Lally | That's Not My Name | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Lally That's Not My Name

Psycho-Thriller über Amnesie - mit Gänsehautgarantie
25001. Auflage 2025
ISBN: 978-3-646-93992-7
Verlag: Carlsen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Psycho-Thriller über Amnesie - mit Gänsehautgarantie

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

ISBN: 978-3-646-93992-7
Verlag: Carlsen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wem vertraust du, wenn du dir selbst nicht mehr trauen kannst? Was machst du, wenn du nach einem Autounfall ohne Erinnerungen am Rande einer Straße aufwachst? Was, wenn dich ein Mann, der sich als dein Vater ausgibt, von der Polizeistation abholen will? Er hat deine Dokumente, zeigt Familienfotos, alles passt so gut zusammen. Dein Name ist Mary. Das sagt er zumindest. Drew ist am Rande der Verzweiflung. Schon seit Wochen ist Lola verschwunden, und was läge da näher, als dass er, ihr Freund, sie ermordet hat?! Davon scheinen zumindest die Bewohner der Stadt überzeugt. Drew lässt nichts unversucht, seine Freundin zu finden. Denn es ist noch nicht alles verloren - oder? Ein Wettlauf um die eigene Erinnerung - Nervenkitzel bis zur letzten Seite! »Dieses Buch hat mich von Anfang an gepackt und bis zum unglaublichen Ende nicht mehr losgelassen. Die Geschichte ist temporeich, spannend und durchgehend intensiv. Ich weiß nicht wie Megan Lally dieses grandiose Debüt noch toppen will« - Goodreads Review, 27.07.2024

Megan Lally lebt mit ihrer Familie im Nordwesten der USA und schreibt am liebsten spannungsgeladene YA-Thriller. Mit ihrem Debütroman 'That's not my name' ist Lally direkt der Einstieg auf die New York Times-Bestsellerliste gelungen. Wenn sie nicht gerade am Schreibtisch sitzt, findet man sie häufig mit einem guten Lavendel-Latte in der Hand, barfuß am Strand entlanggehen.
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2


MÄDCHEN


TAG EINS


Die grauen Wände der Polizeistation sehen genauso leblos aus, wie ich mich fühle.

Am Tisch mir gegenüber sitzt der Streifenpolizist, der mich gefunden hat, Officer Bowman. Wir befinden uns in einem Besprechungszimmer – vielleicht ist es auch ein Verhörraum. Es gibt nur ein Fenster. Es zeigt zum Gebäudeinneren und ist verspiegelt. Officer Bowman hat die Tür allerdings offen gelassen, von daher bin ich wohl nicht eingesperrt. Wenigstens etwas.

Seit ich es abgelehnt habe, medizinisch versorgt zu werden, kaut Bowman unaufhörlich auf seiner Unterlippe.

Ich weiß vielleicht nicht, wer ich bin, aber ich weiß ganz genau, dass mich niemand zwingen kann, ins Krankenhaus zu gehen, wenn ich es nicht will. Grelle Lichter und laute Geräusche, noch mehr unbekannte Gesichter, keine Ahnung, wer eine Bedrohung darstellt und wer nicht … Nein danke.

Vor ein paar Stunden haben mir die Sanis das ganze Blut abgewaschen, das offenbar nur aus meiner Nase gekommen war. Sie ist geprellt, nicht gebrochen, trotzdem tut sie höllisch weh. Und ich habe eine Beule am Kopf. Die nächsten Tage soll ich auf Anzeichen einer Gehirnerschütterung achten. Die anderen Verletzungen sind nur oberflächlich, haben die Sanis gesagt und verpflastert, was ging.

»Du siehst schlimm aus«, sagte Officer Bowman, nachdem die Sanis ein letztes Mal vergeblich versucht hatten, mich zu überreden, ins Krankenhaus mitzukommen. »Wir müssen uns eigentlich an ein bestimmtes Verfahren, eine Vorgehensweise, halten. Du solltest dich von einer Ärztin untersuchen lassen. Bei Anzeichen für eine auf Vergewaltigung …«

Den Rest habe ich ausgeblendet. Über manches kann ich einfach nicht nachdenken. Nicht heute. Vielleicht auch nie. Und das gehört definitiv dazu.

Als sie schließlich einsehen mussten, dass ich nicht ins Krankenhaus mitkomme, wechselten die beiden Sanis und Officer Bowman einen kurzen Blick und ließen mich dann auf der Liege im Krankenwagen allein, um sich draußen zu unterhalten. Wenn sie nicht wollten, dass ich sie höre, hätten sie allerdings flüstern sollen. Diese unheimliche Straße war so ruhig wie ein Grab und nichts hielt ihre Stimmen davon ab, zu mir hereinzudringen.

»Die Blutergüsse sehen ziemlich neu aus. Ich würde sagen, sie sind aus den letzten zwei Stunden. Das sind frische Prellungen«, sagte der große, drahtige Sanitäter. »In Kombi mit den Verletzungen im Gesicht könnte das auf einen Aufprall hindeuten. Vielleicht einen Autounfall. Sie hat zwar keine Blutergüsse von einem Sicherheitsgurt, aber die Verletzung der Nase könnte von einem Airbag oder einem Lenkrad stammen. Die Schädelprellung links könnte darauf hindeuten, dass ihr Kopf gegen die Scheibe an der Fahrerseite geprallt ist. Aber das ist nur eine Vermutung. Wie auch immer, ihre Vitalfunktionen sind in Ordnung. Sie befindet sich nicht in akuter gesundheitlicher Gefahr.«

Ich klammerte mich an diese Version der Ereignisse, während ich die Hände in die Papierauflage der Liege krallte. Ein Autounfall war besser als die anderen, verstörenderen Möglichkeiten. Und erforderte keine wie nach Vergewaltigungen übliche Untersuchung.

Bowman machte sich Notizen, während der Große, Drahtige zurück in den Krankenwagen geklettert kam und mir ein neues Kühlpad reichte. »Alles Gute«, sagte er und half mir von der Liege.

Das Kühlpad liegt jetzt zwischen Officer Bowman und mir auf dem Tisch, inzwischen ist es warm. Ich bin schon seit Stunden hier. Officer Bowman sieht mich aus zusammengekniffenen Augen an, als warte er nur darauf, dass ich anfange zu schreien oder dass mein Kopf sich um 360 Grad dreht. Und wer weiß, vielleicht fehlt nicht mehr viel. Ich meine, ich bin praktisch eine Figur aus einem Teenie-Horrorfilm.

Mit Blut bedeckt? Check.

Voller Prellungen? Check.

Mitten in der Nacht verängstigt umhergeirrt? Check.

Neben dem zimmerwarmen Kühlpad steht ein dampfender Becher heiße Schokolade, doch ich greife nicht danach. Ich rühre mich nicht. Ich sage kein Wort. Und versuche auch nicht, nachzudenken, während ich dasitze, in die kratzige Decke gewickelt, die Officer Bowman mir um die Schultern gelegt hat. Denn die Alternative wäre, einen Weg um die Lücken in meinem Gedächtnis herum zu finden, und das schaffe ich gerade einfach nicht.

Officer Bowman lehnt sich vor und sein Stuhl quietscht. Er ist noch relativ jung. Vielleicht Mitte oder Ende zwanzig. Mit seinem Babyface und den erwartungsvoll dreinblickenden blauen Augen erinnert er an einen Lemuren mit Polizeiabzeichen. »Du musst was trinken«, sagt er und nickt in Richtung Becher. »Du stehst vielleicht unter Schock.«

Ich zucke die Achseln.

Nachdem die Sanis weg waren, hat Bowman seine Vorgehensweise geändert. Anscheinend will er nun alles tun, damit es mir besser geht. An die Fahrt aufs Revier kann ich mich kaum erinnern. Doch als wir hier ankamen und er meine dreckigen Schuhe bemerkte – keine Ahnung, welche Farbe sie vor dem Bad in Blut und Schlamm hatten –, hat er mir ein Paar sauberer schwarzer Socken aus seiner Arbeitstasche und ein Sweatshirt gegeben. Das Sweatshirt ist marineblau und rechts oben steht »Alton Police Department«. Es passt ungefähr so gut wie ein Duschvorhang, aber der Stoff ist weich und warm.

Als ich trocken war, lächelte Bowman freundlich. »Fühlst du dich besser?«

Das tat ich tatsächlich. Bis zu dem Moment, als ich mein Spiegelbild im dunklen Innenfenster sah und die Person, die mich daraus anstarrte, nicht erkannte. Jetzt will ich nicht mehr reden. Nie mehr. Ich habe ihm eh nichts mitzuteilen. Ich bin sogar für mich selbst eine namenlose Unbekannte mit dem Gesicht einer Fremden.

»Junge Dame«, sagt er. »Kannst du mich hören?«

Ich nicke.

»Junge Dame, du musst was trinken. Ich würde dich wirklich gern ins Krankenhaus bringen. Du bist sehr blass.«

Der Gedanke an die Notaufnahme ruft eine neue Welle der Angst in meinem Körper hervor. Blass sein ist die letzte meiner Sorgen. Ich schüttele den Kopf.

Officer Bowman seufzt. »Junge Dame …«

Ich funkele ihn an. »Hören Sie auf, mich so zu nennen.«

Er lehnt sich auf dem quietschenden Stuhl zurück. »Okay. Wie soll ich dich nennen?«

Verdammt gute Frage. »Keine Ahnung. Aber nicht so.«

Meine Stimme klingt weit entfernt. War das eines der Anzeichen für eine Gehirnerschütterung, vor denen mich der Sanitäter gewarnt hat? Ich hätte besser zuhören sollen.

Officer Bowman schiebt mir den Becher zu. »Ich schlage dir was vor. Du trinkst was hiervon und hilfst mir rauszufinden, woher du gekommen bist, und ich höre auf, dich junge Dame zu nennen, und ich nerve dich nicht mehr wegen des Krankenhauses. Fürs Erste.«

Ich beäuge ihn argwöhnisch.

»Du hast eine schlimme Beule, aber du bist wach und ansprechbar. Du kannst allein laufen und das Licht hier drin scheint dir nichts auszumachen. Solltest du aber anfangen, undeutlich zu sprechen, das Gleichgewicht verlieren, dich übergeben oder in Ohnmacht fallen oder irgendwelche anderen Anzeichen einer Gehirnerschütterung zeigen, bringe ich dich in die Notaufnahme. Jetzt hole ich dir erst mal ein neues Kühlpad und wir reden. Okay?«

Meinetwegen. Ich nicke und trinke einen Schluck.

Ich werde es ihm gegenüber nicht zugeben, aber die Wärme im Hals fühlt sich gut an. Der Kakao plumpst in meinen Bauch wie ein Stein in eine Grube und ich frage mich, wann ich zuletzt etwas gegessen habe.

Als Bowman den Raum verlässt, ziehe ich die Decke um meine Schultern zurecht. Die Wolle kratzt im Nacken, aber ich habe keine Energie, mich wirklich daran zu stören. Zwischen der Decke und dem Sweatshirt ist ein warmer Kokon um mich herum entstanden, trotzdem höre ich nicht auf zu zittern.

Bowman kommt mit einem frischen Kühlpad zurück. Vorsichtig drücke ich es mir an die Schläfe. Es brennt, stillt aber den pochenden Schmerz.

Er zieht sein Notizheft aus der Tasche und setzt sich. »Okay, dann reden wir mal. Ich will erst mal klarstellen, dass du nicht in Schwierigkeiten steckst. Ich will nur herausfinden, was mit dir passiert ist.«

Woher will er wissen, ob ich in Schwierigkeiten stecke oder nicht, wenn weder er noch ich einen blassen Schimmer haben, wo ich hergekommen bin? Ich könnte wem mit dem Messer ins Gesicht gestochen haben und er hätte keine Ahnung. »Da sind wir schon zwei.«

Er runzelt die Stirn. »Du hast wirklich keinerlei Erinnerung daran, was war, bevor du in dem Graben aufgewacht bist?«

Ich schüttele den Kopf. »Ich weiß noch, dass ich Hände nach mir greifen gesehen habe, aber das war vielleicht nur die Dunkelheit.«

Er schreibt etwas auf. »Weißt du, wie alt du bist?«

»Nee.«

»Was ist mit deiner Familie? Kannst du mir sagen, wer deine Eltern sind?«

Ich starre auf die Uhr an der Wand und sehe zu, wie der Sekundenzeiger immer weitertickt. »Nein.«

»Okay. Du gehst bestimmt noch zur Schule. Kannst du dich an den Schulnamen erinnern? Euer Maskottchen? Eine Telefonnummer? Irgendwas?«

Wieder zucke ich die Achseln. »Keine Ahnung.«

»Bist du abgehauen?«

»Weiß ich auch nicht.«

»Könnte es sein, dass du einen Autounfall hattest?«

Ich seufze schwer. Wie oft muss ich es noch sagen, bis er kapiert, dass ich mich nicht erinnern kann?

Als ich nicht antworte, runzelt er wieder die Stirn und tippt sich mit dem Stift ans Kinn. »Okay. Neuer Plan. Bin gleich wieder da.« Er verschwindet ins Hauptbüro und kommt kurz darauf mit...



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