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E-Book

E-Book, Deutsch, 512 Seiten

Lange Harzhölle

Thriller
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8271-8743-7
Verlag: Edition CW Niemeyer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller

E-Book, Deutsch, 512 Seiten

ISBN: 978-3-8271-8743-7
Verlag: Edition CW Niemeyer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein Munitionstransporter geht kurz nach seinem Verschwinden in Flammen auf. Der Fahrer? Tot in einer Waldhütte im Harz. Die Ladung? Nicht aufzufinden. In einem von völkischer Ideologie geprägten Ökodorf brennt ein Gebäude auf dem Hof des Bürgermeisters ab - der Verdacht fällt auf Umweltaktivisten. Stefan Blume ermittelt jedoch in einem anderen Fall: Ein Pharmaunternehmersohn soll für den Tod einer rumänischen Erntehelferin verantwortlich sein. Doch der Mann ist verschwunden. Währenddessen taucht Streicher, der Waldläufer, mit einer verletzten Frau auf und bittet Blume um Hilfe. Als Blume auf ein Reichsbürger-Netzwerk stößt, in das auch Angelika, eine Freundin von Katja, verwickelt zu sein scheint, erhält er einen Hilferuf von Katja. Ihm bleibt nur eine Wahl: sich den Verbrechern auszuliefern.

Roland Lange, Jahrgang 1954, lebt in der Nähe des Harzes in Katlenburg-Lindau. Er studierte in Hamburg Vermessungskunde und arbeitete als Vermessungsingenieur in den Katasterämtern in Göttingen und Osterode am Harz. Nebenher begann er zu schreiben: Romane, Liedtexte und Theaterstücke, seit 2010 auch Kriminalromane. 2014 beendete er seine Tätigkeit als Ingenieur und widmete sich ganz dem Schreiben. Roland Lange ist so etwas wie ein krimineller Botschafter des Harzes, denn auf seine Initiative fand 2011 das erste Mordsharz-Krimifestival statt. Seither gehört er zu den Organisatoren, die jedes Jahr im September hochkarätige deutsche und internationale Krimi-Autorinnen und -Autoren in den Harz einladen. Lange ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS), bei den 42er Autoren und im Syndikat, der Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur.
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Prolog


21:30 Uhr.

Das war kein normaler Regen! Das waren Sturzfluten, die aus dem schwarzen, lichtlosen Himmel herabrauschten und an die Frontscheibe des Kleintransporters gepeitscht wurden. Die Scheibenwischer hatten kaum eine Chance gegen diese Urgewalt. Links und rechts der Landstraße glitten hinter dem Gischtschleier schemenhaft die Konturen alter Laubbäume vorbei, immer wieder erfassten die Scheinwerferkegel Blätter und dürre Äste, die über die Fahrbahn wirbelten, vom Sturm von den Bäumen gerissen. Ein verwaschenes Wüten der Natur.

Von Anfang an war bei diesem Transport der Wurm drin gewesen. Sie hatten Handfeuerwaffen und Munition geladen. Der Laderaum war bis unter das Dach mit Kisten vollgestopft. Vorschriftsmäßig gesichert und als normaler Gefahrguttransport deklariert. Kein sichtbarer Hinweis auf Militärgüter. Nicht der erste Auftrag, den das Speditionsunternehmen für die Bundeswehr ausführte. Oft quer durch ganz Deutschland. Von Nord nach Süd, von Ost nach West und umgekehrt. Immer war alles zur Zufriedenheit der Empfänger in den jeweiligen Kasernen und Depots verlaufen. Nie hatte es größere Abweichungen von den vereinbarten Routen und Ankunftszeiten gegeben. Neben einigen grundsätzlichen Voraussetzungen war Zuverlässigkeit das Maß der Dinge, wenn man als Privatunternehmer für solch einen Kunden arbeitete.

Die Wetteraussichten für den Tag waren nicht rosig gewesen, als sie am Morgen zu ihrer Fahrt hatten aufbrechen wollen, zum Munitionsdepot in Aurich. Dort den Transporter beladen und die Fracht ins Erzgebirge, nach Marienberg an der Grenze zu Tschechien, schaffen. Unangenehm, die angekündigte Starkregenfront, aber kein Problem. Normalerweise. Blöder war da schon der Schaden, den der Marder über Nacht im Motorraum des Lieferwagens angerichtet hatte. Es gab immer mal solche unvorhergesehenen Zwischenfälle. Für gewöhnlich stand ein Ersatzfahrzeug bereit. Nicht so heute. Alle Wagen der Flotte waren im Einsatz gewesen oder wurden für andere unaufschiebbare Aufträge gebraucht. So waren drei Stunden vergangen, bis sie endlich nach erfolgter Reparatur und ein paar hitzigen Anrufen ihres Disponenten vom Hof gefahren waren. Um dreizehn Uhr hatten sie die Kisten verladen, die abschließenden Checks hinter sich gebracht und Aurich verlassen. Gegen zwanzig Uhr hätten sie ihr Ziel erreichen können – mit einem Pkw, bei gutem Wetter, ohne Stopp und ohne Behinderungen auf der Strecke.

Für einen Transport wie ihren galten etwas andere Regeln. Allein die geringere Fahrgeschwindigkeit und die einzuhaltenden Pausen auf den dafür vorgesehenen, überwachten Plätzen nahe der Route verlängerten die Fahrzeit erheblich. Dazu war heute die abweichende Streckenführung über Bundes- und Landstraßen gekommen. Dank einer baustellenbedingten Sperrung der Autobahn. Der Empfänger wusste über alle Hindernisse und Einschränkungen Bescheid, war vom Disponenten über den Fahrtverlauf informiert worden. Sogar die angekündigte Schlechtwetterfront war mit in die späte Ankunftszeit einkalkuliert gewesen.

Dass sich das Unwetter aber mit derartiger Wucht entladen würde, hätte niemand vorhersagen können. Es wäre vernünftig gewesen, die Fahrt zu unterbrechen und an einem der dafür vorgesehenen Stützpunkte zu übernachten. Waffen- und Munitionstransporte sollten möglichst tagsüber durchgeführt werden. Dieser Auftrag verlangte jedoch Eile, und sie waren ohnedies schon verdammt spät dran.

Der Fahrer des Transporters funkte den Disponenten in der Basis an. Informierte ihn, dass sie das Tempo für eine Weile weiter drosseln mussten und daher noch langsamer vorankamen als ohnehin schon. Darüber, wie viel Fahrzeit sie das Scheißwetter zusätzlich kosten würde, wollte er nicht spekulieren. Dann ließ er sich zu einem kleinen Scherz über seinen Beifahrer hinreißen. Ein neuer, junger Kollege, der seine erste Tour machte und seine Nervosität angesichts der tobenden Elemente mit dem Herumdaddeln auf dem Smartphone zu überspielen versuchte. Er sitze da, als würde er sich jeden Moment vor Angst in die Hose scheißen, ließ der Fahrer den Mann im Firmenbüro wissen und zwinkerte seinem neuen Partner breit grinsend zu.

„War ’n Spaß“, sagte er, an den verkrampft auf dem Sitz kauernden schlaksigen Kerl gerichtet, und gab ihm einen Klaps auf den Oberschenkel. „Entspann dich. Ist nur Regen, kein Weltuntergang.“ Er sah auf seine Armbanduhr. „In zehn Minuten kannst du das Steuer übernehmen. Das packst du doch, oder?“

Der Bengel reagierte mit einem zaghaften Nicken, blickte dabei auf seine linke Hand, an der seit einem Unfall mit einer Kreissäge zwei Finger fehlten. Dann starrte er wieder auf das prasselnde, wirbelnde Chaos vor der Windschutzscheibe.

Sekunden später durchdrang verschwommenes blaues Flackern die Regenwand. Ein ganzes Stück entfernt, aber doch eindeutig.

„Verfluchte Scheiße!“, stöhnte der Fahrer auf. „Muss denn heute alles schiefgehen?“ Er griff sofort zum Funkgerät. „Es gibt das nächste Problem“, teilte er seinem Kontaktmann im Büro mit. „Polizei. Irgendwas ist passiert. Unfall, Baum umgestürzt. Weiß der Geier! Melde mich gleich wieder. Erst mal sehen, was da los ist. Ich könnte kotzen. Echt!“

Im Schritttempo rollten sie auf die Gefahrenstelle zu. Zwei Einsatzfahrzeuge standen quer zur Fahrbahn. VW-Bullis der Polizei mit rotierendem Blaulicht. Davor zwei Beamte, die Kellen schwenkend. Nichts zu sehen von der Ursache für die Sperrung. Vielleicht ein Stück weiter entfernt, hinter der nächsten Kurve.

Sie hielten. Einer der beiden Polizisten kam ihnen entgegen.

Der Fahrer des Gefahrguttransporters ließ die Seitenscheibe herunter, wandte sich dem Mann zu.

„’n Abend, Herr Wachtmeister“, begrüßte er missmutig knurrend den Beamten im Regenponcho. „Na, hat’s gekracht?“ Er seufzte und verdrehte theatralisch die Augen. „Kein Wunder bei dem Mistwetter.“

Der Polizist nickte. „Stellen Sie bitte den Motor aus“, forderte er schroff.

Der Fahrer folgte der Anweisung. „Dauert es lange?“, fragte er. „Wir müssen heute noch ’ne dringende Lieferung loswerden.“

„Kommt ganz auf euch an“, erwiderte der Mann.

„Was? Was kommt auf uns an?“

„Ob ihr brav seid.“

„Hä? Was soll der Scheiß?“, blaffte der Fahrer. Wenn das ein Scherz sein sollte, konnte er nicht darüber lachen. Ihm war gerade nicht zum Spaßen zumute.

Einen Augenblick später erkannten er und sein Beifahrer den Grund für die Straßensperre. Und sie begriffen: Sie würden ihr Ziel nicht erreichen – weder an diesem noch an einem anderen Tag.

22:45 Uhr.

Das Trackersymbol verschwand vom PC-Monitor im Büro des Speditionsunternehmens. Alle Fahrzeuge der Flotte waren mit einem GPS-Tracker ausgerüstet und wurden zentral überwacht.

Der Disponent hatte dem kleinen Dreieck seine ganze Aufmerksamkeit gewidmet, nachdem er von der Polizeisperre erfahren hatte. Das Icon war kurz nach der Meldung zum Stehen gekommen und dann, einige Minuten später, seitlich von der Straße abgewichen. Der Fahrer hatte ihm schwer atmend und mit stockender Stimme erklärt, die Polizei leite sie über eine für den öffentlichen Verkehr gesperrte Forststraße an der Gefahrenstelle vorbei. Etwas, das so nicht sein durfte. Diese Abweichung war nicht autorisiert.

Das war die letzte Meldung aus dem kleinen Lastwagen gewesen. Der Kontakt zum Fahrer war abgebrochen und hatte das ohnehin ungute Gefühl des Disponenten zusätzlich verstärkt. Die vermeintliche Forststraße, über die der Transporter umgeleitet werden sollte, gab es nicht. Zumindest nicht auf der Straßenkarte, die dem Trackersymbol unterlegt war. Auch der Wechsel auf das Satellitenbild ließ keine durchgängige Straße oder Ähnliches erkennen. Dafür etwas, das aussah wie eine Schneise, die auf ein kleines, baumfreies Areal mitten im Wald zuführte. Auf dem augenscheinlich umzäunten Platz stand ein Gebäude. Eine Halle, ein Schuppen, nicht klar zu identifizieren. Und genau auf dieser Schneise entlang glitt das Symbol, erreichte die Freifläche. Als es über dem Bauwerk schwebte, fror es ein und bewegte sich nicht mehr. Minuten später erlosch es. Jeglicher Kontakt zu dem Transporter war verloren.

Da draußen war etwas gewaltig aus dem Ruder gelaufen, das hatte der Disponent sofort begriffen und umgehend die zuständigen Stellen alarmiert. Als etwa eine halbe Stunde später die Einsatzkräfte von Polizei und Bundeswehr vor Ort eintrafen, fanden sie eine leere Lagerhalle vor. Darin ein paar undeutliche feuchte Reifenabdrücke auf dem Betonboden. Vor der Halle konnten sie kaum auf brauchbare Profile oder andere Spuren hoffen. Weder auf dem mit Kies befestigten Platz, noch in den ausgewaschenen, mit Regenwasser gefüllten Fahrrinnen, durch die sich kurz zuvor schon die Einsatzfahrzeuge ihren Weg gebahnt hatten. Der Transporter war verschwunden. Mitsamt der Ladung und den zwei Fahrern. Vermutlich hatten die Täter den Aufenthalt in der Halle nicht genutzt, um die Kisten mit den Waffen und der Munition auf ein anderes Fahrzeug umzuladen. Dazu war die Zeit zu kurz gewesen. Sie hatten innerhalb weniger Minuten den Tracker zerstört oder deaktiviert und sich dann mit dem erbeuteten Transporter aus dem Staub gemacht. So musste es gewesen sein.

Die Ermittler hatten keine Zweifel, dass der Kleinlaster einem organisierten Überfall zum Opfer gefallen war. Das wiederum bedeutete, die Täter hatten von der Fracht ebenso gewusst wie von der Route, die der Wagen nehmen würde. Insiderwissen also. Aber wer hatte die internen Details nach außen...



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