Lambertus | The Magic Flute - Das Buch zum Film | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Lambertus The Magic Flute - Das Buch zum Film

Das Vermächtnis der Zauberflöte
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7641-9317-1
Verlag: Ueberreuter Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Das Vermächtnis der Zauberflöte

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

ISBN: 978-3-7641-9317-1
Verlag: Ueberreuter Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Romanadaption der spektakulären Verfilmung von Mozarts »Die Zauberflöte«. Produziert von Roland Emmerich!  Für den 17-jährigen Tim geht ein Traum in Erfüllung: Er darf am berühmten Mozart-Internat Gesang studieren! Doch dort angekommen, muss er sich nicht nur dem herausfordernden neuen Schulalltag stellen - geführt von mysteriösen Lichtergeistern findet er auch ein geheimes Portal in die sagenhafte Welt von Mozarts Zauberflöte. Hier soll er in der Rolle des Prinzen Tamino gemeinsam mit Papageno Prinzessin Pamina retten, um ihre Welt vor der ewigen Dunkelheit der Königin der Nacht zu bewahren. Mit vielen Filmfotos und QR-Code zur Filmmusik!

Hendrik Lambertus wurde 1979 in Hannover geboren. Er studierte deutsche, skandinavische und indische Literatur in Tübingen und war dort während seiner Promotion als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Danach machte er seine Liebe für das Schreiben zum Beruf und gründete seine eigene Schreibwerkstatt, die 'Satzweberei'. Als Autor erschafft er besonders gerne bunte Phantasiewelten, in die er alte Motive aus Märchen, Sagen und Mythen einfließen lässt. Mit seiner Frau und seinen vier Kindern lebt er in der Nähe von Bremen.
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1



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Langsam fuhr Tim mit den Fingerspitzen über die Buchstaben. Sie waren in dunkelblauer Tinte mit der Hand geschrieben, auf der ersten Seite des Buches, das er auf dem Schoß balancierte. Das Papier war bräunlich und fühlte sich rau an. Vermutlich war das Buch schon sehr alt.

Die Widmung hingegen war es nicht. Das war Dads leicht krakelige Schrift, die er unter Tausenden erkennen würde. Dad musste die Zeilen für ihn in das Buch geschrieben haben … als er noch am Leben gewesen war. Tim bemühte sich, die Tränen herunterzuschlucken. Oh ja, er würde Dad stolz machen!

Er erinnerte sich noch gut an jenen Tag, als er das Buch bekommen hatte. An das endlose Warten in einem kalten Krankenhaus-Flur, zusammengekauert auf einem Stuhl aus Hartplastik. Schließlich hatte ihn eine Krankenschwester ins Zimmer geholt, und er hatte Dad sehen können – oder vielmehr das, was von seinem Dad noch übrig gewesen war: ein graues Gesicht, das fast in einem Kissen verschwand, mit einem Beatmungsschlauch in der Nase und einer piependen Maschine am Bett.

»Hey, Paps«, hatte Tim gesagt und sich dabei bemüht, so zu klingen, als sei alles völlig normal und in Ordnung.

»Hey. Wie schön, dich zu sehen, Tim«, hatte Dad gemurmelt und gelächelt. Anstrengend sah das aus, als wäre schon das Heben der Mundwinkel zu viel für ihn.

Tim räusperte sich. »Du, Dad …«, begann er unsicher. »Wegen dieser Sache mit dem Internat … Ich weiß, du hast extra dem Schulleiter geschrieben. Und dafür bin ich dir auch sehr dankbar. Aber …« Er guckte auf seine Hände. »Ich kann Mum jetzt nicht allein lassen! Nicht mit allem, was gerade los ist …«

»Tim.« Dads Stimme klang plötzlich beinahe so fest wie früher, als er noch gesund gewesen war. »Bitte schau mich an.«

Tim hob den Kopf und blickte Dad ins Gesicht. Er bemühte sich, nur seinen Vater zu sehen und nicht die Schläuche, die ihn am Leben erhielten.

»Du hast schon immer davon geträumt, diese Schule zu besuchen«, sagte Dad. »Also gehst du hin, sobald ich nicht mehr da bin. Versprich es mir.«

Tim musste schlucken. Wie konnte Dad so etwas nur sagen! Und zugleich war es erschreckend real. Er wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Das Schweigen lag schwer im Raum. Nur die Krankenhaus-Maschine piepste.

»Ich möchte dich um einen Gefallen bitten«, sagte Dad schließlich.

»Ein Gefallen?«

»Ja. Dahinten steht eine Tasche auf dem Boden. Bring sie bitte mal her …« Dad zeigte in die Richtung, und sein Arm zitterte bei der kleinen Geste.

Tim beeilte sich, die Tasche ans Bett zu holen. Es war ein abgegriffener Rucksack, den Dad schon in seiner Jugend besessen hatte.

»Im Vorderfach … hol es heraus.«

Tim öffnete die Schnallen und zog ein in Leder gebundenes Buch hervor.

»Es ist wunderschön«, flüsterte er. »Woher hast du es?«

Dad lächelte. »Es ist ein kleines Andenken an Zeit am Mozart-Internat.«

»Wirklich? Du durftest es behalten?«

Dads Lächeln wurde verschmitzter.

»Du hast es gestohlen?«, fragte Tim ungläubig.

»Sagen wir besser: längerfristig ausgeliehen. Vielleicht könntest du es wieder zurückschmuggeln. Ich habe eine kleine Skizze ins Buch gemacht, wohin es gehört.«

Fasziniert starrte Tim das Buch an – und hätte fast nicht bemerkt, dass die Schwester wieder hereingekommen war.

»Dein Vater braucht nun seine Ruhe«, mahnte sie mit sanfter Strenge.

»Versprich mir, dass du dorthin gehst«, hatte Dad noch gedrängt. »Es wird dein Leben verändern …«

Tim hatte ihn hilflos angelächelt, während er zugleich mit den Tränen gekämpft hatte. Es war sein letzter Besuch gewesen.

Nun saß er also hier, im Zug, und hielt Dads Buch fest in den Händen, als wäre es ein Teil von Dad selbst, den er keinesfalls verlieren durfte.

Tim schaute aus dem Fenster, nahm aber die Landschaft draußen kaum wahr. Stattdessen sah er Mum vor sich, wie sie allein zurückgeblieben war, zwischen hektischen Reisenden, sperrigen Koffern und herumwuselnden Kindern am Bahnhof . Ein Teil von Tim wäre gerne bei ihr geblieben. Schließlich gab es nur noch Mum und ihn … Doch er hatte eine Aufgabe vor sich!

Also war er in den Zug gestiegen, der ihn fortbringen sollte – fort aus der City of London, fort von der Kuppel der St. Paulskirche, die stolz und unnahbar über den Dächern thronte. Schließlich waren auch die grauen Reihenhäuser und Plattenbauten der Vorstädte hinter ihm zurückgeblieben, und der Zug war über das weite, offene Land gefahren.

Tim war im Eurotunnel unter dem Ärmelkanal hindurchgebraust und zum ersten Mal durch Frankreich gereist. Von Paris hatte er nur den Bahnhof beim Umsteigen gesehen. Der Zug, in dem er jetzt saß, war der letzte. Er würde ihn ans Ziel seiner Reise in Österreich bringen, während draußen bereits die Nacht aufgezogen war und die Landschaft in verwaschene Schatten hüllte. Und in den Händen hielt er eine kostbare Erinnerung an Dad.

Tim schloss das Buch, um noch einmal den Einband näher zu betrachten.

»DIE ZAUBERFLÖTE« stand in goldenen Lettern auf dem Deckel. Sonst nichts weiter. Aber damit war auch alles gesagt. Es war der Titel des großen Meisterwerkes, das Wolfgang Amadeus Mozart im Jahre 1791 komponiert hatte. Seine letzte Oper.

Vorsichtig drehte Tim das Buch in den Händen. Der Band war ziemlich schwer und kompakt – eine Prachtausgabe, eingebunden in echtes Leder. Der Buchrücken war mit Verzierungen aus glänzendem Zinn beschlagen, als käme das Buch direkt aus irgendeiner märchenhaften Schatzkammer.

Tim blätterte vorsichtig durch das Buch. Lange Reihen von Noten erstreckten sich über die Seiten. Es waren einfache schwarze Punkte mit Strichen und Fähnchen, wie geheimnisvolle Hieroglyphen über die Linien verteilt. Und doch enthielten sie eine ganze Welt aus Musik. Man musste sie nur lesen können. Das konnte Tim glücklicherweise gut.

Unter den Noten stand der Text der Oper, den einst der Theaterdirektor Emanuel Schikaneder für die geschrieben hatte. Er war ein guter Freund von Mozart gewesen, und gemeinsam hatten sie ein Werk geschaffen, das einen ganz besonderen Platz in Tims Herzen hatte. Immerhin war es Dads Lieblingsoper gewesen …

Neben dem Text und den Noten enthielt das Buch auch Abbildungen von Personen und Orten der . Tim sah den Vogelfänger Papageno mit seinem bunten Federgewand und die öde Felsenlandschaft, in der Prinz Tamino sich im ersten Akt der Oper auf der Jagd verirrte. Im Hintergrund wälzte sich drohend eine riesige Schlange heran …

Doch noch wertvoller als die herrlichen Bilder waren für Tim die Anmerkungen, die Dad immer wieder mit Bleistift an den Rand geschrieben hatte. Es waren Kommentare zu den einzelnen Arien der Oper.

, hieß es zu der Szene, in der Prinz Tamino das Bildnis der Prinzessin Pamina erblickte.

, stand neben den allerersten Worten der Oper, wenn der Prinz von einer monströsen Schlange verfolgt wurde. Tim musste lächeln. Die Kommentare waren so typisch Dad! Nicht gerade musikalisch exakte Anmerkungen – aber dafür jede Menge Gefühl. Tim hingegen konnte eher etwas mit konkreten, technischen Angaben anfangen. Schließlich wollte er sich nicht in einen Prinzen verwandeln, sondern auf der Bühne wie einer klingen. Es kam auf die richtige Gesangstechnik an, um das Publikum zu verzaubern. Und das war genau Tims Ding! Am liebsten hätte er seine eigenen Notizen hinzugefügt, wie er die Arien jeweils gestalten würde … Doch das ging natürlich nicht, schließlich sollte er das Buch ja für Dad zurückbringen. Vermutlich wäre es anständig gewesen, vorher auch die Bleistift-Anmerkungen auszuradieren. Aber das brachte Tim nicht übers Herz, immerhin stammten sie von Dad.

Ein weiteres Mal blätterte er um. Und stutzte. Dad hatte nicht nur Notizen in das Buch geschrieben, sondern auch kleine...



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