsichtlich seiner Berufung zu: Die Ambition, als Solist mit den Philharmonikern aufzutreten, deutet ebenso wenig auf eine Abkehr vom Musikerberuf wie die Tatsache, dass er sich mit dem zeitgenössischen Schaffen auseinandersetzte – das dritte Violinkonzert in d-Moll von Max Bruch (1838–1920), welches allerdings (wie das zweite sowie viele weitere Werke des Meisters) nie die Popularität des ersten Konzerts in g-Moll erreichte, war in diesem Jahr von Joseph Joachim uraufgeführt worden.
Die direkten Kontakte Kreislers mit dem Hofopernorchester bzw. den Philharmonikern erfolgten unter grundverschiedenen Vorzeichen: Zunächst hatte er ein Orchesterprobespiel nicht bestanden. „Er kann nicht vom Blatt lesen“, hatte das Urteil von Konzertmeister Arnold Rosé (1863–1946) gelautet, hinter dem sich vermutlich Eifersucht ebenso verbarg wie Unverständnis gegenüber allem, was als „Bruch der Tradition“2 betrachtet wurde. Vor allem das durchgehende Vibrato, das schon bei der Amerika-Tournee kritisiert worden war, signalisierte eine Wende im Violinspiel, die sich naturgemäß nur schrittweise vollzog. Das Komitee sowie Hans Richter (1843–1916), der damalige Abonnementdirigent (alle Philharmonischen Abonnementkonzerte wurden von einem jeweils auf Dauer einer Saison gewählten Künstler geleitet – eine Funktion, die Richter mit einjähriger Unterbrechung von 1875 bis 1898 innehatte), zogen offenkundig andere Konsequenzen: Sie luden Fritz Kreisler ein, im Abonnementkonzert vom 23. Jänner 1898 das (ebenfalls in d-Moll stehende) zweite Violinkonzert von Max Bruch aufzuführen.
Kreislers internationale Verpflichtungen, der Erste Weltkrieg sowie die Verlegung seines Wohnsitzes in die Vereinigten Staaten und ab 1924 nach Berlin behinderten eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmonikern, obwohl das Verhältnis sehr freundschaftlich blieb, wie folgender Brief an den Fagottisten und nachmaligen Vorstand Hugo Burghauser (1896–1982) beweist:
In der Folge kam es nur noch zweimal zu einer Zusammenarbeit der Philharmoniker mit Wiens größtem Geiger – am 1. März 1935 spielte er Konzerte von Wolfgang Amadeus Mozart (D-Dur KV 218), Johannes Brahms und Felix Mendelssohn Bartholdy (e-Moll op. 64), und am 27. April 1937 standen Werke von Johann Sebastian Bach, Giovanni Battista Viotti, Robert Schumann und „Konzertstück“, der erste Satz von Nicolò Paganinis Violinkonzert in D-Dur op. 6, für den Kreisler einen völlig neuen, harmonisch und klanglich raffinierten Orchesterpart schrieb, auf dem Programm. Danach verhinderte die nationalsozialistische Diktatur jedes weitere Auftreten in Wien und bewog Kreisler, zunächst die französische und schließlich die amerikanische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Nach einem schweren Autounfall, den er 1941 erlitt, schränkte er seine Konzerttätigkeit ein und kehrte auch nach deren Beendigung nie mehr nach Europa zurück. Der letzte nachweisliche Kontakt mit den Wiener Philharmonikern ist ein schriftlicher Dank für die Gratulation zu seinem 80. Geburtstag.4
Es stellt für einen Geiger der Wiener Philharmoniker ein zutiefst emotionales Ereignis dar, gemeinsam mit...




