Lämmermann / Höft Landluft für Anfänger - 11
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8387-4788-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Hundstage
E-Book, Deutsch, Band 11, 97 Seiten
Reihe: Landluft für Anfänger
ISBN: 978-3-8387-4788-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
DAS MUSS LANDLIEBE SEIN - ein digitaler Serienroman in 12 Folgen.
Folge 11: Hundstage
Während der Hochsommer verglüht, schuften die Schwestern rund um die Uhr, um ihre Gäste zufrieden zu stellen und ihre Pension mit ein paar Sternen zu vergolden.
Doch Leidenschaft und Neugier lassen sich nicht auf Dauer in Schach halten. Und so riskieren Iris und Mia in einem Anfall von jugendlichem Leichtsinn, dass ihnen alles um die Ohren fliegt ...'
'Landluft für Anfänger' bietet 12 Folgen romantisch humorvolles Lesevergnügen für Fans von Kerstin Gier und Britta Sabbag.
Neben dem eBook ist 'Landluft für Anfänger' auch als Audio-Download (ungekürztes Hörbuch) und als Taschenbuch (gekürzt) erhältlich.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Samstag, 2. August
6:10. Vor dem Bad der Remise
OMMMM. Beinahe wäre ich auf dem Weg zu meinem morgendlichen Kaffee über Tweety gestolpert, die in einer Umzugskiste vor unserem Bad sitzt und verzweifelt nach ihrer »Mama« weint. Seit ein paar Tagen scheint Elke ihrer selbstlosen Mutterrolle endgültig überdrüssig zu sein. Und lässt das inzwischen schon recht stattliche Gänsemädchen (wenn man Torbens Geschlechtsbestimmung trauen darf) nicht mehr mit in die Dusche (und übertönt das Verlustgeschrei des Gössels mit ausgleichenden Omm-Gesängen). Ob Elke sich wohl Gedanken macht, wie das in Zukunft gehen soll? Sie wird ja kaum im Winter draußen übernachten können … Gähnend setze ich den Kaffee auf. Ohne kann ich den Tag vergessen – zwei Pensionen, eine Gaststätte und einen halben Bauernhof zu führen, das ist mehr als ein Fulltimejob. Kaum zu glauben, dass ich mir jetzt noch Schnapsbrennen als Hobby ans Bein binden will. Aber was tut man nicht alles, um Licht ins Dunkel der eigenen Familiengeheimnisse zu bringen. Barfuß tapse ich die kalten Steinstufen der Kellertreppe hinunter …
Keller in der Remise
Am besten wäre es, den restlichen Sommer hier unten im Kühlen zu verbringen. Ich schiebe ein paar Kisten beiseite, in denen wir Winterkleidung gelagert haben, und ziehe das Bettlaken von einem abgedeckten Ungetüm, das dahintersteht. In dem Moment höre ich Schritte hinter mir. Ich fahre herum. Iris. Ausgerechnet.
»Was machst du denn da?« – »Nichts.« Mann, Mia, das ist ja mal eine überzeugende Antwort. Aber mein Kopf ist eben noch nicht ganz wach. »Nichts?«, kommt es dementsprechend irritiert von meiner Halbschwester zurück. Da zum Glück nur diffuses Licht durch das ungeputzte Kellerfenster dringt, bleibt Iris meine feuerrote Birne verborgen. »Ich, ähh, wollte Marmelade fürs Frühstück holen.« Na, also Gehirn, geht doch. Selbst Iris scheint überrascht von meiner Geistesgegenwart. »Dann hätte ich mir den Weg ja sparen können. Kirsche ist aus und Himbeere.« – »Ich weiß«, trumpfe ich auf und verrate mich beinahe, denn Iris dreht sich um und sagt erstaunt: »Aha. Kannst du jetzt hellsehen wie Elke, oder woher weißt du, dass mir soeben ein Glas Himbeermarmelade heruntergefallen ist?« Erst jetzt bemerkt sie die blecherne Konstruktion, von der ich eben den Staubschutz abgezogen habe. »Marthas Destille müssen wir unbedingt mal entsorgen. Nicht, dass jemand noch auf die Idee kommt, wir brennen illegal Schnaps.« Ich nicke. Iris ist schon fast am Treppenabsatz angekommen, als mir der rettende Einfall kommt. »Brauchst du das Auto heute?« – »Nein, wieso?«
6:20. Pensionsküche
»Vorsicht!« Scheppernd fallen mir der kleine Kupfertopf und eine Plastiktüte mit irgendwelchen Kleinteilen auf die Türschwelle. »Ist was kaputtgegangen?!«, schreit Mia gleich hysterisch hinter mir, die den riesigen Kupferkessel trägt und wohl nicht gesehen hat, dass und vor allem warum ich so abrupt abgebremst habe. – »Und wenn … das Zeug kommt doch sowieso auf den Müll.« – »Trotzdem: »Pass doch auf!«, schießt Mia nach. Und dann kleinlauter: »Vielleicht kann es ja noch jemand gebrauchen …« Ich verkneife mir, ihr zu stecken, dass sie schließlich auf mich aufgelaufen ist. Vor mir streckt Elke ihren Allerwertesten in die Luft. Sie lässt eben einen Umzugskarton auf den Boden plumpsen und kippt ihn mit einem saftigen Fußtritt um. Die schnatternde Tweety rappelt sich auf und wieselt sofort um die Füße ihrer Peinigerin. Wenn Bernd das gesehen hätte! »Elke, könnten wir mal durch?« Mias Mutter rückt ihren Handtuchturban zurecht und sieht mich kritisch an. »Du siehst übernächtigt aus.« – »Dir auch einen guten Morgen, Elke.« Aber sie hat Recht. Die Nacht hat mir stundenlanges Herumwälzen und schlechte Träume beschert. Außerdem raubt uns der verflixte Hahn, den unser Vater uns hat zukommen lassen, Nacht für Nacht den Schlaf, weil er es für nötig hält, zwei Stunden vor Sonnenaufgang einen Riesen-Aufriss zu machen und sich die Seele aus dem aufgeplusterten Brustkorb zu krähen. Ein Glück, dass wenigstens unsere Gäste bisher den ›Charme des Landlebens‹ zu schätzen wissen. – »Ich fürchte, es gibt bald doch noch Coq au Vin«, sage ich und bücke mich nach dem Kupfertopf. – »Das können wir Winnetous Harem nicht antun«, witzelt Mia hinter mir. Ihr tun wohl langsam die Arme weh, denn sie stellt das Trumm polternd vor sich ab. Und schnappt sich die Tüte mit dem Krimskrams. »Die haben doch gerade erst entdeckt, dass …« – »Ja, ja, schon gut.« Ich habe jetzt keine Lust, über Hühnersex zu reden, erinnere mich allerdings auch sehr gut daran, wie unsere Hühnerdamen wie vom Donner gerührt waren, als sie zum ersten Mal in ihrem Leben die Wonnen der Lust kennenlernen durften. Zumindest hat Winnetou sie im Griff. Das Mobbing ist deutlich weniger geworden, und die abendliche Zubettgeh-Zeremonie verläuft sehr viel geordneter. Auch der Fuchs hat sich – wie es aussieht – nicht mehr blicken lassen.
Zum Glück – Bunsenbrenner, Thermometer, Metalltrichter – das ganze Zeug scheint noch heil zu sein. »Ist das mein Kaffee?« Fragend schaue ich auf die Tasse, die Elke in der Hand hält. Die zuckt nur mit den Schultern und verkündet, als wäre damit alles zu entschuldigen: »Ich habe beschlossen, morgen nach Hause zu fahren.« Wie bitte? Auch Iris guckt, als hätte Elke eben verkündet, ihr Ungeborenes in eine Babyklappe legen zu wollen. – »Ähh … und das Gössel?« – »Ja, Elke, wie hast du dir das vorgestellt?« – »Jetzt schaut mich doch nicht so an, als hätte ich vor, einen Hund an der Raststätte auszusetzen. Dann rufen wir eben Torben an, der weiß sicher, was zu tun ist. Mir geht es wie den Hühnern. Ich brauch endlich mal wieder einen ordentlichen Fick. Pedro, du weißt, mein Yogalehrer, der war da wirklich …« Iris und ich sehen uns an. – »Wir sollten dringend die Sachen ins Auto laden.« – »Ja, da hast du Recht. Ich muss auch gleich noch in den Stall. Mich um meine Tiere kümmern«, sage ich, werfe einen vielsagenden Blick zu meiner Mutter und dränge mich an ihr vorbei. – »Pedro hatte so eine besondere Technik …« – »Und dieses Gerät für bargeldloses Zahlen müssen wir auch noch anschließen«, übertönt Iris meine Mutter und geht schnellen Schrittes in Richtung Fließ. »Mia, denkst du daran, die Kofferablagen zu besorgen? Du weißt ja, die Kommission kann jeden Tag …« Soweit es uns mit unserem Ballast möglich ist, rennen Iris und ich eher, als wir gehen, über unser Grundstück, um den rettenden Kahn zu erreichen. Zum Glück schlafen unsere Gäste noch, sonst würden sie sich über unsere alberne Prozession wohl wundern. Elke folgt uns mit Tweety im Schlepptau, die Elkes Auslassungen über die Wiedervereinigung mit ihrem Yogalehrer lauthals schnatternd untermalt. Am Fließ angekommen, laden Iris und ich in Rekordgeschwindigkeit die Einzelteile in den Ziehkahn. Als Iris mir das letzte Teil in den Kahn gereicht hat, ziehe ich an der Schnur, und der Kahn gleitet auf das Fließ hinaus. »Hey!« Iris durchschaut meine Finte zu spät, ich bin schon eine gute Beinlänge vom Ufer entfernt. Ich grinse und winke. »Das wirst du mir büßen«, zischt Iris. – »In meinem Alter ist das Jadetor natürlich etwas trocken, aber …«, höre ich Elke noch, dann wende ich mich um und genieße den erwachenden Tag. Wenn Elke so weitermacht, steckt Iris sie zusammen mit Winnetou in den Suppentopf.
9:55. Waschküche im Keller der Pension
»Du kannst doch nicht alles in einen Topf schmeißen, Iris. ›Verheiratet‹ und ›verheiratet‹ ist nicht immer dasselbe.« Ich grunze unwillig und schiebe ein zweifach gefaltetes Bettlaken der Länge nach in die Heißmangel (die Mia bei eBay erstanden hat). – »Für mich schon. Und Bennos Frau sieht das sicher auch anders als du«, antworte ich. Vor mir steht Torben, der Mias und meinem Ruf tatsächlich prompt gefolgt ist und Mias störrischer Mutter einen mehrtägigen Sit-in am Zaun unseres heterosexuellen Gänsepaares verordnet hat. Die Chance, dass sich Tweety langsam an die übrigen Gänse gewöhnt, sei allerdings, so Torbens Warnung, so groß wie ein Sechser im Lotto. Da ich es Elke zutraue, Tweety auch ohne Eingliederung zurückzulassen, und mir ein heulendes, das Essen verweigerndes Gänsebaby nicht gerade geschäftsfördernd erscheint, habe ich zähneknirschend das von Torben empfohlene Zusatzlos akzeptiert: Schaffen wir eben noch zwei junge Gänse an! Danke, Elke! Jetzt redet Torben seit einer Viertelstunde auf mich ein wie ein Immobilienmakler auf einen unschlüssigen Käufer, der nicht kapieren will, dass er gerade vor seinem Traumhaus steht. – »Ach, Irene braucht doch im Grunde etwas ganz anderes als einen Mann mit Schuldgefühlen. Sie …« – »Ich habe das Gefühl, dass du mich gerade wegen deiner Schuldgefühle mit Benno verkuppeln willst!« Ich bin tatsächlich ein bisschen beleidigt, dass ausgerechnet Torben mich, seine Jugendliebe, seit Neuestem ›an den Mann‹ bringen will. Seit seinem Coming-out und seit er sich mit Benno versöhnt hat. Deutlicher kann man einer Frau ja nicht zu verstehen geben, wie uninteressant man sie findet. – »Benno hat mich neulich den ganzen Abend über dich zugetextet. Und du bist gestern wohl kaum in die Klinik gerast, weil du Benno nicht ausstehen kannst …« Autsch! Jetzt habe ich mir die Finger verbrannt. Woher weiß er das nun schon wieder? Ich werde so rot wie die Quecksilbersäule eines Thermometers, das man in siedendes Wasser steckt, und beuge mich so tief über die Heißmangel, dass mir fast die Nase ankokelt. »Irene hat es mir...




