Lange | Nachhaltigkeit als radikaler Wandel | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 337 Seiten

Reihe: Humanities, Social Science (German Language)

Lange Nachhaltigkeit als radikaler Wandel

Die Quadratur des Kreises?
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-531-90956-1
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Die Quadratur des Kreises?

E-Book, Deutsch, 337 Seiten

Reihe: Humanities, Social Science (German Language)

ISBN: 978-3-531-90956-1
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Die Notwendigkeit eines radikalen Wandels der augenblicklichen Produktions- und Verbrauchsgewohnheiten (Agenda 21) wird heute breit akzeptiert. Andererseits formuliert die sozialwissenschaftliche Literatur immer neue Zweifel, wie weit es der Politik überhaupt noch möglich ist, tiefer greifende Veränderungen erfolgreich zu steuern.
Das Buch greift diesen Widerspruch auf: Mit welchen Instrumenten können die gesellschaftlichen Akteure dazu gebracht werden, sich auf die Zumutung nennenswerter Veränderungen gängiger Produktions- und Konsummuster zugunsten von mehr Nachhaltigkeit einzulassen? Die These lautet, dass bei substanzieller Beteiligung zivilgesellschaftlicher Akteure die Möglichkeiten zielgerichteter Steuerung und insbesondere die Handlungspotentiale des Staates weiterhin als sehr bedeutsam angesehen werden.


Professor Dr. Hellmuth Lange lehrt am Forschungszentrum Nachhaltigkeit (artec) der Universität Bremen.

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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1;Inhalt;5
2;Wovon handelt dieses Buch?;7
3;Radikaler Wandel? Drei Schwierigkeiten im Umgang mit einem sozialwissenschaftlichen Kernthema;13
3.1;1 Nachhaltigkeitswandel ja, aber wie? Die soziologische Forschung kommt in Deutschland nur langsam in Gang;15
3.2;2 Nachhaltigkeit als Herausforderung;22
3.3;3 Ausblick;36
3.4;4 Literatur;37
4;Konsum im Wandel in Richtung Nachhaltigkeit? Forschungsergebnisse und Perspektiven;43
4.1;1 Einführung;43
4.2;2 Politische Debatten über nachhaltigen Konsum: Bedeutungswandel und Ambivalenzen;45
4.3;3 Forschung zu nachhaltigem Konsum: Ansatzpunkte für den Wandel in Richtung Nachhaltigkeit?;48
4.4;4 Weiterführende Forschungsperspektiven;60
4.5;5 Literatur;63
5;Konsum im Kontext. Der „verantwortliche Konsument“ – ein Motor nachhaltigen Konsums?;70
5.1;1 Der „verantwortliche Konsument“ als Change Agent – eine realistische Perspektive?;71
5.2;2 Aktuelle Konsumtrends: Moderne Lebenswelten als „ Konsumlandschaften“;74
5.3;3 Systemischer Konsum: Konsum als ko-evolutionäres Produkt technischer, ökonomischer und sozio- kultureller Entwicklungen;75
5.4;4 Konsum im Kontext;77
5.5;5 Resümee;87
5.6;6 Literatur;89
6;Möglichkeiten und Chancen der Veränderung von Einstellungen und Verhaltensmustern in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung;93
6.1;1 Grundlegende Erkenntnisse der sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Umweltforschung;94
6.2;2 Defizite;105
6.3;3 Perspektiven;110
6.4;4 Literatur;116
7;Nachhaltigkeitsdiskurs, Umwelt- und Risikobewusstsein: Ansatzpunkte für ein nachhaltig( er) es Konsumentenverhalten?;120
7.1;1 Einleitung;120
7.2;2 Risiko und Nachhaltigkeit;121
7.3;3 Globale Umweltrisiken: wissenschaftliche Unterscheidungs- und Bewertungskriterien;124
7.4;4 Qualitative Risikomerkmale und subjektive Risikowahrnehmung;126
7.5;5 Hohes Umweltbewusstsein - ambivalentes Risikobewusstsein;128
7.6;6 Nachhaltige(re)s Konsumentenverhalten: nicht ohne politische Regulierung;137
7.7;7 Literatur;142
8;Transparenz über Corporate Social Responsibility ( CSR) als Voraussetzung für einen Wandel zu nachhaltigerem Konsum;145
8.1;1 Einführung;145
8.2;2 Mangelnde CSR-Transparenz als Hemmnis für nachhaltigen Konsum;146
8.3;3 Die Rolle von Unternehmen bei der Schaffung von CSR-Transparenz für Konsumenten;148
8.4;4 Indirekte Wirkungen der CSR-Kommunikation am Beispiel des CSR- Tests der Stiftung Warentest;156
8.5;5 Schlussbemerkungen;158
8.6;6 Literatur;159
9;Verändern durch Erhalten – ‚Change Management’ zur Unternehmensnachhaltigkeit aus der Perspektive der Organisationsforschung;163
9.1;1 Einleitung;163
9.2;2 Organisatorischer Wandel: Idealtypen und Qualitäten;167
9.3;3 Ansätze intendierten Organisationswandels;169
9.4;4 Problemfelder der Organisationstransformation;171
9.5;5 Ausblick;179
9.6;6 Literatur;180
10;Überzeugen, Verpflichten und Befähigen. Erneuerte Antworten der Internationalen Arbeitsorganisation ( ILO) auf die Herausforderungen einer sich verändernden Staaten- und Gesellschaftswelt;185
10.1;1 Einleitung;185
10.2;2 Kurzportrait der ILO;188
10.3;3 Probleme der Auftragserfüllung der ILO;191
10.4;4 Politikwandel in der Perspektive politisch-organisatorischen Lernens;194
10.5;5 Reflektierte Veränderungen im ILO-Politikfeld Kinderarbeit;196
10.6;6 Reflektierte Veränderungen im ILO-Politikfeld Arbeits- und Lebensbedingungen an Bord von Handelsschiffen;199
10.7;7 Die Antworten der ILO auf neue Herausforderungen in der Perspektive politisch- organisatorischen Lernens;201
10.8;8 Schlussfolgerungen für gerichtete Prozesse des sozio-politischen Wandels durch internationale Organisation;204
10.9;9 Literatur;207
11;Frames und Widerspruchsmanagement: Voraussetzungen für einen Wandel in Richtung nachhaltige Unternehmen;211
11.1;1 Einleitung;211
11.2;2 Die Rationalitäten des Zweck-Mittel-Handelns;213
11.3;3 Implikationen für den betrieblichen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit;229
11.4;4 Literatur;229
12;Nebenwirkungen und Nachhaltigkeit: Reflexive Gestaltungsansätze zum Umgang mit sozial- ökologischen Ko- Evolutionsprozessen;232
12.1;1 Einleitung;232
12.2;2 Sozial-ökologischer Wandel und die Steuerung nachhaltiger Entwicklung;234
12.3;3 Reflexive Gestaltung;244
12.4;4 Zusammenfassung und Diskussion;249
12.5;5 Literatur;252
13;Soziotechnischer Wandel, Nachhaltigkeit und politische Gestaltungsfähigkeit;256
13.1;1 Technik;256
13.2;2 Wandel;259
13.3;3 Akteure und Strukturen;263
13.4;4 Politik;266
13.5;5 Nachhaltigkeit;269
13.6;6 Literatur;276
14;Potentiale für Nachhaltigkeit? Raumentwicklung zwischen Verwertungssdruck und ökologischen Steuerungszielen;282
14.1;1 Einleitung;282
14.2;2 Raumentwicklung und das Leitbild der Nachhaltigkeit;283
14.3;3 Räumliche Entwicklungssteuerung im politischen System Deutschlands;287
14.4;4 Raumwirksame Dynamiken mit Konsequenzen für die Nachhaltigkeit;292
14.5;5 Nachhaltigkeit als Ziel der räumlichen Entwicklungsteuerung?;299
14.6;6 Resümee;303
14.7;7 Literatur;304
15;Nichtregierungsorganisationen als „Player“ in der Nachhaltigkeitspolitik - Möglichkeiten und Grenzen;309
15.1;1 Einleitung;309
15.2;2 Machttheorien und Nichtregierungsorganisationen - konzeptionelle Grundlegung;311
15.3;3 Nichtregierungsorganisationen im Politikzyklus;316
15.4;4 Nichtregierungsorganisationen und Diskurse;322
15.5;5 Nichtregierungsorganisationen in staatsfernen und ungeregelten Bereichen;325
15.6;6 Die Macht von Nichtregierungsorganisationen in der Nachhaltigkeitspolitik. Möglichkeiten und Grenzen;328
15.7;7 Literatur;332


Transparenz über Corporate Social Responsibility (CSR) als Voraussetzung für einen Wandel zu nachhaltigerem Konsum (S. 149-150)

Ulf Schrader

1 Einführung

Die Bedeutung des Konsums für eine nachhaltige Entwicklung findet in den letzten Jahren zunehmende Beachtung (siehe auch Kapitel 2 in diesem Band). Diese Aufmerksamkeit ist allein schon deshalb verständlich, da in modernen Volkswirtschaften private Haushalte in der Regel über die Hälfte der erzeugten Güter und der erbrachten Dienstleistungen in Anspruch nehmen. So entfielen etwa in Deutschland 2004 59% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf den privaten Konsum (Statistisches Bundesamt 2005). Diese Inanspruchnahme von Leistungen geht immer auch einher mit dem Verzehr von Ressourcen.

Zwar lassen sich aus monetären Größen nicht direkt ökologische oder gar soziale Belastungen ableiten, jedoch stehen beide Bereiche in engem Zusammenhang. Dabei wurden im Konsumbereich in den letzten Jahren im Vergleich zum gewerblichen Bereich relativ wenige ökologische Effizienzpotenziale erschlossen, so dass mittlerweile private Haushalte mehr Energie verbrauchen als die Industrieunternehmen (BMU 2002: 21). Allerdings ist der direkte Anteil privater Haushalte am Verzehr ökologischer Ressourcen im Vergleich zu ihrem Anteil am BIP unterproportional. So kommt das Umweltbundesamt in seiner letzten, bereits etwas älteren Schätzung des Anteils des Konsums an den gesamten ökologischen Schäden auf eine Größenordnung von 30-40% (UBA 1997: 221).

Diese quantitative Abschätzung wird allerdings der eigentlichen Bedeutung des Konsums für eine nachhaltige Entwicklung nicht gerecht. Schon Adam Smith vertrat die Auffassung "Consumption is the sole end and purpose of all production" (Smith [1789] 1978: 558). Produktion hat demnach nur insoweit einen Sinn, wie sie dem eigentlichen Zweck der Befriedigung von Konsumentenbedürfnissen dient. Das Angebot von Gütern und Dienstleistungen, das auf keine Nachfrage bei Konsumenten trifft, ist folglich sinnlos und wird in einer funktionierenden Marktwirtschaft langfristig auch unterbleiben. Damit entscheiden aber die Konsumenten mit ihren Kaufhandlungen auch mit über die Produktion.

Der Zahlvorgang lässt sich in einer solchen Betrachtung auch interpretieren als die Abstimmung mit Geldscheinen über die Leistungen der Anbieter (Hansen/Schrader 1997: 447). In eine solche Abstimmung lassen sich grundsätzlich beliebig viele Leistungsmerkmale einbeziehen. Im Hinblick auf einen Wandel zu mehr Nachhaltigkeit können in Kaufentscheidungen auch Präferenzen für eine umweltverträgliche Produktion oder soziale Arbeitsbedingungen mit einfließen. Ulrich Beck kommt deshalb zu dem Urteil, der bewusste politische Konsum böte die Möglichkeit, den in gemeinwohlorientierten citoyen und eigennützigen bourgeois „gespaltenen Bürger" im „politischen bourgeois" zusammenzuführen (Beck 1993: 196). In der Praxis gibt es viele Gründe, weshalb es bisher nur unzureichend gelingt, über Kaufentscheidungen einen Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit zu bewirken.

Als ein möglicher Grund wird in diesem Beitrag die mangelnde Transparenz über Corporate Social Responsibility (CSR) untersucht, also über die soziale und ökologische Verantwortungsübernahme durch Unternehmen (EU-Kommission 2002). Dabei geht es um die Überprüfung der These, dass eine verbesserte CSR-Transparenz Voraussetzung und Treiber eines Wandels zu einem nachhaltigeren Konsums ist. Zunächst werden dazu das gegenwärtige Transparenzdefizit und seine Folgen dargestellt. Danach wird analysiert, warum, wie und inwieweit Unternehmen zum Abbau dieses Defizits einen Beitrag leisten können. Die Betrachtung möglicher indirekter Wirkungen konsumentenorientierter CSR-Informationen erfolgt dann am Beispiel des CSRTests der Stiftung Warentest, bevor einige Schlussbemerkungen den Artikel abschließen.



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