Lapointe | Ein großes, schönes Durcheinander | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Lapointe Ein großes, schönes Durcheinander

Wie wir unsere Kinder trotz aller Widrigkeiten stark machen für ein erfülltes Leben
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-86781-356-3
Verlag: Arbor
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Wie wir unsere Kinder trotz aller Widrigkeiten stark machen für ein erfülltes Leben

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

ISBN: 978-3-86781-356-3
Verlag: Arbor
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Was für eine Mutter, was für ein Vater möchtest du sein für dein neugeborenes Kind? Die Kinder- und Elternpsychologin Vanessa Lapointe stellt dir authentisch, ganz konkret für den Alltag mit Kleinkind und immer absolut relevant ihre gesammelte Erfahrung aus langjähriger Praxis, aktueller Forschung, aber auch eigener Mutterschaft für deine eigene Antwort zur Verfügung. Endlich ein Elternbuch, das sich tatsächlich an Eltern wendet: Es geht nicht um eure Kinder, denn eure Kinder sind bereits das Wunderbarste, Perfekteste, Herrlichste der Welt. Es geht um dich. Es geht darum, wie du mit diesem überwältigenden Anfang eines neuen menschlichen Lebens umgehen kannst. Wer willst du sein für dein Baby? Und ja, wie vielleicht schon vermutet: Dieses Buch quillt über vor Liebe und Freude über Kinder - über dein Kind, über alle Kinder.

Dr. Vanessa Lapointe ist niedergelassene Psychologin in British Columbia, Kanada, die Familien und Kinder seit mehr als 15 Jahren unterstützt. Sie unterhält heute eine psychologische Praxis und arbeitete an verschiedensten Institutionen, darunter dem Ministerium für Familie und Kinder von British Columbia, sowie an Schulen. Vanessa Lapointes Schwerpunkt liegt auf der Begleitung von Eltern, Lehrer:innen, Betreuer:innen und anderen großen Menschen, um ihnen zu ermöglichen, die Welt tatsächlich durch Kinderaugen zu sehen. Sie ist der Überzeugung, dass uns das am allerbesten in die Lage versetzt, unsere Kinder auf bestmögliche Weise ins Leben zu begleiten. Als renommierte Ausbildungsleiterin, Sprecherin auf Kongressen, Betreuerin von Forschungsprojekten und Beraterin etlicher Institutionen im Gesundheitswesen ist Vanessa Lapointe bekannt dafür, in alle ihre Arbeit stets einen Ansatz von stärkender Anteilnahme und Menschlichkeit einzubringen. Als Mutter von zwei Kindern strebt Vanessa Lapointe persönlich und beruflich danach, die Welt durch Kinderaugen zu sehen.
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Einleitung
Fang an, wie du willst


Ich werde nie vergessen, wie es sich anfühlte, als ich erfuhr, dass ich meinen ersten Sohn erwartete. Ich war damals Studentin und hatte nur ein Ziel vor Augen: meine Promotion. In vier Jahren würde ich meinen Doktortitel haben und könnte dann endlich in meinem gewählten Fachgebiet arbeiten. Aber das Universum hatte andere Pläne. Gegen Ende meines ersten Jahres als Doktorandin begann ich mich zu fragen, ob ich einen verschleppten Virusinfekt oder eine andere Krankheit hatte, die mich die ganze Zeit so müde machte. Entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen, besorgte ich mir einen Termin bei meiner Ärztin. Stell dir meine Überraschung vor, als die Untersuchungsergebnisse offenbarten, dass ich schwanger war. Der Vater meiner Kinder war so schlau, in diesem Moment ein Foto von mir zu machen. Mein Gesichtsausdruck sagt alles: absoluter Unglaube vermischt mit einem deutlichen Anflug von Begeisterung. Mir war es damals noch nicht klar, aber in diesem Augenblick änderte sich alles.

Kurz darauf begann ich eine Fehlgeburt zu fürchten. Ich erinnere mich, dass ich während des eilig anberaumten Ultraschalls dachte: „Ich weiß erst seit zwei Wochen von der Existenz dieses Babys. Wie kann es sein, dass ich schon jetzt so an ihm hänge?“ Zu diesem Zeitpunkt war ich erst seit etwa zehn Wochen schwanger, aber als sich das flackernde Bild des kleinen Herzens meines Sohnes schließlich auf diesem Ultraschallbildschirm zeigte, schluchzte ich vor Erleichterung.

Ich weinte so heftig und ausdauernd, dass die Ärztin meinte, ich solle mich zusammenreißen, damit sie ihre Untersuchung abschließen könne. Von da an fand ich es schwierig, mich in die Gewissheit der Schwangerschaft hinein zu entspannen. Es gab viele besorgte Besuche bei meiner Ärztin, weil ich befürchtete, dass etwas nicht in Ordnung sei. Bei einem solchen Termin sagte ich zu ihr: „Ich kann es kaum erwarten, dass er geboren wird. Dann kann ich aufhören, mir Sorgen zu machen!“ Sie sah mich mit den wissenden Augen einer Mutter und eines Profis an, die alles gesehen haben. „Oh, Liebes“, sagte sie, „dann fangen die eigentlichen Sorgen erst an.“ Ich wollte ihr nicht glauben – im Grunde gab es doch so viel Gutes neben all dem anderen, dass sich beides gewiss die Waage halten würde – aber in gewisser Weise hatte sie recht. Ich war weder emotional noch anderweitig darauf vorbereitet, für ein Kind Verantwortung zu übernehmen, obwohl ich doch Psychologin in Ausbildung war. Ich beobachtete meinen kleinen Sohn genau. Ich schwelgte in dem Wunder, das er für mich war, während mich seine Erkältung gerade zutiefst ängstigte. Ich war entzückt über sein erstes Lächeln, in jenen Momenten, in denen seine süßen kleinen Zehen ihren Weg in seinen Mund fanden, und selbst dann, wenn ich vom unberechenbaren Stuhldrang eines kleinen Jungen überrascht wurde. Aber neben all dem nahm ich eine Veränderung an mir wahr, die mich beunruhigte. Ich kannte mich bis zu einem gewissen Grad und wusste, dass ich mich verändert hatte, aber ich konnte nicht wirklich sagen, wie. Tatsächlich hatte ich als Mutter so viele Dinge zu bedenken. Sollte ich ein Schlaftraining mit ihm machen oder nicht? Sollte ich ein Baby-Tragetuch benutzen? Ist es richtig, nach Bedarf zu stillen und zu entwöhnen? Ist es wichtig für mein Baby, mit anderen Babys zusammenzukommen? Ist es in Ordnung, wenn es in meinem Bett schläft oder nicht? Wie soll ich mit den ersten Trotzanfällen umgehen? Wie viele Eltern wandte ich mich Rat suchend an Ärzt:innen, an andere Eltern, meine eigenen Eltern, meine Schwiegereltern und meine Geschwister, die ja ebenfalls Kinder großzogen. Die Antworten waren gemischt und ließen mich noch verwirrter zurück. Ich erinnere mich, dass ich dachte, ich hätte keine andere Wahl, als mit einem Schlaftraining zu beginnen. Ich saß vor der Zimmertür meines Babys und versuchte, mir die Bestätigung seines Vaters, dass wir das Richtige taten, zu Herzen zu nehmen. Ich hielt es ganze vier quälende Minuten lang aus. Als Studentin war ich von meiner klinischen Supervisorin darüber aufgeklärt worden, was eine „gute Auszeit“ ausmachte. Ich habe es ausprobiert. Einmal. Es fühlte sich ebenfalls furchtbar an. Ich trat einer Baby- und Elterngruppe bei, um etwas für die Sozialisation zu tun, weil das frischgebackene Mütter so machten, aber ich hatte das Gefühl, dass mein Baby vor allem Zeit mit mir brauchte. Ich beschloss – trotz eines gewissen sozialen Drucks, die „Schürzenzipfel zu kappen“ – erst mit dem Stillen aufzuhören, wenn es sich natürlich und richtig anfühlte.

Nach jedem dieser Momente der Unsicherheit meldete sich der verunsicherte Teil von mir und fragte: Was ist, wenn ich es verkehrt mache? Was, wenn ich versagt habe? Was ist, wenn ich nicht gut genug bin? Was, wenn ich alles vermasselt habe? Es war ein ständiger Kampf zwischen dem Unheil verheißenden Drehbuch in meinem Kopf und meinem tief empfundenen Gefühl, dass ich es schaffen – dass ich gut genug war, dass ich es gar nicht vermasseln konnte, solange ich auf mich selbst hörte. Auf mein Selbst. Nicht mein vermeintliches Selbst. Mein Selbst. Nicht mein ängstliches Selbst. Mein Selbst. Nicht mein reaktives Selbst. Ich war selbstbewusst genug, um meinen eigenen Weg in Bezug auf Schlaftraining, und mitfühlende Anleitung zu finden und unzählige andere Entscheidungen zu treffen. Manchmal habe ich ins Schwarze getroffen und manchmal nicht.

Als ich im weiteren Verlauf dieser Reise miterlebte, wie meine Kinder ihren Entwicklungsweg beschritten, dauerte es einige Zeit, bis ich verstand, was sich in mir im Hinblick auf mein eigenes Wachstum und gleichzeitig außerhalb von mir im Hinblick auf das Wachstum jedes meiner Kinder abspielte. Es gab viele angstbesetzte Jahre der Begleitung eines Kindes mit Entwicklungsverzögerungen und Lernbehinderungen, eines Kindes mit Verhaltensauffälligkeiten und eines Kindes mit einigen kleineren medizinischen Problemen – viele Jahre, um herauszufinden, wer ich als Mensch und als Mutter war und viele Jahre des Ringens innerhalb einer Ehe im Kontext dieser Veränderung. Und dann passierte etwas.

Ich wachte auf.

Es war, als hätte ich geschlafen und mein Leben in einem benebelten, verträumten Zustand zugebracht. Ein echtes Verstehen dessen, was vor sich ging, war irgendwie immer gerade außerhalb meiner Reichweite gewesen. Unmerklich für mein rationales und intellektuelles Selbst begann ich mich auf eine lebensverändernde Idee zu konzentrieren: dass ich zuerst mich selbst großziehen musste, bevor ich meinen Babys helfen konnte, zu den freundlichen Menschen heranzuwachsen, von denen ich träumte. Das bedeutete, zu erkennen, dass meine Weltsicht und alle Gefühle, die daraus hervorgingen, von meinem inneren Selbst beeinflusst waren. Dieses innere Selbst war die Kulmination meiner Lebenserfahrungen, vor allem aus der Kindheit, als mein beeindruckbarer Geist geformt wurde. Und so musste ich, um mich selbst großziehen zu können, meine Kindheitserfahrungen auf neue Weise begreifen. Nur so konnte ich verstehen, warum ich heute die Welt so sehe, wie ich es tue.

Ich konnte mir nicht den Luxus erlauben, meine innere Arbeit auf der Couch einer Therapeutin zu erledigen – sondern musste es auf meinen Beinen mitten im realen Leben tun. Ich musste akzeptieren, dass jede Angst, die ich als Mutter fühlte, nichts mit meinen Kindern, ihren offensichtlichen Herausforderungen oder den Höhen und Tiefen des Elternseins zu tun hatte. Vielmehr kam diese Angst aus jenen Anteilen von mir, die noch nicht herangewachsen waren. Der Zweijährigen, die gelernt hat, Angst zu haben, wenn beängstigende Dinge passierten. Der Vierjährigen, die gelernt hat, sich zu schämen, wenn sie für ihr Verhalten gescholten wurde. Der Sechsjährigen, die gelernt hat, verunsichert zu sein, wenn sie befürchtete, dass ihre Eltern sich scheiden lassen würden. Und es ist nicht so, dass ich eine schreckliche Kindheit hatte. Das ist einfach meine Geschichte und das sind meine Gefühle. Du wirst deine eigene haben. Wie wir alle. Aber als ich allmählich verstand, woher meine Gefühle kamen, begann ich auch zu verstehen, warum das Elternsein mich verunsichert hatte, warum ich all diese Sorgen mit mir herumtrug und was ich ändern musste, damit ich mit der Energie an die Sache herangehen konnte, in der meine Kinder „baden“ sollten.

Wie hat sich dies in meinem Leben als Mutter geäußert – und tut es weiterhin? In jedem Augenblick eines jeden Tages! Einige dieser Momente sind eine große Sache und andere eher unbedeutend. Als mein jüngster Sohn beispielsweise Hör- und Sprachstörungen entwickelte, musste ich mich meiner Angst um seine Zukunft stellen, meinen Befürchtungen im Hinblick darauf, wie seine Schulzeit mit ziemlicher Sicherheit verlaufen würde sowie meinem Drang, die Dinge zu kontrollieren, die in meiner Wahrnehmung zu seiner Situation beitrugen. Als ich in Kontakt mit dieser Angst, dieser Bedrängnis und diesem Bedürfnis nach Kontrolle kam, erkannte ich, dass diese Gefühle aus einer lange vergangenen Zeit stammten, einer Zeit, in der sich meine neuronalen Schaltkreise gebildet hatten und sich die Dinge um mich herum beunruhigend und unkontrollierbar anfühlten. Der Geist sieht nur, was er glaubt, und was wir glauben, beruht auf unseren Erfahrungen. Diese Überzeugungen und Glaubenssätze färben alles, was in unserem Leben geschieht – als Eltern oder anderweitig. Das Beste daran ist, dass – so allumfassend der Einfluss unserer Glaubenssätze auf unser Leben auch ist – sie nicht unumstößlich sind. Sie können sich ändern. Unsere Glaubenssätze sind nebulös und selbsterschaffen. Sie sind eine erdachte...



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