Lange | Harzhenker | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 416 Seiten

Reihe: Harz-Krimis

Lange Harzhenker

Kriminalroman
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-8271-8434-4
Verlag: CW Niemeyer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, Band 3, 416 Seiten

Reihe: Harz-Krimis

ISBN: 978-3-8271-8434-4
Verlag: CW Niemeyer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Mutter der 15-jährigen Lucy fürchtet, ihre Tochter könne in die Fänge einer religiösen Sekte geraten sein und bittet Stefan Blume, das Mädchen zu observieren. Blume sagt widerwillig zu und quartiert sich in einer kleinen Pension in Braunlage ein. Dort trifft er völlig überraschend auf seinen Todfeind Gerhard Hauser, der, an einen Rollstuhl gefesselt, mit ihm Frieden schließen will. Wenige Tage später ist Lucy spurlos verschwunden. Bei seiner Recherche stößt Blume in Lucys Zimmer auf ein Notizbuch. Der Verfasser, ein Franzose namens Arnaud Boucher, schildert darin seine und die Geschichte von fünf weiteren KZ-Häftlingen, mit denen er 1945 während der Todesmärsche über den Harz fliehen kann. Arnaud wird Zeuge, als vier seiner Kameraden erwischt und in dem kleinen Harzdorf Herrenfels hingerichtet werden. Blume begreift, dass jemand unbedingt in den Besitz dieses Notizbuches gelangen will und dafür über Leichen geht. Er glaubt, des Rätsels Lösung in Herrenfels zu finden und macht sich auf die Suche nach dem Dorf, das niemand zu kennen scheint und das auf keiner Landkarte verzeichnet ist. Dabei begibt er sich in tödliche Gefahr, auch weil er zu spät merkt, dass Gerhard Hauser ein falsches Spiel mit ihm spielt.

Roland Lange, Jahrgang 1954, lebt in der Nähe des Harzes in Katlenburg-Lindau. Er studierte in Hamburg Vermessungskunde und arbeitete als Vermessungsingenieur in den Katasterämtern in Göttingen und Osterode am Harz. Nebenher begann er zu schreiben: Romane, Liedtexte und Theaterstücke, seit 2010 auch Kriminalromane. 2014 beendete er seine Tätigkeit als Ingenieur und widmete sich ganz dem Schreiben. Roland Lange ist so etwas wie ein krimineller Botschafter des Harzes, denn auf seine Initiative fand 2011 das erste Mordsharz-Krimifestival statt. Seither gehört er zu den Organisatoren, die jedes Jahr im September hochkarätige deutsche und internationale Krimi-Autorinnen und -Autoren in den Harz einladen. Lange ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS), bei den 42er Autoren und im Syndikat, der Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur. Sie finden den Autoren im Internet: roland-lange-autor.de
Lange Harzhenker jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Prolog

Am Morgen des 4. April 1945 hatten sie noch den Bombern hinterhergesehen, die in zehntausend Metern Höhe über das Lager Dora-Harzungen hinweggeflogen waren, um kurz darauf ihre zerstörerische Last über dem nahe gelegenen Nordhausen abzuwerfen.

Sie wussten, die Alliierten waren auf dem Vormarsch, im Osten wie im Westen. Ihnen war klar, das Deutsche Reich stand kurz vor dem Zusammenbruch. Und sie spürten am eigenen Leib, dass auch hier, im Lager, etwas geschah. Alles war anders an diesem Morgen. Kein Wecken mit Gebrüll, kein Antreten, kein Appell. Keine Schläge mit dem Knüppel. Die sonst so reibungslos laufende Befehls- und Prügelmaschine war ins Stocken geraten.

Was bedeutet das für uns?, fragten sie sich. Wollen die SS-Schergen angesichts des nahenden Feindes fliehen und uns zurücklassen? Sollten alle Qualen und Torturen hier und heute enden?

Schnell wurde deutlich, dass ihre Bewacher sie nicht so einfach sich selbst überlassen würden. Unruhe breitete sich aus, ein Gerücht machte die Runde. Es hieß, sie würden zu Fuß evakuiert. Ob das eine gute Nachricht war, wussten sie nicht, ebenso wenig, wohin der Marsch sie führen würde, sofern es stimmte, was da getuschelt wurde.

Gegen 15 Uhr war Appell, zum ersten Mal ohne Gebrüll und Hiebe. Kurz darauf setzte sich die Kolonne bei herrlichem Wetter in Gang. Sie steuerten auf das Tor zu, verließen das Lager, wie immer auf ihrem Marsch zur Arbeit. Aber es ging nicht zu den Baustellen. Sie marschierten tatsächlich in Richtung Harz, wurden fortgebracht. Zurück blieben nur die Kranken, deren Tage ohnehin gezählt waren.

Schon an den ersten bewaldeten Steigungen verlangsamte sich das Tempo der ausgemergelten Gestalten. Die Schwächsten unter ihnen blieben bald darauf stehen, um einen Moment zu verschnaufen und Atem zu holen, fielen Reihe um Reihe zurück. Sie ließen die Kolonne ziehen, im Glauben, hinterherfahrende Wagen würden sie einsammeln. Doch ihre Hoffnung erfüllte sich nicht. Am Ende der Schlange erwartete sie nur die SS-Nachhut, die kurzen Prozess mit ihnen machte, sie unbarmherzig liquidierte.

Schon die erste Nacht im Freien nutzten einige aus der Kolonne zur Flucht. Der Wald und die Dunkelheit schienen ihnen eine zu verlockende Gelegenheit, der SS zu entkommen. Auch wenn es vermutlich niemanden im Treck gab, der sich nicht mit Fluchtgedanken beschäftigte, erschien den meisten der frühe Zeitpunkt ungünstig. Zu nahe noch war das Lager, zu viele feindliche Kommandos waren in der Gegend. Kaum vorstellbar, dass sie bei Tagesanbruch unentdeckt blieben. Es musste auffallen, wenn sie in ihrer gestreiften Sträflingskleidung und mit kahl geschorenen Köpfen umherirrten.

Auch Arnaud und fünf seiner Leidensgenossen, unter ihnen zwei Deutsche, beschlossen, ihre Fluchtabsichten zu einem späteren, günstigeren Zeitpunkt in die Tat umzusetzen.

Drei Tage lang schleppten sie sich durch den Harz. Ohne ausreichende Verpflegung, mit schmerzenden Füßen, verursacht durch die starren Holzsohlen ihrer Pantinen. Vorwärtsgetrieben durch die Schläge ihrer Wächter. Vorbei an Hasselfelde ging es durch Wald und über hoch gelegene Wiesen. Kein Dorf, durch das sie ihr Weg führte. Die Kolonne schrumpfte zusehends, denn neben den Flüchtigen wuchs die Zahl derer, die den Strapazen Tribut zollen mussten. Ihre Kräfte waren aufgebraucht, sie konnten nicht mehr weiter. Sie blieben zurück, brachen zusammen. Immer wieder fielen ganz hinten, ein Stück hinter dem Ende der Menschenschlange, Schüsse. Die gebeutelten Kreaturen, die sich noch auf den Beinen hielten, wussten zu jeder Minute, was ihnen blühte, sollten sie dem vorgegebenen Marschtempo nicht mehr gewachsen sein.

Am Abend des dritten Tages kamen sie in Blankenburg an. Die Stadt war ein einziges Trümmerfeld. Sie zogen in ein gerade erst verlassenes Lager ein, verbrachten dort die Nacht, um am nächsten Tag weiterzumarschieren. Jetzt ging es nach Norden, in Richtung Goslar. Um die Mittagszeit erreichten sie ein paar Häuser und einen Bahnhof. Ein Güterzug stand bereit. Alle Anzeichen wiesen darauf hin, dass die Waggons für sie bestimmt waren und ihr Fußmarsch hier ein Ende haben sollte.

Sie kletterten in die Wagen, erleichtert, nicht länger einen schmerzenden Fuß vor den anderen setzen zu müssen. Und gleichzeitig quälte sie die angstvolle Frage, wohin ihre Fahrt gehen würde. Was erwartete sie am Ziel ihrer Reise? Die Befreiung oder ihre endgültige Vernichtung? Mit der Gnade der SS konnten sie auch so kurz vor Kriegsende nicht rechnen, das war ihnen längst klar geworden.

Dann, als die Lokomotive gerade an den Zug gekoppelt wurde, erfüllte ein Grollen und Dröhnen den Himmel und kam schnell näher. Flugzeuge stürzten sich auf den Zug, englische Jagdflugzeuge, und feuerten ihre Salven ab. Soldaten und Bewacher suchten überstürzt Deckung, Gefangene sprangen aus den Waggons, liefen panisch umher. Ein fürchterliches Durcheinander, während sich die Maschinen der Engländer zu einem weiteren Angriff formierten und erneut auf den Bahnhof zurasten.

Arnaud und seine Freunde hatten die Situation sofort erfasst. Eine bessere Chance zur Flucht als in diesem Chaos würden sie kaum wieder bekommen. Sie stürmten drauflos, wohin, wussten sie nicht. Nur weg aus dem mörderischen Gewimmel und irgendwo Schutz finden. Es gelang ihnen, dem Kugelhagel der Bordkanonen zu entkommen. Keiner trug eine Verletzung davon. Kriechend und robbend brachten sie sich aus der Gefahrenzone, fanden wieder zusammen und versteckten sich hinter einem Schutthaufen. Sie beratschlagten, wie es weitergehen sollte. Nach Südwesten, beschlossen sie, zurück in den Harz, hoffend, dort auf die Alliierten zu treffen, die sich mittlerweile in das Gebirge vorgekämpft haben mussten.

Vier Tage hatten sie sich durchgeschlagen, hatten sich von Straßen und menschlichen Behausungen ferngehalten, mit knurrenden Mägen die Nächte im dichten Unterholz verbracht. Irgendwo hatten sie ein paar Kartoffeln aus dem Silo eines abseits gelegenen Bauernhofes gestohlen und sie über einem Lagerfeuer erhitzt. Die wenigen Zündhölzer, um das Feuer anzufachen, hatte einer von ihnen die ganze Zeit seit ihrem Aufbruch aus dem Lager in Harzungen bei sich getragen.

Dann, als sie den größten Teil des Harzes überquert hatten, ohne auf Soldaten der Alliierten zu treffen, schien sich ihr Fluchtglück zu wenden. In der Dämmerung, auf der Suche nach einem geeigneten Nachtlager, liefen sie zwei Männern in die Arme. Einer der beiden war um die sechzig Jahre alt, schwer zu schätzen, der andere viel jünger. Vater und Sohn, so schien es. Der Jüngere hinkte, zog sein rechtes Bein nach. Eine Kriegsverletzung vielleicht. Sie waren mit Gewehren bewaffnet.

Das war es, dachten die Kameraden. Aus, vorbei! Doch weit gefehlt. Die zwei Männer, die auf der Jagd gewesen waren, erwiesen sich als ihre Retter. Sie boten ihnen ihre Hilfe an, nahmen sie mit zu einem Haus am Rand eines kleinen Dorfes, das versteckt und wie eingeklemmt zwischen den bewaldeten Hügeln lag. Unbemerkt vom Krieg, der daran vorbeigezogen zu sein schien. Nichts deutete auf Zerstörung oder Verwüstung hin.

Sie erhielten Unterschlupf in einem Schuppen. Ein Stück abseits des Wohnhauses stand er, umgeben vom Wald, auf einer kleinen Lichtung. Die beiden Männer mahnten sie zu größter Vorsicht. Sie sollten sich versteckt halten. Niemand dürfe auf sie aufmerksam werden. Dann dürften sie bleiben, bis endgültig Schluss sei mit dem elenden Krieg und sie sicher in ihre Heimat zurückkehren konnten.

Für Arnaud und seine Kameraden war es ein unerwartetes Glück, inmitten all der Feinde solch herzlichen, mutigen Menschen zu begegnen. Nicht nur, dass sie ein Dach über dem Kopf hatten, ihre Beschützer sorgten auch dafür, dass sie zu essen bekamen. Wenig zwar, aber es reichte aus, den ärgsten Hunger zu stillen. Lediglich für die Zubereitung der Kartoffeln, Rüben und der paar Handvoll Gerste mussten sie selbst sorgen. Wasser fanden sie in einem kleinen Teich hinter dem Schuppen. Feuerholz gab es reichlich im Wald. Sie konnten es im Schutze der Dunkelheit sammeln.

Fast eine Woche in ihrem Versteck lag hinter ihnen, als Arnaud zusammen mit Michael, einem der beiden Deutschen, in der hereinbrechenden Nacht auf die Suche nach Holz für ihre Feuerstelle gegangen war. Etwas mehr als eine halbe Stunde waren sie unterwegs gewesen, immer darauf bedacht, in Deckung zu bleiben. Die Arme vollgepackt mit trockenen Ästen kehrten sie zurück. Als sie sich dem Schuppen näherten, vernahmen sie Stimmengewirr. Laute, schroffe Töne stachen daraus hervor. Erschrocken verharrten sie einen Moment im Schutz der Bäume, versuchten zu erkennen, was vor sich ging. Eine Gruppe Menschen hatte sich vor dem Gebäude versammelt, Laternen leuchteten, Taschenlampen blitzten. Waren das die Soldaten der Alliierten? Hatte ihr Leid endlich ein Ende?

Wie ein Sog wirkte das Bild auf Arnaud und Michael. Aber ihr Verstand und ihr über Wochen und Monate gewachsenes Misstrauen hinderten sie daran, dem Drang nachzugeben und ihren vermeintlichen Befreiern blindlings entgegenzulaufen.

Sie sahen sich nickend an, legten vorsichtig ihre Holzpakete auf dem Boden ab, schlichen schweigend voran. Das Bild vor dem Schuppen wurde deutlicher. Die Stimmen aggressiver, aufgeregter, schriller. Befehle, Flüche, Schmerzensschreie. Hauptsächlich Zivilisten waren es, die dort dicht gedrängt einen Halbkreis bildeten, viele bewaffnet mit Knüppeln und Mistgabeln, die sie wütend in die Luft stießen. Auch einige Karabiner darunter, soweit sie erkennen konnten. Dann öffnete sich der Halbkreis ein wenig, fünf oder sechs Männer traten aus der Meute heraus, zwei von ihnen in verdreckten Uniformen. Sie zerrten ein paar bedauernswerte...


Lange, Roland
Roland Lange, Jahrgang 1954, lebt in der Nähe des Harzes in Katlenburg-Lindau. Er studierte in Hamburg Vermessungskunde und arbeitete als Vermessungsingenieur in den Katasterämtern in Göttingen und Osterode am Harz. Nebenher begann er zu schreiben: Romane, Liedtexte und Theaterstücke, seit 2010 auch Kriminalromane. 2014 beendete er seine Tätigkeit als Ingenieur und widmete sich ganz dem Schreiben. Roland Lange ist so etwas wie ein krimineller Botschafter des Harzes, denn auf seine Initiative fand 2011 das erste Mordsharz-Krimifestival statt. Seither gehört er zu den Organisatoren, die jedes Jahr im September hochkarätige deutsche und internationale Krimi-Autorinnen und -Autoren in den Harz einladen.
Lange ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS), bei den 42er Autoren und im Syndikat, der Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur.
Sie finden den Autoren im Internet: roland-lange-autor.de



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.