Kylling | Das Erbe von Vinewood Hill | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch

Reihe: dp Verlag

Kylling Das Erbe von Vinewood Hill

Ein Familiengeheimnis
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98778-602-0
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ein Familiengeheimnis

E-Book, Deutsch

Reihe: dp Verlag

ISBN: 978-3-98778-602-0
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein Erbe, ein Familiengeheimnis und eine verbotene Liebe …
Der mitreißende Liebesroman, in dem zwei Schicksale miteinander verbunden werden

Bei der Testamentseröffnung ihrer Großmutter Eleonora trifft Charlotte auf Levi, einen gutaussehenden jungen Mann, mit dem sie das Erbe teilen soll. Und das, obwohl sich die beiden noch nie zuvor begegnet sind. Doch es gibt eine Bedingung: Sie sollen gemeinsam auf Vinewood Hill das Familiengeheimnis lu?ften, welches Eleonora mit ins Grab genommen hat. Nach anfänglichen Schwierigkeiten verbringen die beiden auf dem alten Weingut viel Zeit miteinander. Dabei kommen sie sich näher als Charlotte zunächst lieb ist. Fu?r den ungebundenen Levi ist das kein Problem, fu?r die unglu?ckliche Charlotte jedoch ein Grund mehr mit ihrer Ehe zu hadern. Sie ahnen allerdings noch nicht, wie stark ihre Leben wirklich miteinander verbunden sind …

Erste Leser:innenstimmen„Ein fesselndes und romantisches Abenteuer! Mimi Kylling entführt uns in eine Welt voller Geheimnisse und Leidenschaft.“
„Der berührende Liebesroman über Familie, Liebe und Schicksal, der nicht nur das Herz erwärmt, sondern auch zum Nachdenken anregt.“
„Das Anwesen Vinewood Hill verleiht dem Drama eine besondere Atmosphäre, und die Beziehung zwischen Charlotte und Levi ist zart und gleichzeitig voller Leidenschaft.“
„Der mitreißende Familienroman ist eine wunderbare Mischung aus Mystery und Romantik! Ein absolutes Lesehighlight!“



Mimi Kylling wurde im Sommer 1993 geboren und lebt mit ihrer Familie in der Lüneburger Heide. Ihre Geschichten sind manchmal Rückenstärkung und Mutmacher, manchmal Wachrüttler und manchmal einfach nur zum Spaß. Bunt und vielfältig wie das Leben. Ihr Herz schlägt für die Underdogs und die gefallenen Held:innen - denn die leisesten Stimmen haben oft die größten Geschichten zu erzählen.
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Kapitel 1


Charlotte


„Mom, ich wollte keine Cornflakes. Ich wollte Schokopops.“ Die schrille Kinderstimme meines Sohnes sorgt dafür, dass in meinem Kopf ein Pfeifton entsteht. Immer schriller und schriller. Ich presse die Augenlider fest zusammen und stütze eine Hand auf den marmornen Küchentresen. Die Kälte jagt mir Schauer über die Haut.

„Das haben wir doch geklärt. Morgens gibt es keine Schokopops. So viel Zucker ist ungesund“, gebe ich mantraartig zurück, ohne mich zu ihm umzudrehen. Alle Mütter von kleinen Kindern werden mich jetzt verstehen, der Rest der Weltbevölkerung wird mich unhöflich finden. Aber über den Punkt, dass mir solche Gedanken Sorgen machen, bin ich weit hinaus. Hier geht es nicht um Höflichkeit, das hier ist eine Grundsatzentscheidung.

Ein Löffel klirrt auf Porzellan.

„Das sind Ekel-Cornflakes. Ekel-pekel. Die schmecken voll ekel-pekel-schei…“

„Lucian! Sag es ja nicht!“ Mit einem Ruck fahre ich herum und erhebe sogar den Zeigefinger. Wenn man den Zorn nicht in meiner Stimme hört, sieht man ihn spätestens in meinen Augen.

Früher habe ich im Scherz gesagt, dass ich mich erschieße, wenn ich mal so eine Mutter werde. Könnte mir jemand freundlicherweise das Gewehr reichen? Ich wäre dann so weit.

Situationen wie diese sind ein elterliches Paradoxon. Vielleicht auch einfach nur Karma. Ein Schlag in den Magen für jedes Mal, das man beim Anblick einer keifenden Mutter im Supermarkt mit den Augen gerollt hat, während man selbst noch kinderlos war. Ich weiß gar nicht, wie oft ich zu meinem Mann gesagt habe, dass es doch nicht so schwer sein kann, seinen Nachwuchs im Griff zu haben

Heute bin ich selbst die überforderte Mutter, die mittlerweile weiß, dass es manchmal nicht in der eigenen Macht liegt, ob man alles im Griff hat. Das Verweigern einer Süßigkeit kann im Zweifel einen Tsunami an Emotionen lostreten. Da ist man mit seinem logisch denkenden Erwachsenenhirn machtlos. Und gerade sind es eben die Schokopops.

Mein zorniger Blick trifft auf den herausfordernden meines vierjährigen Sohnes.

„Du weißt genau, dass wir solche Worte nicht benutzen wollen.“

„Scheiße.“ Er grinst.

„Lucian!“

„Scheiße.“

In meinem Kopf sollten jetzt die Sicherungen durchbrennen. Ich sollte ihm einen Vortrag halten. Darüber, wie schrecklich Schimpfwörter sind. Darüber, dass man sie nicht verwendet. Dass das ein unmögliches Benehmen ist. Die Worte sind alle da, aber sie wurden schon so oft ausgesprochen, dass sie sich seltsam gestaltlos anfühlen. Als hätten sie ihre wahre Bedeutung längst verloren.

Also lasse ich es sein und bete dafür, dass irgendeine Vorschullehrerin mehr Erfolg mit der Erziehung meines Kindes hat. Mit einem Ausatmen versuche ich, die Fassung wiederzufinden. Vergeblich. Der Löffel prallt Mal um Mal auf die Porzellanschüssel. Mit jedem weiteren Klirren steigt der Druck in meinem Kopf an.

Weil das provokant ist.

Weil er das extra macht.

Weil meine mütterlichen Nerven verdammt dünn sind.

Heute, gestern und an all den Tagen davor.

„Lass das“, fauche ich ihn an.

Es klirrt wieder. Gefolgt von Kinderlachen. Aber nicht dieses niedliche. Es ist die diabolische Sorte. Die, bei der man genau spürt, wie viel Freude es ihm bereitet, meine Geduld zu strapazieren.

„Lucian! Lass das!“

Eine Spur lauter.

Eine Spur klirrender.

Ich fahre herum. „Lass das verdammt noch mal sein! Was ist denn heute Morgen los, heilige …“

„Die Frage ist wohl eher, was mit dir schon wieder los ist.“ Eine Stimme von rechts lässt meinen Blick herumschwenken. Direkt auf Sebastian, der locker in die Küche geschlendert kommt. Er lächelt leicht und schließt während des Gehens blind einen Manschettenknopf an seinem blütenweißen Hemd, das ich gebügelt habe. In mühevoller Kleinstarbeit. Gestern Nacht. Weil ich es vorher vergessen hatte. Auf meiner Höhe bleibt er stehen und gibt mir einen Kuss.

„Guten Morgen“, murmelt er sanft und zieht eine Augenbraue hoch. Was auch immer er mir damit sagen will. Wie automatisiert streiche ich über seinen Kragen und entferne ein paar imaginäre Fussel. Er schiebt seine schwarze Brille zurecht.

„Alles in Ordnung? Du klingst gereizt.“

„Ja. Ja, natürlich. Alles in Ordnung.“

„Gut.“ Er wendet sich ab und entlässt mich damit aus seinem stahlblauen Blick. „Ach, was ich noch vergessen habe – ich habe heute Abend eine Einladung von Dr. Richardson. Ist wichtig.“

„Seit wann weißt du das?“

„Charlotte, fang nicht wieder so an.“

„Ich bin heute Abend mit Michelle verabredet, das hatte ich doch in den Planer eingetragen.“

Wir schauen uns an und ich weiß jetzt schon, wer am Ende des Tages in einem Restaurant sitzen wird und wer nicht.

„Kannst du das nicht verschieben?“ Sebastian dreht mir den Rücken zu und drückt auf dem Kaffeeautomaten herum.

„Wir haben das schon zum zweiten Mal verschoben.“ Der Satz wabert zwischen uns. Doch statt einzulenken, schaut Sebastian mich nur an. Das ist eine seiner vielen Stärken. Er hat die Fähigkeit, dem Druck so lange standzuhalten, bis sein Gegner einknickt. In seinen beruflichen Verhandlungen ist das ein entscheidender Vorteil. Im Privaten ist es eine Unart, die er nie ablegen wird, solange sie ihm dienlich ist. Er fährt sich durch die dunklen Haare, durch die sich schon deutlich graue Strähnen ziehen und seufzt.

„Also?“, frage ich erneut. Doch auch dieses Mal gibt er mir keine Antwort. „Sebastian!“

„Du weißt, dass ich das nicht absagen kann. Was soll ich denn erzählen? Dass meine Frau ein Kaffeekränzchen halten musste? Michelle ist doch auch zu Hause, ihr könnt das sicher wann anders nachholen. Vielleicht mal nachmittags. Nehmt die Kinder mit, ist bestimmt lustig.“ Er setzt sich mit seinem Kaffee zu Lucian an den runden Holztisch. In meinen Ohren rauscht es.

Als er beginnt, sich mit unserem Sohn zu unterhalten, ist es das unmissverständliche Zeichen, dass das Gespräch für ihn beendet ist. Bevor ich mich weiter darüber aufregen kann, betritt allerdings auch schon die nächste Mitspielerin in Form meiner Tochter Chloe die Bühne.

„Mom!“, sagt sie. Ohne . Ohne ein Lächeln. Es ist der gleiche anklagende Tonfall, den auch mein Sohn in Perfektion beherrscht.

„Guten Morgen, Süße.“ Ich will sie in den Arm nehmen, aber sie wehrt mich ab. Sie mag das nicht mehr, seit alle außer Dad zu uncool für sie sind.

„Warum hast du mich nicht früher geweckt?“ Ihre Stimme ist anklagend. „Wie soll ich in einer halben Stunde fertig werden? Mein Peeling braucht schon zehn Minuten.“

„Du brauchst kein Peeling.“

„Im Ernst? Schau mich mal an.“ Sie zieht eine Grimasse. Ich wünschte, sie könnte sich durch meine Augen sehen. Ich wünschte, sie wüsste schon, wie unbedeutend es irgendwann einmal sein wird, ob man mit vierzehn Pickel hatte oder eine Zahnspange.

„Du bist gut in der Zeit, Maus.“

Sie geht an mir vorbei, wirft ihr dunkles Haar theatralisch auf den Rücken und nimmt sich ein Glas Wasser, das sie in einem herunterstürzt.

„Willst du Frühstück? Flakes?“

Sie schaut, als hätte ich sie gefragt, ob sie Butter pur löffeln will.

„Weißt du, wie viel Zucker da drin ist? In vier Wochen ist das Vortanzen, Mom.“

„Irgendetwas solltest du schon essen.“

„Haben wir Grapefruits? Morgen, Daddy.“ Sie setzt sich neben Sebastian, der ihr einen Kuss auf den Scheitel gibt.

„Hey, Prinzessin. Vier Wochen nur noch? Hast du schon alles drauf?“

„Klar. Nächstes Jahr ist vielleicht sogar eine Hauptrolle drin.“

Sebastian wirft ihr einen anerkennenden Blick zu. „Dann streng dich mal schön an. Du weißt ja …“

„Von nichts kommt nichts“, ergänzt sie seinen Satz und strahlt an ihm hoch. Und ich weiß genau, was sie sieht. Für sie ist Sebastian der wundervollste Mann auf diesem Planeten. Ihr Daddy, der wie ein Ritter in glänzender Rüstung gegen alle Drachen kämpft, die ihre Zuckerwattewelt bedrohen. Der, der sie auf Händen trägt und alles für sie tun würde. Dessen Kreditkarten immer locker sitzen und bei dem man jederzeit seinen Willen bekommt.

Ich beneide sie für einen Moment darum, denn es gab eine Zeit, da habe ich ihn mit dem gleichen Blick betrachtet. Das war, bevor wir uns zwischen Frühstück und Zubettgehen kaum länger als drei Minuten am Stück gesehen haben. In einer Zeit, in der es nur uns beide gab. In einem anderen Leben.

Ich schlucke trocken und reiße den Blick von meiner Familie los, weil es auf der Küchenarbeitsplatte neben mir vibriert. Eine unbekannte Nummer erscheint auf dem Handydisplay. Das ist schon das vierte Mal seit gestern Nachmittag. Vermutlich wieder irgendein Telefonscam. Ein unfassbar überraschender Hauptgewinn in einer Lotterie, an der ich gar nicht teilgenommen habe, oder eine Meinungsabfrage zu meiner Zufriedenheit mit unserem aktuellen Telefonprovider. Als wäre meine Meinung ernsthaft für irgendjemanden auf diesem Planeten von Interesse.

„Dein Telefon klingelt“, sagt Sebastian.

Ich drücke den Anrufer weg. Ich bin jetzt nicht in der Stimmung für überraschende Hauptgewinne.

***

Eine halbe Stunde später sitzen wir zu dritt in meinem SUV und fahren auf Raleighs überfüllten Hauptverkehrsstraßen zuerst Lucians Vorschule an. Er hängt in seinem Kindersitz und zetert vor sich hin. In der Hand hält er zwei Dinosaurierfiguren, die auf solch brutale Weise miteinander kämpfen, dass ich mich frage, was ich in der Erziehung dieses Kindes eigentlich alles falsch gemacht habe. Er und...



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