Cartland | Das Geheimnis von Rothwell Castle | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 4, 189 Seiten

Reihe: Regency Scandals

Cartland Das Geheimnis von Rothwell Castle

Regency-Roman | Regency Scandals 4
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-98952-934-2
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Regency-Roman | Regency Scandals 4

E-Book, Deutsch, Band 4, 189 Seiten

Reihe: Regency Scandals

ISBN: 978-3-98952-934-2
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein Balanceakt auf der Grenze zwischen Hass und Leidenschaft ... Marokko, 1899: Atalya konnte dem Raubüberfall, der ihren Vater das Leben kostete, nur knapp entkommen. Vollkommen mittellos muss sie sich allein durchschlagen - bis sie einen lukrativen Auftrag annimmt: Sie soll die Tochter der französischen Comtesse de Soisson nach England begleiten und mit ihrem entfremdeten Vater, dem Earl of Rothwell, vereinen. Doch als Atalya nach einer schweren Reise mit der jungen Felicity auf dessen Schloss ankommt, ist sie schockiert von der Eiseskälte, mit der sie empfangen wird. Was sie nicht ahnt: Der gutaussehende Earl, gebannt wie erzürnt von Atalyas Schönheit und Weltgewandtheit, fürchtet die manipulative Comtesse könnte sie gesandt haben, um ihn zu verführen und dann des Ehebruchs zu beschuldigen ...  Ein historischer Liebesroman voll wogender Gefühle - Fans von Julia Quinn werden begeistert sein!

Barbara Cartland war die produktivste Schriftstellerin der Welt. Sie schrieb zu Lebzeiten 723 Bücher, von denen nicht weniger als 644 Liebesromane waren, die sich weltweit über eine Milliarde Mal verkauften und in 36 Sprachen übersetzt wurden. Neben Liebesromanen schrieb sie außerdem historische Biografien, Theaterstücke und Ratgeber. Ihr erstes Buch schrieb sie im Alter von 21 Jahren - es wurde auf Anhieb ein Bestseller. Ihr letztes Buch schrieb sie im Alter von 97 Jahren und es trug den vielleicht prophetischen Titel »Der Weg zum Himmel«. Zwischen den 1970er und 1990er Jahren wurde Barbara Cartland dank zahlreicher Fernsehauftritte und ihrer Beziehung mit der jungen Lady Diana zu einer Medienikone, doch ihr großes Vermächtnis werden ihre vielen inspirierenden Liebesromane bleiben. Barbara Cartlands offizielle Website: www.barbaracartland.com Bei dotbooks erscheinen von Barbara Cartland mehrere historische Liebesromane in der der HIGHLAND SKY-Reihe sowie in der REGENCY SCANDALS-Serie und Exotikromane in der Reihe TRÄUME UNTER FERNER SONNE.
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KAPITEL 1


1899

»Du kommst zu spät! Wenn du Hunger hast, dann kümmere dich selbst darum, wo du was zu essen findest! Ich hab' weiß Gott besseres zu tun, als hier stundenlang auf dich zu warten!«

Mit diesen Worten schlurfte die alte Araberin aus der Küche und knallte mürrisch die Tür hinter sich zu.

Atayla stieß einen tiefen Seufzer aus. Nach ihrer schweren Schulterverletzung war sie immer noch sehr geschwächt. Um wieder zu Kräften zu kommen, mußte sie sich unbedingt gut ernähren. Aber das war schwierig in einem so streng religiösen Haushalt wie dem von Pater Ignatius, wo jeder Tag ein Fastentag zu sein schien und Mrs. Mansur, seine Haushälterin, aus ihrer Feindseligkeit Atayla gegenüber keinen Hehl machte.

Als man Atayla in die Missionsstation von Tanger gebracht hatte, war sie noch bewußtlos gewesen, und als sie wieder zur Besinnung gekommen war, hatte sie einige Mühe gehabt, sich an die Geschehnisse zu erinnern.

Doch dann war ihr alles wieder eingefallen: Sie hatte ihren Vater, Gordon Lindsay, auf einer seiner Forschungsreisen durch Nordafrika begleitet – ein gefährliches Unternehmen, nicht zuletzt deshalb, weil es ihnen an Ausrüstung fehlte. Sie hatten nur wenige Träger mitnehmen können, eines ihrer Kamele war gestorben, und ein zweites hatten sie völlig entkräftet unterwegs zurücklassen müssen. Zum Glück war dennoch alles gut gegangen. Erst als am Horizont die Minarette von Tanger auftauchten und sie sich schon glücklich am Ende ihrer Reise glaubten, war das Grauen über sie hereingebrochen: Mitten in der Wüste, wie aus dem Nichts, fiel plötzlich eine Horde wilder Räuber über sie her. Es ging alles sehr schnell. Atayla spürte einen stechenden Schmerz an ihrer Schulter, dann sank sie in eine tiefe Ohnmacht.

Als sie wieder zu sich kam, erzählte man ihr, daß hilfreiche Reisende, die des Weges gekommen waren, sie gefunden und hierher in die Missionsstation gebracht hätten. Und dann erfuhr sie auch, daß ihr Vater bei dem Überfall ums Leben gekommen war und daß man ihnen alle Habseligkeiten geraubt hatte, sogar die Kleider, die sie am Leibe trug. Splitternackt und bewußtlos hatten die Räuber sie in der Wüste zurückgelassen. Gott sei Dank war ihr sonst nichts angetan worden.

Es war wie ein Alptraum. Noch heute überkam Atayla ein Zittern, wenn sie daran zurückdachte. Sie stieß einen tiefen Seufzer aus. Was sollte sie jetzt bloß tun völlig mittellos und mutterseelenallein auf der Welt?

Sie mußte versuchen, irgendwie zurück nach England zu gelangen. Vielleicht konnte sie ja bei Verwandten unterkriechen, wenigstens so lange, bis sie irgendeine Anstellung gefunden hatte.

Atayla schloß die Augen. Wie nur sollte sie das schaffen? Sie fühlte sich so schwach, so hilflos. In ihrem Kopf begann es sich wieder zu drehen, als wäre sie aus diesem schrecklichen Alptraum immer noch nicht erwacht. Sie fühlte sich unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen.

Suchend schaute sie sich in der engen, stickigen Küche um. Wo sollte sie hier etwas zu essen finden?

Letzte Woche, als sie zum ersten Mal nach ihrer langen Krankheit aufgestanden und gemeinsam mit Pater Ignatius zu Tisch gesessen war, hatte sie sofort erkannt, daß ihr die alte Haushälterin nicht nur jeden Bissen mißgönnte, den sie sich in den Mund schob, sondern sie außerdem mit glühender Eifersucht verfolgte, als sie sah, wie freundlich der Pater mit Atayla sprach. Die Araberin verehrte den katholischen Missionsleiter in geradezu hündischer Ergebenheit.

Pater Ignatius, ein sympathischer älterer Mann, hatte immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Menschen, die zu ihm kamen. Seine Mönche waren zusätzlich in Krankenpflege ausgebildet und gaben sich große Mühe, die Araber in ihrer Umgebung zum Christentum zu bekehren, leider mit wenig Erfolg. Doch die Glaubensbrüder ließen sich auch durch die härtesten Widerstände nicht entmutigen. Ihre feste Überzeugung lautete, daß jede erduldete Pein sie dem Himmelreich ein Stück näher brachte; daher nahmen sie sogar den Märtyrertod in Kauf.

Doch bis zu Mrs. Mansur hatte sich das Gebot der christlichen Nächstenliebe offenbar noch nicht herumgesprochen. Und so wußte Atayla: Sie mußte fort, so bald wie möglich! Heute Abend würde sie mit Pater Ignatius darüber sprechen.

Zunächst, aber ging es darum, etwas zu essen aufzutreiben. Aber wo? Gestern abend hatte es nur zwei trockene Scheiben Brot und ein Glas Wasser gegeben, was den Pater nicht daran gehindert hatte, in einem inbrünstigen Gebet Gott für seine reichen Gaben zu danken.

Sie öffnete die Küchenschränke und entdeckte nach einigem Suchen ein kleines Hühnerei, das, sorgfältig versteckt hinter einem Stapel Tassen, offenbar ihrer Aufmerksamkeit hatte entgehen sollen.

Vorsichtig legte sie es auf den Küchentisch und schnitt sich von dem steinharten Laib Brot mühselig eine dicke Scheibe ab, die sie über dem halb erloschenen Herdfeuer röstete. Diese wenigen Handgriffe strengten sie bereits derart an, daß sie am Ende, als sie das rohe Ei über die geröstete Brotscheibe goß, überhaupt keinen Hunger mehr verspürte. Aber sie mußte jetzt essen! Nur so würde sie wieder zu Kräften kommen.

»Und nun bitte noch ein knusprig gebratenes Hühnchen«, murmelte sie vor sich hin, als sie den letzten Krümel Brot verspeist hatte, »dazu knackig frischen Salat und Frühkartoffeln aus einem englischen Gemüsegarten.«

Bitter lachte sie auf. Sie warf einen Blick aus dem Fenster hinaus in die gleißende Mittagssonne, in der es um diese Zeit keine Minute lang auszuhalten war. Was für eine absurde Phantasie!

Ihre Augen kehrten zurück zu dem leeren Teller vor ihr. Sie durfte sich jetzt keinen Träumen hingeben, nein, sie mußte mit kühlem Kopf ihre Zukunft planen!

Vielleicht würde ihr ja der Verleger ihres Vaters eine Anzahlung auf das letzte Manuskript leisten, das ihr Vater ihm erst vor kurzem geschickt hatte. Unvorstellbar, was passiert wäre, hätte er es bei dem Überfall noch bei sich gehabt! Für die Banditen wäre es zwar nichts wert gewesen, aber sie hätten es dennoch mitgenommen, wie alles andere, die gesamte Ausrüstung, ihre Kleider, die Pferde und ihr letztes Kamel, das ganze hundert Pfund gekostet hatte.

Aber würde ein Vorschuß vom Verleger ihres Vaters für die Heimreise nach England reichen? Wohl kaum. Sie müßte also die Hilfe des britischen Konsulats in Anspruch nehmen. Doch da standen die Aussichten schlecht, wie Pater Ignatius ihr bereits erzählt hatte. Zur Zeit gab es derartig viele Engländer in Nordafrika, die ihr gesamtes Hab und Gut verloren hatten, sei es durch Raubüberfälle oder durch schieren Leichtsinn, daß sich das britische Konsulat außerstande sah, ihnen allen zu helfen. Nur noch in besonderen Ausnahmefällen finanzierten sie einem britischen Staatsangehörigen die Heimreise ins Mutterland.

Ihr Vater hatte ja als Wissenschaftler hohes Ansehen genossen, überlegte Atayla. Vielleicht würde man da bei ihr eine Ausnahme machen?

Doch im gleichen Moment verspürte sie eine tiefsitzende Abneigung dagegen, um Almosen zu betteln. Sie scheute davor zurück, irgendeinem eingebildeten Konsulatsbeamten Rede und Antwort stehen zu müssen, warum ihr Vater derart gefährliche Gebiete bereist hatte.

Ihr Vater war Völkerkundler gewesen, und seine Begeisterung und seine Opferbereitschaft für diesen Beruf konnte im Grunde nur verstehen, wer selber zu dieser Zunft gehörte. Gordon Lindsay hatte sein Leben der Erforschung der nordafrikanischen Stämme gewidmet. Besonders interessiert hatte ihn die Kultur der Berber. Vieles von ihrer Geschichte, ihrer Religion, ihren Sitten und Gebräuchen war noch gänzlich unbekannt, und so trieb jede seiner Veröffentlichungen die Wissenschaft einen bedeutenden Schritt voran.

Wenn Papas Buch herauskommt, dachte Atayla wehmütig, dann wird er womöglich endlich den Ruhm erlangen, der ihm zu Lebzeiten nicht vergönnt war.

Doch sogleich stellte sich der ernüchternde Gedanke ein, daß es wieder so sein würde wie bei seinen vielen anderen Beiträgen, die er im ›Royal Geographical Magazine‹ der ›Royal Geographical Society‹ veröffentlicht hatte: Nur eine verschwindende Zahl von Experten verstand es, den Wert seiner Forschungsergebnisse wirklich zu würdigen. Deshalb würde auch dieses Buch wohl wieder nur eine sehr kleine Auflage erreichen.

Ich muß mich also alleine durchbeißen, dachte Atayla und preßte die Lippen aufeinander. Aber was hatte sie schon an Fähigkeiten zu bieten, mit denen Geld zu verdienen war?

Sie könnte zwar fließend Arabisch sprechen und ebenso eine ganze Anzahl nordafrikanischer Dialekte, doch das war auf dem englischen Arbeitsmarkt nun wirklich nicht gefragt.

Doch auch Afrika war kein Land, in dem eine junge, unverheiratete Frau auf sich selbst gestellt leben konnte. Natürlich gab es die eine oder andere Anstalt für ledige Frauen – aber dort würde ihr sicher die gleiche Feindseligkeit entgegenschlagen wie hier in der katholischen Mission.

Atayla mußte wieder daran denken, was ihre Mutter ihr kurz vor ihrem Tode gesagt hatte: »Du wirst ein sehr hübsches Mädchen werden, mein Liebes«, hatte sie gemeint, »so, wie Papa und ich es uns immer erträumt haben. Aber leider wirst du auch erfahren müssen, daß eine schöne Frau auf dieser Welt einen hohen Preis für ihre Schönheit zahlen muß.«

...



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