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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 508 Seiten

Reihe: Ashton-Ryder

Laue Sanktuarium


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-940036-87-2
Verlag: Low, Torsten
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 3, 508 Seiten

Reihe: Ashton-Ryder

ISBN: 978-3-940036-87-2
Verlag: Low, Torsten
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Vampir, Werwolf und Dämonin - mit diesem Trio sollte man sich besser nicht anlegen. Ashton Ryder, Ex-Wächter der Vampire, hat schwere Schuld auf sich geladen. Um sie zu sühnen, wird ihm vom Rat der Wächter auferlegt, zum 'Sanktuarium' zu pilgern, dem größten Heiligtum der Vampire, das verborgen in Russlands Wäldern liegt. Dort angekommen, müssen er und seine Begleiter - die Dämonin Sam Tyler und ihr Gefährte, der Werwolf Nick Roscoe - feststellen, dass der Hüter des Sanktuariums von einem Werwolf ermordet wurde. Nick gerät in Verdacht, und ehe die drei sich versehen, stehen sie zwischen allen Fronten eines sich anbahnenden Vernichtungskrieges zwischen Werwölfen und Vampiren. Doch wer steckt wirklich hinter dem Mord, und welchem Zweck dient die grausame Tat? Die Antwort könnte in dem Mysterium liegen, das seit Jahrtausenden im Sanktuarium bewahrt wird. Und nur durch dieses Mysterium könnte Ashton seinen Seelenfrieden zurückerlangen.

Mara Laue lebt als freie Berufsschriftstellerin und Künstlerin am Niederrhein. Ihre Hauptgenres sind Krimis, Science-Fiction-, Fantasy- und Gruselromanen sowie Lyrik und Theaterstücke. Sie ist Mitglied der 'Mörderischen Schwestern - Vereinigung deutschsprachiger Krimiautorinnen' und im 'Syndikat - Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur'. Weitere Infos unter www.mara-laue.de
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2


rigorij Timofejewitsch Saizew starrte auf den Bildschirm des Überwachungsterminals. Der junge Söldner, der davor saß und die Einstellungen der Reihe nach testete, beachtete ihn nicht. Hätte er sich ablenken lassen, Saizew hätte ihn auf der Stelle diszipliniert. Er hatte schließlich nicht Jahre damit zugebracht, aus allen Teilen des Landes die Besten der Besten unter den Söldnern zu einer schlagkräftigen MiniArmee zu formen, um die Mission durch die Nachlässigkeit eines seiner Leute zu gefährden, der nicht genug Disziplin und Konzentration aufbrachte. Erst recht nicht so kurz vor dem Ziel.

»Die Bewegungsmelder funktionieren einwandfrei, Kommandant. Ebenso die Wärmebildkameras und Infrarotsensoren. Wenn wir die mit der Selbstschussanlage koppeln, wird jeder, der in das Lager einzudringen versucht, eine tödliche Überraschung erleben.«

»Sind Sie sicher, Soldat, dass das auch bei unseren speziellen Gegnern wirkt?«

Der junge Mann nickte. »Jawohl, Kommandant. Zumindest solange sie noch keine Erfahrung mit unserer Abwehr gemacht haben und gar nicht wissen, dass sie existiert. Danach ...« Er wiegte den Kopf. »Das muss sich zeigen.«

Grigorij schlug ihm die flache Hand gegen den Hinterkopf, packte sein Kinn und bog seinen Kopf nach hinten, dass er ihm in die Augen sehen musste. »Wir können aber nicht darauf warten, dass sich das , denn dann könnte es zu spät sein, Sie Idiot! Das System muss funktionieren. Bei den Typen, mit denen wir es zu tun haben, bekommen wir keine zweite Chance.«

»Jawohl, Kommandant. Ich könnte zusammen mit Stjepan Stjepanowitsch gewiss noch eine Modifikation vornehmen, um die Effektivität zu verbessern.«

»Tun Sie das.« Grigorij ließ ihn los. »Und nächstes Mal kommen Sie gefälligst selbst auf diese Idee.«

»Jawohl, Kommandant.«

Der Söldner machte sich an die Arbeit. Grigorij sah auf die Uhr. Es war fast vier. Es dämmerte bereits. Zeit sich auf den Weg zu machen. Er ließ seinen Fahrer einen der zivilen Wagen vorfahren, zog sich Zivilkleidung an und fuhr in die Stadt. Obwohl Turuchansk nur knapp hundert Kilometer entfernt war, dauerte die Fahrt über die verschneiten und teilweise vereisten Straßen Stunden. Doch Grigorij war sich sicher, dass der Mann, mit dem er sich treffen wollte, in jedem Fall auf ihn warten würde. Schließlich hatte er etwas zu verkaufen und würde kein Geld sehen, wenn er nicht wartete.

Grigorij ließ den Wagen auf dem Parkplatz des einzigen Kinos im Ort stehen, wo er unter den anderen Wagen kaum auffiel. Es war Wochenende, und die Hafenarbeiter, Ölarbeiter und Jäger amüsierten sich mit den wenigen Vergnügungen, die der 5000SeelenOrt an der Mündung des Unteren Tunguska in den Jenissej zu bieten hatte. Grigorij ging den Rest des Weges zu Fuß. Dabei achtete er darauf, nicht den direkten Weg zu nehmen und vergewisserte sich mehrfach, dass ihm niemand folgte. Die Vorsichtsmaßnahme erwies sich als unnötig, aber man konnte nie vorsichtig genug sein.

Er betrat das , eine Kneipe, die ihrem Namen – Bierfass – alle Ehre machte. Der Unterbau der Theke bestand ebenso aus leeren Bierfässern wie die Standbeine der Tische. Anstatt Stühlen gab es Fässer, auf denen man sitzen konnte. Grigorij sah sich unauffällig um, bevor er zur Theke ging und Wodka bestellte. Mit dem Glas in der Hand setzte er sich an einen freien Tisch, zog ein Päckchen Karten und eine Packung Zigaretten aus der Tasche und zündete sich eine an. Genussvoll sog er den Rauch in die Lunge, ehe er die Karten mischte und wie eine Wahrsagerin auszulegen begann.

Ein hagerer Mann trat zu ihm. »Verheißen die Karten eine gute Zukunft?«

»Vor allem eine erfolgreiche.«

Der Mann setzte sich. »Wie sieht wohl meine Zukunft aus?«

»Kommt darauf an.«

Grigorij mischte die Karten erneut und sah dem Mann in die Augen, die von einem auffallenden Gelbbraun waren. »Was haben Sie für mich, Pawel Jefimowitsch?« Er bewegte kaum die Lippen und flüsterte so leise, dass kein Mensch es über dem Geräuschpegel im Raum hören konnte. Sein Gegenüber verstand trotzdem jedes Wort mit seinem nichtmenschlichen Gehör.

»Einen Plan.« Pawel Jefimowitsch Petrov sprach gerade laut genug, dass Grigorij ihn verstehen konnte. Er legte ebenfalls eine Zigarettenschachtel von derselben Marke wie Grigorijs neben dessen auf den Tisch. »Er weist Ihnen den Weg zum Sanktuarium.«

»Ist er wirklich dort?«

Petrov nickte.

»Haben Sie ihn mit eigenen Augen gesehen?«

Petrov schnaubte. »Natürlich nicht. Ich gehöre nicht zu der illustren Truppe, die das Heiligtum betreten dürfte. Außerdem wäre es hinsichtlich unserer Pläne ungünstig, wenn mich jemand in der Nähe sähe. Aber jeder weiß, dass die verdammten Blutsauger ihren Tempel nur wegen dessen, was sich darunter befindet, in dieser gottverlassenen Einöde gebaut haben.« Er machte eine wegwerfende Handbewegung. »Die Vampire sind nicht wie meine Leute, die sich in der Wildnis wohlfühlen. Könnten sie den Schatz an einen anderen Ort bringen, hätten sie das längst getan und sich in einer Gegend mit einem angenehmeren Klima niedergelassen.« Er nickte nachdrücklich. »Solange die Blutsauger bleiben, ist dort auch der Schatz. Verlassen Sie sich drauf.«

Grigorij akzeptierte das. Immerhin lebte Petrov sehr viel länger in dieser Gegend, als Grigorij schon auf der Welt war. Er kannte sich hier aus.

»Wie wollen Sie vorgehen?«

Sein Gegenüber grinste. »Mit der bewährten Methode, Zwietracht zu säen und dann in aller Ruhe zuzusehen, wie die Vampire und die Werwölfe sich gegenseitig zerfleischen. Wenn alles vorüber ist, sind beide Parteien so sehr geschwächt, dass wir mit den Überlebenden leichtes Spiel haben. Denen präsentieren wir einen Köder, der sie direkt zu Ihrem Camp und in Ihre tödlichen Fallen locken wird.«

Das bedeutete aber auch, dass es noch Wochen dauern würde, bis Grigorij die Früchte ernten konnte. Außerdem würde Petrov sich bei der ganzen Angelegenheit im Hintergrund halten. Das erforderte einen gesonderten – und besonderen – Plan, ihn hinterher auszubooten. Denn natürlich war der Werwolf nicht dumm, kannte fast alle Tricks und rechnete bestimmt damit, dass sein gegenwärtiger Verbündeter Grigorij Saizew einen Plan B in der Hinterhand hatte.

Hier kam es Grigorij zugute, dass Petrov schon so alt war und die meiste Zeit seines Lebens in den Wäldern verbracht hatte. Seine Kenntnisse über die heutigen technischen Möglichkeiten waren deshalb eingeschränkt. Ein Grund, warum er sich überhaupt mit Grigorij und seinen Söldnern verbündet hatte, statt in Eigenregie das Sanktuarium der Vampire zu erobern. Es gab noch einen anderen Grund, aber über den redete Petrov nicht.

»Wie lange wird das dauern?«

Der Werwolf verzog geringschätzig das Gesicht. »Ihr Menschen seid immer so ungeduldig.«

»Das liegt wahrscheinlich daran, dass unser Leben höchstens siebzig oder achtzig Jahre währt und nicht ewig«, konterte Grigorij.

»Und doch geht ihr mit eurem kurzen Leben so sorglos und verschwenderisch um, als hättet ihr noch zwei weitere zur Verfügung, wenn das eine endet.« Petrov griff nach der Zigarettenpackung, zog sich eine heraus und zündete sie an. Tief inhalierte er den Rauch. »Wir müssen an zwei Fronten gleichzeitig tätig werden. Denn sobald gewisse Leute mitbekommen, dass hier etwas vor sich geht, bekommen wir Schwierigkeiten, die wir nicht gebrauchen können.«

Grigorij sah ihn misstrauisch an. »Was für Schwierigkeiten?«

»Sind Ihnen die Wächter ein Begriff?«

Grigorij schüttelte den Kopf. »Sagen Sie nur, der Quatsch, der in den Büchern von diesem Lukianenko von Wächtern der Nacht und des Tages steht, wäre real.«

Petrov schüttelte den Kopf. »Schlimmer. Die Wächter, von denen ich spreche, sind eine gut organisierte Polizeitruppe, die gnadenlos jeden Verstoß gegen die Gesetze ahndet. Gesetze, nicht die der Menschen. Erst vor einem Jahr haben sie ein Exempel statuiert, das sich gewaschen hatte. Damit das nächste Exempel nicht an uns statuiert wird, müssen wir dafür sorgen, dass die Wächter erst gar nichts davon erfahren, was hier vor sich geht.«

Grigorij verzog geringschätzig das Gesicht. Mit Sicherheit spekulierte der Werwolf darauf, dass er und seine Leute für diese zusätzlich Mühe einen größeren Anteil von dem Schatz erhielten. Sollte er. Am Ende würde er in Silber entlohnt werden – in Form von Kugeln in seinen verflohten Wanst, denn Silber tötete sowohl Werwölfe wie auch Vampire.

»Wenn Sie dafür meine Hilfe brauchen ...«

»In der Tat.« Petrov deutete mit dem Kinn auf die Zigarettenschachtel, die er Grigorij hingeschoben hatte. »Darin finden Sie auch die Adresse und ein Foto von Mihail Sergejewitsch Wolkov, dem für diese Gegend zuständigen Wächter. Lassen Sie ihn von einem Ihrer Heckenschützen beseitigen. Dann kann er uns nicht in die Quere kommen. Aber Ihr Mann soll verdammt genau darauf achten, dass er ihn entweder in den Kopf oder direkt ins Herz trifft. Wolkov ist einer unserer Ältesten und nicht zu unterschätzen.«

Grigorij kippte seinen Wodka hinunter und winkte den Wirt an den Tisch, um ihm nachzuschenken und Petrov ebenfalls ein Glas zu bringen. Er wartete, bis der Mann wieder gegangen war.

»Warum lassen Sie das nicht einen Ihrer eigenen Leute erledigen, Pawel Jefimowitsch?«

Der Werwolf sog an seiner Zigarette und stieß den Rauch durch die Nase aus, ehe er einen Schluck Wodka trank und das Gesicht verzog. »Der Wodka ist auch nicht mehr das, was er mal war.« Er schüttelte den Kopf. »Meine Leute können das aus zwei Gründen nicht tun. Genau wie Vampire spüren wir jeden Artgenossen im Umkreis von mehreren Kilometern. Wenn...


Mara Laue lebt als freie Berufsschriftstellerin und Künstlerin am Niederrhein. Ihre Hauptgenres sind Krimis, Science-Fiction-, Fantasy- und Gruselromanen sowie Lyrik und Theaterstücke. Sie ist Mitglied der "Mörderischen Schwestern - Vereinigung deutschsprachiger Krimiautorinnen" und im "Syndikat - Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur". Weitere Infos unter www.mara-laue.de



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