Lambertus | Nicodemus Faust und das Haus der 100 Schlüssel | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Lambertus Nicodemus Faust und das Haus der 100 Schlüssel


1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7641-9227-3
Verlag: Ueberreuter Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-7641-9227-3
Verlag: Ueberreuter Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Aufregende Tierwandlerfantasy für junge Leser Nicodemus Faust ist zehn Jahre alt und überhaupt nicht begeistert davon, dass er die Ferien bei seinem kauzigen Onkel Erasmus in seiner staubigen alten Villa verbringen muss. Doch dann sieht Nicodemus im Garten einen Leoparden, der wie ein Mensch auf den Hinterbeinen geht, ein geheimnisvoller Drachenring öffnet ihm wie von Zauberhand verschlossene Türen und in einem Hinterzimmer hört er Hilferufe, die aus einer Truhe zu kommen scheinen. Als dann plötzlich ein mysteriöser Mann in Lederjacke mit Leopardenfellkragen vor der Tür steht und nach einer alten Holzfigur aus der Villa fragt, steckt Nicodemus schon, ohne es zu wissen, mitten im größten Abenteuer seines Lebens! Welches Geheimnis verbirgt sich nur in diesem uralten Haus? Eine spannende Geschichte über Mut, Freundschaft und Zusammenhalt über alle Grenzen hinweg

Hendrik Lambertus wurde 1979 in Hannover geboren. Er studierte deutsche, skandinavische und indische Literatur in Tübingen und war dort während seiner Promotion als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Danach machte er seine Liebe für das Schreiben zum Beruf und gründete seine eigene Schreibwerkstatt, die 'Satzweberei'. Als Autor erschafft er besonders gerne bunte Phantasiewelten, in die er alte Motive aus Märchen, Sagen und Mythen einfließen lässt. Mit seiner Frau und seinen vier Kindern lebt er in der Nähe von Bremen.
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das rascheln im gebüsch war viel zu laut für einen Vogel oder ein Kaninchen. Nicodemus fuhr herum und beobachtete misstrauisch die Büsche. Zweige wackelten und Äste knackten. Er entdeckte ein Stück Fell, das durch eine Lücke in den Blättern schimmerte. Es war goldgelb und betupft mit schwarzen Ringen. Für einen Moment glaubte Nicodemus, dass dort eine Hauskatze mit ungewöhnlichem Muster herumstreifte.

Dann teilten sich die Äste und ein ausgewachsener Leopard schlüpfte aus dem Gebüsch ins Sonnenlicht! Seine schlanke Raubtiergestalt schien nur aus geschmeidigen Muskeln zu bestehen. Nicodemus erstarrte. Er konnte nicht glauben, was er da sah. Sicher, Onkel Erasmus war ziemlich verrückt. Aber dass er einen richtigen Leoparden frei in seinem Garten herumlaufen ließ …!

Die Raubkatze hob den Kopf und stellte suchend die Ohren auf. Nicodemus machte vorsichtig einen Schritt rückwärts. Ein Zweig zerbrach unter seinem Turnschuh. Der Leopard wandte ruckartig den Kopf. Der Blick seiner bernsteingelben Augen ruhte direkt auf Nicodemus.

»Schhhhht«, machte Nicodemus beruhigend, weil ihm nichts Besseres einfiel. »Du bist ja ein Schöner. Braves Kätzchen, ganz ruhig …«

Er kam sich dabei ausgesprochen bescheuert vor. Aber besser bescheuert sein, als aufgefressen werden! Der Leopard kommentierte seine Bemühungen mit einem tiefen Knurren. Was er dann tat, ließ Nicodemus endgültig an seinem Verstand zweifeln. Die Raubkatze streckte sich gelassen und erhob sich auf ihre Hinterbeine. Plötzlich stand sie aufrecht wie ein Mensch! Nun konnte Nicodemus erkennen, dass der Leopard einen silbernen Gürtel um die Hüften trug. Daran hing eine Art Schwert oder Degen wie bei einem Musketier. Mit entschlossenen Schritten kam der Leopard auf Nicodemus zu.

Das war zu viel! Nicodemus gab alle Vorsicht auf, drehte sich um und rannte, wie er noch nie zuvor gerannt war. Er lief über die knirschenden Kieswege auf die Villa zu, ohne sich umzudrehen. Auf der Einfahrt parkte ein rotes Auto. Seine Eltern waren also noch da. Nicodemus hetzte weiter, die Stufen zur Veranda am Haupteingang hinauf. Von oben grinsten zwei steinerne Wasserspeier auf ihn herab, die wie Teufelchen mit Fledermausflügeln aussahen. Nicodemus huschte durch die Eingangstür mit dem Löwenkopf-Türklopfer und schmiss den schweren Türflügel direkt hinter sich zu.

Erst hier, in der kühlen Eingangshalle, hielt er an. Seine Knie zitterten wie blöd. Staubflocken tanzten unschuldig über den schwarz-weißen Schachbrett-Fliesen im Sonnenlicht, als wäre gar nichts geschehen. Schwer atmend drehte Nicodemus sich um und warf einen misstrauischen Blick durch das Fenster neben der Tür. Draußen lag grün und einladend der Garten mit seinen uralten Bäumen. Vögel spielten friedlich an dem kleinen Brunnen, der von einem Engelchen aus Marmor bekrönt wurde. Nichts wies darauf hin, dass dort draußen eine Raubkatze herumstreunte. Eine Raubkatze mit Schwert, die auf zwei Beinen ging!

Nicodemus holte tief Luft und schloss die Augen. Er hatte nicht das Gefühl, Fieber zu haben. Und er war sich ganz sicher, dass er den Leoparden wirklich gesehen hatte!

Nicodemus raffte sich auf und ging entschlossen tiefer ins Haus. Er musste Onkel Erasmus danach fragen. Vielleicht wusste er, was Nicodemus da gesehen hatte. Hoffentlich hielt ihn der Onkel dann nicht für komplett durchgeknallt.

Wahrscheinlich tranken seine Eltern gerade noch mit Onkel Erasmus Kaffee. Aber wo waren sie? In der Küche, im Grünen Salon oder doch im Wintergarten? Dieser alte Kasten war absurd groß und es war einige Jahre her, dass Nicodemus das letzte Mal hier gewesen war. Er ließ seinen Blick über die Türen schweifen, während er durch die Halle ging. Sie waren mit seltsamen Fabelwesen bemalt: hier eine Meerjungfrau, dort ein Greif mit Löwenkörper und Adlerflügeln. Da passte ein aufrecht gehender Leopard eigentlich ganz hübsch in die Reihe … Wenn er ein Bild gewesen wäre und nicht leibhaftig im Garten herumlief! Kopfschüttelnd ging Nicodemus weiter.

wurde das Haus genannt, nach dem Familiennamen von Onkel Erasmus. Das war früher auch der Name von Nicodemus’ Mutter gewesen, bevor sie Papa geheiratet hatte. Nun war sie eine Faust, so wie Nicodemus.

An der Treppe, die zur Galerie hochführte, stand noch die Tasche mit Nicodemus’ Sachen für die Ferien. Das hatte Zeit bis später. Nicodemus blieb stehen und lauschte. Irgendwo im Haus hörte er Stimmengemurmel. Er folgte dem Geräusch. Glücklicherweise hatte er sehr gute Ohren.

Er ging an einem uralten Radio mit glänzendem Holzrahmen vorbei, an einer Maske mit gierig gefletschten Zähnen und einem Goldfischglas voller bunter Kieselsteine. Die Villa war vollgestopft mit altem Zeug, das der Onkel aus irgendeinem Grund zu sammeln schien.

Das Gemurmel kam hinter einer geschlossenen Tür hervor, auf die eine Art Drache mit Hahnenkamm gemalt war. Nicodemus konnte deutlich die Stimmen von Mama, Papa und Onkel Erasmus unterscheiden. Er griff nach der Türklinke. Dann ließ er die Hand wieder sinken. Hatte er da gerade das Wort »Gefahr« gehört?

Seine Eltern und Onkel Erasmus sprachen merkwürdig gedämpft. Nicodemus kannte diesen Tonfall nur zu gut. Sie redeten über etwas, das, wie sie es immer nennen, »nicht für Kinderohren« gedacht war. Was für Geheimnisse sie wohl haben mochten? Vorsichtig trat er an die Tür heran und legte sein Ohr unterhalb des Hahnendrachen auf das Holz.

»Sie sammeln sich in den Wulfenwäldern«, sagte seine Mutter gerade besorgt. »Aber sie scheinen noch auf irgendetwas zu warten.« Nicodemus runzelte die Stirn. Er hatte keine Ahnung, wovon sie sprach. Wulfenwälder?

»Solange wir noch nicht wissen, was sie vorhaben, ist es nirgendwo sicher«, ließ sich nun sein Vater vernehmen. Nicodemus sah regelrecht vor sich, wie er seine Hornbrille putzte. Das tat Papa ständig, wenn er nervös war.

»Du musst ein Auge auf Nicodemus haben, Erasmus«, sagte nun wieder Mama. »Behalt ihn am besten immer bei dir auf dem Grundstück.«

Nicodemus spürte, wie Ärger in ihm aufstieg. Er hasste es, wenn sie so taten, als sei er ein hilfloses Baby!

»Aber natürlich«, erwiderte Onkel Erasmus. »Wo sollte der Junge sicherer sein als hier? Ich habe alles Nötige im Haus für Notfälle und Gefahren.«

»Und du hast jede Menge Notfälle und Gefahren im Haus, fürchte ich«, sagte Nicodemus’ Vater trocken.

»Ich bin Wissenschaftler!«, antwortete Onkel Erasmus empört. »Und manche Dinge muss man aus der Nähe erforschen. Aber ich werde gut auf ihn achten, ihm wird nichts passieren. Und Nicodemus sieht mir auch so aus, als könnte er auf sich selbst aufpassen.«

Irgendwie war der Onkel doch ganz okay, fand Nicodemus.

»Erasmus«, sagte Mama nun eindringlich. »Bitte lass Nicodemus nicht in das Zimmer. Du weißt schon, welches ich meine. Versprich es mir.«

Nicodemus horchte auf. Verbote waren mindestens so interessant wie Geheimnisse!

Onkel Erasmus seufzte tief. »Ihr könnt den Jungen nicht ewig davon fernhalten«, sagte er. »Irgendwann müsst ihr es ihm sagen. Er ist langsam alt genug dafür, finde ich.«

»Aber jetzt noch nicht«, entgegnete Papa mit einer energischen Stimme, die Nicodemus so gar nicht von ihm kannte. »Noch ist es zu gefährlich«, fuhr er dann sanfter fort. »Wenn die Bedrohung durch den Dunklen vorbei ist, können wir darüber sprechen.«

Nicodemus verstand immer weniger, worum es eigentlich ging. Aber zwei Dinge waren ihm klar: Sie hatten Geheimnisse vor ihm! Und er war selbstverständlich alt genug! Wofür auch immer.

»Bitte versprich es, Erasmus«, beharrte seine Mutter.

»Na schön«, murmelte der Onkel. »Ich verspreche, dass ich das Zimmer verschließen werde.«

»Gut«, sagte Papa. Es knarrte, als er seinen Stuhl zurückschob. »Wir sollten langsam aufbrechen. Die Expedition wartet nicht auf uns.«

»Meldet euch, sobald ihr mehr wisst«, erwiderte Onkel Erasmus. »Und viel Erfolg auf der anderen Seite!«

Es gab Geraschel und Stuhlgeschiebe, als alle Erwachsenen aufstanden. Nicodemus trat hastig von der Tür weg. Er beugte sich über das alte Radio und tat so, als würde er es interessiert untersuchen. Da ging die Tür auch schon auf und Mama und Papa kamen zusammen mit Onkel Erasmus heraus. Der Onkel war so groß und schlaksig, dass er Nicodemus’ Eltern um einen Kopf überragte. Er hatte dieselben krausen Lockenhaare wie seine Mutter und Nicodemus. Allerdings waren sie bei ihm schon gräulich und standen wirr von seinem Kopf ab. Sein altmodischer Anzug war ihm eine Handbreite zu kurz, dazu trug er eine...



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