Kröner-Herwig | Rückenschmerz | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band Band 10, 100 Seiten

Reihe: Fortschritte der Psychotherapie

Kröner-Herwig Rückenschmerz


1. Auflage 2000
ISBN: 978-3-8409-1151-4
Verlag: Hogrefe Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

E-Book, Deutsch, Band Band 10, 100 Seiten

Reihe: Fortschritte der Psychotherapie

ISBN: 978-3-8409-1151-4
Verlag: Hogrefe Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Rückenschmerz ist heute einer der häufigsten Gründe für Arbeitsunfähigkeit, die dadurch entsehenden Kosten für das Sozialsystem sind kaum noch tragbar. Nach Meinung von Experten greift eine rein biologisch-medizinische Behandlung von chronischen Rückenschmerzen zu kurz bzw. fördert diese die Chronifizierung. Psychologische Verfahren, insbesondere kognitiv-behaviorale Methoden werden mit Erfolg im Rahmen interdisziplinärer Behandlungen eingesetzt.

In diesem Band werden typische Ziele und Methoden der psychologischen Schmerztherapie ausführlich dargestellt. Dabei wird auch auf die besonderen Anforderungen bei der Behandlung eingegangen, die sich aus der Rolle des Rückenschmerzpatienten als "somatisch" Kranken sowie der notwendigen Kooperation mit Schmerzmedizinern ergeben. Darüber hinaus bietet der Band einen Überblick über die wichtigsten diagnostischen Verfahren sowie eine Anleitung für eine Schmerzanamnese. Dabei wird auch auf die Probleme medizinischer Diagnostik eingegangen.

Insgesamt wird aufgrund des dargestellten biopsychosozialen Störungsmodells deutlich, dass eine Behandlung chronischer Rückenschmerzen ohne Einbezug psychologischer und sporttherapeutischer Maßnahmen bei den meisten Patienten nicht effektiv sein kann.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1;Inhaltsverzeichnis;6
2;1 Beschreibung der Störung;8
2.1;1.1 Das Phänomen Rückenschmerz;8
2.2;1.2 Klassifikation;10
2.2.1;1.2.1 Rückenschmerz in ICD- 10 und DSM- IV;10
2.2.2;1.2.2 Rückenschmerz in spezifischen Klassifikationssystemen;11
2.2.3;1.2.3 Schlussfolgerungen zur Klassifikation;12
2.3;1.3 Psychologisch/psychiatrische Differenzialdiagnose bei unspezifischem Rückenschmerz;14
2.4;1.4 Epidemiologie;15
2.5;1.5 Verlauf und Prognose;18
2.6;1.6 Komorbidität;19
2.7;1.7 Diagnostische Verfahren und Dokumentationshilfen;20
3;2 Störungstheorien und Modelle;26
3.1;2.1 Die Ebene der „somatischen Schädigung“ ( impairment);26
3.2;2.2 Die subjektive Beeinträchtigung (disability);28
3.3;2.3 Die soziale Ebene (handicap);31
4;3 Diagnostik und Indikation;34
4.1;3.1 Besondere Probleme der Therapieeingangsphase;34
4.2;3.2 Das strukturierte Interview zum chronischen Schmerz;36
4.3;3.3 Indikation;38
5;4 Behandlung;39
5.1;4.1 Status quo der medizinischen Versorgung und die Notwendigkeit einer interdisziplinären Behandlung;39
5.2;4.2 Die psychologische Therapie des chronischen Rückenschmerzes;42
5.2.1;4.2.1 Allgemeine Ziele der psychologischen Schmerztherapie;42
5.2.2;4.2.2 Der kognitiv- behaviorale Therapieansatz;44
5.2.3;4.2.3 Evaluation schmerztherapeutischer Ansätze;62
6;5 Besondere Themen der Schmerztherapie;64
6.1;5.1 Die „Psycho“- oder „Bio“-Falle;64
6.2;5.2 Die Einbeziehung von Bezugspersonen in die Therapie;65
6.3;5.3 Der Stellenwert der körperlichen Rekonditionierung in der Schmerztherapie;66
7;6 Literatur;68
8;7 Anhang;70
9;Empfehlungen zum diagnostischen Vorgehen;100


(S. 19-20)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt vor, bei Störungen allgemein die Ebenen , und zu unterscheiden. Dabei verweist der Begriff des impairment auf die Ebene der körperlichen Schädigungen, disability auf die Ebene der Beeinträchtigung im Verhalten und Erleben und handicap auf die Ebene der Beeinträchtigung sozialer Rollen (z. B. Arbeitslosigkeit). Diese Unterscheidung ist sinnvoll, da die Schädigung nicht die Beeinträchtigung determiniert und diese nicht vollständig die Ausfüllung der sozialen Rollen (handicap) bestimmt.

Dies gilt im besonderen Maße auch für den chronischen Rückenschmerz. Die von der WHO getroffene Unterscheidung fügt sich nahtlos in das biopsychosoziale Krankheitsmodell des chronischen Schmerzes ein. Dieses geht davon aus, dass das Phänomen selbst multidimensional ist, d.h. eine somatische, kognitiv-emotionale, behaviorale und sozial-kulturelle Ebene umfasst. Es ist dabei zunächst unerheblich, ob man bestimmte Aspekte (z. B. Vermeidungsverhalten als behaviorale Komponente oder Hilflosigkeit als emotional-kognitive Komponente) als Korrelat des Syndroms oder als Konsequenz des Schmerzerlebens im engeren Sinne versteht. Die biopsychosoziale Perspektive kann für ein adäquates Verständnis der Ätiologie bedeutsam sein, ist aber sicher noch wichtiger für das Verständnis der Aufrechterhaltungsbedingungen.

2.1 Die Ebene der „somatischen Schädigung" (impairment)

Fragt man nach den dem Rückenschmerz zugrunde liegenden , so kommen prinzipiell oder Veränderungen im des Rückens in Frage. Diese können die Bandscheiben, die Wirbelgelenke sowie den Stützapparat der Wirbelsäule, also Muskeln und Bänder, betreffen. Da sowohl die Biomechanik wie die peripheren und zentralen neuronalen Schmerzverarbeitungsmechanismen untereinander vermascht sind, ist in der Regel von einer Verknüpfung und Interaktion der genannten Strukturen und Funktionen auszugehen (Abbildung 3). Dies macht eine klare Befundstellung in der medizinischen Diagnostik höchst kompliziert (vgl. Pfingsten et al., 1999).

Viele Rückenschmerzpatienten haben auffällige Befunde (z. B. im Röntgenbild) vorzuweisen, ob diese aber schmerzrelevant sind, ist in der Regel sehr schwer zu entscheiden. Die Assoziation von Schmerzerleben und somatischen Befunden erlaubt somit keine einfache kausale Attribution (wie z. B. „Wegen der Degeneration im Wirbelbereich L4 hat Herr X Rückenschmerzen"). So ist bekannt, dass selbst deutliche somatische Auffälligkeiten (z. B. eine Bandscheibenprotrusion) nicht zu Schmerzen führen müssen.

Insgesamt schätzt man, dass bei ca. 90 % der rezidivierenden oder persistierenden Rückenschmerzen zu erheben sind und damit auch keine kausal orientierte medizinische Behandlung angeboten werden kann. Bei diesem oft als „unspezifisch" bezeichneten Rückenschmerz ist das Risiko zur Entwicklung eines chronischen Syndroms besonders hoch.

Es ist hervorzuheben, dass das kein Beweis für die Nichtbeteiligung somatischer, insbesondere neuronaler und humoraler Prozesse am Schmerzgeschehen ist. Man weiß aus der jüngsten – insbesondere der tierexperimentellen – Forschung, dass es Sensibilisierungs-, Rekrutierungs- und Interaktionsprozesse im nozizeptiven (schmerzverarbeitenden) System gibt, die Schmerz aufrechterhalten können und die einer medizinischen Diagnostik am Menschen nicht zugänglich sind. ...



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