Lankers | Rebella - New York Love Story | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 7, 250 Seiten

Reihe: Rebella

Lankers Rebella - New York Love Story

Band 7
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-649-61243-8
Verlag: Coppenrath
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Band 7

E-Book, Deutsch, Band 7, 250 Seiten

Reihe: Rebella

ISBN: 978-3-649-61243-8
Verlag: Coppenrath
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Niki ist am Boden zerstört, als ihre große Liebe Simon Schluss macht und mit seiner Band nach New York verschwindet. Wie kann sie Simon bloß zurückgewinnen? Kurz entschlossen nimmt die 16-Jährige einen Job als Au-pair in New York an. Aber der Trip in die Traummetropole entwickelt sich schnell zum Albtraum: Die Zwillinge Gwyn und Gwen sind verzogen, die Gastmutter behandelt Niki wie ein Dienstmädchen und Simon ist unauffindbar. Dann taucht auch noch der süße David auf, und Niki weiß überhaupt nicht mehr, wo ihr der Kopf steht!

Katrin Lankers, geboren 1977, dachte sich schon in der Schule Romane aus, brachte aber nie mehr als eine Seite zu Papier. Nach dem Studium der Journalistik an der Uni Dortmund arbeitete sie mehrere Jahre für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Online-Medien, bis sie schließlich beschloss, sich an ein Großprojekt zu wagen: Sie ließ ihrer Fantasie freien Lauf und schrieb ihren ersten Jugendroman. Heute lebt Katrin Lankers als freie Autorin für Jugend- und Sachbücher mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Bornheim bei Bonn.
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Es soll der perfekte Abend werden, besser gesagt: die perfekte Nacht. Das perfekte erste Mal eben!

Ich habe mich bis ins kleinste Detail vorbereitet, natürlich mit Majas Hilfe. Meine beste Freundin ist nämlich die Expertin in Liebesdingen, zumindest theoretisch.

»Niki, du brauchst ein sexy Outfit«, hat sie mir erklärt, als ich ihr von meinem Plan erzählt habe, und ist mit mir shoppen gegangen. Einige Stunden später hielt ich ein rotes Nichts in meinen Händen, für das ein halbes Monatstaschengeld draufgegangen ist, in dem ich aber – laut meiner besten Freundin – »unwiderstehlich« wirken würde. Maja hat mir auch gezeigt, wie ich mich schminken muss: wasserfeste Wimperntusche – »sonst siehst du morgens aus wie eine Eule« – und knallroter Lippenstift, passend zu den Dessous.

Nun räkele ich mich also nur in einem Spitzenhöschen und einer Corsage mit Push-Up für meinen zu klein geratenen Busen auf Simons Bett und fühle mich eher unangenehm unbekleidet als unwiderstehlich. Stumm verfluche ich Maja für ihre etwas übertriebene Styling-Beratung und schiele nervös zu dem Digitalwecker auf dem Bücherregal. Schon kurz vor zehn. Simon muss jeden Augenblick kommen.

Mario, einer von Simons fünf Mitbewohnern, hat mich vorhin in die Wohnung gelassen. Mit Simon bin ich um zehn hier verabredet, wenn er von seiner Band-Probe kommt, aber ich brauchte noch ein bisschen Zeit für die Vorbereitungen. Auf dem Bett habe ich Rosenblätter verteilt, und im ganzen Zimmer stehen Kerzen, die ein schummriges Licht verbreiten und den Raum aufheizen. Ich zittere trotzdem. Liegt das bloß an der vielen nackten Haut oder habe ich etwa Angst?

Nein, unmöglich! Ich will es wirklich, wiederhole ich mein Mantra für diesen Abend. Ich will endlich mit Simon schlafen. Immerhin sind wir schon seit fast sechs Monaten zusammen und er ist meine große Liebe. Meine erste große Liebe.

Ginge es nach Simon, hätten wir es schon längst getan. Nicht dass er mich gedrängt hätte, jedenfalls hat er nichts gesagt. Aber seine Annäherungsversuche, wenn wir rumknutschen oder kuscheln, sind immer eindeutiger geworden. Ich hingegen wollte mir erst sicher sein, dass er der Richtige ist, und warten. Auf den perfekten Zeitpunkt. Und der ist jetzt gekommen, denke ich. Heute, an seinem einundzwanzigsten Geburtstag.

Noch ein Blick zum Wecker. Schon Viertel nach zehn. Wo bleibt Simon bloß? Vermutlich trinkt er mit seinen Kumpels noch ein Bier nach der Probe, wie so häufig am Freitagabend. Und gerade an seinem Geburtstag kann er sich wohl kaum sofort verabschieden. Andererseits haben wir ausgemacht, dass wir noch etwas zusammen unternehmen und zu zweit ein wenig feiern. Was das sein wird, davon hat Simon natürlich keine Ahnung.

Mein rechtes Bein fängt an zu kribbeln. Bei dem Versuch, möglichst lasziv auf dem Bett zu liegen, ist es eingeschlafen. Ich ändere meine Position, Blut schießt zurück in das Bein und das Kribbeln wird schmerzhaft. Hektisch wippe ich mit dem Fuß.

In meinem Kopf entsteht ein Bild von mir selbst auf dem Bett voll Rosenblüten. Manchmal sehe ich eine Situation als Zeichnung oder Gemälde vor mir, das müssen die Künstlergene sein, die ich von meinen Eltern geerbt habe. Ob ich wohl einen schönen, kitschigen Ölschinken abgäbe? Nein, wohl doch eher eine Karikatur!

Halb elf. Dass Simon sich mal verspätet, ist ja nichts Neues. Aber ausgerechnet heute? Ich angele neben dem Bett nach meiner Tasche und krame mein Handy heraus. Simon hat mir vielleicht getextet, wo er steckt und wann er kommt. Nein. Keine neuen Nachrichten. Kurz überlege ich, ihm eine SMS zu schicken, lasse es dann aber lieber bleiben, um ihn nicht zu nerven. Er mag es nicht besonders, wenn ich ihm hinterhertelefoniere oder ihn mit Nachrichten bombardiere. Ich lasse das Handy zurück in die Tasche gleiten und warte weiter.

Viertel vor elf. Ich habe Durst. Am liebsten würde ich in die Küche gehen, um mir ein Glas Wasser zu holen. Aber als ich bereits an der Tür stehe, fällt mir ein, dass es keine gute Idee ist, in diesem Outfit in Simons WG herumzulaufen. Wäre ja möglich, dass einer seiner Mitbewohner auch gerade in die Küche will. Bleibt nur der Sekt übrig, den ich meiner Mom aus der Vorratskammer stibitzt und zusammen mit zwei stilvollen Kelchen auf dem Tisch neben Simons Schlagzeug drapiert habe. Beherzt greife ich nach der Flasche und lasse den Korken knallen.

Eigentlich wollte ich den Schampus zusammen mit Simon trinken. Nachdem wir …! Aber wenn Simon sich derart verspätet, muss ich halt schon mal allein anfangen. Ich schenke mir einen der Kelche voll und trinke einen großen Schluck. Jetzt ist mir wenigstens nicht mehr kalt.

Elf Uhr! Ich nehme den Sektkelch mit hinüber zum Bett und lasse mich in die Kissen fallen. Die Pose, die ich nun einnehme, fällt deutlich weniger elegant aus als vorher. Dafür ist sie bequemer. Ich nippe an dem Sektglas und stelle mir vor, wie Simon endlich durch die Tür kommt, mich sieht und mir ein hinreißendes Lächeln schenkt. Wir fallen uns verliebt in die Arme und mit einem innigen Kuss sinken wir auf die Matratze. Und dann? Blende ich ab. Das wird im Film schließlich auch so gemacht. Nächste Einstellung: Ein glückliches Paar wacht in zerwühlten Decken nebeneinander auf. So ungefähr stelle ich mir das morgen früh vor.

Viertel nach elf. Mein Glas ist inzwischen leer. Ich stehe auf und fülle noch mal nach. Mit dem Kelch in der Hand drehe ich mich langsam um meine eigene Achse, bis mein Blick an einem Plakat hängen bleibt. Newcomer Contest steht in roten Buchstaben über dem verwackelten Foto einer Rockband. Dasselbe Plakat klebt auch in meinem Zimmer an der Wand. Denn das war der Abend, an dem Simon und ich uns kennengelernt haben.

Ich war mies drauf an diesem Tag. Ich hatte zum zweiten Mal eine Fünf in Englisch nach Hause gebracht und meine Mutter war stinksauer auf mich. Nur unter der Bedingung, dass ich gleich am nächsten Tag mit dem Büffeln anfinge, ließ sie mich mit Maja ausgehen. So läuft das immer bei meiner Mom: Ich darf eine Menge, solange ich die Schule nicht schleifen lasse. Vertrauen, lautet ihre Erziehungsmaxime. Aber das Vertrauen endet da, wo die schlechten Noten anfangen. Wahrscheinlich hätte ich mich tags drauf sogar tatsächlich mit Vokabellernen abgemüht, wenn ich nicht an besagtem Abend Simon getroffen hätte. Stattdessen habe ich, während ich über meinem Englischbuch saß, nur von dem süßen Simon geträumt.

Seine Band war die letzte, die auftrat, und mit Abstand die beste. Bis dahin hatte ich grummelnd an der Bar gehockt, weil ich die Musik nicht mochte, gelangweilt an einer Cola genippt und Majas Versuche abgewehrt, mich auf die Tanzfläche zu zerren. Doch in dem Moment, als Simon auf die Bühne kam und sich hinter sein Schlagzeug setzte, machte etwas in mir »klick«, und ich konnte nicht mehr aufhören, ihn anzustarren. Er sah aber auch einfach toll aus mit seinen hochgestylten schwarzen Haaren, den durchdringenden blauen Augen und dem engen Shirt mit Band-Logo, das über seinen Muskeln spannte, während er die Drums bearbeitete.

Simons Band Vision gewann den Wettbewerb, den der Club ausgeschrieben hatte, und plötzlich stand Simon neben mir an der Bar und drückte mir mit den Worten »Zeit, mit den Groupies zu feiern« ein Glas in die Hand. Wie peinlich! Ihm musste aufgefallen sein, dass ich meine Augen nicht von ihm abwenden konnte. Doch Simon schien das nicht zu stören. Im Gegenteil.

Den Rest des Abends wich dieser Wahnsinnstyp nicht von meiner Seite. Er stellte mich all seinen Kumpels vor und wirkte dabei so stolz, als hätte er einen Sechser im Lotto gewonnen. Und so, wie er mich aus seinen knallblauen Augen anschaute, kam ich mir wirklich vor wie ein Hauptgewinn. Als er mich schließlich küsste und sein cooler Dreitagebart über mein Kinn kratzte, fuhr das Blut in meinen Adern Achterbahn, und ich wünschte mir, dass der Kuss niemals enden würde.

So fing das alles an mit uns. Und seither hatte ich nicht erst einmal das Gefühl, in einer superschnellen Achterbahn mit mindestens drei Loopings zu sitzen. Mit Simon zusammen zu sein, ist aufregend und immer wieder überraschend. Er ist der spontanste Mensch, den ich kenne. Ich finde das spannend, obwohl ich normalerweise eine richtige Planungsfetischistin bin.

»Niki, mach dich locker«, sagt Simon oft zu mir. Eine solche Aktion wie heute Abend ist normalerweise gar nicht mein Ding. (Und um ehrlich zu sein, stammt das Gesamtkonzept eigentlich von Maja!) Aber ich glaube, Simon wird es gefallen. Und für ihn mache ich das gern!

Es ist kurz vor Mitternacht. Ich wanke ein wenig, als ich zum Bett zurückkehre. Alkohol vertrage ich nicht so gut, was vermutlich daran liegt, dass ich fast nie etwas trinke. Und jetzt gleich zwei Gläser hintereinander, noch dazu auf leeren Magen … Mein Kopf fühlt sich schon ganz watteweich an. Müde falle ich auf die Matratze, greife nach der Decke und ziehe sie bis zum Kinn hoch. Hmm, die riecht nach Simon. Ich schließe die Augen. Nur für ein paar Sekunden. Simon muss jetzt jeden Moment kommen. Ich stelle mir vor, wie er seine Lippen auf meine drückt, seine Zunge mit meiner spielt, seine Hand über meinen Rücken streicht, über meinen Bauch …

»Hier stinkt es ja erbärmlich!«

Ich fahre hoch, als mich eine laute Stimme aus dem Schlaf reißt. Das Deckenlicht flammt grell auf. Ich muss die Augen zusammenkneifen.

»Niki, was ist denn hier los?«, höre ich Simons Stimme. Er klingt wütend. Warum klingt er wütend? Er sollte überrascht klingen. Freudig überrascht!

Ich öffne die Augen, doch etwas versperrt mir die Sicht. Ich fuchtele mir mit der Hand im Gesicht herum, bis ich das rote Samtband zu fassen bekomme, das ich...


Katrin Lankers, geboren 1977, dachte sich schon in der Schule Romane aus, brachte aber nie mehr als eine Seite zu Papier. Nach dem Studium der Journalistik an der Uni Dortmund arbeitete sie mehrere Jahre für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Online-Medien, bis sie schließlich beschloss, sich an ein Großprojekt zu wagen: Sie ließ ihrer Fantasie freien Lauf und schrieb ihren ersten Jugendroman. Heute lebt Katrin Lankers als freie Autorin für Jugend- und Sachbücher mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Bornheim bei Bonn.



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