Kurz | Sonne, Eis und Zuckerschnuten | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 264 Seiten

Kurz Sonne, Eis und Zuckerschnuten


1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-86361-763-9
Verlag: Himmelstürmer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 264 Seiten

ISBN: 978-3-86361-763-9
Verlag: Himmelstürmer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Justin Reinhardt, ein ganz normaler Jugendlicher, macht gerade eine Ausbildung zum Metzger, als sich sein Leben auf unerklärliche Weise auf den Kopf stellt. Zuerst hat er eine seltsame Begegnung mit einem älteren Mann, der ihn zu kennen scheint, und noch bevor Justin herausfinden kann, was es damit auf sich hat, wird er von einer Sekunde auf die andere durch die Zeit geschleudert und landet in den 1980ern. In dieser Zeit kennt er niemanden, sein Handy bekommt keine Verbindung, ja überhaupt alles, was er bislang für normal hielt, ist nun nicht mehr vorhanden, einfach weil es zu dieser Zeit noch nicht existiert. Zu seinem Glück trifft er auf Frank, einen gleichaltrigen Jungen, der ihm anbietet, bei sich zu übernachten. Justin hat einige Anpassungsschwierigkeiten, denn in den Achtzigern gab es unter anderem noch keine politische Korrektheit, und der Antischwulenparagraph ist immer noch überall präsent. Erst nach und nach erfährt Justin, dass Frank ebenfalls schwul ist. Er vertraut sich dem 80er-Jahre-Jugendlichen an und erzählt ihm, dass er aus der Zukunft kommt, was er mit seinem Handy beweisen kann, aber für das hochmoderne Telefon existiert in dieser Zeit kein Ladekabel. Frank bringt Justin deswegen zu Klösmann, einem Videothekar, der sich mit Elektronik auskennt. Der Videothekenbesitzer soll für sie das erste USB-Ladekabel der Welt bauen. Weil dies einige Zeit dauert, bringt Frank Justin alles über das unbeschwerte Lebensgefühl der Achtziger Jahre bei, und der unfreiwillige Zeitreisende beginnt zu begreifen, dass jede Zeit ihre Vor- und Nachteile besitzt. Ihre Gefühle zueinander werden immer stärker, wodurch sich auch die Frage stellt, was sie tun sollen, falls Justin wieder in seine Zeit zurückgeschleudert werden würde. Aber auch andere Probleme machen sich unaufhaltsam breit, denn der unfreiwillige Zeitreisende landete im April 1986, und zu dieser Zeit wurde die gesamte Welt durch ein Ereignisse für immer verändert ...

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„Ist alles in Ordnung?“, sagte eine unbekannte Stimme, die durch die Dunkelheit drang. „Alter, ich red mit dir. Ist alles in Ordnung?“ Justin öffnete die Augen. Das ungute Gefühl war verschwunden, aber er fühlte sich dennoch wie gerädert, so als hätte er eine Woche am Stück gearbeitet. „Was?“, kam es aus ihm heraus, als er den Typen vor sich betrachtete. Der Jugendliche war ungefähr genauso alt wie er selber, aber die Klamotten wirkten extrem eigenartig – die Hose war sehr bunt, und das rosa Trägershirt tat ein Übriges. Die gegeelten Haare standen aufgepumpt hoch, so dass es den Eindruck erweckte, dass der Kerl zum Karneval gehen wollte. „Ist alles in Ordnung mit dir? Du sitzt hier einfach so rum. Das hat der Klösmann nicht so gerne, wenn man vor seinem Laden rumgammelt.“ Justin erhob sich. „Mir geht es gut, danke. Mir war nur schwindelig ...“ Er stoppte, weil ihm aus den Augenwinkeln auffiel, dass sich hinter der Scheibe Licht befand. Er blickte in das Geschäft hinein und traute seinen Augen nicht: die Videothek war wieder komplett gefüllt. „Was soll denn der Unsinn?“ „Was meinst du?“, wunderte sich der Gleichaltrige. „Ist wirklich alles in Ordnung?“ Justin starrte durch die Scheibe. Das war doch nicht möglich – wie lange hatte er geschlafen? Der gesamte Innenraum der Videothek war wieder voll mit Spielfilmen, und auch einige Kunden, die ebenfalls seltsam gekleidet waren, gingen durch die Reihen und überlegten, was sie ausleihen sollten. „Der Laden ist doch geschlossen ...“, gab er perplex von sich. „Nee, das wüsste ich aber. Ich komme hier öfters her. Klösmann hat nur sonntags zu.“ Er blickte ihn beinahe besorgt an. „Ist wirklich alles in Ordnung?“ Justin nickte automatisch. „Ja, schon, klar, sicher ...“ Er griff in seine Hosentasche und holte sein Handy heraus, um zu überprüfen, wie spät es war, damit er wusste, wie lange er besinnungslos gewesen sein musste. Es waren nur fünf Minuten vergangen. „Was ist das?“, wunderte sich der Typ. „Mein Handy.“ „Hänn-die?“ „Smartphone.“ Er verstand immer noch nicht. „Was ist ein Schmartt-fohn?“ Justin sah ihn verdutzt an. „Das weiß man doch.“ „Ich weiß das nicht. Ist das so ein schnurloses Funktelefon?“ Er nickte. „Ja ... so kann man sagen, ja ...“ Der Jugendliche machte ein erstauntes Gesicht. „Oho, dann bist du wohl Dagobert persönlich, wenn du dir so was leisten kannst. Ich kenn das nur aus Filmen.“ Er blickte ihn weiterhin besorgt an. „Ist wirklich alles in Ordnung mit dir?“ „Schon ...“ Justin wollte zuhause anrufen, aber er hatte kein Netz. „Fuck.“ „Fack?“, wiederholte er erneut seltsam betont. „Bist du Ami?“ „Was? Nein. Das sagt man doch so ... Ich krieg kein Netz.“ Der Jugendliche wunderte sich. „Kein Netz? Bist du Fischer?“ Justin schüttelte den Kopf. „Fischer? Was hat denn das jetzt mit irgendwas zu tun? Ich bin gerade nur etwas verwirrt, das ist alles.“ „Sicher?“ „Ja. Danke ... es geht schon.“ Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, ging er weg. Der Typ sah ihm hinterher. „Pass auf dich auf“, sagte er freundlich, dann ging er in die Videothek hinein. Justin ging den Gehweg entlang, um nach Hause zu kommen, wobei er hauptsächlich Augen für sein Handy besaß. Er hatte nicht einen einzigen Ladebalken fürs Internet – es war fast so, als würde das Net überhaupt nicht existieren. Nach mehreren Metern gab er für den Moment auf und steckte sein Handy wieder ein, um darüber nachzudenken, was es zu bedeuten hatte, dass die Videothek wieder gefüllt war. Das war doch einfach ein Ding der Unmöglichkeit – so schnell konnte man das Geschäft nicht wieder bestücken. Wahrscheinlich hatte er sich einfach nur getäuscht. Es musste eine Halluzination gewesen sein, ganz einfach. Das war die logischste Erklärung. Alternativ konnte er sich vielleicht noch denken, dass man ihn reinlegen wollte, aber wenn irgend so eine Fernsehsendung mit versteckter Kamera agierte, dann hatten sie sich aber gründlich getäuscht. Er war ja durchaus für Späße zu haben, aber das Ganze funktionierte nur, wenn sie ihm ein Betäubungsmittel verabreicht hätten, und das wäre Körperverletzung und damit strafbar. Überhaupt mussten die TV-Sender wegen der Datenschutzverordnung eine unterschriebene Erlaubnis von ihm einholen, um das gefilmte Material verwerten zu dürfen, und diese Genehmigung würde er ihnen nicht erteilen. Er hatte genügend Probleme wegen dem Schwächeanfall beim Metzger, da brauchte er es nicht noch zusätzlich, dass ihn alle anderen auch noch auslachten, weil eine TV-Sendung ihn reingelegt hatte. Wer guckte überhaupt noch Fernsehen? Und wenn es so ein dämlicher Internet-Pseudo-Star wäre, der ihn verarschen wollte, dann würde er ihm erst recht keine Genehmigung erteilen. Während er weiterging, bemerkte er die Leute, die allesamt seltsame Kleidung und gewöhnungsbedürftige Frisuren zur Schau stellten. Wenn man ihn wirklich reinlegen wollte, dann strengten sie sich schon gewaltig an, denn die gesamte Stadt schien mitzumachen. Erst nach einigen Sekunden fiel ihm auf, dass nicht nur die Passanten, sondern auch die Gebäude stellenweise anders wirkten. Bei einigen war er sich sicher, dass sie zuvor einen anderen Anstrich hatten, und bei anderen befanden sich völlig andere Geschäfte drin. Er entschied sich, nicht direkt zu einem Laden zu gehen, damit er den Scherzbolden nicht noch mehr Material lieferte. Wer konnte schließlich sagen, ob es nicht doch irgendwie eine Möglichkeit für diese Leute gab, die Aufnahmen auch ohne seine Genehmigung zu verwenden? Wenn etwas erst mal ins Net hochgeladen war, konnte es selbst mit einer gerichtlichen Verfügung so gut wie nicht mehr komplett gelöscht werden – irgendjemand machte sich immer Kopien davon. Justin begab sich deswegen so schnell er konnte zum Wohnhaus und erschrak regelrecht: es hatte nicht den normalen weißen Anstrich, den er gewohnt war, sondern einen beigen, fast schon ins gelbliche gehenden Grundton. Das konnte doch nicht mit rechten Dingen zugehen. Er war doch nur fünf Minuten ohnmächtig gewesen – in dieser Zeit konnte man doch nicht die gesamte Stadt umgestalten. Sicher, es wäre vielleicht durch erheblichen Aufwand möglich gewesen, dass die Streichespieler das Wohnhaus umstrichen, wenn sie über genügend Leute verfügten, aber selbst das konnten sie nicht einfach so ohne eine Genehmigung tun, davon war Justin überzeugt. Ungläubig ging er zu den Briefkästen und las die Namen. Er kannte keinen einzigen davon. Selbst der Name seiner Mutter war nicht vorhanden. Er wollte die Haustür aufschließen, aber bereits ein schneller Blick machte ihm deutlich, dass es sich nicht um die gewohnte Glastür mit dem Sicherheitsschloss handelte, die er von klein auf kannte, sondern um eine dicke, undurchsichtige Tür, die eher klobig und abweisend wirkte. Er blickte mehrere Sekunden auf die Tür, dann die Briefkästen, bevor er wieder sein Handy zur Hand nahm und erneut versuchte, eine Telefonverbindung aufzubauen, aber es zeigte ihm immer noch an, dass kein Netzzugang herrschte. Er steckte es wieder ein und entschied sich, zur Videothek zurückzugehen, um dort nachzuprüfen, was eigentlich vor sich ging. Auf dem Weg kam er wieder an den Geschäften vorbei und betrat eines, um sich dort etwas näher umzusehen. Die gesamte Ausstattung wirkte auf ihn ungewohnt, geradezu seltsam. Er ging herum und kam an den Zeitungsstand, bei der er eine Tageszeitung ungläubig zur Hand nahm: das Datum war Samstag, der 26. April 1986. Wie aus Zwang nahm er wieder sein Handy zur Hand – in der Ecke stand eindeutig als Datum Freitag, der 3. Mai 2019. Er blickte erneut auf die Zeitung und blinzelte. Das konnte doch nicht sein, es musste ein schlechter Scherz sein. Er legte die Zeitung wieder zurück und nahm eine andere an sich, aber auch diese besaß das gleiche Datum. „Erst kaufen, dann lesen“, sagte die Verkäuferin salopp. „Ist die von heute?“, wollte er wissen. „Natürlich, die habe ich heute morgen selber eingeräumt. Oder liegt da noch eine von gestern?“ Er schüttelte den Kopf. „Nein ... danke.“ Er legte die Zeitung hin und sah nochmal auf sein Handy, bevor er den Laden verließ. Draußen blickte er sich um – hatte er etwa eine Zeitreise gemacht? Das war doch unmöglich. Es gab zwar genügend Filme, in denen so etwas immer wieder passierte, aber da wurde immer eine Art Zeitreisemaschine verwendet. Und selbst das war unlogisch, denn eine solche Apparatur müsste nicht nur Unmengen an Energie aufwenden, sondern, wie Justin aus einem sehr informativen Internet-Video wusste, auch noch in der Lage sein, durch den Raum zu reisen, denn das Universum dehnt sich konstant aus, und wenn man nur in der Zeit zurückging ohne den Standort zu ändern, würde man unweigerlich im Weltall landen. Es war also...



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