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Lang | Ausweg aus dem Leid | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 533 Seiten

Reihe: tredition GmbH

Lang Ausweg aus dem Leid

Warum wir immer nur unsere Probleme in den Griff bekommen wollen und nicht die Dinge, die sie hervorrufen
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-347-48199-2
Verlag: tredition GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Warum wir immer nur unsere Probleme in den Griff bekommen wollen und nicht die Dinge, die sie hervorrufen

E-Book, Deutsch, 533 Seiten

Reihe: tredition GmbH

ISBN: 978-3-347-48199-2
Verlag: tredition GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



1)Das Thema des Buches ist die Beschreibung zentraler Prinzipien spiritueller Lebensführung. Dabei geht es unter anderem um das Erreichen des Dialoges mit der eigenen inneren Stimme. Damit wird ein geistig geführten Leben verwirklicht, das keinen Mangel und keine Sorgen mehr kennt. Verbunden damit ist die Sprengung aller gegenwärtig bestehenden Glaubenssätze.

Jürgen Lang ist pensionierter Lehrer und lebt im Harz. Nach einer schweren Lebenskrise wurde ihm der Weg zu seiner Intuition eröffnet. Daraufhin begann er, die Weisheitslehren aller Kulturen zu studieren und nach einigen Jahrzehnten seine Erfahrungen zu veröffentlichen. Er begann seine geistige Lehrtätigkeit in Osteuropa, Ostafrika und Südamerika. Gegenwärtig schreibt er Bücher zum Thema, gibt Seminare und betätigt sich als Blogger auf seiner Internetpräsenz.
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KAPITEL 1: UNSERE WAHRE IDENTITÄT

„ZWEI SEELEN WOHNEN, ACH! IN MEINER BRUST“

Der spirituelle Weg steht und fällt mit der Erkenntnis, was der Mensch ist, wie beschaffen er ist: Was bin ich, wie bin ich, wer bin ich.

Erkenne dich selbst“, „Gnothi se auton“: So lautet der Schriftzug über dem Eingang zum Tempel von Delphi, in dem die Weissagerin Pythia die Geschicke der Frager orakelte.  Diese Identitätsfindung bzw. Selbsterkenntnis ist der entscheidende Schlüssel für ein erfolgreiches, erfülltes Leben, in dem der Mensch seine Bestimmung verwirklicht. Wenn ich weiß, wer ich bin, dann weiß ich, wonach und wofür ich lebe.

Den entscheidenden Unterschied zum Tier hat der bedeutende Philosoph der Aufklärung Kant mit dem Wort „Mensch-lichkeit“ beschrieben und als moralische Verpflichtung definiert: Es kommt seiner Auffassung nach beim Menschen darauf an, was er tun soll. (Diesen Wegweiser zur Höherentwicklung hat das Tier nicht.) Dabei kann der Mensch ursprünglich nicht wissen, was er denn nun tun soll. Auch die Anhäufung und Auswertung von Erfahrung führt nicht zu höheren Normen wie etwa, nicht töten zu sollen oder seine Feinde lieben zu sollen. Das heißt, ein induktiver Ansatz führt nicht zum Ziel. Deshalb gibt es die Weisheitsschriften.

In ihnen ist deduktiv niedergelegt, woraus dieses Sollen besteht. Damit ist die Aufgabe gemeint, geistige Gebote wie zum Beispiel die Goldene Regel zu befolgen, also dass ich andere Menschen so behandeln soll, wie ich von ihnen behandelt werden möchte, wenn ich in deren Lage wäre. Steht also vor mir ein Flüchtling, der vor dem Bombenterror in seiner Heimat geflohen ist, sagt die Goldene Regel, ihn aufzunehmen und nicht abzuweisen, denn wenn ich dieser Flüchtling wäre, würde ich wünschen, aufgenommen zu werden.

Das Sollen ist nicht Selbstzweck: Sein Ziel ist die Schaffung von Lebensbedingungen, die gekennzeichnet sind durch Versorgung, Liebe, Sicherheit und Schutz, zunächst im persönlichen Mikrokosmos. Dabei liegt der eindeutige Schwerpunkt in allen Weisheitslehren auf einem harmonischen Miteinander. Denn wenn ich existieren will, müsste ich erkennen, dass jedem anderen dasselbe Bedürfnis und dieselbe Berechtigung innewohnt. Aus dieser Einsicht ergeben sich automatisch die Grenzen der individuellen Freiheit. Das egozentrische Bestreben jedoch, diese sich nicht beschränken lassen zu wollen, was gegenwärtig exponentiell um sich greift (Impfgegner, Reichsbürger, Helikoptereltern, Raser, Shitstormer, usw.), führt zu Konflikt und Zerstörung, weil die Mahnung der heiligen Schriften mehr und mehr mit Füßen getreten wird. Befolgt man jedoch die Goldene Regel, hat dieses Sollen bestimmte Folgen, die das das Christentum so beschreibt:

„… wird euch alles dazugegeben.“

Oder der Buddhismus: „… wird durch das Böse ebenso wenig berührt wie das Lotosblatt vom Wasser.“ Oder der Taoismus: „… giftige Schlangen stechen ihn nicht… Oder das Judentum im AT: „… mir wird nichts mangeln!“

Diese Verheißungen deuten an, dass es einen Zustand gibt, der das Leben auf unserem heillosen Planeten mit seinen Sorgen, Gefahren, Katastrophen, mit Existenzangst, Stress, Not und Elend besiegt. Mit dem Verstand, der das verarbeitet, was er sieht und hört, ist dieses Ziel nicht erreichbar, das zeigen uns nicht nur die vergangenen fünftausend Jahre, sondern die gegenwärtigen Entwicklungen, die auf alles andere hinauslaufen als auf eine aufsteigende optimistische Zukunft. Ohne die Straßenkarte der Weisheitsschriften ist eine menschenwürdige Zukunft für alle nicht möglich. Verbunden damit ist eine radikale Abkehr von den Auslegungen und Praktiken der religiösen Organisationen Sie haben durch die Jahrhunderte hindurch bewiesen, dass ihre Konzepte nicht dazu geführt haben, dass die Menschen sich auch nur einen Millimeter etwa von den archaischen Mustern wie z. B. „Auge um Auge“ entfernt hätten.

Wer aber den Weg zu einem angst- und sorgefreien Zustand gegangen ist, wird – wie es mir ergangen ist – feststellen, dass dieser Weg gepflastert ist von beglückenden und auch schmerzhaften Treppenstufen. Aber es ist es ja immer so, dass die Überwindung alter Vorstellungen, Routinen und Überzeugungen Amputationen hemmender Altlasten sind, die nicht ohne schmerzhafte Selbstüberwindung zu überstehen sind.

Weil der Mensch mit dem freien Willen ausgestattet ist, enthält das Sollen natürlich die Möglichkeit, von dieser Vorgabe abzuweichen. In der Schöpfungsgeschichte ist die spezifisch menschliche Entscheidungsfreiheit abgebildet durch die Wahlmöglichkeit zwischen dem Baum von Gut und Böse und dem Baum des Lebens. Die Tiere haben diese Wahl nicht; für sie gibt es keine Freiheit.

Wahre Selbsterkenntnis nun reicht weit über solche Merkmale wie Temperament, Charakter, Haltung, Kulturkreis, Einstellung, soziale Herkunft, usw. hinaus, weil diese ihrerseits gesteuert werden von Tiefeninstanzen, die viel entscheidender für den Lebensweg des Individuums sind als die angeführten Merkmale der Oberfläche. Wahre Selbsterkenntnis ist eine der beiden zentralen Bedingungen für den Lebenserfolg. Das bedeutet aber nicht, dass sie als Voraussetzung zu verstehen ist. Vielmehr entwickelt sie sich begleitend und reifend in zunehmend erfolgreichem Maß.

Aussagen über die Wege zu ihr finden wir in den verschiedensten Bereichen menschlicher Kultur.

Literatur:

"Wie in einem jeden Menschen lebten auch in Nechljudov zwei Menschen, der moralische Mensch, der sein Wohl im Wohl der anderen suchte und der tierische Mensch, der nur sein eigenes Wohl suchte und diesem Wohl die ganze Welt zu opfern bereit war …" (Leo N. Tolstoj: Auferstehung; Band I, Kap. 14)

Malerei:

Der norwegische Künstler Edvard Munch zeigt in seinem Bild "Der ertrunkene Junge" eine helle und eine dunkle Männerfigur nebeneinander hergehend, die die zwei Seiten innerhalb der gleichen Person darstellen sollen und die darum kämpfen, den Menschen zu beherrschen. Der Künstler selbst äußert sich dazu wie folgt:

"Die Spaltung der Seele, … die wie zwei zusammengebundene Vögel jeder nach seiner Seite streben … ein fürchterlicher Kampf im Käfig der Seele." (Eggum, Arne: Edvard Munch als Maler. In: Munch im Munch Museum. Munch-museet. Oslo 2007) 

Christentum:

Im 17. Jahrhundert schreibt der schlesische Mystiker Angelus Silesius:

„Zwei Menschen sind in mir:

der eine will, was Gott will,

der andre, was die Welt,

der Teufel und der Tod wollen.“

(Cherubinischer Wandersmann V, 120)

Der Volksmund:

Er spricht derbe, aber treffend vom „inneren Schweinehund“ als dem Gegenspieler zum „Gewissen“ mit dessen typischen Mahnungen, den „Gewissensbissen.“

Jüdische Weisheit:

In der Schöpfungsgeschichtewerden die beiden Pole des Menschseins symbolisch durch die beiden Elemente ausgedrückt, aus denen der Mensch geschaffen wurde, zum einen aus dem materiellen „Erdenkloß“, zum anderen aus dem eingehauchten „lebendigen Atem Gottes“ der unstofflichen geistigen Dimension.

Wie beschaffen aber sind diese beiden "Geschöpflichkeiten?" Da ist einerseits das Egoprogramm im Menschen gemeint, der Selbsterhaltungstrieb, dessen Zweck darin besteht, nur sein eigenes Wohl zu suchen, auf Kosten anderer.

Da ist andererseits die „Seele“, (in der spirituellen Literatur oft „Geist“ (engl.: spirit) genannt, der „Vater in mir“, die Intuition, die innere Stimme, das Bauchgefühl, das Gewissen, der (hin)eingeborene Gottessohn, der „sein Wohl im Wohl der anderen sucht.“

So konkurrieren im Menschen die egomane Selbstliebe und die selbstlose Nächstenliebe. Kann man es treffender ausdrücken als Goethe, der Faust sagen lässt:

"Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust:
Die eine hält in derber Liebeslust
sich an die Welt mit klammernden Organen;
die andre hebt gewaltsam sich vom * Dust

zu den Gefilden hoher Ahnen."
(Faust I. Vor dem Tor.) *Von „düster.“

Oleksandr Chaban: In a human being good and evil … Who are you, human? iStock 944011406

WAS IST WAHRHEIT

Nun, dies sind bislang alles nur Annahmen, Behauptungen, Meinungen, Aussagen, Sichtweisen, usw. von mehr oder weniger weisen Menschen. Aber – Pilatusfrage – was ist Wahrheit? Sind die obigen Auffassungen wahr? Kein Mensch kennt die objektive Wahrheit der Grundfragen des Lebens: Die einen sagen, die Erderwärmung sei menschengemacht, die anderen das Gegenteil; wieder andere behaupten, das Verhältnis sein etwa 50:50. Und irgendwo auf dieser Skala liegt die objektive Wahrheit.

Unsere Wahrheiten sind unzuverlässig bis flüchtig. Das gilt für den Umgang mit Pandemien, für Schulpolitik,...



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