Kufsteiner | Der Bergdoktor 2198 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 64 Seiten

Reihe: Bastei Lübbe

Kufsteiner Der Bergdoktor 2198

Katzen, Kinder - Kussalarm!
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7517-5069-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Katzen, Kinder - Kussalarm!

E-Book, Deutsch, 64 Seiten

Reihe: Bastei Lübbe

ISBN: 978-3-7517-5069-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dr. Martin Burger staunt eines Abends nicht schlecht, als er ein verängstigtes kleines Mädchen findet, das sich in seinem Garten versteckt. Evi traut sich nicht nach Hause. Außerdem vermisst sie ihre heiß geliebte Katze.
Das große Bauernhaus am Rand von St. Christoph, in das sie erst vor ein paar Tagen mit ihrer Mutter gezogen ist, ist ihr nicht geheuer - und der fremde Onkel dort erst recht nicht. Hin und wieder hört sie ihn im Keller mit jemandem reden. Dabei ist dort niemand! Angeblich.
Dr. Burger bringt Evi nach Hause und hakt nach. Dabei wächst in ihm der Verdacht, dass auf dem Hof tatsächlich etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist ...

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Katzen, Kinder – Kussalarm!

Warum Evi sich im Garten der Burgers versteckte

Von Andreas Kufsteiner

Dr. Martin Burger staunt eines Abends nicht schlecht, als er ein verängstigtes kleines Mädchen findet, das sich in seinem Garten versteckt. Evi traut sich nicht nach Hause. Außerdem vermisst sie ihre heiß geliebte Katze.

Das große Bauernhaus am Rand von St. Christoph, in das sie erst vor ein paar Tagen mit ihrer Mutter gezogen ist, ist ihr nicht geheuer – und der fremde Onkel dort erst recht nicht. Hin und wieder hört sie ihn im Keller mit jemandem reden. Dabei ist dort niemand! Angeblich.

Dr. Burger bringt Evi nach Hause und hakt nach. Schnell wächst in ihm der Verdacht, dass auf dem Hof tatsächlich etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist ...

Wo blieb er denn nur? Sarah reckte sich auf die Zehenspitzen und spähte unter dem Vordach des Stalls hervor. Sie guckte sich die Augen nach ihrem Freund aus, aber es war keine Spur von ihm zu sehen.

Sie hatten vereinbart, sich zum Sonnenuntergang hier zu treffen. Sarah konnte es kaum erwarten, dass er endlich kam. Sie musste ihm etwas Wichtiges erzählen, was sein Leben und auch ihres für immer verändern würde.

Wenn er nur endlich hier wäre!, dachte sie.

Der Duft von Heu und warmen Tierleibern wehte aus dem Stall zu ihr heraus. Sarah wandte den Kopf und blickte zu den Milchkühen, die im Stroh lagen und gemächlich wiederkäuten. Sie hatten genügend Platz, darauf achtete ihr Vater. Er war stolz auf das Biosiegel, für das strenge Auflagen zu erfüllen waren und das nun schon seit mehr als fünfzehn Jahren am Stalltor festgemacht war.

Der Drei-Bächel-Hof ihrer Familie stand ein wenig außerhalb von St. Christoph. Die Fließgewässer, die ihm seinen Namen gegeben hatten, sorgten dafür, dass das Gras auf den Wiesen stets saftig war und ihr Vieh prächtig gedieh. Sarah war hier aufgewachsen und liebte die Berge. Sie kannte jeden Spalt, jeden Gipfel und fühlte sich hier verwurzelt wie die drei hohen Linden hinter ihrem Elternhaus.

Hier im Tal waren die Temperaturen noch angenehm mild, aber weiter oben streckte der Winter bereits seine frostigen Finger aus. Auf dem Feldkopf war schon der erste Schnee dieses Jahres gefallen, sein Gipfel ragte weiß gezuckert in den blassblauen Septemberhimmel.

An diesem Nachmittag war ein kräftiger Wind aufgekommen. Er rüttelte an den Toren des Stalls und trieb buntes Laub vor sich her wie ein Schäfer seine Herde. Sarah zog ihre Strickjacke enger um die Schultern, während sie von einem Fuß auf den anderen trat.

Ein Traktor tuckerte die Dorfstraße hinauf. Prompt machte ihr Herz einen Satz, aber das Fahrzeug rollte gemächlich am Hof ihres Vaters vorbei. Gesteuert wurde es nicht von Hannes, sondern vom Bürgermeister, der wohl noch das Heu von seiner Wiese am Fuß des Rautensteins hereinholen wollte. Er winkte ihr zu, und sie erwiderte den Gruß.

Immer noch keine Spur von Hannes!

Er war ihre erste Liebe und gewiss auch ihre letzte. Davon war Sarah fest überzeugt. Ihr Vater mochte seine Zweifel haben, dass ihre Beziehung Bestand haben würde, sie jedoch nicht. Beide waren sie gerade achtzehn und hatten ihren Schulabschluss in der Tasche. Während Sarah eine Lehre im »Berghotel« begonnen hatte, absolvierte Hannes ein Fernstudium, das sich mit seinem Sport vereinbaren ließ. Mit ihren Ausbildungen und der Veränderung in ihrem Leben, die ihnen bevorstand, würde es nicht einfacher werden, aber gemeinsam würden sie es schon schaffen.

Zu ihrer Rechten war auf einmal ein Rascheln zu vernehmen. War Hannes etwa schon hier?

»Hannes?« Sarah wandte sich um und ließ ihren Blick durch den Stall wandern.

Von ihrem Freund war keine Spur zu entdecken, aber dafür bewegte sich das Stroh in der Box, in der Kühe von den anderen separiert werden konnten. Sie war leer oder sollte es zumindest sein. Doch etwas tat sich dort ...

»Hallo?« Sarah machte ein paar Schritte darauf zu und sah plötzlich einen winzigen runden Kopf aus dem Stroh schauen. Verklebte Äuglein blinzelten verschlafen, und ein Mäulchen wurde gähnend aufgerissen.

Ein Katzenbaby!

Es hatte rötliches Fell, das schmutzig war. Heuhalme klebten darin. Und es war so dünn, dass sich die Rippen deutlich unter dem Fell abzeichneten.

»Wo kommst du denn her, Kleines?« Sarah beugte sich hinab und hob das Kätzchen hoch. Es war kaum größer als ihre Hand und fiepte kläglich. Suchend stieß die kleine rosige Nase in die Luft. »Du hast wohl Hunger, was?«

Der Winzling schnappte nach ihrem Finger, und eine kleine, raue Zunge strich über ihre Haut.

»Ach, du lieber Himmel. Was mache ich denn jetzt mit dir?« Sarah blickte sich um. Es gab ein paar Streuner, die sich ab und zu auf dem Hof ihres Vaters blicken ließen, aber ein Katzenbaby? Nein, das sah sie heute zum ersten Mal.

Schritte knirschten draußen. Es war jedoch nicht Hannes, der nun den Stall betrat, sondern ihr Vater. Josef Holzer war ein kräftiger Mann, dessen Präsenz den Stall auszufüllen schien, einfach indem er ihn betrat. Er hatte dunkle Haare, einen gepflegten Bart und war selten anders als in Latzhosen, Gummistiefeln und kariertem Hemd zu sehen. Nur sonntags zog er sich für die Kirche seine guten Sachen an.

»Muss nach der Veigl sehen«, brummte er mit seinem tiefen Bass. »Ihr Kälbchen sollte bald kommen. Sie war heute Morgen ziemlich nervös. Was hast du denn da?« Er warf einen Blick auf das Katzenbaby und kniff die Augen zusammen. »Tu das weg.«

»Aber Vater!«

»Ich meine es ernst. Wir haben genug Mäusefänger auf dem Hof, und die versorgen sich selbst, wie sich das gehört. Für ein krankes Tier fehlt uns die Zeit.«

»Das Kleine ist krank. Sieht dir nur die verklebten Äuglein an. Es hat keine Chance, wenn wir uns net darum kümmern.«

»So hat die Natur es vorgesehen.«

»Das kannst du net ernst meinen.«

»Nur die Starken überleben. So ist das nun mal.«

»Wir leben aber nimmer in der Steinzeit, wo die Schwachen von den Starken aufgefressen werden. Jedes Leben zählt.«

»Der Kleine übersteht die Nacht net«, grollte ihr Vater. »Die Natur wird sich durchsetzen. Du wirst schon sehen.«

Sie blickte auf ihren Findling. Tatsächlich, es war ein kleiner Kater. Er kuschelte sich vertrauensvoll in ihre Hand und maunzte leise.

»Ich werde mich um dich kümmern«, versprach sie ihm.

»Lass es. Er wird uns nur Krankheiten auf den Hof schleppen.«

»Ich werde ihn zu Doktor Steiger bringen und behandeln lassen.«

»Du wirfst dein Geld zum Fenster hinaus.«

Sarah schüttelte den Kopf, ging zu einer der Viehtränken und drehte das Wasser an, um eine flache Schale mit Wasser zu füllen. Sie setzte die Wasserschale auf dem Boden ab und ihren Findling davor. Er plumpste mit dem Köpfchen voran in das Wasser hinein, trank jedoch nicht. Entweder war er zu schwach, oder er konnte es noch nicht und war auf die Milch seiner Mutter angewiesen. Wo sie war, wusste Sarah jedoch nicht. Der kleine Kater schien schon eine Weile allein unterwegs zu sein.

»Vielleicht klappt es nachher besser«, murmelte sie. Sie tauchte ihr Stofftaschentuch in das Wasser und wischte ihm behutsam zuerst über die Äuglein, dann säuberte sie ihn sanft. Verletzungen konnte sie keine erkennen, aber er brauchte dringend Nahrung. »Ich werde dich Hermann nennen. Nach meinem Großvater. Er hätte dich gemocht, Kleiner. Er hatte ein großes Herz, hat oft verirrte oder kranke Tiere mit heimgebracht. Ich entsinne mich, dass Großmutter oft die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hat, wenn er mit einer verletzten Ziege oder einem geschwächten Eichkatzerl heimkam.«

Der kleine Kater schien gegen diesen Namen nichts einzuwenden haben. Zitternd schmiegte er sich an sie. Sarah strich ihm behutsam mit einem Finger über das Köpfchen, während ein Schwall warmer Zuneigung sie durchströmte.

»Das ist ein Fehler«, brummte ihr Vater. »Der Kleine wird dir das Herz brechen. Er ist ein Streuner. Wie dein Freund.«

»Hannes ist kein Streuner«, widersprach sie energisch. »Du tust ihm unrecht.«

»Auf den Burschen ist kein Verlass. Du wirst schon sehen.«

Die Worte schnitten in ihr Herz wie eine Klinge. Bevor sie jedoch etwas erwidern konnte, schaute ihr Bruder in den Stall. Andreas war drei Jahre älter als sie und ließ keine andere Meinung als seine eigene gelten. Sein Blick streifte das Kätzchen, dann verzog er das Gesicht, als hätte er einen schlechten Geruch in der Nase.

»Was hast du denn da aufgegabelt?«

»Der Kleine saß hier im ...«

»Ist ja auch egal«, unterbrach er sie. »Der ist schon mit zwei Pfoten im Katzenhimmel, das sieht man gleich.« Er schaute zu seinem Vater. »Ist mit Veigl alles gut? Können wir los?«

»Noch net. Ich könnte deine Hilfe gebrauchen. Du musst Veigl beruhigen, während ich sie untersuche.« Ihr Vater winkte ihn zu sich, und die Männer verschwanden im Inneren des Stalls.

Sarah drückte ihren...



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