Lapena | The Couple Next Door | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 350 Seiten

Lapena The Couple Next Door

Thriller
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7325-4029-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Thriller

E-Book, Deutsch, 350 Seiten

ISBN: 978-3-7325-4029-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Jedes Paar hat seine Geheimnisse. Manche sind tödlich ...

Deine Nachbarin möchte nicht, dass du dein Baby zur Dinnerparty mitbringst. Dein Ehemann sagt, das sei schon in Ordnung. Ihr wohnt ja gleich nebenan. Außerdem habt ihr ein Babyfon und könnt abwechselnd nach der Kleinen sehen. Deine Tochter schläft, als du das letzte Mal nach ihr siehst. Doch jetzt herrscht Totenstille im Haus. Du rennst ins Kinderzimmer - und dein schlimmster Alptraum wird wahr: Die Wiege ist leer.

Es bleibt nur eins: die Polizei zu rufen - doch wer weiß, was sie finden wird ...

Shari Lapena hat mit ihrem Debüt 'The Couple Next Door' einen hochspannenden Thriller geschrieben, der in den USA und England innerhalb kürzester Zeit zum Mega-Bestseller avancierte.

»THE COUPLE NEXT DOOR ist 2016 der Thriller, über den am meisten gesprochen werden wird« Stylist

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Kapitel eins


Anne spürt, wie die Säure in ihrem Magen brennt und sich einen Weg durch ihre Kehle nach oben sucht. In ihrem Kopf dreht sich alles. Sie hat eindeutig zu viel getrunken. Cynthia hat ihr den ganzen Abend über nachgeschenkt. Eigentlich wollte Anne sich zurückhalten, doch diesen Vorsatz hat sie rasch aufgegeben. Ohne Alkohol hätte sie diesen Abend nicht überlebt. Sie erinnert sich nicht mehr, wie viel sie während dieser nicht enden wollenden Dinnerparty getrunken hat. Auf jeden Fall wird sie morgen früh ihre Milch abpumpen und wegschütten müssen.

Anne welkt in der Hitze der Sommernacht dahin, während sie ihre Gastgeberin aus zusammengekniffenen Augen beobachtet. Cynthia flirtet offen mit Annes Mann Marco. Warum lässt Anne sich das gefallen? Warum lässt Graham, Cynthias Mann, das zu? Anne ist wütend, aber machtlos. Sie weiß nicht, wie sie dem ein Ende bereiten soll, ohne sich lächerlich zu machen. Sie haben alle getrunken. Also ignoriert sie es, obwohl sie innerlich kocht, und nippt an ihrem gekühlten Wein. Eine Szene zu machen widerspricht Annes Erziehung. Sie mag es nicht, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen.

Cynthia hingegen …

Alle drei – Anne, Marco und Graham, Cynthias sanftmütiger Ehemann – beobachten sie fasziniert. Besonders Marco scheint den Blick nicht von Cynthia abwenden zu können. Als sie sich vorbeugt, um sein Glas aufzufüllen, kommt sie ihm ein wenig näher als nötig. Ihr Ausschnitt ist so tief, dass Marcos Nase fast in ihrem Dekolleté verschwindet.

Anne weiß, dass Cynthia mit jedem flirtet. Sie sieht aber auch so unverschämt gut aus, dass sie vermutlich gar nicht anders kann.

Doch je länger Anne sich das ansieht, desto mehr fragt sie sich, ob da nicht doch etwas zwischen Marco und Cynthia läuft. Dieses Gefühl ist neu für sie. Vielleicht hat der Alkohol ja die Paranoia in ihr geweckt.

Nein, sagt sie sich. Sie würden nicht so offen flirten, wenn sie wirklich etwas zu verbergen hätten. Das Ganze scheint eher von Cynthia auszugehen, er fühlt sich vor allem geschmeichelt. Marco sieht ähnlich umwerfend aus wie Cynthia. Mit seinem zerzausten dunklen Haar, den haselnussbraunen Augen und dem charmanten Lächeln zieht er überall die Blicke auf sich. Cynthia und Marco geben ein fantastisches Paar ab. Hör auf damit, ermahnt Anne sich. Natürlich ist Marco dir treu. Sie weiß, dass seine Familie das Wichtigste für ihn ist. Sie und das Baby bedeuten ihm alles. Marco wird an ihrer Seite stehen, was auch immer passieren mag – sie trinkt einen Schluck Wein –, in guten wie in schlechten Zeiten.

Doch als sie mit ansehen muss, wie Cynthia sich förmlich über ihren Mann drapiert, wird Anne immer unruhiger und wütender. Sie hat immer noch zwanzig Pfund Übergewicht nach ihrer Schwangerschaft – und das sechs Monate nach der Geburt ihres Kindes. Dabei war sie davon ausgegangen, längst wieder ihr altes Gewicht zu haben, doch offensichtlich dauert das mindestens ein Jahr. Auf jeden Fall sollte sie beim Einkaufen nicht mehr in der Regenbogenpresse blättern und sich all diese Celebrity-Moms mit ihren Personal Trainern zum Vorbild nehmen, die schon nach wenigen Wochen wieder fantastisch aussehen.

Doch selbst in ihren besten Zeiten hat Anne es nie mit Frauen wie Cynthia aufnehmen können, ihrer größeren, wohlgeformteren Nachbarin: die langen Beine, die Wespentaille, der große Busen, die Porzellanhaut und das glänzend schwarze Haar … Und wie Cynthia sich immer aufdonnert: High Heels und sexy Klamotten … Selbst für ein Dinner mit nur zwei Gästen im eigenen Haus.

Anne kann sich nicht auf das Gespräch konzentrieren. Sie blendet es aus und starrt stattdessen auf den verzierten Marmorkamin, der genauso aussieht wie der Kamin in ihrem Wohnzimmer auf der anderen Seite der Wand, die Anne und Marco sich mit Cynthia und Graham teilen. Sie leben in einem der Reihenhäuser, die typisch für diesen Teil des New Yorker Hinterlandes sind. Massive Gebäude, erbaut gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Alle Häuser in einer Reihe gleichen sich: italienischer Stil, top restauriert und teuer. Anne und Marco wohnen am Ende der Reihe, in der jedes Haus kleine, geschmackliche Unterschiede im Dekor aufweist. Trotz aller Einheitlichkeit ist so jedes für sich ein kleines Meisterwerk.

Unbeholfen greift Anne nach ihrem Handy und schaut auf die Uhr. Es ist fast ein Uhr früh. Um Mitternacht hat sie zum letzten Mal nach dem Baby geschaut, und eine halbe Stunde später hat Marco noch einmal nach ihm gesehen. Dann ist er hinausgegangen, um mit Cynthia eine Zigarette auf der Terrasse zu rauchen, während Anne und Graham verlegen an dem überfüllten Esstisch saßen und verzweifelt versuchten, ein Gespräch in Gang zu halten. Anne hätte mit den beiden in den Hinterhof gehen sollen. Dort weht vermutlich eine kühle Brise. Doch sie hat es nicht getan, weil Graham nicht gerne im Zigarettenrauch steht, und es äußerst unhöflich gewesen wäre, ihn auf seiner eigenen Feier allein zu lassen. Also ist sie aus Anstand geblieben. Graham, ein WASP genau wie Anne, ist ein ausgesprochen höflicher Mensch. Warum so jemand ausgerechnet ein Flittchen wie Cynthia geheiratet hat, bleibt ihr ein Rätsel. Inzwischen sind Cynthia und Marco von draußen zurückgekommen, und Anne will jetzt einfach nur noch weg von hier, auch wenn alle anderen sich noch zu amüsieren scheinen.

Anne schaut zu dem Babyfon am anderen Ende des Tisches hinüber. Das kleine rote Licht glüht wie die Spitze einer brennenden Zigarette. Der Bildschirm für die Kameraüberwachung ist kaputt – Anne hat es vor ein paar Tagen fallen gelassen, und Marco hat es noch nicht ersetzt –, aber der Ton funktioniert. Plötzlich fühlt sich alles irgendwie falsch an. Wer geht zu einem Dinner mit den Nachbarn und lässt sein eigenes Baby allein zuhause? Was für eine Mutter tut sowas? Sofort überfällt Anne ein vertrautes, quälendes Gefühl. Ich bin keine gute Mutter.

Was macht es schon, dass die Babysitterin abgesagt hat? Sie hätten Cora mitbringen und in den Laufstall setzen sollen. Aber Cynthia hat gesagt: keine Kinder. Zu Grahams Geburtstag sollte es ein Erwachsenenabend werden. Das ist ein weiterer Grund, warum Anne Cynthia inzwischen nicht mehr mag, obwohl sie früher beste Freundinnen waren: Cynthia mag Babys nicht wirklich. Aber wer sagt eigentlich, dass man ein sechs Monate altes Baby nicht zu einer Dinnerparty mitnehmen kann? Wie hat Marco ihr nur einreden können, das wäre okay? Das ist es nämlich nicht. Es ist unverantwortlich. Was würden wohl die anderen aus der Müttergruppe dazu sagen, wenn Anne ihnen davon erzählen würde? Wir haben unser sechs Monate altes Baby zuhause allein gelassen und haben nebenan gefeiert. Vor ihrem geistigen Auge sieht sie bereits, wie die Münder der Mütter vor Entsetzen aufklappen und sich ein peinliches Schweigen über den Raum senkt. Aber Anne wird ihnen nichts davon erzählen. Die anderen Mütter würden sie sofort als Aussätzige betrachten.

Sie und Marco haben sich gestritten, bevor sie losgegangen sind. Als die Babysitterin angerufen hat, um abzusagen, hat Anne angeboten, zuhause zu bleiben. Sie wollte ohnehin nicht gehen. Aber Marco hat nichts davon wissen wollen.

»Du kannst doch nicht einfach hierbleiben«, hat er erklärt, als sie in der Küche diskutierten.

»Ich würde aber gerne bleiben«, erwiderte Anne mit leiser Stimme. Cynthia auf der anderen Seite der gemeinsamen Wand sollte sie nicht hören.

»Es würde dir aber ganz guttun, mal rauszukommen«, konterte Marco und senkte ebenfalls die Stimme. Und dann fügte er hinzu: »Du weißt doch, was der Arzt gesagt hat.«

Den ganzen Abend schon denkt Anne darüber nach, ob diese Bemerkung einfach nur gemein und selbstsüchtig war, oder ob Marco ihr vielleicht doch einfach nur helfen wollte. Jedenfalls hat sie nachgegeben. Marco hat sie davon überzeugt, dass sie mit dem Babyfon ja jederzeit erfährt, ob das Baby sich rührt oder aufwacht. Außerdem würden sie alle halbe Stunde nach ihm sehen. »Es passiert schon nichts«, hat er gesagt.

Es ist ein Uhr. Sollte Anne jetzt nach Cora sehen oder versuchen, Marco zum Gehen zu überreden? Sie will nach Hause und ins Bett. Sie will, dass dieser Abend endlich vorbei ist.

Anne zieht ihren Mann am Arm. »Marco«, drängt sie ihn, »wir sollten gehen. Es ist ein Uhr.«

»Oh, bleibt doch noch ein wenig«, sagt Cynthia. »So spät ist es doch noch gar nicht!« Offensichtlich will sie noch weiterfeiern. Sie will nicht, dass Marco geht. Allerdings würde es ihr wohl kaum etwas ausmachen, wenn Anne ginge. Da ist sich Anne sicher.

»Für dich vielleicht nicht«, entgegnet Anne mit überraschend fester Stimme, obwohl sie viel zu viel getrunken hat, »aber ich muss früh raus und das Baby füttern.«

»Du Arme«, sagt Cynthia, und aus irgendeinem Grund ärgert Anne das. Cynthia hat keine Kinder, und sie hat auch nie welche gewollt. Sie und Graham haben sich gemeinsam dagegen entschieden.

Marco dazu zu bewegen, nach Hause zu gehen, ist schwierig. Er scheint bleiben zu wollen. Er hat ziemlich viel Spaß, doch Anne wird immer nervöser.

»Nur noch einen«, sagt Marco zu Cynthia, hebt sein Glas und meidet den Blick seiner Frau.

Marco ist heute Abend ungewöhnlich ausgelassen. Fast wirkt es gezwungen. Und Anne fragt sich warum. Zuhause ist er in letzter Zeit eher ruhig, abwesend und manchmal sogar launisch. Aber heute steht er ganz im Mittelpunkt, dank Cynthia. Anne hat schon seit einiger Zeit das Gefühl, dass irgendwas nicht stimmt. Marco erzählt ihr so gut wie gar nichts mehr. Er schließt sie aus. Oder vielleicht zieht er sich auch wegen ihrer...



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