E-Book, Deutsch, 272 Seiten
Kruckeberg Sophias Geheimnis
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95803-620-8
Verlag: Scorpio Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Roman über das, was im Leben wirklich zählt
E-Book, Deutsch, 272 Seiten
ISBN: 978-3-95803-620-8
Verlag: Scorpio Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dr. Katja Kruckeberg ist mit Herz und Seele Executive Coach und begleitet seit über 20 Jahren weltweit Top-Entscheider dabei, ihr Potenzial zu entfalten. Katja gilt als führende Expertin für Mindset & Business. Durch ihre Beratungs-, Coaching- und Speaker-Services und ihre Bücher hat sie im Laufe der Jahre Tausende Führungskräfte und Einzelpersonen in Organisationen erreicht, die von Fortune 500 über DAX-Unternehmen bis hin zu den führenden Business Schools der Welt reichen. 'Sophias Geheimnis' ist ihr absolutes Herzensprojekt, mit dem sie Menschen inspirieren möchte, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen und wieder mehr an sich zu glauben.
Autoren/Hrsg.
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Leonardo: Der wiedergefundene Mut
»Die innere Haltung ist eine kleine Sache,
die einen großen Unterschied macht!«
– WINSTON CHURCHILL
Liebe Sophia,
es tut mir leid, dass Sie so lange auf diesen zweiten Brief warten mussten. Kurz nach unserer Begegnung ging es mit meiner Gesundheit leider bergab. Die Anstrengung der Reise war für mein Herz wohl doch etwas zu groß gewesen. Ohne die sofortige medizinische Versorgung in einem Krankenhaus in San Francisco wäre ich wahrscheinlich überhaupt nicht in der Lage, Ihnen ein weiteres Mal zu schreiben. Denn auch Tage nach diesem Vorfall stand mein Leben noch auf dem Spiel. Aber so seltsam es klingen mag: Die Aussicht auf den nahenden Tod machte mir keine allzu große Angst. In vielerlei Hinsicht kann ich es kaum erwarten, meiner Frau wiederzubegegnen, wie auch immer das sein wird – vielleicht als Moleküle gemeinsam durch das Universum fliegend, oder, wenn mein buddhistischer Freund recht haben sollte, Hand in Hand vereint in ewiger Liebe.
Leider war mein Aufenthalt im Krankenhaus jedoch nicht der einzige Grund für meine Funkstille. Etwas anderes und im Grunde ebenso Tiefgreifendes trug zu der Verzögerung bei. Nachdem ich Sie bei Ihrem Vortrag und anschließend persönlich am Flughafen gesehen hatte, fühlte ich mich in meiner Hoffnung weiter bestätigt, dass Sie sich für dieses Projekt engagieren würden. Ich spürte, dass Sie genau die richtige Person für diese Aufgabe sind. Und selbst im Krankenhausbett liegend, an meinem bisherigen körperlichen Tiefpunkt angelangt, fühlte ich mich seelisch immer noch beflügelt durch diesen vielleicht tragisch anmutenden Optimismus. Doch das änderte sich schlagartig, als ich wieder zurück in unserem Haus in Santa Barbara war. Wann immer ich versuchte, meinen nächsten Brief an Sie zu schreiben, kam ich mir plötzlich komplett unfähig vor. Zum ersten Mal seit vielen Wochen befürchtete ich wieder, dass mir womöglich einfach das Talent fehlte zu tun, was ich mir vorgenommen hatte.
Jedes Mal, wenn ich versuchte, einen Gedanken zu Papier zu bringen, fokussierte sich mein Verstand auf mein Nichtkönnen und meine mangelnde Kompetenz beim Schreiben. Wie um alles in der Welt sollte ich dieses Projekt angehen? Wo sollte ich beginnen? Ich übertreibe nicht, wenn ich Ihnen sage, dass ich eine weitere Zeit völliger Hoffnungslosigkeit durchlebte. Wieder und wieder saß ich vor einer leeren Seite, schrieb ein paar Sätze, strich sie durch und zerknüllte ungeduldig das Papier, bevor ich es achtlos wegwarf. Schnell wurde ich zum besten Freund meines Papierkorbs und zum Feind meiner selbst.
Der Gedanke an Sie und Ihre leuchtend grünen Augen verstärkte das Gefühl des Scheiterns. Es fühlte sich nicht richtig an, Sie nach meinem ersten Brief ohne ein weiteres Zeichen von mir sprichwörtlich im Regen stehen zu lassen. Natürlich wusste ich, dass meine negativen Gedanken meine Erfolgsaussichten, etwas Vernünftiges zu Papier zu bringen, noch weiter schmälerten, aber ich konnte diese gedankliche Abwärtsspirale nicht stoppen. Das ganze Anliegen erschien mir auf einmal töricht.
Trotz bester Absichten fand ich keinen Weg, Barbaras Arbeit die Bedeutung zu verleihen, die sie verdiente; ihre Gedanken in einfache Worte zu fassen, ohne die Tiefe der Botschaft zu verlieren, die sie überbringen wollte; eine Struktur zu erschaffen, wo es keine gab. Viele Jahre, das müssen Sie wissen, Sophia, war das »Buch über das Geheimnis eines gelingenden Lebens« lediglich der Arbeitstitel einer Sammlung von unzähligen medizinischen, psychologischen und soziokulturellen Forschungsergebnissen, Anekdoten und Erkenntnissen gewesen, die wir im Laufe unseres Lebens zu dem Thema gesammelt hatten. Zu Beginn dieses Prozesses gab es noch kein Konzept für ein Buch, aber wir hatten eine flexible Struktur für unser Denken und ein paar fundamentale, übergreifende Ideen, um unsere Gedanken zu ordnen. Unsere analoge und später auch digitale Datenbank enthielt eine enorme Anzahl an Geschichten, Fakten und Zahlen. All dies bildete die Grundlage für das Buch, an dem Barbara in den letzten Monaten ihres Lebens schrieb und das ich zu redigieren half. Für sie war es, als würde sie an einem riesigen, übergroßen Puzzle arbeiten. Ihr Anspruch an das Buch war, dass es wissenschaftlich so scharfsinnig und emotional so fesselnd sein sollte, dass es die Menschen nicht nur aufklärte, sondern sie auch dazu motivierte, ihre guten Absichten für ein gelingendes Leben tatsächlich in die Tat umzusetzen.
Doch Barbaras Manuskript existierte nicht mehr, ebenso wenig wie die Tausenden von handgeschriebenen Seiten, die Video- und Audiobänder, die Fotos, die Zeichnungen, die Bilder, die wir im Laufe der Jahrzehnte gesammelt und archiviert hatten. Alles, sogar der elektronische Teil unserer Datenbank, war dem Feuer zum Opfer gefallen. Natürlich war das keine neue Erkenntnis. Ich hatte es selbstverständlich schon gewusst, bevor ich meine Reise nach San Francisco plante und antrat. Und dennoch, als ich mich nach meiner Entlassung aus dem Krankenhaus wieder an meinen Schreibtisch setzte, um diesen zweiten Brief an Sie zu schreiben, wurde mir plötzlich ein weiteres Mal bewusst, dass ich im Grunde keine Ahnung hatte, wie ich diesen Verlust ausgleichen könnte. Wie naiv von mir! Ich schämte mich in Grund und Boden. Vor allem vor mir selbst.
Gab es also noch Hoffnung? Wochenlang zweifelte ich daran. Ich war mit der besten Absicht nach Hause gekommen, mein vergangenes Fehlverhalten wiedergutzumachen, die mir verschriebenen Medikamente sorgfältig einzunehmen, gut zu essen und ausreichend zu schlafen, um so lange wie möglich am Leben zu bleiben. Ich wollte so diszipliniert und konzentriert wie nötig sein und schreiben, was geschrieben werden musste. Aber als ich mich erneut fragte, ob ich überhaupt die Kompetenz hätte, etwas Sinnvolles zu Papier zu bringen, und anfing zu zweifeln, ob Disziplin allein ausreichte, um das Verlorene wiederherzustellen, verfiel ich vorübergehend wieder in Untätigkeit.
Doch dann passierte etwas. Als ich nachts wieder einmal nicht schlafen konnte und ziellos durchs Schlafzimmer wanderte, öffnete ich Barbaras Nachttischschublade und griff nach dem Buch, das sie in den Wochen vor dem Unfall gelesen hatte. In diesem Buch beschreibt die Psychologieprofessorin Carol Dweck, wie unsere innere Haltung und Einstellung dazu beitragen können, ob wir in Situationen im Leben scheitern oder Erfolg haben, ob wir dazulernen und unser Potenzial entfalten oder ob wir weit hinter unseren Möglichkeiten zurückbleiben.
Besonders eindrücklich fand ich die Beschreibung einer ihrer ersten wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Thema. In mehreren Schulen wurden Kinder mit einer Reihe schwieriger Rätsel konfrontiert, die es zu lösen galt. Zu Professor Dwecks Überraschung verlor ein Teil dieser Kinder beim Puzzeln, Knobeln und Rätseln selbst dann nicht den Enthusiasmus, wenn die Lösung nicht in Sichtweite war. Diese Kinder freuten sich vielmehr über kleinste Fortschritte und schienen die Herausforderung ungeachtet aller Rückschläge tatsächlich genießen zu können. Diese innere Haltung veranschaulichte, was später durch Carol Dwecks Begriff »Growth Mindset« weltweit bekannt wurde: den Glauben, dass Fähigkeiten, Kompetenzen und sogar Intelligenz durch den Einsatz von Zeit und Mühe entscheidend weiterentwickelt werden können. Das »Nichtkönnen« führt in dieser inneren Haltung nicht zu Demotivation, Stress und Selbstzweifeln, sondern zu der Motivation, sich die entsprechenden Fähigkeiten anzueignen, wenn das Ziel lohnend erscheint. Auf der anderen Seite beobachte Dweck all die Kinder, die angesichts von nicht oder schwierig zu lösenden Herausforderungen zu der Überzeugung gelangten, dass sie nicht klug genug seien. Sie genierten sich geradezu. Dies nahm ihnen die Freude weiterzumachen und untergrub ihr Selbstbewusstsein. Dieser mentale Zustand wird heute in der Psychologie als »Fixed Mindset« bezeichnet. Er führt oft dazu, dass Menschen bestimmte Herausforderungen meiden, um sich nicht vor sich selbst und anderen zu blamieren und dem Gefühl des möglichen Scheiterns aus dem Weg zu gehen. Das Weiterlernen wird dadurch sabotiert, und man bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Das klang erst einmal interessant. Aber wie konnte mir diese Erkenntnis in meiner aktuellen Situation helfen? Bei weiteren Recherchen im Internet stieß ich bald auf Andrew Huberman, einen führenden Neurowissenschaftler, der den neurochemischen Vorteil erklärte, den Menschen nutzen, wenn es ihnen gelingt, einen Growth Mindset in Bezug auf eine bestimmte Aufgabe anzunehmen.
Ich habe die Sache so verstanden:
Ein Growth Mindset bedeutet, dass wir uns für kleine Fortschritte beim Lösen eines Problems innerlich durch Glücksgefühle belohnen, statt diese Belohnung bis zum Erreichen des Gesamtziels aufzuschieben. Wenn uns das gelingt, werden in unserem Gehirn fortwährend...




