Kufsteiner | Der Bergdoktor 2232 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 64 Seiten

Reihe: Bastei Lübbe

Kufsteiner Der Bergdoktor 2232

Dr. Burger und die Tränen der Wöchnerin
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7517-6668-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Dr. Burger und die Tränen der Wöchnerin

E-Book, Deutsch, 64 Seiten

Reihe: Bastei Lübbe

ISBN: 978-3-7517-6668-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Bergdoktor verbringt einen romantischen Abend mit seiner Frau, als vom Brandacher-Hof ein Anruf kommt: Maja hat Wehen!
Sogleich macht er sich auf den Weg. Das Baby soll auf dem Hof geboren werden, so haben es sich Maja und Fabian gewünscht. Nach langen Stunden kommt die kleine Ida zur Welt. Kerngesund und zauberhaft erobert sie alle Herzen im Sturm - die frisch gebackenen Eltern sind erschöpft, aber überglücklich. Ida ist ihr kleiner Sonnenschein.
Alles scheint gut zu sein. Doch das ist es nicht, denn nach drei Tagen ist Maja nur noch ein Schatten ihrer selbst ...

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Dr. Burger und die Tränen der Wöchnerin

Dramatischer Roman um einen Notfall nach der Entbindung

Von Andreas Kufsteiner

Der Bergdoktor verbringt einen romantischen Abend mit seiner Frau, als vom Brandacher-Hof ein Anruf kommt: Maja, die Jungbäuerin, hat Wehen!

Sogleich macht er sich auf den Weg, um die Geburt zu begleiten. Das Baby soll auf dem Hof geboren werden, so haben es sich Maja und Fabian gewünscht. Nach langen Stunden kommt die kleine Ida zur Welt. Kerngesund und zauberhaft erobert sie alle Herzen im Sturm – die frisch gebackenen Eltern sind erschöpft, aber überglücklich. Ida ist ihr kleiner Sonnenschein.

Alles scheint gut zu sein. Doch das ist es nicht, denn nach drei Tagen ist Maja nur noch ein Schatten ihrer selbst ...

»Herrschaftszeiten! Was treibst du denn mitten in der Nacht hier unten?« Die dröhnende Stimme zerriss die Stille in der Bauernküche.

Majas Herz begann laut zu klopfen. Sie fuhr herum, so schnell ihr kugelrunder Bauch es zuließ, und klammerte sich an den Rand des Küchentischs, weil ihr plötzlich schwindelig wurde.

Als sich die Küche nicht mehr um sie drehte, blickte sie in das bärtige Gesicht ihres Schwiegervaters. Anselm starrte sie so vorwurfsvoll an, als hätte sie sich hinterrücks an ihn herangeschlichen – und nicht etwa umgekehrt –, und ließ den Schürhaken in seiner Hand sinken.

»Um ein Haar hätt' ich dich erschlagen«, brummte er. »Ich dachte, ein Einbrecher würde zu nachtschlafender Zeit in unserem Haus umgehen.«

»Nein, das war nur ich«, erwiderte Maja, die sich wieder gefasst hatte. »Ich konnt' net schlafen, deshalb wollt ich die Zeit ein bisserl sinnvoll nutzen.«

»Und deswegen polterst du hier herum, sodass auch niemand sonst Ruhe findet?«

»Hab ich dich etwa geweckt? Das tut mir wirklich leid.«

»Nein, du hast mich net geweckt. Ich musste ohnehin ins Bad. Die Freuden des Älterwerdens ...« Der Bauer winkte ab. »Aber was genau treibst du nun hier unten?«

»Oh ... ich ... nix weiter.« Sie machte einen Schritt zur Seite, um ihm den Blick auf den Backofen zu verwehren. Der war verglast, und durch die Scheibe fiel gerade genug Licht heraus, um zu verraten, was sich darin befand. Und das sollte ihr Schwiegervater auf keinen Fall sehen. Noch nicht jedenfalls.

Doch er gab natürlich nicht so leicht auf.

Anselm hob den Kopf und atmete tief ein.

»Es riecht net übel. Backst du einen Kuchen? Ich frag mich nur, warum du das heimlich machst.«

»Weil der Kuchen für dich ist.«

»Für mich? Und den backst du mitten in der Nacht? Warum denn das?« Ihr Schwiegervater beäugte sie so skeptisch, dass sich seine Stirn in zahlreiche Falten legte. »Hast du ihn vergiftet?«

»Was? Nein! Natürlich net! Er ist für deinen Geburtstag.«

»Aha.« Anselm warf ihr einen misstrauischen Blick zu. Schließlich zuckte er die Schultern und murmelte: »Na schön. Ich geh wieder ins Bett.« Und mit diesen Worten verschwand er.

Maja verbiss sich ein Seufzen. Ihr Schwiegervater traute ihr so ziemlich alles zu – nur nichts Gutes. Sie hatte gehofft, ihm an seinem Ehrentag eine Freude machen zu können, die ihn vielleicht ein wenig milder stimmte. Darum hatte sie im Internet nach einem Rezept für seinen Lieblingskuchen gesucht, aber nun bezweifelte sie, dass er den Kuchen überhaupt anrühren würde.

Traute er ihr tatsächlich zu, dass sie ihn vergiften wollte?

Maja strich mit der Hand durch die Luft, als könnte sie seine Bemerkung damit wegwischen, und fegte dabei ungewollt einen Löffel vom Tisch.

»Verflixt!« Sie spähte auf den Boden. Mit dem riesigen Bauch fiel es ihr schwer, sich zu bücken, und so ließ sie den Löffel erst einmal dort liegen.

Schritte näherten sich im Flur. Dann kam ihr Mann in die Küche.

»Warte, ich mach das.« Rasch hob Fabian den Löffel auf. Dann beugte er sich zu ihr und gab ihr ein inniges Busserl. »Ist alles gut? Vater ist gerade auf der Treppe mit zerknirschter Miene an mir vorbeigestapft. Hattet ihr wieder Streit?«

»Er glaubt, ich will ihn vergiften.«

»Verstehe.« Ihr Mann trat an den Kühlschrank, als hätte sie nur eine Bemerkung über das Wetter gemacht, nahm den Milchkrug heraus und schenkte sich ein Glas Milch ein. »Magst du auch ein Glas?«

»Später vielleicht.« Maja sah ihn an. »Der Verdacht deines Vaters scheint dich gar net zu schockieren.«

»Na ja, mein Vater geht immer vom Schlimmsten aus. Das bin ich schon gewohnt. Und mit seinen sieben ... nein, achtundfünfzig Jahren wird er sich wohl auch nimmer ändern. Und da ich weiß, dass du keiner Fliege etwas zuleide tun könntest, mache ich mir keine Sorgen.«

»Aber er traut mir einen Mord zu, Fabian.«

»Ich glaub net, dass er das ernst gemeint hat.«

»Ich schon«, beharrte Maja.

In diesem Moment klingelte der Küchenwecker. Sie öffnete die Ofenklappe, holte den Kuchen heraus und stellte ihn zum Abkühlen auf eine Platte.

»Der riecht aber lecker.« Fabian atmete den Duft tief ein. »Sollen wir ein Stück probieren, um zu sehen, ob er so gut schmeckt, wie er duftet?«

»Dann müssten wir deinem Vater einen angeschnittenen Kuchen zum Geburtstag präsentieren.«

»Das geht freilich net. Also fasse ich mich in Geduld und hole mir noch eine Mütze voll Schlaf.« Fabian leerte sein Glas und stellte es in die Spüle. »Kommst du mit ins Bett?«

»Geh ruhig noch mal rauf. Ich bleibe gleich auf.«

»Bist du denn gar net müde?«

»Doch, aber ...« Maja stemmte eine Hand in ihren Rücken. »Das Kleine drückt mir auf einen Nerv, wenn ich liege. Schlafen könnte ich jetzt doch nimmer.«

»Mein armes Spatzerl. Soll ich dir den Rücken massieren?«

»Um ehrlich zu sein, würde ich lieber ein Stück spazieren gehen.«

»Na gut, dann machen wir das.«

»Du willst mitkommen? Jetzt? Es kann net später als vier Uhr sein.«

»Früh genug, dass wir noch net in den Stall müssen. Warum also net? Gib mir nur einen Moment, um mich anzuziehen. Ich bin gleich wieder da.« Damit eilte Fabian aus der Küche. Seine Schritte polterten auf der Treppe.

Maja rechnete es ihrem Mann hoch an, dass er sie begleiten wollte. Er zögerte nie, ihr zur Seite zu stehen, ganz egal, worum es ging. Das war eines der vielen Dinge, die sie an ihm liebte. Und er hatte nicht zu viel versprochen. Zwei Minuten später stand er in einer Jeans, einem Hemd und mit Sneakern vor ihr.

Sie selbst war ebenfalls bereits angezogen und trug ein Kleid und eine weite Strickjacke zu bequemen flachen Schuhen. Ihre braunen Haare waren zu einem Zopf geflochten.

***

Zusammen verließen sie das Haus und traten hinaus in das Mondlicht, das sich wie flüssiges Silber über die stille Dorfstraße und die nahe Weide ergoss. Im Dorf brannten nur vereinzelt Lichter. Die meisten ihrer Nachbarn schliefen noch.

Der Mond erhellte die Nacht genug, um dem Pfad zu folgen, der zwischen dem Wald und den Wiesen entlang um das Dorf herumführte. Fabian hielt ihre Hand, und Maja spürte, wie sich ein leises Glücksgefühl in ihr Herz schlich und den Kummer verdrängte, den ihr die Worte ihres Schwiegervaters bereitet hatten.

Eine Weile gingen sie schweigend nebeneinanderher. Sie ließen das Dorf hinter sich und genossen die friedliche Stille, die sie wie ein schützender Mantel umgab. Über ihnen funkelten die Sterne, als hätte der liebe Gott sie willkürlich am Firmament verteilt. Vor dem Nachthimmel zeichneten sich die imposanten Gipfel der Berge ab.

Maja stieß einen glücklichen Seufzer aus.

»Mei, wie schön es hier ist. Nie und nimmer hätte ich gedacht, dass ich auf dem Land so glücklich sein könnte.«

»Also vermisst du Innsbruck nimmer so arg?«

»Nein. Ich habe hier alles, was man sich nur wünschen kann: die Berge, unsere Kühe ... und dich natürlich.«

»In genau dieser Reihenfolge?«, fragte Fabian und zog eine Augenbraue hoch.

»Nun, wenn du mich so fragst ...« Sie dehnte ihre Antwort ein wenig, um ihn zu necken. »Dann kommen die Kühe wohl noch vor den Bergen.«

»Frechdachs. Schauen wir doch einmal, ob ich mich net an die erste Stelle in deinem Herzen katapultieren kann.« Damit küsste er sie liebevoll, dass sie atemlos nach Luft schnappte und sich innig an ihn schmiegte.

Oh ja, Maja war glücklich, glücklicher, als sie es sich je hätte erträumen können. Vor zwei Jahren war sie mit einer Freundin im Skiurlaub in St. Christoph gewesen. Der Urlaub hatte anfangs unter keinem guten Stern gestanden. Maja war gleich an ihrem ersten Ferientag auf der Piste gestürzt, von der Bergwacht geborgen und zum Arzt gebracht worden.

Einer der Retter war Fabian gewesen. Sie hatten sich so gut verstanden, dass Maja ihren gebrochenen Fuß fast vergessen hatte. Nach ihrer Abreise waren sie in Kontakt geblieben, hatten...



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