Langer / Schulz von Thun / Tausch | Sich verständlich ausdrücken | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 222 Seiten

Reihe: Ernst Reinhardt Verlag

Langer / Schulz von Thun / Tausch Sich verständlich ausdrücken


11. Auflage 2019
ISBN: 978-3-497-61134-8
Verlag: Ernst Reinhardt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 222 Seiten

Reihe: Ernst Reinhardt Verlag

ISBN: 978-3-497-61134-8
Verlag: Ernst Reinhardt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Viele Bücher, Artikel, Vorträge etc. sind oft unverständlich und schwer lesbar. Mit nur vier Merkmalen der Verständlichkeit könnte man den Lesern und Zuhörern viel Mühe ersparen. Dieses Buch ist für alle geschrieben, deren Aufgabe es ist, andere zu informieren und Wissen zu vermitteln: Sie lernen mit vielen Textbeispielen und einem einfachen Trainingsprogramm, sich künftig verständlicher auszudrücken. Dabei zählen nicht nur die Sachinhalte, sondern auch die persönliche Haltung gegenüber Lesern und Hörern.

Prof. Dr. Inghard Langer, Professor für Psychologie an der Universität Hamburg. Schwerpunkte: Persönlichkeitsförderung, Sprach- und Kommunikationspsychologie.Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun, Professor für Pädagogische Psychologie, Schwerpunkt Beratung und Training am Fachbereich Psychologie der Universität Hamburg. Wenn Sie die Homepage des Autors besuchen möchten, klicken Sie bitte hier.Prof. Dr. Reinhard Tausch, Professor für Psychologie an der Universität Hamburg. Mitbegründer der Gesprächspsychotherapie und der Erziehungspsychologie im deutschsprachigen Raum.
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Was ist Verständlichkeit?

Was zeichnet einen verständlichen Text aus? Durch welche Merkmale lässt er sich charakterisieren?

Bitte überlegen Sie zunächst selbst einmal. Lesen Sie dazu die folgenden beiden Texte. Sie enthalten die gleiche Information, unterscheiden sich jedoch stark in der Art der Darstellung. Es handelt sich um ein Beispiel aus der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung.

Text A

§ 57 StVZO: „Die Anzeige der Geschwindigkeitsmesser darf vom Sollwert abweichen in den letzten beiden Dritteln des Anzeigebereiches – jedoch mindestens von der 50 km/st-Anzeige ab, wenn die letzten beiden Drittel des Anzeigebereiches oberhalb der 50 km/st-Grenze liegen –0 bis +7 vom Hundert des Skalenendwertes; bei Geschwindigkeiten von 20 km/st und darüber darf die Anzeige den Sollwert nicht unterschreiten.“

Text B

§ 57 Straßenverkehrs-Zulassungsordnung: Um wie viel Prozent darf eine Tachometeranzeige von der tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeit abweichen?

1. Für den Bereich von 0 bis 20 km/st bestehen keine Vorschriften.

2. Ab 20 km/st darf der Tachometer nicht weniger anzeigen.

3. Für Tachometer, deren Skala bis 150 km/st reicht, gilt: Sie dürfen in den beiden letzten Dritteln des Anzeigebereiches höchstens 7% ihres Skalenendwertes mehr anzeigen.

Beispiel: Ein Tachometer reicht bis 120 km/st. Von 40 bis 120 km/st darf er höchstens 7% von 120 km/st (= 8,4 km/st) zu viel anzeigen.

4. Wenn der Tachometer über 150 km/st reicht, beginnt die 7%-Regelung schon ab 50 km/st.

Bitte charakterisieren Sie nun stichwortartig diese beiden Texte, so wie sie auf Sie gewirkt haben:

Text A hat folgende Eigenschaften:

Text B hat folgende Eigenschaften:

Bitte sehen Sie sich nun die Wortliste an. Sie stammt von anderen Beurteilern. Sie werden Ähnlichkeiten mit ihrer Eigenschaftsliste bemerken:

Text A

Text B

kompliziert im Satzbau

einfache Sätze

ungeläufige Wörter

geläufige Wörter

unanschaulich

etwas länger

kurz

gut gegliedert

ungegliedert

mit Beispiel

holprig

kurze Sätze

verschachtelt

flüssig

lange Sätze

anregend

ohne Beispiel

übersichtlich

ungruppiert

gruppiert

Diese Listen ließen sich ohne weiteres noch verlängern. Aber bald würden Sie feststellen: Viele Eigenschaften besagen etwas Ähnliches – z. B. „gegliedert“ und „gruppiert“.

Wir haben darum die ähnlichen Eigenschaften zu vier größeren Komplexen zusammengefasst. Diese Komplexe nennen wir von nun an die

Merkmale der Verständlichkeit

1. Einfachheit

2. Gliederung/Ordnung

3. Kürze/Prägnanz

4. Anregende Zusätze.

Sie werden nun ausführlich erläutert.

Einfachheit

Einfachheit bezieht sich auf die Wortwahl und den Satzbau, also auf die sprachliche Formulierung: geläufige, anschauliche Wörter sind zu kurzen, einfachen Sätzen zusammengefügt. Treten schwierige Wörter auf (Fremdwörter, Fachausdrücke), so werden sie erklärt. Dabei kann der dargestellte Sachverhalt selbst einfach oder schwierig sein – es geht nur um die Art der Darstellung.

Das folgende Merkmalsbild zeigt in übersichtlicher Form, welche einzelnen Eigenschaften das Merkmal „Einfachheit“ umfasst. Es enthält auch das Gegenteil von Einfachheit: Kompliziertheit. Was die Plus- und Minuszeichen bedeuten, erklären wir später.

Einfachheit

+ +   +   0   –   – –

Kompliziertheit

einfache Darstellung

komplizierte
Darstellung

kurze, einfache Sätze

lange,
verschachtelte Sätze

geläufige Wörter

ungeläufige Wörter

Fachwörter erklärt

Fachwörter
nicht erklärt

konkret

abstrakt

anschaulich

unanschaulich

¦  Ein Beispiel für Einfachheit

Die folgenden beiden Texte „Was ist Raub“ unterscheiden sich wesentlich in ihrer Einfachheit, dagegen kaum in den drei anderen Merkmalen der Verständlichkeit.

Was ist Raub?

Komplizierte Fassung

„Raub ist dasjenige Delikt, das jemand durch Entwendung eines ihm nicht gehörenden Gegenstandes unter Anwendung von Gewalt oder von Drohungen gegenüber einer anderen Person begeht, sofern die Intention der rechtswidrigen Aneignung besteht.“

Einfache Fassung

„Jemand nimmt einem anderen etwas weg. Er will es behalten. Aber es gehört ihm nicht. Beim Wegnehmen wendet er Gewalt an oder droht dem Anderen, dass er ihm etwas Schlimmes antun werde. Dieses Verbrechen heißt Raub.“

Gliederung/Ordnung

Dieses Merkmal bezieht sich auf die innere Ordnung und die äußere Gliederung eines Textes.

Innere Ordnung: Die Sätze stehen nicht beziehungslos nebeneinander, sondern sind folgerichtig aufeinander bezogen. Die Informationen werden in einer sinnvollen Reihenfolge dargeboten.

Äußere Gliederung: Der Aufbau des Textes wird sichtbar gemacht. Zusammengehörige Teile sind übersichtlich gruppiert, z. B. durch überschriftete Absätze. Vor- und Zwischenbemerkungen gliedern den Text. Wesentliches wird von weniger Wichtigem sichtbar unterschieden, z. B. durch Hervorhebungen oder durch Zusammenfassungen.

Gliederung/Ordnung

+ +   +   0   –   – –

Ungegliedertheit,
Zusammenhangslosigkeit

gegliedert

ungegliedert

folgerichtig

zusammenhangslos, wirr

übersichtlich

unübersichtlich

gute Unterscheidung von Wesentlichem und Unwesentlichem

schlechte Unterscheidung von Wesentlichem und Unwesentlichem

der rote Faden bleibt sichtbar

man verliert oft den roten Faden

alles kommt schön der Reihe nach

alles geht durcheinander

Hervorhebungen sind in diesem Buch fett oder kursiv gedruckt oder farblich abgesetzt. Bei Schreibmaschinenschrift oder bei Handschrift empfehlen sich: Unterstreichungen, gesperrt schreiben oder Verwendung von Großbuchstaben. Das Merkmal Gliederung/Ordnung fasst sowohl die innere Ordnung als auch die äußere Gliederung zusammen. Denn beide bewirken, dass der Leser oder Zuhörer sich zurechtfindet und die Zusammenhänge sieht.

¦ Ein Beispiel für Gliederung/Ordnung

Was ist Raub?

Ungeordnete Fassung

„Jemand wendet gegen einen anderen Gewalt an. Das ist Raub, es gehört ihm nämlich nicht. Er will es für sich behalten, was er ihm wegnimmt. Zum Beispiel ein Bankräuber, der dem Angestellten mit der Pistole droht. Auch wenn man jemandem droht, dass man ihm etwas Schlimmes antun will, ist es Raub.“

Gegliederte Fassung

„Raub ist ein Verbrechen: Jemand nimmt einem anderen etwas weg, was ihm nicht gehört. Er will es behalten. Dabei wendet er Gewalt an oder droht dem Anderen etwas Schlimmes an. Drei Dinge sind wichtig:

1. etwas wegnehmen,...


Prof. Dr. Inghard Langer, Professor für Psychologie an der Universität Hamburg. Schwerpunkte: Persönlichkeitsförderung, Sprach- und Kommunikationspsychologie.Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun, Professor für Pädagogische Psychologie, Schwerpunkt Beratung und Training am Fachbereich Psychologie der Universität Hamburg. Wenn Sie die Homepage des Autors besuchen möchten, klicken Sie bitte hier.Prof. Dr. Reinhard Tausch, Professor für Psychologie an der Universität Hamburg. Mitbegründer der Gesprächspsychotherapie und der Erziehungspsychologie im deutschsprachigen Raum.



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