E-Book, Deutsch, 236 Seiten
Kroll Der Immobilienmakler ist tot!
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7562-5911-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Weg vom Makler zum Berater
E-Book, Deutsch, 236 Seiten
ISBN: 978-3-7562-5911-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Michael Kroll, geboren 1965, ist Gutachter, freier Sachverständiger und in erster Linie Immobilienberater. Mit über 30-jähriger Erfahrung ist sein Beratungszentrum - Kroll Immobilien e.K. - in Mölln eines der führenden im Bereich des Verkaufs- und Vermietungsgeschäftes in Deutschland. Während seiner Ausbildung zum Versicherungskaufmann entdeckte er sein Talent für Ästhetik und Fotografie, welches ihn heute noch bei seiner täglichen Arbeit begleitet. Nebenbei jobbte er für einen ortsansässigen Immobilienmakler und stieg letzten Endes vollständig in dessen Firma ein. Im Laufe der Zeit wurde ihm jedoch bewusst, dass dies zwar sein Beruf war, aber nicht die Tätigkeit, welche er ausüben wollte - schließlich baute er sich selbst eine Marke und damit sein eigenes Unternehmen auf. Darauf folgten diverse Tätigkeiten im regionalen Gutachterausschuss für Grundstückswerte. Zudem entwickelte er durch Weiterbildungen seine Kompetenzen als Experte für Barrierefreies Bauen weiter und ist heute auch Fachbuchautor für den Atlas barrierefrei bauen.
Autoren/Hrsg.
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3 Lebenseinstellung
Der Brückenbauer
Manchmal stelle ich mir vor, wie ich an einem reißenden Strom stehe. Vor mir die tosende Flut, die an den Rändern des Kanals kleine weiße Hauben aus Gischt bildet. Wassertropfen spritzen durch die Luft und benetzen meine Haut. Meine Aufgabe ist es, eine Brücke über dem Fluss zu errichten und beide Seiten miteinander zu verbinden. Ich gebe zu, manchmal ist die reißende Flut eher ein kleiner Bach, der leise vor sich hinplätschert; aber meine Aufgabe bleibt die gleiche.
Ich habe mich selbst immer als Brückenbauer gesehen. Ich versuche, die Wünsche meiner Kunden zu verbinden, sodass sich am Ende alle in der Mitte der Brücke treffen können, ohne ihre Überzeugungen aufzugeben.
Um das Vermittlungsgeschäft auch erfolgreich abwickeln zu können, habe ich im Laufe der Jahre mehrere Strategien entwickelt, die ich teilweise täglich nutze. Dabei sollte man nicht nur das Ziel vor Augen haben, sondern auch immer die Gefahren im Hinterkopf – sonst fällt der gesamte Auftrag schneller ins Wasser als gedacht.
3..1 Der Vertretungsgedanke
Eine Vertretung übernimmt Aufgaben, die man selbst nicht ausführen kann. Dabei geht es weniger um den Grund des Ausfalls als vielmehr darum, einen Stellvertreter zu haben. Dies gilt sowohl für das private als auch für das berufliche Umfeld. In einem Berufsfeld in Zusammenhang mit dem Immobilienmarkt langfristig zu planen, heißt auch, Verantwortung zu übernehmen, sowohl für die eigene Firma als auch für die einzelnen Mitarbeiter.
Dies könnte man allein nur gewährleisten, wenn man mit einer Kristallkugel in die Zukunft schauen kann. Da dies aber technisch unmöglich ist, müssen wir uns täglich auf Gefahren, Unfälle und Schicksalsschläge einstellen. Ich werde das Gesicht meiner Mutter niemals vergessen, aus dem einfachen Grund, da sie mir bewusst gemacht hat, wie wichtig eine Vertretung ist. Jemanden zu haben, der im Ernstfall alle oder wenigstens die wichtigsten Aufgaben übernehmen kann. Meine Mutter war in diesem Moment nicht bereit oder nicht gewillt, an die Stelle meines Vaters zu treten. Trotzdem, seit diesem Tag binde ich meine Mitarbeiter und auch meine Lebensgefährtin immer in zumindest einen Teil meiner täglichen Aufgaben ein.
Der Vertretungsgedanke muss dabei nicht immer in Bezug zu einem Unfall oder Schicksalsschlag stehen. Jeder macht auch mal Urlaub. Jeder braucht Erholung und Ferien, und auch in diesem Fall müssen das Büro und die Firma weiterlaufen. Wie also verknüpft man Aufgaben und Personen, sodass ein Sicherheitsnetz entsteht?
Pauschal lässt sich diese Frage natürlich nicht beantworten. Hierbei spielen individuelle Lebensumstände und das private und berufliche Umfeld eine Rolle. Dennoch kann man sich täglich mit Mitarbeitern absprechen, Pläne, Vorhaben und Ideen kommunizieren und so andere Menschen an seinen Gedanken teilhaben lassen. Der Vertretungsgedanke bezieht sich demnach vielmehr auf die Verteilung von täglichen Risiken als auf die Aufteilung von Arbeit.
3.2 Der Vertrauensgedanke
Ich mag Autos. Ich liebte Autos schon immer, wie wahrscheinlich jeder kleine Junge. Besonders liebe ich schnelle und neue Autos. Keine Gebrauchtwagen, da weiß man nie, was schon kaputt war und als Nächstes kaputtgehen wird. Jeder, dem ich diese Geschichte erzähle, guckt mich ungläubig an.
Seine Augen aufgerissen, dann fängt er langsam an zu lachen und fährt sich mit seinen Fingern durch die Haare, Ich kenne diese Reaktion. Unsicherheit. Verlegenheit. Verrücktheit. Natürlich schreibt er das alles mir zu. Warum auch nicht? Liegt ja ziemlich nahe. Kein vernünftiger Mensch würde seinen teuren Neuwagen einem Fahranfänger für eine Spritztour anbieten – und sich auch noch danebensetzen.
Die Entscheidung, ihm mein Auto anzuvertrauen, fiel mir ehrlich gesagt ziemlich leicht. Wenn ich mir bei Entscheidungen unsicher bin, breite ich gerne alle Fakten vor mir aus. Ich fühle mich dann wie ein Forscher; ich untersuche jedes Objekt sorgfältig und komme schließlich zu einem Ergebnis. Zu keinem emotionalen oder logischen Ergebnis, sondern zu einem kalkulierten Ergebnis, nach der Lage der Fakten. Mit dem ich ein kalkuliertes Risiko eingehen kann. Die Faktenlage an diesem Vormittag war eindeutig für mich:
1. Er hat seinen Führerschein bestanden.
2. Ich kann jederzeit eingreifen oder wir können anhalten.
3. Das Auto inklusive meiner Person ist versichert.
Ehrlich gesagt, musste ich diese Fakten nicht wirklich lange untersuchen, denn mir war das Ergebnis relativ schnell klar. Das Risiko für einen tatsächlichen Unfall war überschaubar, und selbst wenn...




