Kufsteiner | Der Bergdoktor 2132 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 64 Seiten

Reihe: Bastei Lübbe

Kufsteiner Der Bergdoktor 2132

Der Bursch, der alle belog
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-3203-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der Bursch, der alle belog

E-Book, Deutsch, 64 Seiten

Reihe: Bastei Lübbe

ISBN: 978-3-7517-3203-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Valentin Huber hat seit dem Tod seiner Mutter auf dem elterlichen Hof nichts zu lachen. Der spätere Erbe und unangefochtene Kronprinz auf dem Huberhof ist sein älterer Bruder Josef, ein vor Kraft und Energie strotzender Bursche. Angeblich verdankt er seine ungeheuren Muskelpakete allein seinem harten Training, das er schon seit frühester Jugend praktiziert. Das will er zumindest allen weismachen. Dr. Burger hat allerdings den Verdacht, dass der Bursche dem Muskelwachstum mit verbotenen Substanzen nachhilft. Und er ist fest entschlossen, das auch zu beweisen.
Tatsächlich gelingt es dem Bergdoktor, Josef unter einem Vorwand zu einer Blutentnahme zu überreden. Doch ehe die Ergebnisse der Blutuntersuchung vorliegen, ereignet sich ein dramatischer Unfall in den Bergen ...

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Der Bursch, der alle belog

In einer Gewitternacht kommt sein Geheimnis ans Licht

Von Andreas Kufsteiner

Valentin Huber hat seit dem Tod seiner Mutter auf dem elterlichen Hof nichts zu lachen. Der spätere Erbe und unangefochtene Kronprinz auf dem Huberhof ist sein älterer Bruder Josef, ein vor Kraft und Energie strotzender Bursche. Angeblich verdankt er seine ungeheuren Muskelpakete allein seinem harten Training, das er schon seit frühester Jugend praktiziert. Das will er zumindest allen weismachen. Dr. Burger hat allerdings den Verdacht, dass der Bursche dem Muskelwachstum mit verbotenen Substanzen nachhilft. Und er ist fest entschlossen, das auch zu beweisen.

Tatsächlich gelingt es dem Bergdoktor, Josef unter einem Vorwand zu einer Blutentnahme zu überreden. Doch ehe die Ergebnisse der Untersuchung vorliegen, ereignet sich ein dramatischer Unfall in den Bergen ...

»Hast du schon gehört? Ich soll wieder einmal einen Beitrag für eine medizinische Fachzeitschrift verfassen«, sagte Dr. Martin Burger, als er durch die Verbindungstür trat, die seine Praxis mit dem Wohnhaus verband.

Sein Vater, der Altdoktor von St. Christoph und Martins Vorgänger, schaute von seinem Kreuzworträtsel hoch. Weil er schon seit über einer halben Stunde nach einem »anderen Begriff für Schönheit« mit sieben Buchstaben grübelte, war er für jede Abwechslung dankbar. Diese Neuigkeit war noch dazu äußerst interessant!

»Worüber wirst du schreiben?«, fragte er neugierig.

»Über den Missbrauch von Medikamenten, im Speziellen den von Schmerzmitteln. Es ist ja wirklich erschreckend, wie diese Mode überhandnimmt«, sagte Martin und ließ sich auf das gemütliche Sofa fallen.

Dann streckte er seine Beine Richtung Kamin, aber das war eine »winterliche« Angewohnheit. Zu dieser Jahreszeit, im Frühsommer nämlich, war das Feuer im Kamin längst erloschen. Nur zu besonderen Anlässen entzündete Martin Burger ein paar Scheite. Etwa, wenn er einen kühlen Abend allein mit seiner Frau verbrachte. Sie liebten es, aneinander gekuschelt ins knisternde Kaminfeuer zu schauen und klassischer Musik zu lauschen.

»Schmerzmittel, so, so«, sagte Pankraz Burger und kratzte sich unter dem dichten schlohweißen Haar an der Stirn. »Dagegen hab ich schon zu meiner Zeit gewettert. Manche Leute schlucken dieses Zeug wie Zuckerln.«

»Ja, und die sind in größeren Mengen auch ungesund, Vater«, entgegnete Martin.

»Die Leute halten halt gar nix mehr aus und empfinden den kleinsten Kopfschmerz und das leichteste Zwicken im Bauch als größte Qual«, schimpfte Pankraz. »Und dann starren sie den ganzen Tag auf irgendeinen Bildschirm und wundern sich über ein verspanntes Kreuz oder einen dröhnenden Schädel.«

Martin nickte. Ihm war diese menschliche Eigenart, beim kleinsten Wehwehchen laut zu jammern, durchaus vertraut. War es hingegen wirklich einmal ernst, scheute so mancher Patient vor dem Arztbesuch zurück, und dann war es mitunter für eine Heilung zu spät. Er seufzte leise. Patienten auf diese Weise zu verlieren, war bitter.

»Jedenfalls ist das Thema des Medikamentenmissbrauchs ein Dauerbrenner, Vater. Du weißt ja, dass viele dieser Schmerzmittel die Leber und die Niere angreifen und nachhaltige Schäden verursachen. Da wäre es freilich gescheiter, das bisserl Kopfweh, weil das Wetter umschlägt, auszuhalten.«

»Blöd ist es halt nur, dass diesen Artikel wieder nur deine Arztkollegen lesen, und die wissen das sowieso.«

»Was ist mit Martins Arztkollegen?«, fragte Sabine Burger.

Die junge Frau mit den lebhaft blitzenden braunen Augen hatte, von Ehemann und Schwiegervater unbemerkt, das Wohnzimmer betreten und machte sich gerade daran, den Tisch fürs Abendessen zu decken. Wenn es um Martins Kollegen ging, wurde sie hellhörig, denn schließlich gehörte auch sie dazu.

Sabine Burger war studierte Anästhesistin und hatte vor ihrer Ehe viele Jahre im Krankenhaus gearbeitet. Heutzutage genoss sie das Leben als Ehefrau und Mutter. Ihre drei Kinder hielten sie auch ordentlich auf Trab. Zudem half sie in der Praxis, wenn Not am Mann war.

Martin erläuterte mit wenigen Worten, worüber er mit seinem Vater gesprochen hatte. Sabine runzelte die Stirn und dachte kurz nach.

»Du könntest den Artikel ja zweimal schreiben«, schlug sie dann vor. »Einmal für die werten Kollegen und ein zweites Mal in einfacherer Sprache für die Leute, die das betrifft. Ich bin sicher, dass der Chefredakteur vom ›Zillertaler Tagblatt‹ an diesem Vorschlag Gefallen finden wird!«

»Das ist wirklich eine gute Idee, Liebling«, erwiderte ihr Mann, und auch Pankraz wiegte seinen Kopf anerkennend hin und her. In praktischen Belangen war Sabine einfach unschlagbar.

Sogar der Hund der Burgers, der Rauhaardackel Poldi, wedelte seinem Frauchen begeistert zu. Das lag aber vielleicht auch daran, dass Sabine zuvor in der Küche die Wurstknödel fürs Abendessen geformt und ins kochende Wasser gelegt hatte und dass ihre Hände nun gar so verführerisch dufteten.

»Hast du heute allein gekocht?«, fragte Martin, dem, als Sabine über sein Gesicht gestreichelt hatte, ebenfalls ein würziger Duft in die Nase gestiegen war.

»Heute ist doch die große Chorprobe in der Kirche«, erklärte Sabine. »Für unsere Zenzi ist das ein Pflichttermin, wie ihr wisst. Und deshalb habe ich mich halt einmal als Köchin betätigt. Als ich noch allein in Wien gelebt habe, habe ich recht gern gekocht. Allerdings«, schränkte sie gleich ein, »konnte ich mich nach den langen, anstrengenden Schichten im Spital oft nicht mehr dazu aufraffen und ließ mir eine Pizza liefern. Aber macht euch keine Sorgen ums Abendessen: Die Zenzi hat mir genau gesagt, was zu tun ist!«

Pankraz machte ein zweifelndes Gesicht.

»Und da traust du dich gleich an Wurstknödel heran?«

»Der Filli hat sich's doch so gewünscht. Außerdem sind Herausforderungen dazu da, gemeistert zu werden!«

Sabine entging nicht der Blick, den die beiden Männer tauschten. Im Doktorhaus war die Küche schon seit vierzig Jahren der Herrschaftsbereich von Zenzi Bachhuber, deshalb war Sabine, wenn sie die Hauserin einmal in der Küche ersetzte, nicht besonders geübt.

»Ich gebe mir jedenfalls Mühe«, versicherte sie. »Und ich hoffe nur, dass nachher keiner an meinen Wurstknödeln etwas auszusetzen hat. Vor allem net die Zenzi.«

An Letzterem hatte Martin Burger seine Zweifel. Zenzi war eine herzensgute Seele, aber sie sparte auch nicht an Kritik. Ob das nun die Küche betraf oder – in seltenen Fällen – seine Behandlungsmethoden, wenn sie einen Topfen- oder Krautwickel für die bessere Therapie hielt.

Wenn die Hauserin selbst von Rheuma geplagt wurde, musste Martin sie förmlich überreden, ihre Medikamente zu nehmen. In diesem Punkt war Zenzi vom alten Schlag und ganz anders als jene Leute, die er mit seinem Zeitungsartikel zu mehr Vernunft mahnen wollte. Die Haushälterin beharrte sogar darauf, dass ihr rheumatisches Knie einen Nutzen hatte, weil es ihr nämlich angeblich ermöglichte, einen Wetterumschwung vorauszusagen.

Dass Zenzi Bachhuber als Familienmitglied angesehen wurde, das stand für die Burgers außer Frage. Immerhin hatte die Haushälterin seinerzeit Pankraz und seinen damals elfjährigen Sohn über alle Maßen unterstützt. Damals, als Pankraz' Frau und Martins Mutter plötzlich verstorben war. Für den kleinen Buben hatte Zenzi die Mutterstelle vertreten. Seit dieser Zeit gehörte sie hierher wie der große Garten, der das hübsche Doktorhaus umgab.

Der Zusammenhalt und das Vertrauen spielten in diesem Haushalt eine ganz besonders große Rolle, weil man hier nicht nur die Sonnenseiten des Lebens kannte. Oh nein, es hatte viele düstere Tage gegeben. Denn auch Martin war früh Witwer geworden. Seine erste Ehefrau Christl, seine Jugendliebe, war nach nur einem Jahr Ehe bei der Geburt des Kindes gestorben und hatte das Kleine mit in den Tod gerissen.

Der junge Arzt war daraufhin in eine tiefe Depression gesunken und hatte St. Christoph verlassen, um Abstand zu gewinnen. Er war nach München gegangen und hatte dort am Universitätsklinikum seinen Facharzt für Unfallchirurgie gemacht.

Jahre später, als Pankraz allmählich auf den Ruhestand zusteuerte, war Martin in seine Heimat im geliebten Zillertal zurückgekehrt. Er hatte die Praxis seines Vaters übernommen und diese renoviert und ausgebaut. So standen Dr. Burger junior heute in dem Anbau neben dem Wohnhaus ein kleiner Operationssaal, ein Labor und ein Röntgenraum zur Verfügung. Auch zwei Krankenzimmer waren vorhanden, damit sich Patienten, die keine Intensivbetreuung brauchten, hier in Ruhe erholen konnten.

Dr. Martin Burger, der sich mit viel Elan in die Arbeit stürzte und das Wohl seiner Patienten immer an die erste Stelle setzte, wurde hier voller Respekt und Zuneigung der »Bergdoktor« genannt.

Als er schon gar nicht mehr damit gerechnet hatte, war ihm schließlich das Liebesglück ein zweites Mal begegnet. Die Wiener Ärztin Sabine Rodenwald hatte ihre Tante Rika besucht, die in St. Christoph...



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