Kufsteiner | Der Bergdoktor 2088 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 64 Seiten

Reihe: Bastei Lübbe

Kufsteiner Der Bergdoktor 2088

Loslassen und festhalten
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-1720-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Loslassen und festhalten

E-Book, Deutsch, 64 Seiten

Reihe: Bastei Lübbe

ISBN: 978-3-7517-1720-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Es hat lange gedauert, bis Britta nach dem tragischen Unfalltod ihrer Eltern endlich wieder Boden unter den Füßen gespürt hat. Um zu vergessen, ist sie nach München gezogen, wo sie in einer Buchhandlung arbeitet, dessen Besitzer in ihr längst nicht mehr nur eine Angestellte sieht.
Doch in letzter Zeit spürt sie immer öfter ein leises Heimweh nach St. Christoph, wo ihr Großvater einen kleinen, sehr gepflegten Hof bewirtschaftet. Dass der Hof nach seinem Tod wohl in fremde Hände übergeht, tut ihm weh, aber er will seine Enkelin nicht bedrängen.
Als Britta schließlich ein Wochenende im Zillertal verbringt, trifft sie im Dorf Roland, ihren Freund aus Kindertagen, wieder - und plötzlich knistert es zwischen ihnen! Zeigt das Schicksal ihr auf diese wundersame Weise, wo ihr Platz im Leben ist? Nämlich als Bäuerin in St. Christoph, auf dem Hof des Großvaters, an der Seite von Roland!
Zurück in München bereitet Britta sofort voller Hoffnung alles für ihre Rückkehr ins Zillertal vor - als überraschend Dr. Martin Burger vor ihrer Tür steht. Er wünschte, er könnte der jungen Frau, die schon so viel Leid erfahren hat, seine nächsten Worte ersparen ...

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Loslassen und festhalten

Dr. Burger und ein Madel am Scheideweg

Von Andreas Kufsteiner

Es hat lange gedauert, bis Britta nach dem tragischen Unfalltod ihrer Eltern endlich wieder Boden unter den Füßen gespürt hat. Um zu vergessen, ist sie nach München gezogen, wo sie in einer Buchhandlung arbeitet, dessen Besitzer in ihr längst nicht mehr nur eine Angestellte sieht.

Doch in letzter Zeit spürt sie immer öfter ein leises Heimweh nach St. Christoph, wo ihr Großvater einen kleinen, sehr gepflegten Hof bewirtschaftet. Dass der Hof nach seinem Tod wohl in fremde Hände übergeht, tut ihm weh, aber er will seine Enkelin in ihrer Entscheidung nicht bedrängen.

Als Britta schließlich ein Wochenende im Zillertal verbringt, trifft sie im Dorf Roland, ihren Freund aus Kindertagen, wieder – und plötzlich knistert es zwischen ihnen! Zeigt das Schicksal ihr auf diese wundersame Weise, wo ihr Platz im Leben ist? Nämlich als Bäuerin in St. Christoph, auf dem Hof des Großvaters, an der Seite von Roland!

Zurück in München bereitet Britta sofort voller Hoffnung alles für ihre Rückkehr ins Zillertal vor – als überraschend Dr. Martin Burger vor ihrer Tür steht. Er wünschte, er könnte der jungen Frau, die schon so viel Leid erfahren hat, seine nächsten Worte ersparen ...

Dr. Martin Burger saß im Garten des Doktorhauses und genoss den herrlichen Nachmittag.

Die bunte Blütenpracht der Dahlien und Astern leuchtete in der warmen Spätsommersonne, und das fröhliche Zwitschern der Vögel drang an sein Ohr. Sein Blick glitt zu einer Amsel, die eben einen Wurm aus der Erde zog und ihn blitzschnell verschlang. Ein echter Leckerbissen! Der Garten war ein kleines Paradies, nicht nur für die Burgers, sondern auch für die Vögel.

Heute war fürwahr ein wunderschöner Tag, und hier herrschte eine himmlische Ruhe. Kein Wunder, denn die ganze Familie war ausgeflogen. Zudem war das Haus der Familie Burger das letzte in der Kirchgasse, dahinter begann direkt der Krähenwald.

Martin Burgers Frau Sabine war mit den drei Kindern nach Mayrhofen gefahren, um dort einige Besorgungen zu machen und ein bisschen zu bummeln.

Auch Zenzi Bachhuber, die Wirtschafterin der Burgers, begleitete sie. Zuerst hatte sich die treue Seele des Doktorhauses, die sich schon seit vierzig Jahren um das Wohl der Familie kümmerte, gesträubt, sich aber schließlich doch überreden lassen.

Zenzi fühlte sich halt immer am wohlsten, wenn sie in der Küche stand und Köstlichkeiten für »ihre Familie« zauberte. Sie war im Laufe der Jahre ein richtiges Familienmitglied geworden, und niemand hätte sie missen mögen.

Es war ein großer Haushalt, für den sie sorgte, denn außer dem Ehepaar Burger und den drei Kindern gehörte auch Dr. Pankraz Burger, der Senior, dazu.

Dieser war an diesem Samstagnachmittag ebenfalls unterwegs. Er besuchte einen Freund, den er schon seit einer halben Ewigkeit kannte. Seitdem Martin Burger die Praxis von seinem Vater übernommen hatte, schrieb Pankraz an einer Chronik des Zillertals, und Paul Maier hatte schon so manch lustige Anekdote und einige interessante Fakten beigesteuert.

Beide Männer hatten sehr früh ihre Ehefrauen verloren, und daher verband sie neben ihrem großen Interesse an ihrer geliebten Heimat auch dieses schwere Schicksal.

Martin Burger war erst elf Jahre alt gewesen, als seine Mutter gestorben war. Es war ein schlimmer Verlust gewesen für Vater und Sohn. Doch das war nicht der einzige Schicksalsschlag, mit dem der Bergdoktor in seinem Leben schon fertig werden musste.

Seine erste Frau Christl, seine Jugendliebe, war bei der Geburt ihres ersten Kindes an schweren inneren Blutungen gestorben, und sie hatte das Kleine mit in den Tod genommen.

Dieses tragische Unglück hatte den jungen Arzt vollkommen aus der Bahn geworfen. Niemals hätte er damals geglaubt, dass in seinem Leben jemals wieder die Sonne scheinen würde. Er hatte seine Heimat verlassen und an der Uniklinik in München seinen Facharzt für Chirurgie gemacht.

Nach langen Jahren in der Fremde war er schließlich heimgekehrt und hatte die Praxis von seinem Vater übernommen, als dieser sich zur Ruhe setzen wollte.

Dr. Burger hatte die Praxis im Anbau des Doktorhauses um einen vollständig eingerichteten OP- und einen Röntgenraum, ein Labor und zwei Krankenzimmer erweitert. Die Einwohner von St. Christoph sprachen voller Respekt von der »Mini-Klinik«. Sie waren stolz darauf, eine so gute ärztliche Versorgung in ihrem idyllischen Bergdorf zu haben.

Das war wahrlich ein Segen, denn im Winter war die einzige Straße aus dem Dorf heraus nach Mayrhofen und Schwaz oft durch umgestürzte Bäume oder Lawinenabgänge unpassierbar.

Nach vielen Jahren des Alleinseins und der tiefen Trauer hatte Martin Burger dann eines Tages bei einem Hausbesuch Dr. Sabine Rodenwald aus Wien kennengelernt, die ihre Tante Rika damals in St. Christoph besucht hatte. Auf beiden Seiten war es Liebe auf den ersten Blick gewesen.

Sabine hatte ihre Zelte in Wien abgebrochen, und schon bald hatten die Hochzeitsglocken für die Verliebten geläutet. Das Paar führte eine überaus glückliche Ehe, und der Altersunterschied von sechzehn Jahren hatte nie eine Rolle gespielt.

Drei Kinder segneten nun ihr Glück, die achtjährige Tessa, aufgrund ihrer schwarzen Locken oft Schneckerl genannt, der fünfjährige Philipp, der von allen Filli gerufen wurde, und die zweijährige Laura, das Nesthäkchen der Familie.

Nicht eine einzige Sekunde hatte Sabine es bereut, ihr Leben in der Großstadt Wien gegen das Leben in dem beschaulichen Bergdorf St. Christoph eingetauscht zu haben. Und auch Martin Burger hätte nicht glücklicher sein können.

Er ließ seinen Blick über die sechs majestätischen Berge schweifen, die das idyllische Dorf wie gewaltige steinerne Wächter umgaben. Wie sehr er dieses Fleckchen Erde doch liebte! Niemals hätte er sich vorstellen können, irgendwo anders zu leben.

Eigentlich hatte er vorgehabt, heute Nachmittag mit Dominikus Salt, dem Leiter der Bergwacht und gleichzeitig einem seiner besten Freunde, kraxeln zu gehen.

Für den sportlichen Mediziner war es eine Selbstverständlichkeit, sich körperlich fit zu halten. Das war auch notwendig, denn er begleitete die Bergwacht oft zu Notfalleinsätzen. Schon unzählige Bergsteiger und leichtsinnige Urlauber hatten sie aus Bergnot befreit und manch einem auch das Leben gerettet.

Zudem liebte Martin Burger sportliche Herausforderungen. Und nicht zuletzt wollte er freilich auch für seine Sabine attraktiv bleiben. Im Vergleich zu ihr hatte er ja doch schon einige Lenze mehr auf dem Buckel.

Dem Salt war heute allerdings in letzter Minute etwas dazwischengekommen. Eine entfernte Tante hatte ihn plötzlich »heimgesucht«, hatte er am Telefon (nur für Martin verständlich) geflüstert. Das hatte sich nicht gerade erfreut angehört. Sicher wäre ihm das Kraxeln lieber gewesen.

»Na, wen haben wir denn da?«, rief Dr. Burger überrascht, als plötzlich Poldi vor ihm stand und aufgeregt mit dem Schwanz wedelte. Er hatte wohl in seinem Körbchen ein Nickerchen gemacht. Martin hatte eigentlich angenommen, dass sein Vater den Familiendackel mit zu seinem Freund Paul Maier genommen hatte.

Er hatte ihn doch wohl nicht vergessen? Musste er sich Sorgen um den alten Herrn machen? Das glaubte Martin allerdings nicht, denn sein Vater war noch sehr rüstig und geistig vollkommen fit. Wahrscheinlich hatten sie sich nur nicht richtig abgesprochen.

Gut, dann würde er eben einen Spaziergang mit Poldi machen. Kurzentschlossen nahm er die Leine und verließ mit dem quirligen Rauhaardackel das Haus. Sie spazierten bis zum Ende des Dorfes, dann steuerte der Landarzt fast automatisch den Hof vom Gruber-Franzl an, der etwas außerhalb lag.

Wenn es seine Zeit einmal erlaubte, besuchte er den alten Bauern mitunter auf ein Haferl Kaffee und plauderte ein bisschen mit ihm. Seit der Katastrophe vor drei Jahren war der Franzl sehr allein.

Niemand in St. Christoph würde dieses entsetzliche Unglück, das sich damals ereignet hatte, jemals vergessen. Franzls Tochter Inge Stadler und ihr Mann Michael, die in der Marktgemeinde Mayrhofen gewohnt hatten, waren nach Bad Füssing gefahren, um Franzls Frau Helene aus der Kur abzuholen.

Auf der Rückfahrt waren sie auf der Autobahn von einem Lastwagen überrollt worden. Sie waren alle noch an der Unfallstelle gestorben. Was für eine unbeschreibliche Tragödie! Der Lastwagenfahrer war eingeschlafen und ungebremst in das Stauende gefahren. Er hatte zwei Kleinwagen überrollt, ehe er einen Abhang hinabgestürzt war.

Mit einem Schlag hatte Franzl seine geliebte Frau, seine einzige Tochter und seinen Schwiegersohn verloren. Und Britta, seine einzige Enkeltochter, hatte mit gerade einmal einundzwanzig Jahren die Mutter, den Vater und die Großmutter verloren. Geblieben war ihr nur der Großvater, denn weitere Verwandte gab es nicht.

In dem anderen Wagen hatte eine junge Familie mit ihrem Kleinkind gesessen. Auch sie waren noch am Unfallort verstorben. Damals hatten nicht nur die lokalen Zeitungen und Fernsehsender, sondern auch die überregionalen Medien über diese verheerende Katastrophe...



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