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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 240 Seiten
Reihe: tredition GmbH
Lang MEIN LEBEN OHNE GLUTEN
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-347-42058-8
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
KEIN WEIZEN. KEINE GERSTE. KEIN ROGGEN. KEIN DINKEL. KEIN EMMER. KEIN HAFER.
E-Book, Deutsch, 240 Seiten
Reihe: tredition GmbH
ISBN: 978-3-347-42058-8
Verlag: tredition
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Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jürgen Lang ist Jahrgang 1968 und nach seinem Studium der Politikwissenschaften und Neueren deutschen Literatur seit 1996 auch als Autor und freier Journalist tätig. Unabhängig. Überparteilich. Zöliakiebetroffen.
Autoren/Hrsg.
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Die Suche nach dem
sicher glutenfreien Leben
Ich habe also ein Problem namens Zöliakie. Die Lösung für das Problem kenne ich bereits: die glutenfreie Diät. Nur den Weg dahin – den Lösungsweg –, den muss ich mir erarbeiten.
Nun ist es heutzutage üblich, bei einer Frage oder einem Problem zunächst einmal die eine oder andere Suchmaschine im Internet zu bemühen. Die Suchmaschinen zeigen sich auskunftsfreudig und geben zu Suchbegriffen wie Gluten, Zöliakie, glutenfreie Diät oder glutenfreie Ernährung zigtausende Ergebnisse aus. Es mangelt mir also nicht an Informationen.
Angesichts der Menge ist es allerdings recht sinnbefreit, in einer solchen Datenflut die gesuchten Informationen finden zu wollen. Daher beschränke ich die Suche auf den Begriff Zöliakie und stoße so gleich auf der ersten Seite der Ergebnisse auf die Webseiten der Zöliakiegesellschaften.
Eine Zöliakiegesellschaft ist eine Gesundheitsorganisation oder Solidargemeinschaft, die unter anderem Zöliakiebetroffene berät, sich für deren Anliegen einsetzt, Informationen zur glutenfreien Diät bereithält und glutenfreie Lebensmittel mit dem Glutenfrei-Symbol zertifiziert. Die Gesellschaften gibt es – teils auch als Vereinigung, Zusammenschluss, Interessen- oder Arbeitsgemeinschaft – in so gut wie allen Ländern.
Eine dieser Webseiten ist die der IG Zöliakie der Deutschen Schweiz und dort ist zu lesen, dass
? die Zöliakie eine Unverträglichkeit gegenüber Gluten sei und Gluten ein Sammelbegriff für Proteine, die in den Getreidesorten Weizen, Dinkel und Ur-Dinkel, Grünkern, Gerste, Roggen und Hafer enthalten sind,
? bei Menschen mit Zöliakie der Verzehr von Gluten eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut auslöse,
? dies zu verschiedenen Symptomen führe,
? die glutenfreie Ernährung die derzeit einzige bekannte Möglichkeit sei, um mit Zöliakie gesund und beschwerdefrei zu leben und
? alle glutenhaltigen Getreidesorten konsequent und lebenslang gemieden werden müssten.
Einiges war mir schon bekannt, jetzt weiß ich dank dieser ersten Übersicht auch, in welchen Getreidesorten das mich krankmachende Gluten enthalten ist.
Mit dem Hinweis, dass ich ungeachtet einer fehlenden Heilungsmöglichkeit gesund und beschwerdefrei lebe, wenn ich bei meiner Ernährung die glutenhaltigen Produkte konsequent meide, kann ich sogar eine erste gute Nachricht abernten. Ich muss nur die Lebens- und Nahrungsmittel weglassen, die aus oder mit einem glutenhaltigen Getreide hergestellt werden.
Nur.
Lebensmittel oder Nahrungsmittel? Das »Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache« der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften führt unter dem Stichwort Nahrungsmittel die Erklärung „Lebensmittel außer Genussmitteln“ auf und unter Lebensmittel „Nahrungsmittel und Genussmittel, Essware“. Die Genussmittel – Produkte, die wegen Geschmack oder Wirkung verzehrt werden – sollen also den Unterschied ausmachen.
Ich verwende im Folgenden den Begriff Lebensmittel, weil er besser in das Gesamtbild passt, in dem zudem noch Begriffe wie Lebensmittelrecht auftauchen. In dem sind Lebensmittel laut Artikel 2 der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 übrigens alle Erzeugnisse oder Stoffe, „von denen nach vernünftigem Ermessen erwartet werden kann, dass sie in verarbeitetem, teilweise verarbeitetem oder unverarbeitetem Zustand von Menschen aufgenommen werden“.
Es dauerte die eine oder andere Sekunde, dann wurde es mir bewusst: Die eben genannten glutenhaltigen Getreide werden zu Mehl, Malz und Grieß verarbeitet – genauer gesagt zu Gerstenmalz, Hartweizengrieß und natürlich Roggen–, Dinkel- oder Weizenmehl.
Das ist für mich eine sehr schlechte Nachricht, denn so gut wie jedes aus einem Teig hergestellte Lebensmittel enthält eines dieser Mehle und insbesondere Weizenmehl. Brote und Brötchen. Herzhafte und süße Gebäcke, sprich Kekse, Kuchen, Torten, Teilchen – und das geliebte Weihnachtsgebäck. Salzstangen und Laugenbrezel. Wraps, Quiches und Burritos. Flamm- oder Zwiebelkuchen. Pizza. Nudeln und Pasta. Ebenso alles, was paniert ist. Wie Fischstäbchen oder Schnitzel. Bei den Getränken betrifft es Biere, Fassbrausen, Malzgetränke, gebraute Limonaden sowie Getreidekaffees.
Für all diese Sachen gilt: Sind sie nach typischer Rezeptur hergestellt, sind sie für mich verboten. Mit der Diagnose sind die Zeiten vorbei, in denen ich – jetzt zöliakiebetroffen – mal eben in jedem Café ein belegtes Brötchen oder ein Stück Kuchen essen oder in jeder Kneipe oder jedem Biergarten mein Feierabendbier trinken kann.
Allerdings finden sich glutenhaltige Zutaten auch in Produkten, in denen ich sie nicht unbedingt erwarte, wie Fertiggerichte und Fixprodukte, Varianten von Pommes-Frites, Suppen und Soßen, Süßigkeiten oder Produkte mit Ballaststoffzusätzen.
Und da es beim Gluten auch nicht nur um die gerade genannten Mehle und Malze geht, steht vieles Anderes auf der Liste der Speisen und Getränke, deren Verzehr für mich strengstens verboten ist.
Strengstens heißt in diesem Zusammenhang übrigens, dass es zu dem Verbot keine Ausnahme gibt. Wirklich keine. Selbst dann nicht, wenn mein eigener Geburtstag, Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen, wie man so schön sagt. Und wenn der Arzt anordnet, dass die Lebensmittel, in denen das Gluten steckt, ab sofort verboten sind, dann meint er das auch so. Das hängt damit zusammen, dass der Rückgang der durch die Zöliakie ausgelösten Symptome erst bei einer vollständig glutenfreien Ernährung in Gang kommen kann. Dementsprechend ist es nicht möglich, die Umstellung langsam oder nach und nach anzugehen.
Doch nicht nur das: Jede Unterbrechung der Diät unterbricht auch den Heilungsprozess und kann jeden bereits erreichten Fortschritt auf einen Schlag zunichtemachen. Deshalb muss ich – muss jeder mit einer Zöliakie – die Ernährung nicht nur unverzüglich umstellen, sondern die glutenfreie Diät auch ununterbrochen und strengstens für den Rest des Lebens einhalten.
Warum ist eigentlich von einer Diät die Rede, die Zöliakie hat doch nichts mit Abnehmen zu tun? Das hat sie natürlich nicht, eine Diät aber auch nicht unbedingt. Das Wort Diät geht zurück auf das griechische Wort díaita, bedeutet im Deutschen Lebensart und steht für eine auf gewisse Bedürfnisse abgestimmte Ernährungs- und Lebensweise. Bei der Zöliakie ist es eben die glutenfreie Ernährungsweise.
Nun ist die – gefühlt schier endlos – lange Liste der bei der glutenfreien Diät verbotenen Speisen und Getränke bei weitem nicht die einzige schlechte Nachricht. Es wäre schön, wenn es mit dem Weglassen von Brot und Brötchen, Kuchen und Keksen, Pizza, Nudeln und Pasta, angedickten Suppen und Soßen, Frikadellen und panierten Schnitzeln oder Bier getan wäre. Allerdings sind für mich leider nicht allein die Lebensmittel gefährlich, die ganz offensichtlich eine glutenhaltige Zutat oder weniger offensichtlich einen glutenhaltigen Hilfsstoff enthalten. Eine weitere Gefahr ist das Gluten, das bei der Verarbeitung und Herstellung, beim Ab- und Verpacken, Lagern, Zubereiten oder Anrichten ohne jede Absicht in ein Lebensmittel gelangt. Dieses unabsichtliche Hineingelangen ist die Verunreinigung eines Lebensmittels durch einen fremden Stoff: Eine Kreuzkontamination. Auf die Kreuzkontaminationen werde ich ständig stoßen. Auf sie stoßen alle Zöliakiebetroffenen ständig, denn sie sind mit die am weitesten verbreiteten Gefahren in der Welt der Zöliakie.
Eine ganze Reihe von Speisen darf ich also nicht oder nicht mehr essen und von Getränken nicht mehr trinken. Und auf eine Kreuzkontamination – folgend verwende ich nur noch das kürzere Wort Kontamination – muss ich auch achten. Kaum habe ich mich damit einigermaßen abgefunden, wartet schon das nächste Problem und das ist ein weiteres großes, was mir einen Teil meines Lebens mit Zöliakie ganz besonders schwer machen wird: das fremdzubereitete Essen aus der Küche einer anderen Person.
Das Problem ist deshalb so groß, weil es nicht nur die Küchen von Angehörigen oder Freunden betrifft, sondern so gut wie jede fremde Küche. Denn wie sieht es aus mit den glutenhaltigen Produkten und Zutaten oder möglichen Kontaminationen in einer Kantine, Mensa oder Kita- und Schulküche? Wie in den Küchen der Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen? In denen der Jugendherbergen und Schullandheime? Wie in den Küchen der Bars, Bistros oder Cafés,...




