Lambertus | Zwillingsblut - Die Magie der Elben | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 607 Seiten

Reihe: Zwillingsblut

Lambertus Zwillingsblut - Die Magie der Elben

Roman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7325-6089-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, Band 2, 607 Seiten

Reihe: Zwillingsblut

ISBN: 978-3-7325-6089-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die Zwergen-Zwillinge Gorin und Galdra und die Elben-Geschwister Elyami und Elyamur haben beim Versuch, die Welt vom Joch des Kettenfürsten zu befreien, einen Rückschlag erlitten. Doch aufzugeben kommt nicht infrage. Gemeinsam fassen sie den Plan, eine mächtige Waffe zu schmieden. Dafür müssen die Geschwister zu den vier Quellen der Elemente reisen, um dort jeweils eine Aufgabe zu erfüllen und so die Essenz des Elements zu gewinnen. Eine jede dieser Aufgaben wird einen der Helden besonders auf die Probe stellen ...



Hendrik Lambertus, 1979 geboren, lebt mit seiner Familie in Norddeutschland. Er studierte in Tübingen Skandinavistik, ältere Germanistik und Indologie und widmete sich danach seiner Doktorarbeit zur spätmittelalterlichen Literatur Islands. Noch heute dient ihm die Auseinandersetzung mit alten Texten aus den unterschiedlichsten Kulturräumen als Inspiration für das eigene Schreiben. Mit Zwillingsblut legt er seine erste Fantasy-Trilogie vor.
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PROLOG


Der Tod kam durch die Luft ins heilige Malyún.

Die weißen Türme und Kuppeln des Silberklosters erhoben sich auf einem kühnen Brückenbogen, der sich über einen Abgrund spannte. Ein zu Eis erstarrter Wasserfall glitzerte unterhalb des Klosters in der Schlucht und verschwand nach vielen Hundert Metern in den Schatten. Aus der Entfernung sah es so aus, als würde Malyún in der klaren Bergluft schweben, ein filigranes Traumbild mitten im Nichts. Tatsächlich ruhte der Brückenbogen des Klosters an zwei Stellen auf dem Fels der Berge, während seine Gebäude sich frei über dem Abgrund erstreckten.

Dank dieser Lage hatte das Festungskloster seit den alten Tagen der Silber-Elben jedem feindlichen Heer standgehalten. Vor dunkler Magie und dem Zorn geflügelter Drachen war Malyún durch ein machtvolles Zaubersiegel geschützt. Doch nun hatte jemand dem Tod die Tore geöffnet.

Thuramur, Priester der göttlichen Weberin Iyanuri, bemerkte erst spät, dass etwas nicht in Ordnung war. Der Silber-Elb hatte auf einer der Turmplattformen unter dem Vollmond meditiert und war durch ein Gefühl von nahendem Unheil ins Hier und Jetzt zurückgerufen worden. Nun schritt er beunruhigt den westlichen Wandelgang entlang.

Zu seiner Linken schauten zahllose offene Bogenfenster über die Eisgipfel der Gletscherberge. Schnee lag in jedem einzelnen Fensterrahmen und bedeckte auch den gekachelten Boden. Unter einem der Fenster erblickte Thuramur rote Flecken im reinen Weiß des Schnees. Er hielt inne. Einige Meter entfernt lag eine reglose Gestalt am Boden. Es war Hvitbjörn, einer der Tempelwächter. Sein bleiches Gesicht war zu einer Maske des Schreckens mit weit aufgerissenen Augen verzerrt. Der blonde Menschenmann hatte dem Kloster Malyún sein Leben lang gedient, so wie seine Eltern, seine Großeltern und seine Urgroßeltern vor ihm. Thuramur hatte sie alle gekannt.

Blut quoll aus einer Wunde an Hvitbjörns Hals und färbte den Schnee rot. Eine Gestalt in einer grauen, zerfetzten Kutte hockte über ihm und saugte gierig den Lebenssaft in sich hinein. Als der Kuttenträger Thuramurs Präsenz erspürte, hob er den Kopf. Ein bleicher Schädel grinste unter der Kapuze hervor. Die scharfen Eckzähne waren grotesk verlängert und glänzten rötlich. Eine Lamia, ein blutgieriger Schrecken der Unterwelt.

Frohlockend streckte die Lamia Thuramur ihre Knochenarme entgegen und schwebte auf ihn zu. Jeder Geschichtenerzähler wusste, dass die ruhelosen Toten das immerjunge Blut der Elben mehr als jede andere Beute begehrten. Rasch zog Thuramur ein Amulett unter seiner Robe hervor. Es war eine kleine Silberspindel, das Zeichen der göttlichen Weberin Iyanuri. Der Priester hob den Anhänger und rezitierte einen Segensspruch in der ehrwürdigen Sprache seines Volkes.

Die Lamia zischte wütend und schnappte nach ihm, doch sie vermochte ihn nicht zu berühren. Iyanuris Segen beschützte ihren Diener. Thuramur spürte einen Hauch von Erleichterung, denn in der letzten Zeit war es für die Priesterinnen und Priester immer schwieriger geworden, die Macht der Weberin anzurufen. Er war sich keineswegs sicher gewesen, dass der Schutzsegen wirken würde.

Dann hörte er ein grabkaltes Zischen von der Seite. An sechs oder sieben Bogenfenstern des Wandelganges krallten sich knöcherne Hände in den Stein, während grinsende Schädel mit Fangzähnen hereinschauten. Weitere Kuttengestalten zogen sich in den Gang. Thuramur sog scharf die Luft ein. Eine einzelne Lamia war bereits ein schrecklicher Gegner, selbst für einen erfahrenen Priester. Gegen eine ganze Horde der Unterweltlichen konnte er nicht bestehen.

Thuramur wich zurück, fort von den todbringenden Töchtern der Unterwelt. Er wandte sich um und hastete schnellen Schrittes tiefer ins Kloster hinein. Hinter ihm zischten die Lamiae gierig, wagten es aber nicht, den von Iyanuri Gesegneten zu verfolgen.

Auf den Gängen und Treppen fand er weitere blutleere Leichen. Der Anblick erfüllte ihn mit Grauen. Einige trugen die einfache, weiße Kluft der Tempeldiener und Wächter, andere die feinen Regenbogenroben der Priesterschaft. Dort lag die Silbersängerin Uyandri, dort Gamring, der Küchenbursche, der erst im dritten Jahr auf Malyún war.

Einmal begegnete er einer Lamia, die mit wehender Kutte auf der Suche nach Opfern durch das Kloster schwebte. Seine Silberspindel ließ sie zurückweichen.

Thuramur war von einer Sorge erfüllt, wie er sie seit vielen Hundert Wintern nicht mehr gespürt hatte. Nicht um sich oder sein ewiges Elbenleben. Er war sich dessen bewusst, ein Relikt vergangener Tage zu sein. Die Zeit der Silber-Elben war vorüber. Doch bangte er um das Herz des Silberklosters Malyún, das im großen Gewebe unersetzlich war. Dunkle Vorahnungen waren seine Begleiter, während er durch die verschachtelten Gänge eilte. Es war unmöglich, dass Untote von außen in das Kloster eindrangen. Es sei denn, jemand hatte das Schutzsiegel gebrochen.

Niemand von den Priesterinnen und Priestern kam dafür infrage. Sie alle dienten der Weberin treu, die meisten seit ewigen Zeiten. Auch die menschlichen Tempeldiener waren über jeden Zweifel erhaben, sie entstammten alten Familien der Nordleute, die seit vielen Generationen ihre Kinder dem Kloster überantworteten.

Es musste jemand anderes gewesen sein. Und es gab zurzeit nur eine Person von außerhalb im Kloster. Eine einsame Pilgerin, eine Purpur-Elbin. Thuramur misstraute dem Purpurvolk mit seinem Streben nach Zaubermacht. Doch Malyún war ein gemeinsames Erbe aller Elbenvölker, ebenso wie das Schwesterkloster Ilyún im fernen Blütenmeer von Beyân. Keinem Pilger durfte der Zutritt verwehrt werden.

An einer Treppe traf er auf Hroskarl, den Stallknecht. Er hatte sich in eine Ecke gekauert und zitterte am ganzen Körper. Entschlossen half Thuramur dem verängstigten Hroskarl auf, und gemeinsam eilten sie weiter. Als eine Lamia aus einem Seitengang heranschwebte, wehrte Thuramur sie mit seiner Silberspindel ab.

Der Silber-Elb hastete mit dem Menschenmann einen langen, von matt leuchtenden Mondquarz-Statuen gesäumten Gang entlang und erreichte schließlich die große Kuppelhalle auf dem höchsten Scheitelpunkt des Brückenklosters. Dies war das zentrale Heiligtum von Malyún, die Halle des Silberwebstuhls.

Thuramurs Befürchtungen wurden zur Gewissheit. Cylandri, die hohe Hierophantin, war bereits hier, zusammen mit Jandramur, dem Sternenmeister, der Bibliothekarin Ryndri und dem Kantor Gyrandur. Drei der ältesten Priester, die schon Diener der Weberin gewesen waren, als Thuramur einst den Regenbogenschleier genommen hatte. Sie hatten sich vor dem Webstuhl versammelt, um ihn mit ihren Leben zu verteidigen. Doch sie waren kaum in der Lage, sich selbst zu beschützen. Mehr als ein Dutzend Lamiae in grauen Kutten streiften gierig vor ihnen auf und ab und streckten immer wieder begehrlich die Knochenarme nach ihnen aus. Die Priesterinnen und Priester hatten ihre Silberspindeln erhoben, um die Angreifer abzuwehren, die einen Kreis um sie und den Webstuhl geschlossen hatten.

Die Hierophantin rief die machtvollen Worte eines Bannfluchs. Ein Strahl aus silbernen Flammen entsprang ihrer Spindel und ergoss sich über eine der Kapuzengestalten. Heulend verbrannte die Untote zu Asche, doch sofort schwebten zwei weitere Lamiae an ihre Stelle. Cylandri ließ erschöpft den Arm sinken. Hroskarl kauerte sich ängstlich hinter Thuramur.

Das große Schutzsiegel war tatsächlich durch einen unheiligen Zauber gebrochen. Daneben stand die Pilgerin. Sie hatte ihren Regenbogenumhang achtlos zu Boden geworfen. Nun konnte Thuramur erkennen, dass sie darunter eine schwarze Lederrüstung und purpurfarbene Gewänder voller Zauberglyphen trug. Das lange brünette Haar der Purpur-Elbin wurde durch einen Silberreif aus feinen Kettengliedern gebändigt. Eine gewundene Kette auf rostrotem Grund zierte auch ihre Rüstung. Thuramur erinnerte sich. Pilger hatten das Wappen erwähnt. Das war das Zeichen des Kettenfürsten, dessen Kriegshorden schon viele Reiche überrannt hatten. Die Amethystaugen der Purpur-Elbin funkelten spöttisch, als sie Thuramur am Portal der Halle bemerkte.

»Ah, noch ein fähiger Priester, der die Macht seiner Spindel zu erwecken vermochte«, sagte sie mit einem zufriedenen Katzenlächeln. Dann klatschte sie energisch in die Hände. »Lamiae! Treibt ihn zu den anderen.«

Drei der Kuttengestalten lösten sich von ihren Schwestern und schwebten auf Thuramur zu. Er trat einen Schritt zurück. Selbst eine Meisterin der Nekromantie konnte vielleicht zwei, höchstens drei der machtvollen Untoten zugleich kontrollieren. Durch das Kloster jedoch schienen ganze Horden von Lamiae zu streifen. Wer war diese Frau, dass sich die Pforten der Unterwelt so bereitwillig für sie öffneten?

Thuramur wusste, dass er der schrecklichen Macht von drei Lamiae zugleich nichts entgegensetzen konnte. Doch er war einst ein passabler Krieger gewesen, bevor er nach Jahrhunderten sinnleerer Kämpfe in Malyún seine Heimat gefunden hatte.

Mit einer fließenden Bewegung griff er an seinen Gürtel, zog eine versilberte Wurfscheibe voller Zauberglyphen hervor und schleuderte sie nach der Purpur-Elbin. Sie versuchte auszuweichen, doch sie war nicht schnell genug. Die Wurfscheibe streifte ihre Schulter, zerschnitt ihren Schutzzauber so mühelos wie ihre Rüstung und hinterließ eine blutende Wunde.

Die Purpur-Elbin schrie schmerzerfüllt auf. Mit erstaunlicher Entschlossenheit ignorierte sie die Verletzung und griff nach ihrer Gürteltasche, während sie einige Worte der Macht zischte. Eine schimmernde Schneeflocke aus Kristall surrte plötzlich auf Thuramur zu. Seine Glieder erstarrten zur Reglosigkeit, als die...



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