Kuhn | Marcus - Maximus Alamannicus | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 470 Seiten

Reihe: Marcus-Trilogie

Kuhn Marcus - Maximus Alamannicus

Schicksal an Mosel und Rhein Band 3
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-945025-15-4
Verlag: Ammianus
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Schicksal an Mosel und Rhein Band 3

E-Book, Deutsch, Band 3, 470 Seiten

Reihe: Marcus-Trilogie

ISBN: 978-3-945025-15-4
Verlag: Ammianus
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Wir schreiben das Jahr 357 nach Christus. Wo die Pax Romana Jahrhunderte lang Sicherheit und Wohlstand garantiert hatte, herrschen Chaos und Auflösung. Es ist der Spätherbst der römischen Antike. Innere und äußere Krisen weisen den Weg in die Zeitenwende und den Untergang des Imperiums, an dessen Grenzen die Nachbarvölker rütteln. Der Glaube an die alten Götter hat im Christentum seinen Bezwinger gefunden, und zunehmend verwischen im Nordwesten die Grenzen zwischen römischen und germanischen Vorstellungen und Idealen. Die Neuordnung Europas und der Übergang ins Mittelalter haben begonnen. Vor diesem Hintergrund schildert Michael Kuhn packend und unterhaltsam das Schicksal des Tribuns Marcus Junius Maximus. Geleitet von Treue, Tapferkeit und frommer Hingabe zu den Göttern, den verlöschenden Idealen Roms, zwingen ihn ein mysteriöses Schicksal und ein gnadenloser Krieg in einen aussichtslos erscheinenden Kampf um Bestimmung, Liebe und Rettung der Heimat. Mit dem vorliegenden Band endet die Trilogie um den römischen Offizier Marcus Junius Maximus. Marcus muss erleben, dass der Hass seines Todfeindes Ulf auch nicht vor seinem Besitz und seiner Familie zurückschreckt. Im Bunde mit der schrecklichen Alruna, einer ebenso verschlagenen wie bösartigen Seherin, setzt sich Ulf in den Besitz des mystischen Schlangenreifs, der ihm den Weg auf den fränkischen Königsthron ebnen soll. Die gnadenlose Verfolgungsjagd führt den Leser zu den beeindruckenden Hinterlassenschaften der Römer an Mosel und Saar. Vor den Toren Straßburgs kommt es dann zum letzten Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten in der großen Alemannenschlacht des Jahres 357 nach Christus. Wie gewohnt informiert die angeschlossene Spurensuche anhand von Fotos, Karten, Zeichnungen und Texten über die Handlungsorte des Romans. Der Autor überzeugt mit einem hohen Grad an historischem Sachverstand und einer lebendigen Sprache, die seine Werke zu einem Lesevergnügen machen.

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Prolog

Es war ein Winter, der einfach nicht gehen wollte. Doch sobald der Nordwind abflaute und die Sonne einen Weg durch die Wolken fand, ließen ihre Strahlen Schnee und Eis schmelzen. Ein kurzes Aufatmen nur, denn am nächsten Tag kehrten Frost und Schnee zurück. Voreilige Triebe erfroren und die Natur erstarrte wieder im Eis. Selbst die Alten konnten sich nicht erinnern, eine solche Kälte bis weit in den März hinein erlebt zu haben.

Seit zwei Tagen stapfte eine Reitergruppe durch den Schnee. Die Atemluft kondensierte zu Wolken, wenn die Pferde sie durch die Nüstern hinaus stießen. Hatte der Wind die weiße Pracht an vereinzelten Stellen beiseite geweht, hallten die Hufschläge der Tiere auf dem gefrorenen Boden. Neben einem kurzenAufwiehern das einzige Geräusch, das die Stille inmitten der Stämme des Hochwaldes störte.

Eine seltsame Gruppe, die sich ihren Weg durch die winterliche Einöde bahnte. Voran ritt, fest in einen dunklen Mantel aus Bärenfell gehüllt, ein mittelgroßer, kräftiger Mann. Gab die tief herabgezogene Kapuze den Blick auf sein Gesicht frei, flammte darin eine rote Narbe auf, die sich über Stirn und Wange zog.

Auf dem Pferd neben ihm saß ein wahrer Hüne, dessen Füße trotz seines für die germanische Züchtung kräftigen Reittieres fast den Boden berührten. Unter seiner Fellmütze quoll blondes Lockenhaar bis auf die Schultern des dichten Lodenmantels herab.

Den beiden Männern folgten, die Kapuzenumhänge fest um die Körper gewickelt, zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten. Die eine, in eine silberduchwirkte, dunkelblaue Kostbarkeit gehüllt, die alleine ein Vermögen wert sein musste, saß stolz und gerade im Sattel. Ihre Begleiterin dagegen, deren Wetterschutz einer verfilzten Decke glich, schien Mühe zu haben, sich auf ihrem Pferd zu halten.

Den Schluss bildeten vier weitere Reiter. Gewöhnliche Krieger in Fellumhängen und ein untersetzter, breitschultriger Mann mit verschlagenem Gesicht, der als einziger unter seinem Mantel ein Panzerhemd trug. Die Krieger waren die einzigen, die neben der Spatha ihre Schilde und Lanzen mit sich führten.

„Wie weit ist es noch, Makrian?“, wandte sich der Mann mit der Narbe an den neben ihm reitenden Riesen. Er musste seine Frage wiederholen, weil eine schneidende Böe seine Worte hinwegfegte.

„Noch zwei oder drei Stunden bis zum Dorf der Franken, Ulf. Wir müssen es in weitem Bogen umreiten, ehe wir in den heiligen Hain eindringen, in dem die Priesterin Veleda haust. Der Kundschafter hat alles genau beschrieben.“

„Warum dieser Umweg?“, brüllte Ulf zurück. „Hast du Feinde im Dorf?“

„Es ist besser, nicht gesehen zu werden. Man kennt und fürchtet Makrian im gesamten alemannisch fränkischen Grenzland.“

„Hätte mich auch gewundert, wenn du Freunde bei meinen Landsleuten hast.“ Ein Lächeln umspielte die dünnen Lippen des Franken.

Ulf beugte sich im Sattel nach vorne, um dem Wind möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten.

Fünf Monate, fast ein halbes Jahr, waren vergangen, seit er und seine Begleiterin Serena als Flüchtlinge zu Makrian gekommen waren. Die Erinnerung an die Niederlage gegen die Römer im Kampf um die Colonia lastete schwer auf dem Franken. Immer wieder wälzte er die Geschehnisse im Kopf umher, ohne die Ursachen ergründen zu können. Er hatte alles richtig gemacht. Es war Schicksal gewesen, dass die Götter seinen Feinden den Sieg geschenkt hatten. Am meisten schmerzte es ihn, dass es dieser Mörder Marcus und sein Freund Charietto gewesen waren, die über ihn triumphiert hatten.

„Marcus“. Unwillkürlich ballte Ulf die Faust und schlug seinem Pferd die Hacken in die Flanken, dass es einen Satz nach vorne schoss und aufgeregt tänzelnd ein schrilles Wiehern ausstieß.

Damals, vor der Colonia, schien sich die Waage des Schicksals zu seinen Gunsten geneigt zu haben. Er konnte diesem Mörder mehrfach entkommen, der seinem Vater den Schlangenreif geraubt und seinen Tod verschuldet hatte. Dann war Serena zu ihm gestoßen und mit ihr, der geliebten Frau, schien das Glück zurückgekehrt. Er hatte mit seinen Scharen die Festung Divitia eingeschlossen, in der sich seine persönlichen Feinde befanden. Und dann war ihm der Sieg aus der Hand geschlagen worden. Wäre nicht Charietto, dieser Verräter an seinem Volk, den Römern zu Hilfe geeilt, wären sie alle des Todes gewesen. Warum ließen Tyr und Wodan seinen letzten Sturmangriff scheitern?

Und wie konnten die Götter es zulassen, dass dieser Marcus immer noch im Besitz des Schlangenreifes war? Schlimmer noch, das zweite heilige Symbol, die Gürtelschnalle in Form einer Schlange, war durch die Unwissenheit Serenas ebenfalls in die Hand des Römers gelangt.

Der Bastard Clodius war schuld, den sie Silvanus, dem ehemaligen Statthalter Niedergermaniens, geboren hatte. Als sie die Seiten wechselte und zu ihm kam, hatte sie den Jungen mitsamt der Gürtelschnalle in die Obhut dieses Marcus gegeben. Es hatte ihn rasend gemacht, dass sie ihren Jungen ausgerechnet seinem Todfeind anvertraut hatte. Nicht, dass er jemals etwas für Clodius empfunden hatte, er hatte diese Kröte immer gehasst. Was ihn quälte war der Gedanke, was zwischen diesem Marcus und seiner Geliebten gewesen war. Auf seine Fragen hatte sie ihm bis heute keine befriedigende Antwort geben können.

Es war ihm gleichgültig gewesen, dass Silvanus sein leiblicher Onkel und Clodius somit sein Vetter war. Er hatte Genugtuung verspürt, als er dem Ungeliebten die Frau ausspannte und ihn an seine Feinde verriet, die kurzen Prozess mit ihm machten. Wichtig war, dass der tote Statthalter wie sein Vater ein Schlangenträger war und Clodius ihm eines Tages seine Ansprüche auf die Schmuckstücke streitig machen konnte.

Drei Schlangen waren es, die seine Ahnen einst erhalten hatten: Armreif, Gürtelschnalle und Fibel. Wer sie besaß hatte Anspruch auf den Königstitel aller Franken. So erzählten es die Alten und Alruna, die Seherin aus dem Norden. Zwei Monate war es her, dass sie durch Eis und Schnee in sein alemannisches Exil auf demDünsberg kam und ihm die Bedeutung der Schlangen offenbarte. Er würde König werden und als zweiter Arminius über seine Feinde triumphieren, wenn er die drei Schmuckstücke in seiner Hand vereint hatte.

Ulf drehte sich im Sattel um und blickte auf die hinter ihm reitenden Frauen.

Es versetzte ihm einen Stich als er die Blicke sah, mit denen die in ihren blauen Umhang gehüllte Serena seinen Begleiter Makrian wohlwollend musterte. Es war ihm nicht entgangen, dass der Herrscher des Dünsberges seine Frau mit begehrlichen Blicken verschlang, sobald er sich unbeobachtet fühlte. Aber er war zur Untätigkeit verdammt, solange er auf den Schutz des mächtigen Alemannenfürsten angewiesen war. Ansonsten hätte er ihm längst die Spatha durch den Leib gerammt. Aber wehe, wenn der Alemanne zu weit ging. Ulf war nicht mehr alleine, denn jeden Tag kamen fränkische Krieger zum Dünsberg. Es hatte sich bis in den letzten Winkel der fränkischen Lande herumgesprochen, dass er den Kampf gegen die Römer an der Seite der Alemannen weiterführen würde. Unzufriedene, Abenteurer und Glücksucher hatten ihre Waffen gepackt, Haus und Familie verlassen und sich aufgemacht, unter seinem Waffenheil zu kämpfen.

Sein Blick wanderte weiter zur Seherin Alruna, die ihn mit glühenden Augen fixierte. Er senkte die Lider und blickte zur Seite. Wie immer fühlte er ein Unbehagen in sich hochsteigen, wenn die Augen der finsteren und geheimnisvollen Frau auf ihm ruhten.

Als wäre sie ein Geist, war sie in einer Nacht auf dem Dünsberg erschienen, vor ihn hingetreten und hatte das Knie gebeugt. Vor ihm, dem rechtmäßigen Träger der Schlangen und zukünftigen König aller Franken.

Alruna war es auch, die diesen Ausritt mit aller Vehemenz gefordert hatte.

„Wenn du alles über die Schlangen und...



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