E-Book, Deutsch, 248 Seiten
Landers Mond der verlorenen Seelen
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-96215-325-0
Verlag: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 248 Seiten
ISBN: 978-3-96215-325-0
Verlag: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Aidan ist nun ein Vampirkrieger, dessen menschliche Seite immer mehr verblasst. Es scheint nur eine Frage der Zeit, wann er dem Ruf der Finsternis für immer folgen wird. Amber begegnet dem attraktiven und verwegenen Samuel, der sie vom ersten Moment an fasziniert. Aber auch ihn umgeben düstere Geheimnisse. Gemeinsam müssen Amber und Aidan neuen Gefahren trotzen, und dabei ihre Liebe zueinander zu einem starken Band werden lassen, das sie vor der Finsternis bewahren kann.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
~ 2 ~
Amber fühlte sich schwerelos. Eine angenehm entspannende Wärme durchflutete ihren Körper. Es war ihr leicht gefallen, sich in Trance zu versetzen. Sie hatte nur auf die Kerze starren müssen. Allmählich begab sich ihr Geist auf eine ungewisse Reise in die Dämonenwelt. Unter halb geöffneten Lidern sah sie zu Hermit, der sie mit sorgenvollem Blick betrachtete, bevor er im Nebel verschwand.
„Du bist noch nicht so weit, Amber. Das kann gefährlich werden“, hörte sie seine Stimme wie aus weiter Ferne. Er legte seine Hand auf ihre Schulter, doch sie schüttelte den Kopf.
„Ich … bin … bereit.“ Ihre Zunge schwoll an und ließ sich nur schwer dirigieren.
„Amber …“ Hermits Stimme hallte wie ein endloses Echo in ihrem Kopf.
Tausend Arme schienen sie rückwärts zu zerren. Widerstandslos ließ sie geschehen, dass ihr Geist aus dem Körper gesogen wurde. Sie schwebte kurz über ihrem Körper und betrachtete ihn, bevor Dunkelheit sie einhüllte.
Nach einiger Zeit, die Amber wie eine Ewigkeit vorkam, erhellte ein rötlicher Schein die Finsternis. Wenn sie nicht wüsste, wo sie sich befand, glaubte sie, einen Sonnenaufgang zu erleben. Ihr Körper war leicht wie eine Feder und milchig, fast transparent. Sie sah ihr Herz in der Brust schlagen. Ein neues, aufregendes Gefühl voller Faszination. So weit war sie noch nie gegangen.
Ihre Augen gewöhnten sich recht schnell an die schummrigen Lichtverhältnisse. Kaum zu glauben, dass sie jetzt ein körperloses Wesen war, wo sie sich doch sehen und ihren Körper fühlen konnte. So musste es auch nach dem Tod sein, jedenfalls stellte sie es sich so vor. Ein beruhigender Gedanke.
Es dauerte eine Weile, bis sie die ersten Umrisse am Horizont erkannte, spitzzackige Berge, die den scharlachroten Himmel mit ihren Gipfeln kratzten. Ein bizarres Panorama, das alles übertraf, was sie bisher gesehen hatte. Vor ihr lag der Pfad, der sie ins Ungewisse führte, in eine Welt, von deren Existenz sie nur aus Legenden wusste. Die Welt der Dämonen. Hermit war schon einmal als junger Druide hier gewesen und hatte ihr davon berichtet. Jeder Druide musste sich dieser Herausforderung stellen, früher oder später. Sie hatte sich für früher entschieden, um das drohende Unheil abzuwenden, das wie eine Dunstglocke über den Highlands schwebte.
Vor ihr schlängelte sich der Pfad, der dem nach Clava Cairn täuschend ähnlich war. Aber sie musste auf der Hut sein, alles in dieser Welt barg eine Täuschung. Dämonen verstanden es meisterhaft, Trugbilder zu erschaffen. Sie zwang sich, ruhig ein- und auszuatmen, bevor sie den Weg betrat. Waren ihre ersten Schritte noch vorsichtig, wurde sie nun zunehmend mutiger. Schließlich rannte Amber den schmalen Weg hinauf, vorbei an einem See, der wie Loch Gealach aussah, bis sie den Wald erreichte, an dessen Ende der Steinkreis lag. Schwerkraft existierte hier nicht. Unter der Wasseroberfläche erkannte sie bleiche Gesichter mit starren Augen, deren Lippen sich bewegten. Stimmen flüsterten ihren Namen.
Der Waldboden unter ihren Füßen verschluckte jeden Schritt. Immer wieder warf Amber einen Blick zurück, um sich zu vergewissern, ob sie ihr bereits folgten.
Kurz bevor sie den Wald erreichte, stoppte sie. Alle ihre Sinne waren aufs Äußerste geschärft. Der Himmel wölbte sich scharlachrot über den schwarzen Wipfeln. Hier herrschte absolute Stille, die nur durch ihr Atmen unterbrochen wurde. Jede Faser ihres Körpers war bis in den kleinen Zeh angespannt, Schweiß rann ihren Rücken hinab, nicht vor Anstrengung, sondern vor Anspannung. Überall wähnte sie Augen, die sie verfolgten, zwischen den Bäumen, selbst im See. Es war nur eine Frage der Zeit, wann die Dämonen über sie herfielen. Doch sie war vorbereitet, um den Kampf aufzunehmen.
Mit zusammengebissenen Zähnen verdoppelte sie ihr Tempo. Sie war fest entschlossen, ihre herangereiften Fähigkeiten zu beweisen. Sollte der Alte doch an ihr Versagen glauben, sie würde ihn eines Besseren belehren. Hermits Zweifel ärgerten sie, schließlich hatte sie ihm oft genug gezeigt, welche Kräfte in ihr schlummerten, und wie sicher sie diese in der Zwischenzeit beherrschte.
Lass dich nicht ablenken, konzentriere dich auf dein Inneres, das mehr sieht, als deine Augen es jemals vermögen. Dieser Satz verlieh ihr Mut.
Lange folgte sie dem Pfad, der sich zwischen den Bäumen den Hügel emporschlängelte, ohne dass etwas geschah. Eine trügerische Sicherheit, denn sie spürte die Blicke der glühenden Augen auf sich. Der Pfad verengte sich, bis sie sich einen Weg durch dichtes Gestrüpp bahnen musste. Sie schrie auf, als dornige Zweige ihr ins Gesicht peitschten. Die Striemen brannten wie Feuer. Blut lief über ihre Lippen, das sie mit dem Ärmel abwischte. Als sie die Blutflecke auf dem weißen Stoff betrachtete, erinnerte sie das wieder an die ermordeten Frauen und die grausame Art ihres Todes. Ihre Leichen wurden rund um Gealach gefunden, nackt, vergewaltigt und übel zugerichtet wie Schafe, die von einem Wolf gerissen wurden. Nur eine Bestie wäre zu dieser Tat fähig. Amber konnte spüren, wie die Schattenwelt erneut ihre todbringenden Finger ausstreckte.
Vielleicht ein Werwolf oder ein … Nein, das Tor war verschlossen und Aidan würde das nie tun. Oder doch?
„Nein!“, rief sie und rannte mit geballten Fäusten weiter. Der Pfad mündete in eine dichte Nebelwand. Amber zögerte, bevor sie sich dann entschied, dem Pfad nicht zu folgen und stattdessen den Wald zu betreten. Im Nebel wäre sie blind den dämonischen Attacken ausgeliefert.
Sie war schon eine Weile gegangen, als sie ganz in der Nähe das Kichern einer Frau hörte. Etwas Gelbes huschte an ihr vorbei und verschwand zwischen den Bäumen. Amber übersprang einen schmalen Graben und erkannte eine blonde Frau in einem gelben Overall, die vor ihr davonrannte. Kichernd warf die Blonde einen Blick über die Schulter zurück, als wolle sie Amber necken und verbarg sich hinter einem Baum. Amber erreichte kurz darauf atemlos die Stelle, an der sie die Frau aus den Augen verloren hatte. Ihr Blick glitt suchend zwischen den Bäumen umher, ohne sie zu entdecken. Diese raffinierten Dämonen waren ihr einen Schritt voraus! Sie hatten damit gerechnet, dass sie die Nebelwand umging und in den Wald lief. Amber bereute ihren Entschluss, aber umkehren mochte sie auch nicht.
Das Knacken eines Zweiges ließ sie herumfahren. Wieder folgte das Kichern. Sie durfte sich nicht irritieren lassen. Der Boden wurde morastig, sie sackte knöcheltief ein. Alles fühlte sich so echt an, als stecke sie in ihrem Körper.
Das Kichern verstummte. Stille. Eine seltsame Stille, wie auf einem anderen Planeten. Wie gebannt verharrte sie, wartete auf einen Angriff. Ihr Blick flog umher, suchte jeden Zentimeter ab.
Plötzlich schoben sich ein Dutzend Hände aus dem Moorboden vor ihr, dann tauchten Arme und Köpfe auf. Amber erstarrte beim Anblick der bleichen Frauenköpfe, die sie böse anglotzten. Die Toten aus Gealach. Sie hatte Fotos von ihnen gesehen, damals, in der Zeitung und im Fernsehen. Ihr wurde übel, sodass sie glaubte, sich übergeben zu müssen. Das schaurige Klagegeheul ließ Amber schließlich kehrtmachen. Hier hielten sie keine zehn Pferde mehr.
Prompt stolperte sie beim Umdrehen über eine Baumwurzel und fiel der Länge nach hin. Etwas umschlang ihren Knöchel. Amber strampelte, aber die Hand der Toten hielt sie fest. Sie holte aus und trat mit voller Wucht gegen den Kopf. Zwar trennte sie mit dem Tritt den Schädel vom Rumpf, aber die Hand hielt sie noch immer eisern umklammert. Je mehr Amber zappelte, desto fester schlossen sich die bleichen Finger um ihren Fuß und zogen sie rückwärts. Sie fluchte.
„Geister der Erde, helft eurer Tochter“, murmelte sie, während ihre Finger sich in die feuchte Erde krallten und Rillen zogen. Warum halfen ihr die Schutzgeister nicht?
Als der Boden zu beben begann, wurde sie losgelassen. Amber sah zurück. Das Moor versank und zog die Toten in die Tiefe. Erleichtert rappelte sie sich auf und lief weiter, als das Jaulen eines Wolfes erklang.
Lass dich nicht schon wieder ablenken, ermahnte sie sich und raste den steilen Hügel hoch. Es war ein seltsames Gefühl, dabei nicht außer Atem zu geraten.
Bevor sie die Kuppe erreichte, erfasste sie der kalte Atem eines Dämons. Er war dicht hinter ihr. Ein Schauder lief ihren Rücken hinab. Sie lief im Zickzack zwischen den Bäumen. Der Dämon klebte an ihren Hacken. Ein Surren wie das eines Bienenschwarms ertönte über ihr, bis es abrupt verstummte. Amber wagte nicht, einen Blick über die Schulter zurückzuwerfen. Da versperrte ihr der Verfolger den Weg. Amber erstarrte, als der Dämon in Gestalt eines riesigen Wolfs mit Greifenflügeln und Schlangenschwanz vor ihr stand und voller Gier auf sie herabblickte. Er riss mit lautem Jaulen sein Maul weit auf und spie Flammen. In letzter Sekunde sprang Amber beiseite. Sie spürte die Energie, die sie durchflutete, und streckte ihm die Arme entgegen. Blitze zuckten aus ihren Händen und zielten auf den Dämon. Doch in Bruchteilen von Sekunden wechselte er die Position und stand fauchend hinter ihr. Amber wirbelte herum, ihre Arme in Abwehrposition, aber der Dämon war schneller. Bevor sie sich auf die Energieblitze konzentrieren konnte, peitschte sein Schwanz durch die Luft und traf sie mit voller Wucht an der Hüfte. Vor Schmerz schrie sie auf und kippte um wie ein gefällter Baum. Erneut holte der Dämon aus. Diesmal rollte Amber zur Seite, bevor der Schwanz eine dampfende Furche im Boden hinterließ, wo sie eben noch gelegen hatte. Als sie aufblickte, stand der Dämon über ihr. Seine Lefzen zogen sich hoch und entblößten dolchartige Hauer, von denen Geifer auf sie herabtropfte. In seinen Augen lagen Triumph und Gier....




