E-Book, Deutsch, Band 1, 488 Seiten
Reihe: Ashton Ryder
Laue Das Gesetz der Vampire
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-940036-84-1
Verlag: Low, Torsten
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 488 Seiten
Reihe: Ashton Ryder
ISBN: 978-3-940036-84-1
Verlag: Low, Torsten
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mara Laue (Jahrgang 1958), begann im Alter von zwölf Jahren mit dem Schreiben. Auf erste Veröffentlichungen von Fantasy- und Science-Fiction-Storys in verschiedenen Fanzines, folgten Kriminal- und andere Kurzgeschichten und Gedichte in Anthologien sowie verschiedene Sachartikel zu diversen Themen. 1999 wurde ihr erstes (inzwischen vergriffenes) Buch veröffentlicht. Seit 2005 arbeitet sie als Berufsschriftstellerin und schreibt hauptsächlich Krimis/Thriller, Science Fiction, Okkult-Krimis, Dark Romance, Fantasy und Lyrik. Sie war Mitautorin der Science-Fiction-Serie 'Sternenfaust' des Bastei-Verlages und arbeitet als Co-Autorin an der SF-Serie 'Rex Corda' des Mohlberg-Verlages mit. Seit 2008 gehören auch Theaterstücke zu ihrem Repertoire. Sie verfasst die Okkult-Krimi-Serien 'Sukkubus' und 'Schattenwolf' beim Online-Magazin 'Geisterspiegel' und die Science-Fiction-Serie 'Sternenkommando Cassiopeia' für den eBook-Verlag Cassiopeia Press. Im Jahr 2012 gewann sie ein 'Tatort-Töwerland'-Literaturstipendium für den Kriminalroman 'Brocksteins letzter Vorhang'. Mara Laue ist Mitglied der 'Mörderischen Schwestern - Vereinigung deutschsprachiger Krimiautorinnen' und im 'Syndikat - Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur'. Nebenbei unterrichtet sie kreatives Schreiben in Workshops und Fernkursen und schreibt als Ghostwriterin Biografien und Firmenchroniken. Wenn ihr das Schreiben die Zeit dazu lässt, arbeitet sie im Nebenberuf als Künstlerin und Fotokünstlerin und hat gegenwärtig eine Ausstellung pro Jahr.
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1
shton Ryder beobachtete besorgt, wie seine Frau Mary lustlos in ihrem Abendessen herumstocherte. Sie starrte apathisch vor sich hin und wirkte dennoch auf eine bedrückende Weise wunderschön. Ihr schwarzes Haar fiel ihr offen über die Schultern und bildete einen auffallenden Kontrast zu ihrer marmorweißen Haut und den korallenrot geschminkten Lippen. Ashton fühlte sich bei ihrem Anblick wieder einmal an Schneewittchen erinnert: weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz.
Er hätte sie am liebsten in die Arme genommen, aber Mary schenkte ihm wie jeden Abend in der letzten Zeit keine Beachtung. Sie hatte sich vollkommen von ihm zurückgezogen und rückte einfach nicht mit der Sprache heraus, was der Grund dafür war.
»Es ist nichts«, wiegelte sie seine diesbezüglichen Fragen ab und verschloss sich danach nur noch mehr vor ihm.
Diese Sprachlosigkeit zwischen ihnen machte ihn langsam wahnsinnig, und er bekam zunehmend das Gefühl, dass seine Ehe gerade in einer furchtbaren Krise steckte. Wenn es ihm nicht bald gelang, mit Mary zu klären, was immer es zu klären gab, konnte das sehr schnell ins Aus führen. Falls das nicht schon längst geschehen war.
Ashton war Polizist aus dem tiefen Bedürfnis heraus, den Menschen Schutz und Sicherheit zu geben in einer Welt, in der die Verbrechen immer mehr zunahmen. Allerdings war seine Arbeit einem normalen Familienleben überaus abträglich. Überstunden, Schichtarbeit, Nachteinsätze und Notfälle, für die er zu allen möglichen Zeiten aus der wohlverdienten Freizeit, dem Urlaub oder sogar aus dem Bett geholt wurde, forderten ihren Tribut.
Mary liebte ihn zwar und hatte diese Beeinträchtigungen bisher klaglos mitgetragen. Seit einigen Monaten deutete sie jedoch immer häufiger an, dass sie sich allein gelassen fühlte. Noch hatte sie ihm nicht die Pistole auf die Brust gesetzt und ihn gezwungen, sich zwischen ihr und seinem Beruf zu entscheiden. Trotzdem war Ashton überzeugt, dass dieses Ultimatum nicht mehr lange auf sich warten lassen würde.
Vielleicht hatte er Mary sogar schon an einen anderen Mann verloren. Dafür sprach jedenfalls, dass sie ihm gegenüber so gleichgültig geworden war, als würde ihr Ehemann sie nicht mehr interessieren. Ashton konnte sich das nur damit erklären, dass ein Nebenbuhler im Spiel war, obwohl es dafür bis jetzt keinen Beweis gab.
»Mary, ich habe nachgedacht«, brach er schließlich das unerträgliche Schweigen zwischen ihnen. »Über uns. Über meinen Beruf. Er beeinträchtigt unsere Beziehung, und ich will nicht, dass das so weitergeht.«
Er wartete auf eine Reaktion, doch Mary schob nur mit einem abwesenden Gesichtsausdruck ihr Essen auf dem Teller hin und her, als hätte sie ihn gar nicht gehört.
»Hey«, sagte er sanft und nahm ihre Hand. Sie war erschreckend kalt. Er rieb sie, um sie zu wärmen. »Hast du gehört, was ich gesagt habe, Liebes?«
Sie sah ihn teilnahmslos an. »Ja«, antwortete sie endlich. »Du hast über deinen Beruf nachgedacht. Und?«
Die Gleichgültigkeit, die aus ihrer Stimme und ihrer ganzen Körperhaltung sprach, passte nicht zu der fröhlichen, engagierten und leidenschaftlichen Frau, die sie noch bis vor vierzehn Tagen gewesen war. Die Mary, deren eiskalte Hand er erfolglos zu wärmen versuchte, schien eine vollkommen Fremde zu sein. Irgendetwas musste vor zwei Wochen passiert sein, das sie so verändert hatte. Wenn kein heimlicher Geliebter der Grund dafür war, so gab es nach Ashtons Einschätzung nur noch eine mögliche Erklärung: Mary war vergewaltigt worden. Allein der Gedanke schnitt Ashton schmerzhaft ins Herz und machte ihn wütend. Mindestens ebenso sehr wie die Tatsache, dass Mary ihm offenbar nicht genug vertraute, um mit ihm darüber zu reden.
»Ich denke«, fuhr er fort, nachdem er nun ihre Aufmerksamkeit hatte, »dass ich kündigen und mir einen anderen Job suchen werde. Einen, der mir mehr Zeit lässt für das Wichtigste in meinem Leben: dich.« Er lächelte. Doch Mary reagierte immer noch nicht. »Also, auf ein bisschen mehr Begeisterung habe ich schon gehofft«, sagte er und bemühte sich um einen leichten Tonfall. »Du hast dich doch so oft beschwert, dass ich kaum Zeit für dich habe.«
»Das ist wahr.« Marys Stimme war nur ein Hauch. »Aber die Polizeiarbeit ist doch dein Leben. Etwas anderes macht dich nun mal nicht glücklich.« Sie lächelte gequält. »Nicht einmal ich.«
Ashton sah seine Befürchtungen hinsichtlich eines anderen Mannes bei diesen Worten fast schon bestätigt. »Natürlich bist du mir wichtiger als mein Beruf. Darum werde ich ihn aufgeben. Ich habe schließlich genug Möglichkeiten, einen ähnlichen Job in einem anderen Bereich zu finden, der nicht so höllische Arbeitszeiten hat. Ich dachte daran, mich als Privatdetektiv oder Sicherheitsberater selbstständig zu machen.«
»Wie du meinst«, lautete Marys desinteressierte Antwort.
Er streichelte ihre Hand und versuchte geduldig zu sein, sie nicht anzuschnauzen und unerbittlich Rechenschaft zu fordern, was mit ihr los sei. Doch es fiel ihm schwer.
»Hey, Liebes, was ist mit dir? Ich dachte, du freust dich, wenn ich den mörderischen Stressjob aufgebe und mehr Zeit für dich habe.« Er sah sie aufmerksam an. »Was ist passiert, Mary? Ich merke doch, dass dich irgendwas zutiefst bedrückt. Hat dir jemand etwas angetan? Sag es mir, und ich sorge dafür, dass der Kerl zur Verantwortung gezogen wird.«
Sie schüttelte nur stumm den Kopf.
»Oder hast du dich«, er zögerte und suchte nach einer vorsichtigen Formulierung, »inzwischen schon anderweitig orientiert?«
»Wie kommst du denn darauf?«, fragte sie in demselben unbeteiligten Tonfall wie bisher. Sie stritt es nicht ab, und Ashton wertete das als weiteres Indiz für seine Vermutung.
»Weil du dich in den letzten zwei Wochen derart von mir zurückgezogen hast und dich jetzt so desinteressiert zeigst, dass ich befürchten muss, dass ein anderer Mann im Spiel ist«, sprach er seinen Verdacht offen aus.
»Ach, Ash.« Mehr sagte sie dazu nicht, und seine Vermutung wurde damit für ihn zur Gewissheit.
»Ist es wahr, Mary?«
Sie sah ihn mit einem gequälten Ausdruck an und entzog ihm ihre Hand. »Ich fühle mich nicht wohl. Ich gehe wohl besser schlafen.« Ohne ein weiteres Wort stand sie auf und verschwand im Schlafzimmer.
Ashton blieb am Tisch sitzen, schloss die Augen, zählte langsam bis zehn und musste sich beherrschen, ihr nicht zu folgen, sie zu packen und zu schütteln, bis sie die Wahrheit sagte. Vor allem aus ihr herauszubringen, wer sein Nebenbuhler war, damit er ihn zur Rede stellen und ihm klar machen konnte, dass er seine Finger von Mary zu lassen hatte. Natürlich war das keine Lösung und würde ihm Mary nur noch mehr entfremden. Falls sie sich noch uneins war, für wen sie sich entscheiden sollte, so würde eine solche Aktion sie endgültig in die Arme des anderen Mannes treiben.
Er schüttelte den Kopf, stützte die Stirn müde in beide Hände und fuhr sich anschließend durch die dunklen, streichholzkurzen Haare. Er legte großen Wert auf seine Selbstbeherrschung und ließ sich nicht von Emotionen leiten. Sein Ruf als die personifizierte Gelassenheit war im 62. Revier der New Yorker Polizei legendär. Fast jeder seiner Kollegen hatte schon einmal die Beherrschung verloren und in der einen oder anderen Situation überreagiert; Ashton noch nie. Mit den Scherben seiner Ehe und einem unbekannten Nebenbuhler konfrontiert, fiel es ihm jetzt sehr schwer, die Beherrschung aufrecht zu erhalten und nicht wie der zutiefst verletzte, betrogene Ehemann zu reagieren, als der er sich fühlte.
Immerhin hatte er noch keinen konkreten Beweis für Marys Untreue, nur einen Verdacht, versuchte er sich selbst einzureden. Sein Polizistenverstand zählte allerdings erbarmungslos die Fakten auf, die eine nahezu lückenlose Indizienkette ergaben. Marys Gleichgültigkeit ihm gegenüber, dass sie ihn seit Tagen im Bett zurückwies und seine Frage nach einem anderen Mann nicht einmal ansatzweise leugnete, sprachen Bände dafür, dass sie sich emotional bereits von Ashton gelöst hatte.
»Oh Gott!«, murmelte er verzweifelt.
Er hatte geglaubt, dass die Liebe, die er und Mary für einander fühlten, jeder Belastung standhielt. Offenbar hatte er sich geirrt. Jetzt blieb ihm nur noch der Versuch zu retten, was vielleicht schon nicht mehr zu retten war. Er würde seine Kündigung schnellstmöglich einreichen und sich eine Lizenz als Privatdetektiv besorgen. Er würde nicht so einfach aufgeben, sondern um Mary kämpfen und hoffen, dass er noch eine Chance hatte.
Als er eine gute Stunde später ebenfalls zu Bett ging, nachdem er sich wieder beruhigt hatte und sich sicher war, seiner Frau mit Verständnis und Rücksicht begegnen zu können statt mit Wut und Vorwürfen, stand Mary nur mit einem dünnen Nachthemd bekleidet auf dem Balkon, starrte in die Nacht und flüsterte leise einen Namen: »Vic!«
Es klang so voller Sehnsucht, dass Ashton von heftiger Eifersucht gepackt wurde. Mit wenigen Schritten war er bei ihr, fasste sie hart am Arm und riss sie zu sich herum.
»Mary, was zum Teufel ...«
Was immer er hatte sagen wollen, blieb ihm im Hals stecken. Mary war bleich wie der Tod, und ihre Augen glänzten fiebrig. An ihrem Hals entdeckte er zwei kleine Wunden, aus denen in schmalen Rinnsalen Blut ihren Hals hinunter lief und den Kragen ihres Nachthemdes tränkte. Im nächsten Moment sank sie ohnmächtig in seine Arme.
Alle Eifersucht war schlagartig vergessen. Ashton trug Mary zum Bett und rief einen Krankenwagen.
***
»Mr. Ryder? Ich bin Dr. Hugh Rutland und behandle Ihre Frau.«
Ashton sprang von der Bank auf, auf der er seit Stunden wartete und...




