Langer | L(i)eben ist....eine Mottoparty | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Langer L(i)eben ist....eine Mottoparty

Roman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-948346-05-8
Verlag: MAXIMUM Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-948346-05-8
Verlag: MAXIMUM Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Suche nach der großen Liebe hört nie auf!

Fünfundzwanzig Jahre ist es schon her, dass Sophie sich im Streit von ihrem ersten "richtigen" Freund getrennt hat. Dabei war Michael, den alle nur "Helli" nannten, doch ihre ganz große Liebe. Mittlerweile ist Sophie eine verheiratete Frau, hat zwei erwachsene Kinder und einen Nachzügler. Aber um ihre Ehe steht es nicht zum Besten.
Also trifft Sophie einen Entschluss: Sie will sich von ihrem Ehemann trennen. Dumm nur, dass dieser ihren Wunsch vollkommen ignoriert und überhaupt nicht daran denkt, aus dem gemeinsamen Haus auszuziehen. Egal was Sophie auch sagt und tut – Julians Ohren sind auf Durchzug geschaltet. Warum kann sie nicht ein bisschen mehr wie ihre Freundin Karla sein, die lieber solo durchs Leben geht und sich aus der Männerwelt nur die Rosinen herauspickt?
Sophies Welt gerät noch mehr ins Wanken, als Karla ihr von dem neuen Mitarbeiter der Werbeagentur erzählt und ihr ein Bild zeigt: Das ist doch Helli, Sophies erste große Liebe! Und dann erreicht sie auch noch eine Nachricht über Facebook, die Sophie komplett den Boden unter den Füßen wegzieht …
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Früher Vormittag ~


Angespannt klopfte Sophie mit dem Zeigefinger auf das Lenkrad, während ihr Jon Bon Jovi wie ein Mantra »It’s my life« in die Ohren brüllte. Wobei er nichts für das Brüllen konnte. Sophie hatte die Lautsprecher in ihrem goldfarbenen Golf I, der allen mechanischen Naturgesetzen zum Trotz noch nicht das Zeitliche gesegnet hatte, bis zum Anschlag aufgedreht, sodass die altersschwachen Standardlautsprecher fast aus den Türen herausvibrierten und mit dem einhergehenden Geräusch scheppernd Jons Stimme übertönen wollten. Lautsprecher und Jon Bon Jovi sangen jeder auf seine Weise gegeneinander an und Sophie saß mittendrin. Sie kannte das schon und ließ sich davon nicht irritieren, ihr Zeigefinger klopfte weiter.

Inzwischen hatte er sich dem Takt von »It’s my life« angepasst, dennoch brachte die Musik keine Entspannung in ihren Körper. Sie war von einer inneren Unruhe getrieben und hätte zu gern das Gaspedal heruntergedrückt, doch vor ihr tuckerte ein Trecker stoisch dahin und an Überholen war auf der kurvenreichen Landstraße nicht zu denken. Allein schon dieses Schild, das an dem mächtigen Hinterteil des landwirtschaftlichen Gefährts angebracht war und eine fette schwarze Fünfundzwanzig in einem roten Kreis zeigte, machte sie ganz zappelig.

Sie senkte kurz ihren Blick auf den Tacho und stellte fest, dass ihr Vordermann noch nicht einmal seine erlaubte Höchstgeschwindigkeit nutzte und nur knapp fünfzehn Stundenkilometer auf den Asphalt brachte. Da wäre ich ja mit dem Fahrrad schneller gewesen und hätte mich vor allem ohne Risiko vorbeitreten können, dachte Sophie bei sich und zog genervt die Augenbrauen hoch. Sie konnte nur beide zusammen hochziehen, obwohl sie grad letzte Woche ewig vor dem Spiegel gestanden und versucht hatte, nur eine zu heben. Irgendwann hatte sie, wie schon viele Male davor, aufgegeben. Jetzt war es egal, dass sie es nur mit beiden konnte, denn im Moment hatte sie kein Publikum, dem sie ihr Missfallen mit dieser Geste wortlos demonstrieren wollte. Ihre Freundin Anja konnte es, dieses Ding mit nur einer Braue, und Sophie beneidete sie dafür. Natürlich nur im Geheimen. So, wie sie auch nur im Geheimen geübt hatte.

Jetzt schien der Trecker vor ihr noch langsamer zu werden. Machte der Fahrer das extra? Um sie zu ärgern? Was sollte das? Sophie war schließlich nicht so früh aufgestanden, weil sie entschleunigt werden wollte! Wieder zuckte ihr Fuß, doch noch immer wagte sie mit ihrem klappernden Auto und lediglich Bon Jovi als Mitfahrer kein Überholmanöver. Diese Straße, die immer wieder von Dörfern mit grünen Ortsschildern unterbrochen wurde, war ihr nicht geheuer. Auch nicht nach den knapp zwei Jahren, die sie hier regelmäßig entlangfuhr. Der Fahrweg war einfach zu kurvig und hinter jeder Biegung konnte ein Einheimischer lauern, der gerade seinen unerfüllten Traum von einem Fahrertraining auf dem Nürburgring auslebte.

Schicksalsergeben fuhr Sophie also im Schneckentempo des Treckerfahrers weiter und dachte unwillkürlich an eine Polonaise, bei der man immer aufpassen musste, seinem Vordermann nicht in die Hacken zu treten. Sie seufzte auf und entschied sich, aus der Not eine Tugend zu machen. Zuvor verwies sie allerdings ihre Lautsprecher und Jon Bon Jovi in die Schranken, indem sie an ihrem Blaupunkt-Radio die Lautstärke herunterregelte. Im Anschluss hob sie ihre griffbereite Hand vertikal nach oben und drehte sich den Rückspiegel so zurecht, dass sie sich selbst Auge in Auge gegenübersaß.

Sophie drehte behutsam. Ihr Rückspiegel war sensibel. Sie wusste aus leidiger Erfahrung, dass er sich bei einer zu groben Behandlung gern aus seiner Verklebung von der Frontscheibe löste, um dann wie ein Mordwerkzeug in ihrer Hand zu liegen. Mordwerkzeug! Wie kam sie denn jetzt auf den Gedanken? Sophie schüttelte über sich selbst den Kopf, während ihr Blick für einen Augenblick zurück auf die Straße und den Trecker vor ihr huschte. Nichts hatte sich an der Situation geändert.

Sie wandte sich wieder dem Spiegel zu, der ihr schon bei schneller Musterung ihre Ahnung bestätigte: Die dunklen Ringe von der gestrigen durchsumpften Nacht unter ihren Augen hatten sich durch die vorhin noch schnell aufgelegte Puderschicht hindurchgearbeitet.

Mist, aber irgendwie bin ich ja auch selbst schuld, dachte Sophie mit einem winzigen Anflug von Resignation. Sie war extra früh aufgestanden, obwohl der Abend zuvor bis in den Morgen gedauert hatte. Sie war mit Anja tanzen gewesen und sie hatten es ordentlich krachen lassen. So wie nahezu jeden Freitag und Samstag.

Sophie fuhr regelmäßig am Wochenende nach Hause – nicht umsonst hatte sie sich eine Uni in der Nähe gesucht. Sie mochte nicht nur das Gewohnte, sie mochte vor allem ihre Freunde und die Stadt, in der sie geboren und groß geworden war und in der sie noch immer ihr Zimmer in der Wohnung ihrer Mutter hatte. Dennoch hatte sie an diesem Wochenende an der Ostsee getanzt und gefeiert. Aber der kleine Ort Timmendorfer Strand zählte für einen echten Hamburger sowieso als Stadtteil und nicht als schleswig-holsteinisches Ostseebad zum Erholen. Im Sommer lag man tagsüber am Strand, am besten Brücke rechts, wie der schmale Abschnitt rechter Hand direkt neben der Seebrücke kurz genannt wurde und wo es mehr um Sehen und Gesehen werden ging als um einen entspannten Tag am Meer. Frauen zogen hier die Bäuche ein und Männer führten nicht nur ihre Muskeln vor, sondern ebenso die neueste Badehosenkollektion. Und ganz gleich ob Frau oder Mann, wer sich zum Dabeisein an der Brücke rechts entschieden hatte, der tat das nur vorgebräunt. Weiße Haut war hier verpönt.

Sophie machte das alles mit. Warum, wusste sie selbst nicht genau. Manchmal, in besonders selbstkritischen Momenten, sagte sie sich, dass es eben einfacher war, mit der Masse mitzuschwimmen, obgleich sie sich selbst nicht als Mitschwimmerin sehen wollte, aber das war ein anderes Thema, über das Sophie nicht gern nachdachte.

Auch den gestrigen Tag hatte sie gestaltet wie unzählige Hamburger, die das schöne Wetter nutzten, um sich an der Brücke rechts zu präsentieren und in der Masse aufzugehen. Obligatorisch war dann auch das nächtliche Tanzen im Timmendorfer Club Nautic oder zum Einstimmen nachmittags der Besuch im Café Wichtig, das eigentlich Café Engels Eck hieß, was jedoch kaum einer wusste. Auch Sophie wusste das nur, weil ein Timmendorfer mit ihr studierte und er sich neulich über die Schnösel-Hamburger aufgeregt hatte, die regelmäßig am Wochenende – also dann, wenn auch er dort war – in sein Heimatörtchen einfielen, die Preise hochtrieben und er mit seinem Handtuch keinen freien Flecken mehr am feinen Sandstrand fand. In diesem Zusammenhang ließ er den richtigen Namen vom Café Wichtig fallen.

Sophie hatte verständnisvoll zu seinen Worten genickt, sich jedoch auch irgendwie ertappt gefühlt. Sie hatte sich gefragt, ob er sich ihr gegenüber ausließ, weil er sie an »seinem« Strand gesehen hatte und ihr durch die Blume mitteilen wollte, dass er sie auch für eine Schnösel-Hamburgerin hielt. Oder meinte er im Gegenteil eine Verbündete in ihr gefunden zu haben? Sie war sich da nicht so sicher gewesen, da ihr derzeitiger Umgang an der Uni alles andere als schnöselig war und von dem sie wusste, dass sich die Geister an ihm schieden. Ihr eigener auch, was jedoch nichts an ihrer Verliebtheit änderte. Er hieß Helli. Eigentlich Michael Hellweg, aber alle Welt nannte ihn Helli. Sophie mochte keine Spitznamen, mochte sie noch nie, und glücklicherweise war bisher auch noch niemand auf die Idee gekommen, ihren Namen dermaßen zu verunstalten. So würde sie es nämlich empfinden.

Hellis richtigen Vornamen hatte sie erst gekannt, nachdem sie sich zum ersten Mal geküsst hatten. Vorher hatte sie nicht nachgefragt, weil sie andere Gedanken bewegten, und danach war es für sie zu spät gewesen, sich noch umzugewöhnen – »Helli« hatte sich über die Tage schon zu sehr in ihr Hirn eingebrannt, als dass sie diese Bezeichnung einfach durch ein herkömmliches »Michael« hätte ersetzen können. Das wäre mit der Umerziehung eines Linkshänders auf Rechts gleichgekommen. Also war sie über ihren Schatten gesprungen und nannte ihre neue Liebe wie alle anderen an der Uni Helli, wenn sie ihm nicht gerade ganz anders geartete Kosenamen in die Ohren flüsterte, die auch nur für seine bestimmt waren.

Sophie musste spontan lächeln. Allein bei dem Gedanken an Hellis Ohren und Läppchen wurde ihr ganz seltsam zumute. Irgendwie warm ums Herz – und gleichzeitig war sie aufgeregt. In einem seiner Ohrläppchen steckte ein Ohrring. Auch so eine Sache. Ähnlich wie der Spitzname und der ganze Mann. Aber Ohrring hin oder her, er hatte diese wunderbaren Härchen an seinen Läppchen, die man nicht sah, aber fühlte, wenn man an seinen Ohren saugte. Ihre Freundin Kristin hielt sie für bekloppt, aber für Sophie waren genau diese kleinen, kaum sichtbaren, dafür aber umso borstigeren Härchen ein Sinnbild von Männlichkeit. Denn welche Frau bitte schön hat schon winzige borstige Härchen an ihren Ohrläppchen? Sophie kannte keine, allerdings war sie auch noch keinem Frauenohr so nahe gekommen. Und wenn sie ehrlich war, war Helli auch der erste Mann, bei dem sie Ohrläppchenhärchen festgestellt hatte. Bisher hatte sie sich nicht...


Langer, Kathrin
Kathrin Langer wurde in Hamburg geboren. Nach dem Studium der Kulturwissenschaften in Lüneburg machte sie aus ihrer Leidenschaft, dem Schreiben, ihren Beruf – sie schrieb als freie Mitarbeiterin Berichte für den Hörfunk und Zeitschriften, arbeitete als Ghostwriterin sowie als Heftromanautorin und Werbetexterin. Seit 2013 hat sie sich als freie Autorin ganz dem Romanschreiben zugewandt, wobei sie sich selbst auf kein Genre festlegen möchte und sich lieber von ihrer Lust und Laune inspirieren lässt – schließlich schreibt das wahre Leben auch seine verschiedenen kleinen und großen Geschichten. Kathrin Langer ist Mitglied bei HOMER, der Autorenvereinigung Historische Literatur e.V. sowie im Syndikat, der Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur.

Kathrin Langer wurde in Hamburg geboren. Nach dem Studium der Kulturwissenschaften in Lüneburg machte sie aus ihrer Leidenschaft, dem Schreiben, ihren Beruf – sie schrieb als freie Mitarbeiterin Berichte für den Hörfunk und Zeitschriften, arbeitete als Ghostwriterin sowie als Heftromanautorin und Werbetexterin.
Seit 2013 hat sie sich als freie Autorin ganz dem Romanschreiben zugewandt, wobei sie sich selbst auf kein Genre festlegen möchte und sich lieber von ihrer Lust und Laune inspirieren lässt – schließlich schreibt das wahre Leben auch seine verschiedenen kleinen und großen Geschichten. Kathrin Langer ist Mitglied bei HOMER, der Autorenvereinigung Historische Literatur e.V. sowie im Syndikat, der Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur.



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