E-Book, Deutsch, 320 Seiten
Lahmer Rebellion im Hamsterrad
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96092-492-0
Verlag: FinanzBuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wie Sie Ihre Routine endlich gegen mehr Sinn, Freiheit und Geld tauschen
E-Book, Deutsch, 320 Seiten
ISBN: 978-3-96092-492-0
Verlag: FinanzBuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Niclas Lahmer ist ein deutscher Unternehmer, Autor und Vortragsredner.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
WIE DIE FREIHEIT STIRBT
Der Mensch ist frei wie ein Vogel im Käfig. Er kann sich innerhalb gewisser Grenzen bewegen.
Johann Kaspar Lavater
Im Größenvergleich zum noch lange nicht vollständig erforschten Universum ist unsere Welt ein kleiner Haufen irgendwo in der dunklen Leere. Auf diesem Haufen haben wir uns als Spezies gegenüber anderen Lebewesen sehr erfolgreich etabliert. In puncto Gefährlichkeit ist selbst der größte Jäger dieses Planeten im Vergleich zum Menschen ein Tier im Streichelzoo. Die Potenziale des Menschen, sowohl physisch als auch mental, sind denen der meisten anderen Lebewesen um ein Vielfaches überlegen. Damit wir aber in dieser Welt weiterhin überleben und dominieren können, ziehen wir Grenzen, die meisten davon in unserem Kopf.
In dieser dualistischen Welt, in der wir leben, nehmen wir ständig Bewertungen vor, damit es uns leichter fällt, das Leben zu verstehen, es zu formen und zu nutzen. Wir bewerten zwischen gut und böse, oben und unten, Scheidung und Hochzeit, Liebe und Hass, schwarz und weiß, Kapitalisten und Kommunisten, Himmel und Hölle, Jägern und Gejagten, reich und arm, Mann und Frau, klug und dumm, gierig und großzügig, links und rechts, schlank und fett, Hamstern und Rebellen oder zwischen schnell und langsam. Wir haben für alles eine Bewertung und eine Perspektive. Vor allem ist es unsere Perspektive, von der wir nur ungerne abweichen. Ein Perspektivenwechsel würde schließlich unsere kleine persönliche Welt ins Wanken bringen. Dieser dualistische Ansatz, wenn ich ehrlich bin, stört mich enorm. Das soll gar keine Koketterie sein. Mich bringt es fast um den Verstand, dass meine derzeitige Position und Meinung mich andere Perspektiven nicht einnehmen lässt und meinen Blick auf das Bild stark einschränkt. Jede Tür, die wir erfolgreich öffnen, schließt eine andere Tür. Wir können nicht jede Tür gleichzeitig eintreten und alle Chancen, die wir nutzen könnten, auch wirklich wahrnehmen. In einer perfekten Welt, in der Wirtschaftswissenschaftler recht behalten und es einen Homo oeconomicus wirklich gibt, wäre all das ja kein Problem. Alle Chancen, die es gäbe, könnten auch von uns genutzt werden. Doch in Wahrheit ist diese Welt nicht perfekt, und so etwas wie einen Homo oeconomicus, also einen rein rational denkenden Menschen, gibt es nicht. Wir werden durch unsere Emotionen getrieben und lassen aufgrund von Schuldgefühlen, Angst, Scham, Panik, Zweifeln und einer problematischen Kindheit die meisten Chancen einfach liegen. Die Grenzen zu unseren Chancen bauen wir uns selbst. Wir erschaffen die Mauern in unserem Geiste und zementieren diese dann um uns herum durch den Glauben an das Unmögliche. Das Hamsterrad unserer Gedanken bauen wir uns selbst. Wir sind wegen dieses Dualismus mentale Neandertaler. Wir sind emotionale Legastheniker, geistige Nichtschwimmer sozusagen.
Jede Tür, die wir erfolgreich öffnen, schließt eine andere Tür.
Klassifizierung
Dazu zählt auch, dass wir uns in der Masse anderen angleichen müssen. Unsere Spezies hat vor allem aus dem Grund der Gruppenbildung überlebt. Gemeinsam waren und sind wir stärker. Doch heute, in einer Zeit, in der wir sogar ohne Gruppe überleben könnten, hat das nicht nur Vorteile. Am besten kann man das auf den Schulhöfen unserer Kinder sehen. Neben den Nerds, den Sportlern und Clowns finden sich auf den Schulhöfen allerlei Gruppen von Schülern, in die sich die Kids schnell einsortieren. Die Gruppierung bestimmt dann auch die Chancen auf gute Noten, Anerkennung bei Freunden, auf einen Freund oder eine Freundin und die Gefahr, von Stärkeren gemobbt zu werden. Manchmal gibt es sogar die Chance, in der Rangordnung aufzusteigen. Doch wenn die Klassifizierung erst einmal steht, wird selten davon abgewichen. Wir gruppieren und klassifizieren auch hier im Reich des Dualismus, um das Leben zu verstehen und um zu überleben. Später dann, wenn die Kinder erwachsen geworden sind und die Schule verlassen haben, ist das Prinzip immer noch das gleiche. Überleben nur in der Gruppe?
Überleben nur in der Gruppe?
Auch bei der Partnersuche geht der Dualismus seinen Weg. Wir unterscheiden zwischen dem Schwabbelsack und dem heißen Typ mit Sixpack oder der 5- bis 10-Punkte-Frau. Wir lassen uns nur zu gern in diese Bilder hineinpressen. Wir definieren uns schließlich über diese Klassifizierung. In der Erziehung unserer Kinder ist das Spiel das gleiche. Wir sagen den Kindern, was sie zu tun und zu lassen haben und was nicht möglich ist. Statt die Kinder im Matsch spielen und völlig versifft und glücklich spätabends nach Hause kommen zu lassen, parken wir sie vor der Glotze und schalten den Fernseher ein oder drücken ihnen das Smartphone in die Hand. Relativ schnell wird den Kindern klar, was geht und was nicht geht.
Was waren all die Dinge, die wir nicht konnten, die unmöglich waren und die wir niemals tun durften? Wie hießen all die Möglichkeiten auf unserem Weg, die wir vorbei haben ziehen lassen, weil uns jemand erklärte, dass sie falsch und ungerecht seien? Als ich mein Abitur machte – mehr schlecht als recht, muss ich gestehen –, erklärte mir meine Deutschlehrerin, dass sie meine Abiturarbeit gnädig bewerten würde, wenn ich nicht wieder die Gedichtinterpretation vergeigen würde und ich ihr versprechen würde, niemals ein Buch zu schreiben. Ich habe ihr das Versprechen nicht gegeben und Jahre später trotzdem geschrieben, mittlerweile sogar mehrere Bücher, die zu Tausenden über die Ladentheken gehen. Ich bin dafür sehr dankbar. Vor allem, weil ich mein Versprechen mir selbst gegenüber nie gebrochen habe. Denn einige Versprechen dürfen wir anderen nicht geben, bevor wir uns nicht selbst versprochen haben, an uns selbst zu glauben, uns selbst wertzuschätzen und unsere Träume, koste es, was es wolle, zu verfolgen. Denn wenn wir unsere Träume und Chancen im Regen stehen lassen, stirbt auch unsere Freiheit. Doch diese Freiheit führt in den Suizid, wenn wir anderen gestatten, uns niederzumachen, uns einzureden, dass wir unzulänglich sind oder es nicht schaffen werden. Selbst der beste Kumpel oder die Busenfreundin kann so schnell zum Neider und Kontrahenten werden. Tun Sie sich selbst den Gefallen und bleiben Sie sich treu. Der Industrielle und Unternehmer Henry Ford soll dazu gesagt haben: »Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht: Du wirst auf jeden Fall recht behalten.«5
Die Qual der Wahl
Wer der eigenen Sklaverei entrinnen möchte, muss wählen zwischen absoluter Freiheit und selbst aufoktroyierter Sklaverei. In unserer dualistischen Welt müssen wir diese Wahl treffen. Wir kommen nicht drum herum. Auch sonst wählen wir ja permanent. Wir wählen unseren Beruf, wir wählen unseren Partner, wir wählen die Partei dieses Landes, von der wir uns erhoffen, dass sie im Namen des Bürgers nicht alles gegen die Wand fahren wird. Wir wählen, ob die Meinungen anderer unser Leben bestimmen werden oder keinen Einfluss über uns erhalten. Wir wählen ununterbrochen, und das ohne das Recht auf Veto. Selbst das Veto ist ein Ja oder Nein und entspricht damit dem Dualismus. Doch wir haben ein Wahlrecht, auch wenn es nicht immer einfach ist, richtig zu wählen. Doch hinterfragen wir auch dieses einmal. Auf der nächsten Seite erzähle ich ihnen ein Beispiel aus meinem Bekanntenkreis.
Wir haben ein Wahlrecht, auch wenn es nicht immer einfach ist, richtig zu wählen.
Ein Bekannter von mir hat zu seinem Wahlrecht eine völlig eigene Theorie aufgestellt und seine eigenen Fragen entwickelt. Als er beruflich anfing erfolgreicher zu werden, wollte er sich den Traum erfüllen, einmal einen roten Sportwagen zu kaufen. Er konnte sich nicht zwischen zwei Modellen entscheiden, aber seinen Traum auf den nächsten Friedhof zu stellen, konnte er sich auch nicht zugestehen. Sich beide Fahrzeuge leisten konnte er allerdings auch nicht. Was also tun? Er fragte sich: »Wie kann ich mir beides leisten?« Statt zu wählen, kaufte er über einen seiner Kunden im Rennsportgeschäft zwei relativ günstige und ältere Rennautos, die für das Rennsportgeschäft nicht mehr zu nutzen waren. Er verkaufte diese weiter an seinen Autohändler und bot im Gegenzug für zwei Neuwagen einen Rabatt. Der Autohändler nahm das Angebot an und verkaufte die Autos von der Rennstrecke an Liebhaber profitabel weiter. Der Händler, der Rennsportveranstalter und mein Bekannter machten einen Gewinn. Er hat jetzt zwei weitere Autos in der Garage stehen. Jeder bekam, was er wollte, und das nur, weil jemand sich abends bei einer Flasche Rotwein fragte: »Wie kann ich beides haben?«
Eine ähnliche Frage stellte sich auch Kyle MacDonald. Er publizierte im Netz seine Anzeige mit dem Titel: »Tausche Büroklammer gegen Haus.« Eine irrwitzige Idee. Zuerst tauschte er seine Büroklammer gegen einen Stift, dann den Stift gegen einen Türknauf und den wieder gegen einen Grill. Nach einer Weile hatte er einen Kleinlaster, den er gegen einen Plattenvertrag eintauschte....




