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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 4, 432 Seiten

Reihe: Young Sherlock Holmes

Lane Young Sherlock Holmes

Nur der Tod ist umsonst - Sherlock Holmes ermittelt in Schottland
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-10-402719-7
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Nur der Tod ist umsonst - Sherlock Holmes ermittelt in Schottland

E-Book, Deutsch, Band 4, 432 Seiten

Reihe: Young Sherlock Holmes

ISBN: 978-3-10-402719-7
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der vierte Fall des jungen Meisterdetektives Drei abgründige Fälle hat der junge Sherlock Holmes bereits geknackt. Doch diesmal steht er vor einem unlösbar scheinenden Rätsel: Sein Mentor Amyus Crowe ist spurlos verschwunden. Auf der Suche nach seinem Lehrer findet Sherlock dessen Haus vollkommen verwaist vor. Es ist, als habe dort niemals eine Menschenseele gewohnt. Sherlock findet jedoch einen versteckten Hinweis und begibt sich auf die Suche. Er stößt auf Entführung, Leichenraub und einen Mann, der glaubt, Meister über den Tod zu sein. Der junge Detektiv kennt die Spielarten des Bösen - doch kann er teuflischen Größenwahn besiegen?

Andrew Lane ist der Autor von mehr als zwanzig Büchern, unter anderem Romanen zu bekannten TV-Serien wie ?Doctor Who? und ?Torchwood?. Einige davon hat er unter Pseudonym veröffentlicht. Andrew Lane lebt mit seiner Frau, seinem Sohn und einer riesigen Sammlung von Sherlock-Holmes-Büchern in Dorset.
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2


Sherlock stockte der Atem. Wie konnte sie es wagen, so mit seinem Onkel zu reden! Doch dann fegte eine plötzliche Woge der Freude seine Empörung hinweg: Das hier würde sie nicht überleben. Innerhalb einer Stunde wäre sie weg, ohne dass ihr jemand eine Träne nachweinen würde.

Sherrinford Holmes hielt die geballte Faust gegen sein Bein gepresst. Aber auf seinem Gesicht zeichnete sich keinerlei Entrüstung ab. Vielmehr glich sein Ausdruck eher hilfloser Frustration als dem gerechtfertigten Zorn eines Mannes, der gerade eine Bedienstete dabei ertappt hatte, wie sie in seinem persönlichen Besitz herumschnüffelte. Sherlock erwartete, dass sein Onkel vor Wut explodierte, Mrs Eglantine auf der Stelle feuerte und sie ohne Referenzen aus dem Haus warf. Doch stattdessen schüttelte dieser nur den Kopf, während seine Faust hilflos gegen seinen Oberschenkel schlug. »Sie haben kein Recht dazu!«, protestierte er.

»Ich habe jedes Recht«, entgegnete Mrs Eglantine. »In diesem Haus habe ich jedes Recht, das ich will. Jedes Recht, das auszuüben mir gefällt, denn Sie und Ihr unerträgliches Weib wissen, was passiert, wenn Sie mir jemals in die Quere kommen.«

»S … Sie sind eine gottlose, böse Frau«, stotterte Sherrinford Holmes. Er schien außerstande zu sein, Mrs Eglantines Blick zu begegnen. Stattdessen starrte er auf den Teppich herab, und Sherlock nahm bestürzt wahr, wie sich seine Augen mit Tränen füllten.

Mrs Eglantine trat mit betont langsamen und sorgfältig gesetzten Schritten zwischen den Regalreihen auf Sherlocks Onkel zu, bis sie unmittelbar vor ihm stand.

Sie war kleiner als er. Doch durch die Art, wie sie stolzierte, und durch ihre Körperhaltung wirkte es, als würde sie ihn um Längen überragen.

»Du erbärmlicher Narr!«, spie sie ihm entgegen. Sie streckte eine Hand aus und packte sein Kinn zwischen Daumen und Finger. Sherlock, der die Szene entsetzt aus den Schatten heraus verfolgte, konnte die Einbuchtungen erkennen, die ihre Finger auf Sherrinfords Wangen hinterließen. »Du sitzt hier rum, Tag für Tag, und schreibst bedeutungslose Worte für ebenso erbärmliche und verblendete Idioten im Land wie du einer bist, damit sie sie wie Papageien nachplappern. Und du denkst – du denkst tatsächlich –, dass du etwas Lobenswertes machst. Es bedeutet nichts, alter Mann. Ich sollte alles um dich herum zum Einsturz bringen, nur um dir zu demonstrieren, wie wenig es die Welt scheren würde, wenn all das endet. Ich könnte es, weißt du. Mit dem, was ich weiß, könnte ich diese Familie ruinieren.«

»Worauf warten Sie dann noch?«, fragte Sherrinford, die Stimme durch die Finger gedämpft, die sich in sein Gesicht krallten.

Mrs Eglantine zögerte, öffnete den Mund, brachte aber keine Antwort heraus.

»Sie können es eben nicht«, fuhr Sherrinford Holmes fort. »Wenn Sie enthüllen würden, was Sie wissen, dann ja, dann wäre meine Familie ruiniert. Aber in dem Fall wäre Ihnen der Zugang zu diesem Haus verwehrt. Und was hätten Sie dann erreicht? Sie haben ein Jahr oder länger damit verbracht, nach etwas zu suchen. Vom Dachboden bis zum Keller. Ich habe keine Ahnung, wonach Sie suchen. Aber ich weiß, wie wichtig es für Sie sein muss, und ich weiß, dass Sie niemals etwas unternähmen, was Ihre Suche gefährden könnte.«

»Ich glaube, du weißt sehr wohl, wonach ich suche«, sagte sie spöttisch und entließ ihn aus ihrem Griff. »Und ich glaube, es ist hier, in der Bibliothek. Deswegen sitzt du auch Tag für Tag hier herum, wie eine alte Henne, die auf einem Haufen Eier brütet, aus denen nie etwas schlüpfen wird. Ich habe überall sonst gesucht, und ich weiß, dass es hier sein muss. In diesem Raum.«

»Raus mit Ihnen«, sagte Sherrinford. »Oder ich Sie entlassen, und Gott möge mich vor den Konsequenzen schützen. Ich werde Sie entlassen, nur um diesem Albtraum ein Ende zu bereiten. Und um gewiss zu sein, dass ich Sie gehindert habe, welch erbärmlichen Schatz auch immer zu finden, der sich Ihrer Meinung nach hier befinden soll.«

Mrs Eglantine stolzierte an ihm vorbei auf die Tür zu. Als sie das Ende der Regalreihe erreicht hatte, wandte sie sich zu ihm um. Ihre grell blitzenden Augen leuchteten wie glühende Kohle in ihrem ansonsten gletscherweißen, maskenhaften Gesicht. »Du kannst mich nicht ohne Folgen loswerden«, zischte sie. »Genauso wenig wie ich dich. Die Frage ist nur: Wer fürchtet sich am meisten vor den Folgen?« Sie wandte sich zum Gehen, drehte sich dann aber noch einmal um. »Ich verlange von dir, dass du deinen armseligen Neffen loswirst«, fügte sie hinzu. »Werd ihn los. Schick ihn weg.«

»Jagt er Ihnen etwa Angst ein?«, fragte Sherrinford. »Fürchten Sie, dass er hinter Ihre wahre Stellung in diesem Hause kommen und etwas dagegen unternehmen wird?«

»Was kann er schon tun? Er ist nur ein Junge. Schlimmer noch, er ist nur ein Holmes.« Damit wandte sie sich um und ging. Wenige Augenblicke später hörte Sherlock, wie sich die Tür zur Bibliothek öffnete und gleich darauf wieder schloss.

»Sie hat tatsächlich Angst vor dir«, sagte Sherrinford leise. Es dauerte einen Moment, bevor Sherlock begriff, dass sein Onkel mit ihm sprach. Irgendwie musste er gewusst haben, dass er noch im Raum war.

»Ich verstehe das nicht«, sagte Sherlock und trat auf dem Gang ins Licht hinaus.

»Es gibt keinen Grund, warum du das solltest.« Sein Onkel schüttelte müde den Kopf, als wäre dieser plötzlich überaus schwer geworden. »Vergiss, was du gesehen hast. Tilge es aus deinem Gedächtnis. Tue, ebenso wie ich, einfach so, als gäbe es in diesem Haus keine Probleme und als liefe alles in heiter-ruhigen, gottgefälligen Bahnen. Tue so, als hätte sich diese Schlange, diese Verkörperung des Satans, nicht in unsere Mitte geschlängelt.«

»Aber Onkel …«

Sherrinford runzelte die Stirn und erhob seine dürre Hand. »Nein«, sagte er entschieden. »Ich werde nicht länger darüber diskutieren. Das Thema wird nie wieder zur Sprache kommen.« Er seufzte. »Ich würde dich ja fragen, wie weit du mit dem Katalogisieren der Predigten vorangekommen bist, aber ich merke, wie müde ich auf einmal bin. Ich werde mich eine Weile ausruhen, hier in der Ruhe meines Allerheiligsten.« Er starrte die durcheinander geratenen Bücher auf den Regalen und dem Boden an. »Und nachher etwas aufräumen. Normalerweise würde ich eines der Dienstmädchen bitten, aber unter den gegebenen Umständen …«

Leise zog Sherlock sich aus der Bibliothek zurück, und als er die Tür hinter sich schloss, konnte er hören, wie sein Onkel etwas vor sich hin murmelte.

Wie sich herausstellte, befand sich Mrs Eglantine in der Halle, und so hielt sich Sherlock im Schatten verborgen, um sie zu beobachten. Sie sprach gerade mit einem der Dienstmädchen.

»Sag Cook, dass ich gleich zu ihr komme. Die Menüpläne für diese Woche sind völlig inakzeptabel und müssen geändert werden. Und sag ihr, dass ich erst zufrieden bin, wenn sie komplett überarbeitet worden sind.«

Als das Dienstmädchen davoneilte und Mrs Eglantine einen Moment lang in Gedanken versunken reglos dastand, nahm unwillkürlich eine kühne Idee in Sherlock Gestalt an. Mrs Eglantine hatte offensichtlich keinerlei Skrupel, in aller Ruhe das gesamte Haus nach irgendeinem Gegenstand zu durchsuchen. Was, wenn er nun Zimmer durchstöberte, während sie beschäftigt war? Vielleicht konnte er einen Hinweis darauf finden, wonach sie eigentlich suchte. Gelang ihm das und fand er den verborgenen Gegenstand vor ihr, gäbe es keinen Grund mehr für sie, noch länger im Haus zu bleiben. Und selbst wenn er es nicht herausfand, könnte er vielleicht dahinterkommen, was sie eigentlich gegen seine Tante und seinen Onkel in der Hand hatte. Wenn es ihm gelänge, sie zu befreien, könnte er sich endlich einmal gebührend für ihre großzügige Gastfreundschaft erkenntlich zeigen.

Mrs Eglantine strebte auf den hinteren Bereich des Hauses zu, vermutlich auf dem Weg zu etwas, das sich als ziemlich spannungsgeladene Zwiesprache mit Cook herausstellen würde. Sherlock verspürte einen Anflug von Mitgefühl. Er mochte Cook. Immer hatte sie eine Scheibe Brot mit Marmelade oder etwas Gebäck mit Sahne für ihn übrig, wenn er in der Küche vorbeischaute. Als einziges Mitglied des Dienstpersonals war sie in der Lage, Mrs Eglantine Paroli zu bieten.

Da er seinen Onkel in der Bibliothek wusste und davon ausgehen konnte, dass seine Tante wie normalerweise jeden Nachmittag im Wohnzimmer beim Nähen saß, konnte Sherlock ziemlich sicher sein, von keinem Familienmitglied gestört zu werden. Außerdem wusste er, dass nach dem Dienstplan der Dienerschaft davon auszugehen war, dass zu dieser Zeit gerade die Feuerstätten in den Schlafzimmern gereinigt wurden. Niemand würde sich also in der obersten Etage aufhalten, auf der sich die Personalunterkünfte und Sherlocks Zimmer befanden.

Er gelangte in den obersten Stock, ohne jemandem zu begegnen. Sein Zimmer war das Erste, das vom Treppenflur abging. Daneben befand sich ein leerer Raum, der normalerweise einem Butler vorbehalten gewesen wäre, hätte sich die Familie einen leisten können. Weiter geradeaus um die Ecke lagen die Zimmer von Mrs Eglantine, der Dienstmädchen sowie der Burschen, die in den Ställen und Gärten arbeiteten. Auch die Hintertreppe befand sich dort, die die Angestellten benutzten, um sich ungesehen durch das Haus zu bewegen. Lediglich Mrs Eglantine war es gestattet, die Haupttreppe zu benutzen.

Er ging um die Ecke. Wie erwartet lag der Rest des Korridors einsam und verlassen vor ihm. Mrs Eglantines Tür war zu, aber...


Dreller, Christian
Christian Dreller, geboren 1963 in Neumünster, studierte Slawistik und Geschichte. Er arbeitete in Kinder- und Comicbuchverlagen und ist unter anderem als Übersetzer, Autor und Lektor tätig.

Lane, Andrew
Andrew Lane ist der Autor von mehr als zwanzig Büchern, unter anderem Romanen zu bekannten TV-Serien wie ›Doctor Who‹ und ›Torchwood‹. Einige davon hat er unter Pseudonym veröffentlicht. Andrew Lane lebt mit seiner Frau, seinem Sohn und einer riesigen Sammlung von Sherlock-Holmes-Büchern in Dorset.

Andrew LaneAndrew Lane ist der Autor von mehr als zwanzig Büchern, unter anderem Romanen zu bekannten TV-Serien wie ›Doctor Who‹ und ›Torchwood‹. Einige davon hat er unter Pseudonym veröffentlicht. Andrew Lane lebt mit seiner Frau, seinem Sohn und einer riesigen Sammlung von Sherlock-Holmes-Büchern in Dorset.
Christian DrellerChristian Dreller, geboren 1963 in Neumünster, studierte Slawistik und Geschichte. Er arbeitete in Kinder- und Comicbuchverlagen und ist unter anderem als Übersetzer, Autor und Lektor tätig.

Andrew Lane ist der Autor von mehr als zwanzig Büchern, unter anderem Romanen zu bekannten TV-Serien wie ›Doctor Who‹ und ›Torchwood‹. Einige davon hat er unter Pseudonym veröffentlicht. Andrew Lane lebt mit seiner Frau, seinem Sohn und einer riesigen Sammlung von Sherlock-Holmes-Büchern in Dorset.
Christian Dreller, geboren 1963 in Neumünster, studierte Slawistik und Geschichte. Er arbeitete in Kinder- und Comicbuchverlagen und ist unter anderem als Übersetzer, Autor und Lektor tätig.



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