E-Book, Deutsch, Band 18, 279 Seiten
Reihe: BattleTech Legenden
Kubasik / Weiß BattleTech Legenden 18
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-95752-946-6
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Antlitz des Krieges
E-Book, Deutsch, Band 18, 279 Seiten
Reihe: BattleTech Legenden
ISBN: 978-3-95752-946-6
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kapitän Paul Masters, ein Ritter Haus Mariks, ist in den Künsten des BattleMechgefechts versiert. Als Veteran unzähliger Schlachten verkörpert er die Tugenden eines MechKrieger der Inneren Sphäre. Doch als er ausgesandt wird, eine Befriedungsaktion auf einem Hinterwäldlerplaneten zu untersuchen, findet er dort einen Krieg vor, der mit seinen Idealen nichts gemein hat. Statt tapferer Patrioten im Streit gegen verbrecherische Rebellen erwartet ihn ein Guerillakrieg - beide Seiten haben Moral gegen Zweckmäßigkeit eingetauscht, Ideale gegen Abschusszahlen und Ehre gegen Sieg. Paul Masters erlebt die schmutzigste Seite des Krieges ...
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PROLOG
Kookens Freudental
Vereinigtes Commonwealth
15. Februar 3054
Kommandant Nelson Geist konnte sich noch beherrschen. Beinahe hätte er seine Enkel angebrüllt, wie er es früher mit seinen Truppen gemacht hatte. Die Zwillinge, gerade erst fünf geworden, knieten auf der Erde und ließen kleine BattleMechs aus Plastik in die Schlacht marschieren. Die blauen Augen der Knaben blitzten, und an den Mundwinkeln lugten die Zungenspitzen hervor, so konzentriert waren sie auf ihr Spiel. Sie hatten eine so große Ähnlichkeit mit seinem Sohn, dass ihr bloßer Anblick ihm das Herz schwer werden ließ.
Joachim schüttelte energisch den Kopf. Das dünne blonde Haar fiel ihm ins Gesicht. »Nein, Jacob, diesmal spiel ich die Kell Hounds. Du kriegst die Zehnte Lyranische Garde.«
Jacob ließ sich mit störrischem Gesichtsausdruck auf den Hintern plumpsen. »Immer muss ich die Bösen spielen. Ich bin an der Reihe, die Kell Hounds zu spielen!«
Nelson Geist vergewisserte sich, dass er die Kaffeetasse sicher im Griff hatte, bevor er sie mit der Linken auf einer Verandastufe absetzte. »Jungs«, sagte er, »die Kell Hounds und die Zehnte Lyranische Garde sind auf derselben Seite. Sie sind Verbündete.«
»Aber Mami hat gesagt, Victor Davion hat Papi umgebracht. Und die Garde gehört ihm.« Joachim und Jacob wirkten verwirrt. Es war offensichtlich das erste Mal, dass ihnen dieser Widerspruch klar wurde.
Nelson trat näher und ging neben ihrem Schlachtfeld in die Hocke. Er hob eine der kleinen Plastikfiguren der zehn Meter hohen Kriegsmaschinen auf, die in den Kämpfen des einunddreißigsten Jahrhunderts jene Rolle spielten, die für Napoleon die Kavallerie gehabt hatte. »Euer Vater hat einen Phoenix Hawk gesteuert, so wie den hier. Er war Teil von Prinz Viktors Einheit, den Untoten, die nach Teniente geflogen ist, um Hohiro Kurita zu retten. Es waren die Clans, die Novakatzen, die euren Vater umgebracht haben, nicht Prinz Victor.«
Die Knaben blieben einen Moment stumm, als Nelson die Figur wieder absetzte, dann packte Joachim den Phoenix Hawk und stellte ihn zu seiner Armee. »Jetzt ist Papi bei den Kell Hounds.«
Jacob protestierte, und Nelson wollte den Streit gerade schlichten, da hörte er hinter sich die Verandatür zuschlagen. Als er sich umdrehte, sah er Dorete, die mit um den Leib geschlungenen Armen dastand. Ihre Augen blickten ins Weite, aber ihr Mund bildete die dünne, verkniffene Linie, die ihm seit seiner Rückkehr aus dem Clankrieg allzu vertraut geworden war. Sie besaß noch immer etwas von der jugendlichen Schönheit, die Jon an ihr geliebt hatte, aber zwei Jahre der Trauer hatten sie verändert.
»Ich hätte dir nie erlauben dürfen, ihnen diese Dinger zu schenken, Kommandant.« Ihre Stimme war schneidend. »Das ist Teufelszeug. Es verführt unsere Kinder mit der Illusion von Ruhm und Ehre, um sie dann zu verraten.«
Nelson sah schnell weg und nahm die Tasse wieder auf. Sein linker Handrücken war mit Narben bedeckt. Die Nervenimpulse gaukelten ihm vor, die beiden fehlenden Finger existierten noch, aber er ignorierte das Gefühl und zwang sich, die Tasse mit den verbliebenen Fingern zu greifen. Indem er seine ganze Wut auf diese Aktion konzentrierte, brachte er sich wieder unter Kontrolle. »Du kannst sie nicht vor dem Leben schützen, Dorete. Sie müssen lernen. Sie müssen auf ihren Vater stolz sein.«
Ihre blauen Augen zuckten wie ein PPK-Strahl. »Stolz, Kommandant? Stolz, auf einen Mann, der so dumm war, einem Prinzling auf eine Mission zu folgen, damit der den Sprössling unseres schlimmsten Feindes retten konnte? Komm mir nicht mit dem Geprahle darüber, wie er den Heldentod starb, um Victor vor einem Clanangriff zu retten. Ich habe die Holodisk gesehen, die der Prinz geschickt hat, und ich kenne jede Silbe seiner Botschaft auswendig. Victor ist genau wie sein Vater – in der Hölle soll er schmoren –, er vergewaltigt das Lyranische Commonwealth und tötet unsere Männer. Jon starb als Opfer auf dem Altar von Victors Ego, das weißt du genauso gut wie ich. Hast du etwa nicht die Hälfte deiner Männer auf demselben Altar verloren? Wie kannst du den Mann verteidigen, der deinen Sohn ermordet hat?«
»Der Prinz hat Jon nicht getötet!« Nelsons Ausbruch schockierte Dorete, und die Knaben fuhren von ihrem Spiel hoch. »Jon starb, als er die Innere Sphäre gegen die Clans verteidigte. Ich habe meine Finger und noch mehr gute junge Männer und Frauen bei derselben Aufgabe verloren.« Er sah auf seine Enkel hinab. »Diese Krieger sind gestorben, um zu verhindern, dass ihre Familien von den Clans versklavt werden. Die Jungs müssen das lernen und verstehen, denn der Tag wird kommen, an dem sie ihre Heimat mit der Waffe verteidigen müssen.«
»Niemals!« Doretes Blick wurde eisig. »Die Clans haben uns den Frieden gegeben.«
»Aber nur dank ComStar, und nur noch für dreizehn Jahre. Außerdem leben wir oberhalb der Waffenstillstandslinie. Die Clans haben bereits begrenzte Angriffe und Überfälle ins Gebiet des Vereinigten Commonwealth durchgeführt, und wenn der Waffenstillstand erst abgelaufen ist, werden sie wieder mit ganzer Kraft losschlagen. Wenn der Tag kommt, werden deine Söhne alt genug sein zu kämpfen.«
»Alt genug, um zu sterben, meinst du.«
»Nein, nicht, wenn sie vorbereitet sind.«
»Jon hat die Vorbereitung auch nicht gerettet.«
»Dorete …«
»Nein, Kommandant. Nein. Du verstehst es einfach nicht!« Sie wandte sich ab. In ihren Augen glitzerten Tränen und drohten, über die bleichen Wangen zu laufen. »Dein Universum ist verschwunden. Die Dinge ändern sich. Takashi Kurita ist tot. Hanse Davion ist tot. Jaime Wolf spielt keine Rolle mehr. Morgan Kell geht in Pension. Die alten Regeln gelten nicht mehr. Ich werde nicht zulassen, dass meine Söhne dazu erzogen werden, alte Regeln zu erhalten, die schon Milliarden Tote gekostet haben.«
Nelsons Nasenflügel bebten. »Sie sind auch Jons Söhne, Dorete. Vergiss das nicht.«
Ihre Unterlippe zitterte. »Ich denke an nichts anderes.« Sie wirbelte herum und floh zurück ins Haus. Ihre Schultern bebten vor unterdrücktem Schluchzen.
»Großvater, warum weint Mami?«
Nelson schluckte schwer. »Weil sie euren Vater so sehr vermisst.« Dorete hasste es, auf ihn angewiesen zu sein, aber nach Jons Tod war sie völlig zusammengebrochen. Nelson hatte sie und die Knaben gern aufgenommen, aber Doretes Gefühle der Hilflosigkeit und des Verlassenseins wetteiferten miteinander. Er war das einzige Ziel, das sich für ihre Frustrationen anbot, und er nahm diese Rolle auf sich. So sehr ihn ihre Ausbrüche auch schmerzten, sie erklärten sich aus ihrer Liebe zu seinem Sohn, und er konnte weder diese Liebe noch Jons Angedenken entehren. »Sie liebt euren Vater sehr, und es tut ihr weh, dass er nicht hier ist.«
Als er sich müde auf die Stufen setzte, kamen die Zwillinge heran. Joachim stellte den winzigen Phoenix Hawk auf Nelsons linkes Knie und setzte einen zweiten Mech daneben. »Du hattest einen BattleMaster.«
Nelson nickte. »Genau so einen wie den da. Einen KMT-3S BattleMaster.« Im Hintergrund hörte er das Summen des Visiphons, aber er ignorierte es. »Ich habe ihn erbeutet, während ich noch am Nagelring studierte, und ihn während meiner ganzen Dienstzeit in den Vereinigten Commonwealth-Streitkräften behalten. Jetzt bin ich hier bei euch, und mein Mech ist in Dobson, bei der Ersten Kooken- Milizreserve.«
»Können wir ihn mal sehen?« Die Zwillinge sahen einander an, und ihre Augen weiteten sich vor Vorfreude. »Bitte?«
Das Quietschen der Verandatür schnitt Nelsons Antwort ab. »Kommt rein, Jungs«, rief Dorete.
»Ooch, Mami«, bettelten sie im Chor.
»Sofort.«
Sie gehorchten nur zögernd und ließen die Spielzeugmechs auf Nelsons Knie zurück. Er drehte sich nicht um, bereitete sich innerlich auf eine neue Attacke Doretes vor. »Ich hätte es abgelehnt, Dorete.«
»Das war der Wachoffizier in Dobson«, erklärte sie eisig. »Du wirst reaktiviert, Kommandant.«
»Was?« Als Nelson aufstand und sich umdrehte, fielen die beiden Plastikmechs in den Staub. »Was ist los?«
»Vertraulich, Kommandant.« Ihr Blick ging durch Nelson hindurch. »Du sollst dich sofort melden, und es ist keine Übung.« Sie warf ihm die Schweberschlüssel hin. »Geh.«
Er blickte zum Haus. »Die Jungs …«
»Ich werde es ihnen sagen.« Ihr Mund war nur noch ein Strich. »Geh.«
Nelson Geist nickte und ging los. Er bemerkte kaum, dass er den
Spielzeug-BattleMaster mit dem Absatz zertreten hatte.
Das sind keine gewöhnlichen Banditen.
Hoch oben im vorderen Sitz seines...




