Lachenmayr / Friedburg / Buser Auge - Brille - Refraktion
5. vollständig überarbeitete Auflage 2016
ISBN: 978-3-13-157305-6
Verlag: Thieme
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Schober-Kurs: verstehen - lernen - anwenden
E-Book, Deutsch, 183 Seiten, Format (B × H): 170 mm x 240 mm
Reihe: Thieme
ISBN: 978-3-13-157305-6
Verlag: Thieme
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Ob mit oder ohne Schober-Kurs: Die Ermittlung der Sehschärfe ist für Augenärzte, Optiker und Optometristen ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit.
Die 5., vollständig überarbeitete Auflage von "Auge - Brille - Refraktion" kann und will den Schober-Kurs nicht ersetzen. Ziel ist es, die Kursinhalte verständlich zusammenzufassen und verlässliches Praxiswissen zur objektiven und subjektiven Refraktionsbestimmung zur Verfügung zu stellen. Manuelle Techniken werden Schritt für Schritt erläutert und durch zahlreiche Grafiken anschaulich und leicht nachvollziehbar. Das kann sich sehen lassen.
Jederzeit zugreifen: Der Inhalt des Buches steht Ihnen ohne weitere Kosten digital in der Wissensplattform eRef zur Verfügung (Zugangscode im Buch). Mit der kostenlosen eRef App haben Sie zahlreiche Inhalte auch offline immer griffbereit.
Zielgruppe
Ärzte
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
Weitere Infos & Material
1;Bernhard Lachenmayr, Dieter Friedburg, Annemarie Buser: Auge – Brille – Refraktion;1
1.1;Innentitel;4
1.2;Impressum;5
1.3;Vorwort zur 5. Auflage;6
1.4;Vorwort zur 4., überarbeiteten Auflage;6
1.5;Anschriften;7
1.6;Inhaltsverzeichnis;8
1.7;1 Einführung;12
1.8;2 Physiologische Optik;13
1.8.1;Ophthalmologische Optik;13
1.8.1.1;Einführung;13
1.8.1.2;Geometrische Optik, „Snellius-Brechungsgesetz;13
1.8.1.3;Optische Abbildung durch Prismen;14
1.8.1.4;Sphärische Linsen;15
1.8.1.5;Zylinderlinsen;18
1.8.1.6;Prismatische Nebenwirkung;20
1.8.2;Sehschärfe;21
1.8.2.1;Sehschärfekriterien;21
1.8.2.2;Wodurch wird die Sehschärfe des Auges bestimmt?;22
1.8.2.3;Sehschärfe und Visus;23
1.8.2.4;Sehschärfe als Funktion der Adaptationsleuchtdichte;24
1.8.2.5;Sehschärfe als Funktion der Exzentrizität;24
1.8.2.6;Sehschärfe als Funktion der Fehlrefraktion;25
1.8.2.7;Messung der Sehschärfe;26
1.8.2.8;Normgerechte Sehschärfeprüfung;27
1.8.3;Akkommodation;28
1.8.3.1;Einführung;28
1.8.3.2;Anatomie und Physiologie;28
1.8.3.3;Äußere und innere „Akkommodation;29
1.8.3.4;Dynamik der Akkommodation;30
1.8.3.5;Ruhelage der Akkommodation;30
1.8.3.6;Fernpunkt, Einstellpunkt und Nahpunkt;31
1.8.3.7;Akkommodationsaufwand – Akkommodationserfolg;32
1.8.3.8;Duane-Kurve;35
1.8.4;Nachtmyopie und „Nachtpresbyopie;35
1.8.4.1;Einführung;35
1.8.4.2;Ursache der Nachtmyopie;36
1.8.4.3;Häufigkeit der Nachtmyopie;37
1.8.4.4;Bestimmung der Nachtmyopie;37
1.8.4.5;Korrektur der Nachtmyopie;37
1.8.4.6;Instrumentenmyopie;37
1.8.4.7;Nachtpresbyopie;38
1.9;3 Objektive Refraktionsbestimmung;39
1.9.1;Manuelle Refraktometrie;39
1.9.1.1;Einführung;39
1.9.1.2;Optometer-Prinzip;39
1.9.1.3;Fokussierrefraktometer;40
1.9.1.4;Koinzidenzrefraktometer;41
1.9.2;Automatische „Refraktometer;43
1.9.2.1;Einführung;43
1.9.2.2;Messprinzipien;43
1.9.2.3;Handgehaltene „Refraktometer;44
1.9.2.4;Genauigkeit und „Zuverlässigkeit;44
1.9.3;Skiaskopie;44
1.9.3.1;Einführung;44
1.9.3.2;Optische Grundlagen;45
1.9.3.3;Ausführung der Strich-Skiaskopie;49
1.10;4 Subjektive Refraktionsbestimmung;56
1.10.1;Einführung;56
1.10.1.1;Refraktion;56
1.10.1.2;Refraktionsdefizit;56
1.10.1.3;Arten der Fehlsichtigkeit: Myopie, Hyperopie, Astigmatismus;56
1.10.1.4;Hauptebenen und „Knotenpunkte;58
1.10.1.5;Gullstrand-Auge;60
1.10.1.6;Hornhautscheitelabstand;60
1.10.1.7;Ablauf der „Refraktionsbestimmung;61
1.10.1.8;Probierbrille und „Refraktionsmessgläser;62
1.10.1.9;Manuelle Phoropteren;62
1.10.1.10;Automatische Phoropteren;63
1.10.2;Sphäre und Kreuzzylinder;63
1.10.2.1;Einführung;63
1.10.2.2;Optische Grundlagen;64
1.10.2.3;Praktischer Ablauf des monokularen „subjektiven Abgleichs;67
1.10.2.4;Subjektive Refraktionsbestimmung ohne Kenntnis „objektiver Werte;70
1.10.3;Alternative „Refraktionsverfahren;70
1.10.4;Sphärischer Feinabgleich;73
1.10.4.1;Einführung;73
1.10.4.2;Sukzessivverfahren;73
1.10.4.3;Simultanverfahren: Rot-Grün-Abgleich;74
1.10.4.4;Simultanverfahren: „Kreuzzylinder und Strichfigur;75
1.10.5;Binokularabgleich;75
1.10.5.1;Einführung;75
1.10.5.2;Durchführung des Binokularabgleichs unter Nebelung;78
1.10.5.3;Durchführung des „Binokularabgleichs ohne Nebelung;79
1.10.5.4;Trageversuch;80
1.10.6;Anisometropie;80
1.10.6.1;Einführung;80
1.10.6.2;Definition;80
1.10.6.3;Bedeutung der „Anisometropie aus ophthal„mologisch optischer Sicht;80
1.10.6.4;Klinische Bedeutung der Anisometropie;82
1.10.6.5;Aniseikonie oder geometrisch optischer „Bildgrößenunterschied?;83
1.10.6.6;Möglichkeiten der „Bildgrößenbeeinflussung;84
1.10.7;Die Bestimmung und Verordnung von Nahbrillen;84
1.10.7.1;Einführung;84
1.10.7.2;Bestimmung des Nahzusatzes;85
1.10.7.3;Ablauf der standardisierten Additionsbestimmung;85
1.10.7.4;Alternative „Untersuchungsmethoden;86
1.10.7.5;Verordnung der Nahaddition;87
1.10.7.6;Welche Brille soll man für die Nähe empfehlen?;88
1.10.8;Heterophorie;91
1.10.8.1;Physiologische „Vorbemerkungen;91
1.10.8.2;Klinik der Heterophorie;96
1.10.9;Stellenwert der „Prismenkorrektion im Rahmen der Schielbehandlung;100
1.10.9.1;Optik des Prismas;100
1.10.9.2;Prismen in der „Schielbehandlung;100
1.10.9.3;Nachteile der „Prismenkorrektion;101
1.10.10;Asthenopische Beschwerden und Brille;102
1.10.10.1;Einführung;102
1.10.10.2;Optische Asthenopie;103
1.10.10.3;Akkommodative „Asthenopie;103
1.10.10.4;Vergenz-bedingte „Asthenopie;103
1.10.10.5;Sensorische Asthenopie;104
1.10.10.6;Führungsauge;104
1.11;5 Brille;105
1.11.1;Optik und Abbildungsfehler;105
1.11.1.1;Einführung;105
1.11.1.2;Sphärische Aberration „(Öffnungsfehler);105
1.11.1.3;Chromatische Aberration (Farbfehler);106
1.11.1.4;Astigmatismus schiefer Bündel;107
1.11.1.5;Bildfeldwölbung;109
1.11.1.6;Koma;109
1.11.1.7;Verzeichnung;110
1.11.1.8;Korrekturmöglichkeiten der Abbildungsfehler von „Brillengläsern;110
1.11.2;Brillenglasmaterialien;110
1.11.2.1;Einführung;110
1.11.2.2;Brechungsindex n;110
1.11.2.3;Abbe-Zahl ?;111
1.11.2.4;Reflexionsgrad ?;111
1.11.2.5;UV-Transmission;112
1.11.2.6;Dichte ?;113
1.11.2.7;Verschleißfestigkeit;113
1.11.2.8;Bruchfestigkeit;113
1.11.2.9;Welches Material soll Verwendung finden?;114
1.11.3;Zentrierung und Sitz der Brille;115
1.11.3.1;Einführung;115
1.11.3.2;Optischer Augendrehpunkt Z?;115
1.11.3.3;Drehpunktforderung;116
1.11.3.4;Bezugspunktforderung;116
1.11.3.5;Brillenglaszentrierung in der Praxis;116
1.11.3.6;Prismatische Abweichung bei Dezentrierung;117
1.11.3.7;Zulässige prismatische Abweichung bei Dezentrierung;117
1.11.3.8;Bestimmung von „Mittenabstand und Pupillendistanz;118
1.11.3.9;Zentrierung der Nahbrille;119
1.11.3.10;Weitere Toleranzen für die Brillenfertigung;119
1.11.3.11;DIN??EN ISO 21€?987;120
1.11.3.12;Schlussbetrachtung;120
1.11.4;Einstärkengläser, „Prismengläser, Mehrstärken- und Gleitsichtgläser;120
1.11.4.1;Einführung;120
1.11.4.2;Einstärkengläser;121
1.11.4.3;Einstärkengläser mit „prismatischer Wirkung;121
1.11.4.4;Bifokal- und Trifokalgläser;122
1.11.4.5;Gleitsichtgläser;124
1.11.5;Gläser für hohe Hyperopie und Myopie;129
1.11.5.1;Einführung;129
1.11.5.2;Gewichtsreduktion;130
1.11.5.3;Gesichtsfeld und Blickfeld;131
1.11.5.4;Mess- und Gebrauchswert;131
1.11.5.5;Scheitelbrechwert und Hornhautscheitelabstand;132
1.11.6;Kinderbrille;133
1.11.6.1;Wann ist eine Korrektion erforderlich?;134
1.11.6.2;Wie sollte die objektive Refraktion ermittelt werden?;134
1.11.6.3;Zentrierung: MA€?=€?PD;134
1.11.6.4;Gewichtsreduktion: „Kunststoff und kleiner „Scheibendurchmesser;135
1.11.6.5;Entspiegelung, Tönung: In der Regel nein!;135
1.11.6.6;Kindgerechte Fassungen;136
1.11.7;Scheitelbrechwertmesser;136
1.11.7.1;Messprinzip;136
1.11.7.2;Manuelle „Scheitelbrechwertmesser;137
1.11.7.3;Messung von Einstärkengläsern ohne prismatische Wirkung;139
1.11.7.4;Messung von Zwei- und Mehrstärkengläsern;139
1.11.7.5;Messung von prismatischen Gläsern;140
1.11.7.6;Messung von „Gleitsichtgläsern;141
1.11.7.7;Automatische „Scheitelbrechwertmesser;142
1.11.8;Getönte Gläser, „Lichtschutzgläser, „Entspiegelung;142
1.11.8.1;Einführung;142
1.11.8.2;Filtergläser;142
1.11.8.3;Sonnenschutzgläser;143
1.11.8.4;Phototrope Gläser;144
1.11.8.5;Arbeitsschutzgläser;144
1.11.8.6;Entspiegelung;145
1.11.9;Vergrößernde Sehhilfen;146
1.11.9.1;Einführung;146
1.11.9.2;Definition von „Sehbehinderung;147
1.11.9.3;Was ist für ein „normales Sehen“ erforderlich?;148
1.11.9.4;Lesen: eine Folge von Sakkaden;148
1.11.9.5;Sehbehinderung durch Störungen der optischen Medien;149
1.11.9.6;Sehbehinderung durch neuronale Defekte;150
1.11.9.7;Möglichkeiten der Rehabilitation;150
1.11.9.8;Ausblick;154
1.12;6 Sonstiges;155
1.12.1;Funktionsprüfung bei Medientrübungen;155
1.12.1.1;Einführung;155
1.12.1.2;„Potentielle Sehschärfe“;155
1.12.1.3;Einfache psychophysische Testverfahren;155
1.12.1.4;Entoptische Phänomene;156
1.12.1.5;Stenopäische Visusprüfung;157
1.12.1.6;Optisch robuste „Prüfkriterien;157
1.12.1.7;Maxwell-Abbildung mit punktförmiger Apertur;158
1.12.1.8;Interferometrische Verfahren;158
1.12.1.9;Elektrophysiologische Verfahren;159
1.12.1.10;Ausblick;159
1.12.2;Funktionsprüfung bei Simulation und Aggravation;159
1.12.2.1;Einführung;159
1.12.2.2;Tricks, Beobachtung des Patienten;160
1.12.2.3;Binokulartests;160
1.12.2.4;Binokulare „Verwechslungstests;161
1.12.2.5;Monokulare Tests;161
1.12.3;Prüfung des Farbensehens;162
1.12.3.1;Einführung;162
1.12.3.2;Farbraum: Farbton, „Sättigung und Helligkeit;162
1.12.3.3;Theorien des Farbensehens;164
1.12.3.4;Hereditäre „Farbsinnstörungen;165
1.12.3.5;Erworbene „Farbsinnstörungen;165
1.12.3.6;Farbkonfusionstests;165
1.12.3.7;Anomaloskope;167
1.12.3.8;Welche Farbtests sollte sich der Augenarzt für seine Praxis anschaffen?;169
1.12.4;Stereosehen;169
1.12.4.1;Einführung;169
1.12.4.2;Fusion;169
1.12.4.3;Netzhautkorrespondenz;169
1.12.4.4;Horopter;170
1.12.4.5;Panumareal und „Panumraum;172
1.12.4.6;Stereowinkel;173
1.12.4.7;Klinische Verfahren zur Prüfung des Stereosehens;173
1.12.4.8;Binokularer Wettstreit;174
1.12.4.9;Führungsauge;175
1.12.4.10;Monokulare „Tiefenwahrnehmung;175
1.13;7 Literatur;177
1.14;Sachverzeichnis;180
2 Physiologische Optik
2.1 Ophthalmologische Optik
A. Buser
2.1.1 Einführung
Die Refraktionsbestimmung dient zur Messung der Brechkraft des Auges. Einheit der Brechkraft ist die Dioptrie [dpt] als Reziprokwert der Brennweite in Metern [m]. Die Refraktion des Auges ist der Kehrwert der in Metern gemessenen Entfernung des Fernpunktes vom Auge (Fernpunktrefraktion). Refraktionsbestimmung im engeren Sinne bedeutet, den optischen Zahlenwert für eine Sehhilfe zu finden, im Allgemeinen für ein Brillenglas, durch das ein Auge für einen unendlich fernen Punkt rechtsichtig wird, d.?h. seine maximal mögliche Sehschärfe erreicht. Hierzu finden ausschließlich optische Hilfsmittel Anwendung. Jedes Auge wird zunächst einzeln refraktioniert, wobei man sich aber darüber im Klaren sein muss, dass die so gefundenen Refraktionswerte für die beiden Einzelaugen nicht notwendigerweise die beste Korrektur für das Binokularsehen sind. Es muss also zwischen der besten optischen Korrektur und der besten physiologischen Korrektur unterschieden werden. Da die Refraktion des Einzelauges ein rein optischer Prozess ist, sei eine kurze Einführung in die Optik vorausgeschickt.
2.1.2 Geometrische Optik, Snellius-Brechungsgesetz
Die geometrische Optik wird durch das Brechungsgesetz bestimmt, das um das Jahr 1600 von Snellius entdeckt wurde. Es besagt, dass ein Lichtstrahl, der von einem optisch dünneren Medium, z.?B. Luft, in ein optisch dichteres Medium, z.?B. Wasser, einfällt und schräg auf die Grenzfläche auftrifft, seine Richtung ändert und zum Lot hin gebrochen wird. ? Abb. 2.1 zeigt schematisch die Verhältnisse, es gilt:
Snellius-Brechungsgesetz.
Abb. 2.1 Der von links oben auf die Grenzfläche treffende Strahl wird zum Teil reflektiert (nach rechts oben), zum Teil gebrochen (nach rechts unten). Die Brechungsindizes der Medien sind mit n1 und n2 bezeichnet. Im vorliegenden Fall ist n2 > n1 (Brechung zum Lot hin). Einfallswinkel = Reflexionswinkel = a, Brechungswinkel = ß.
Formel 1
-
a = Einfallswinkel
-
ß = Austrittswinkel
-
= Brechzahl des optisch dünneren Mediums
-
= Brechzahl des optisch dichteren Mediums
Beim Übergang in optisch dünneres Medium werden Lichtstrahlen vom Lot weggebrochen. Die Brechung erfolgt aufgrund der unterschiedlichen Lichtgeschwindigkeiten in den Medien, je dichter das Medium, desto geringer die Lichtgeschwindigkeit. Das Verhältnis der Lichtgeschwindigkeiten im Vakuum zur der in dem jeweiligen Medium ist der Brechungsindex oder die Brechzahl n.
Formel 2
-
n = Brechzahl des Mediums
-
CVakuum = Lichtgeschwindigkeit im Vakuum
-
CMedium = Lichtgeschwindigkeit im Medium
Die Brechzahl für Wasser liegt bei ca. 1,3, für einfaches Brillenkronglas bei ca. 1,5 und für Diamant bei ca. 2,4. Es sei hier schon festgehalten, dass der Wert der Brechzahl von der Wellenlänge des Lichtes abhängt: Je kürzer die Wellenlänge, desto höher der Brechungsindex. Blaues Licht wird demnach stärker gebrochen als rotes Licht. Dieses Phänomen bezeichnet man als Dispersion.
2.1.3 Optische Abbildung durch Prismen
Optische Bauelemente wie Spiegel, Prismen oder Linsen ändern die Richtung der Strahlen, die von einem Objektpunkt O ausgehen, derart, dass dieser in einen Bildpunkt B abgebildet wird. Die ? Abb. 2.2a? zeigt dies für ein einfaches optisches Bauelement, für das Prisma.
In einem wird der Lichtstrahl im Allgemeinen zweimal gebrochen, zum einen beim Eintritt in das Prisma zum Lot hin, zum anderen beim Austritt aus dem Prisma vom Lot weg. Die Stärke der jeweiligen Brechung ist durch das Snelliussche Brechungsgesetz gegeben. Die dritte Seite eines Prismas, durch die das Licht weder ein- noch austritt, bezeichnet man als Basis. Ein Prisma lenkt einen Lichtstrahl zur Basis hin um einen Winkel d ab. Wegen der Wellenlängenabhängigkeit der Brechzahl werden unterschiedliche Spektralfarben unterschiedlich stark gebrochen, ein Prisma kann weißes Licht in seine Spektralfarben zerlegen ( ? Abb. 2.2b).
Strahlenbrechung bei Prismen.
Abb. 2.2
Abb. 2.2a Abbildung eines (nahe gelegenen) Objektpunkts O durch ein starkes Prisma in den Bildpunkt B. Die Strahlen werden an beiden Grenzflächen des Prismas derart abgelenkt, als kämen sie vom Bildpunkt B.
Abb. 2.2b Die Brechung an den Grenzflächen erfolgt nach dem Brechungsgesetz: An der Eintrittsfläche werden Lichtstrahlen zum Lot hin, an der Austrittsfläche vom Lot weg gebrochen. Ein Prisma mit dem Winkel e lenkt Lichtstrahlen um einen Winkel d um die Basis herum ab. Da die Brechzahl n von der Wellenlänge abhängt, wird weißes Licht in seine Spektralfarben zerlegt. (Hier übertrieben dargestellt.)
Die Ablenkung d aus der ursprünglichen Richtung hängt ab von der Brechzahl n und vom Prismenwinkel e zwischen Ein- und Austrittsfläche. Bei stärkeren Prismen ist die Ablenkung des Weiteren davon abhängig, unter welchem Winkel der Lichtstrahl auf das Prisma fällt. Bei symmetrischem Durchgang – der einfallende Strahl hat den gleichen Winkel zur Eingangsfläche wie der austretende zur Ausgangsfläche, im Prisma verläuft dann der Strahl parallel zur Basis – lenken Prismen minimal ab. Diese minimale Ablenkung wird in der technischen Optik üblicherweise bei der Bezeichnung der Prismen verwendet. In der Augenoptik und Ophthalmologie gelten jedoch die auf Messgläsern angegebene Wirkung für den Fall, dass der Lichtstrahl im Raum senkrecht zur Rückfläche der Prismen verläuft. Daraus folgt, dass Prismen mit der Rückfläche frontoparallel gehalten werden müssen, nur dann gilt die angegebene Wirkung. Sie kann als Ablenkwinkel in Grad quantifiziert werden, wie es in der Orthoptik oft der Fall ist. In der Augenoptik ist es allerdings gebräuchlicher, die Ablenkung in cm gemessen in 1 m Abstand von der Austrittsfläche anzugeben ( ? Abb. 2.3).
Prismenwirkung.
Abb. 2.3 In der Augenoptik wird die prismatische Wirkung durch die Ablenkung in cm in einem Abstand von 1 m vom Prisma angegeben. Die Einheit ist cm/m. Das Prisma ist dabei so im Strahlengang anzuordnen, dass der Lichtstrahl im Raum vor dem Prisma senkrecht zur augenseitigen Fläche verläuft.
Wird der Lichtstrahl in 1 m Abstand beispielsweise um 5 cm abgelenkt, so entspricht das einer prismatischen Wirkung von 5 cm/m (früher benutzte man hierfür den Ausdruck Prismendioptrie [pdpt]). Die Umrechnungen lauten: 1 cm/m entspricht 0,57° oder 1° entspricht 1,75 cm/m.
In der ophthalmologischen Diagnostik werden Prismen als Einzelprismen (z.B. im Gläserkasten), zusammengefasst als Prismenleiste oder als Folienprismen nach dem Fresnel-Prinzip verwendet ( ? Abb. 2.4). Prismen können in Brillengläser eingeschliffen und mit sphärischen oder zylindrischen Wirkungen kombiniert werden. Ein rein sphärisches/zylindrisches Brillenglas hat außerhalb der optischen Achse, d.h. bei seitlichem Blick, bereits eine ablenkende Wirkung, die als prismatische Nebenwirkung bezeichnet wird (Kap. ? 2.1.6 und Kap. ? 5.4.3).
Verschiedene Prismen.
Abb. 2.4
Abb. 2.4a Einzelprisma.
Abb. 2.4b Prismenleiste mit variablen Prismenstärken.
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