Laurens | Eine Lady riskiert alles | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 624 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

Laurens Eine Lady riskiert alles

Historischer Liebesroman
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-95576-886-7
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Historischer Liebesroman

E-Book, Deutsch, 624 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

ISBN: 978-3-95576-886-7
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Neville Roscoe ist ein Mann, der nach seinen eigenen Regeln lebt und sich nicht um sein Ansehen in der Gesellschaft kümmert. Ungezügelt frönt der Besitzer mehrerer Spielhöllen seinen Leidenschaften. Ursprünglich hat er dieses Leben in der verruchten Halbwelt Londons nur gewählt, um seine Familie vor dem Ruin zu retten. Doch die Rückkehr in die feine Gesellschaft bleibt dem Adeligen nun verwehrt. Als die unbescholtene Lady Miranda Clifford ihn unversehens um Hilfe bittet, zögert er nicht, ihr wie ein echter Gentleman zur Seite zu stehen. Je mehr Zeit er in ihrer Nähe verbringt, desto verlockender wird der Gedanke, seine lasterhafte Vergangenheit hinter sich zu lassen ...
»Eine witzige und charmante Story, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite begeistern wird.«
Kirkus Reviews



Stephanie Laurens wurde in Ceylon (dem heutigen Sri Lanka) geboren. Sie begann mit dem Schreiben, um ihrem wissenschaftlichen Alltag zu entfliehen. Bis heute hat sie mehr als 50 Romane verfasst und gehört zu den erfolgreichsten Autorinnen historischer Liebesgeschichten. Die preisgekrönte New York Times-Bestsellerautorin lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Melbourne.

Laurens Eine Lady riskiert alles jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


1. Kapitel

Zwölf Jahre später

London, Oktober 1823

Miranda Clifford blieb im Schatten einiger Bäume stehen und beobachtete, wie ihr jüngerer Bruder Roderick über eine gepflegte Rasenfläche zielstrebig zu der prächtigen, im Mondlicht weiß schimmernden Villa marschierte.

Sie selbst war zu beiden Seiten von dichtem Gebüsch und alten Bäumen schützend umgeben, die das Haus wie im Schoß von Mutter Natur bargen. Ein leichter Wind ging, ein Lüftchen nur, ein leiser Hauch, der die feinen Strähnen, die sich aus ihrem Chignon gelöst hatten, ihren Nacken kitzeln ließen.

Reglos stand sie da, den Blick auf Roderick gerichtet, der nun ohne Zögern die drei Stufen zur Terrasse hinaufging und durch eine verglaste Tür das Haus betrat. Lautlos schloss die Türe sich hinter ihm.

»Verflixt!« Miranda starrte zu der Tür, als wollte sie ihren Bruder zur Umkehr bewegen. Es war noch schlimmer als befürchtet.

Drei Wochen war es her, seit ihr das erste Mal aufgefallen war, dass Roderick sich spätabends heimlich aus dem Haus stahl. Sie hatte sich damit zu beruhigen versucht, dass derlei nächtliches Treiben bei einem jungen Gentleman von dreiundzwanzig Jahren ganz normal und nicht der Rede wert sei. Andererseits hatte sie besagte dreiundzwanzig Jahre damit zugebracht, ihren Bruder vor Unbill zu bewahren; ihn zu beschützen war ihr in Fleisch und Blut übergegangen, das konnte man nicht einfach von heute auf morgen ablegen. Und weil es ihr so schwerfiel, hatte sie einen Pakt mit sich geschlossen: Einmal wollte sie ihm heimlich folgen, nur um sich zu vergewissern, dass er sich – wohin er auch ging, was immer er tat – nicht in Gefahr begab.

Nicht, dass sie ihm nicht vertraut hätte; sie wollte einfach nur Gewissheit. Wenn sich herausstellte, dass ihre Sorge unbegründet war, würde sie sofort wieder nach Hause gehen, und Roderick bräuchte nie davon zu erfahren.

Vor zehn Minuten war sie ihm daher die dunkle Treppe hinuntergefolgt, durch das nachtschlafende Haus an der Claverton Street, Pimlico, das sie sich mit ihrer Tante teilten. Die Standuhr auf dem Treppenabsatz hatte zwanzig Minuten vor elf gezeigt. Sie war Roderick in das Morgenzimmer gefolgt, über den Rasen und durch das Gartentor, das auf die kleine Gasse hinter dem Haus führte. Ihr nach der neuesten Mode kurz gefasstes Cape fest um sich gezogen und das Retikül an sich gedrückt, hatte sie sich im Schutz der Dunkelheit wie ein Schatten an seine Fersen geheftet. Ihre Verwunderung, dass er sich an die schmalen Durchgänge hielt, statt einfach zur Straße zu gehen, fand nach gut fünf Minuten strammen Fußmarschs eine Erklärung, als Roderick vor einem in eine hohe Mauer eingelassenen Gartentor haltmachte und ohne sich umzusehen hindurch verschwand.

Miranda zögerte kurz, dann folgte sie ihm. Zuerst war ihr nicht bewusst, in wessen Garten sie sich da schlich, doch sowie sie das Haus sah, diesen stattlichen Bau mit all seiner Pracht, wusste sie Bescheid. »Was, zum Teufel, hat er bei Neville Roscoe verloren?« Die Frage enthielt bereits die Antwort. Neville Roscoe war ihr wohl berühmtester, auf jeden Fall aber berüchtigtster Nachbar. Er war Londons unangefochtener Glücksspielkönig und nannte zahlreiche Spielhallen und Clubs sein Eigen, in denen eine durch die Bank gut betuchte, aristokratische Klientel verkehrte. Glücksspiel war das bevorzugte Laster der besseren Gesellschaft, und Roscoe schien ein Meister darin zu sein, den von Gier Getriebenen zu geben, wonach sie verlangten.

Es hieß, er sei dadurch zu einem beachtlichen Vermögen gekommen und verfüge über nicht minder beachtlichen Einfluss in allen Sphären der Gesellschaft. Als leicht anrüchig galt er, aber nicht als kriminell. Ihm war das nebulöse Reich zwischen ton und Unterwelt vorbehalten; den einen Tag verkehrte er mit dem Hochadel, den nächsten mit den Paten der Demimonde und schaffte es doch, sich von keiner dieser Welten vereinnahmen zu lassen.

Im Grunde war Roscoe ein Rätsel und lebte nach seinem eigenen Gesetz.

Er hatte bereits hier gewohnt, in der weißen Villa an der Chichester Street mit Blick über den baumbestandenen Dolphin Square bis hinab zur Themse, als Roderick vor einem Jahr das gleich um die Ecke gelegene Haus an der Claverton Street kaufte. Binnen Tagen nach ihrem Einzug hatte Miranda quasi alles über den berühmt-berüchtigten Nachbarn gewusst.

Mit eigenen Augen gesehen hatte sie ihn indes noch nie, und sie war auch nicht sonderlich erpicht darauf.

»Elender Schuft.« Sie war sich nicht sicher, ob sie Roderick oder Roscoe meinte; dass ihr Bruder sich im Spiel versuchte, war zwar nicht verwunderlich, aber … Ihre Lippen wurden schmal. »Sich mit Roscoe einzulassen, kann er sich nicht leisten.«

Was nicht hieß, dass er sich derlei nicht leisten konnte. Ihr Bruder war ein vermögender junger Mann, der auch auf Roscoes Niveau finanziell mitzuhalten vermochte. Aber sein Reichtum verdankte sich dem Handel, es war kein altes Geld, das über Generationen weitergereicht worden war. Und das, so war es ihr und ihrem Bruder zeitlebens eingebläut worden, hieß, dass sie beide, weit mehr als jene, die von Stand geboren waren, über jeden Zweifel erhaben sein mussten und tadellose Respektabilität zu wahren hatten.

Roderick in Roscoes Haus verschwinden zu sehen hatte sofort den Geist ihrer älteren Schwester Rosalind heraufbeschworen. Sie drei waren als Kinder zu Waisen geworden, und Rosalind war mit Roderick und Miranda bei ihren beiden unverheirateten Tanten aufgewachsen. Rosalind waren dieselben Lektionen, dieselbe unnachgiebige Strenge zuteilgeworden, aber mit sechzehn Jahren hatte sie schließlich begonnen aufzubegehren. Sie war mit fahrendem Volk davongelaufen und zwei Jahre später ausgezehrt und am Ende ihrer Kräfte zurückgekehrt.

Rosalinds Tod war ebenso tragisch wie der ihrer Mutter, die einst mit ihrem Vater durchgebrannt war, einem Fabrikantensohn. Und beides sollte ihnen ständige Ermahnung sein: Wann immer jemand aus ihrer Familie den schmalen Pfad der Tugend und Respektabilität verließ, waren Ruin und ein früher Tod die Folgen. Miranda wollte weder, dass Roderick jung sein Leben ließ, noch wollte sie, dass seine Zukunft eine anderweitig tragische Wendung nahm. Stillschweigend nach Hause zu gehen und ihn seinem Schicksal zu überlassen, das kam somit nicht infrage.

Im Schutz der Dunkelheit pirschte sie sich über den Rasen zum Haus und besagter Tür. Im Geiste malte sie sich aus, welche Ausschweifungen sie dahinter finden würde – ihre Fantasie reichte von hochriskantem, ruinösem Spiel bis zu … Orgien? Ihre Vorstellung einer Orgie war recht begrenzt, aber nach allem, was sie gehört hatte, durchaus wahrscheinlich. Frauen gehörten bei Roscoes Veranstaltungen ganz selbstverständlich dazu; seine Clubs waren bekannt für das zahlreich vertretene weibliche Personal.

Wenn ich Glück habe, kann ich mich unbemerkt daruntermischen – zumindest bis ich Roderick gefunden habe. Sie wirkte erfahren genug, das war einer der Vorteile, die erste Blüte hinter sich zu haben. Auf der Terrasse angekommen, sah sie an ihrem violettblauen Promenadenkleid hinab, das sie unter dem Cape trug. Abendgarderobe war es nicht gerade, aber elegant genug, sie als Angehörige der Oberschicht auszuweisen. Jetzt, da sie schon mal hier war, würde sie keinen Rückzieher machen. Sie wollte ja bloß bleiben, bis sie Roderick gesichtet hatte und er sie; das sollte genügen, um ihn zur Besinnung zu bringen. Und dann würde er sie nach Hause begleiten – so wie es sich gehörte.

Mit zwei Schritten war sie bei der Tür, öffnete sie und trat ein. Vor ihr erstreckte sich ein dunkler Korridor. Erst als sie die Türe leise hinter sich schloss, fiel ihr auf, wie seltsam still es war. Auch dass das Haus quasi im Dunkeln lag, war merkwürdig. Vom Garten aus hatte sie die gesamte Rückfassade überblicken können, doch in keinem der Fenster hatte ein Licht gebrannt, nichts deutete auf eine Feier hin, nicht einmal auf eine der gediegenen Art. Sämtliche ihrer Sinne hellwach, blieb sie an der Tür stehen und versuchte sich erst einmal zu orientieren.

Da das Grundstück zur Chichester Street hin abfiel, befand sich der rückwärtige Garten in erhöhter Lage und sie sich somit im ersten Stock und nicht im Erdgeschoss, das nach vorn zur Straße hinausging. Vermutlich wurde die Geselligkeit in einem der Empfangsräume eine Etage tiefer abgehalten. Sie spitzte die Ohren und lauschte, konnte aber nicht einmal gedämpfte Geräusche vernehmen.

Leicht irritiert begann sie, den langen Korridor hinabzugehen. Wenn Roderick durch diese Tür ins Haus gelangt war, musste auch er diesen Weg genommen haben, denn einen anderen gab es nicht, sah man von vereinzelten Räumen ab, die links und rechts des Flurs abgingen und hinter deren verschlossenen Türen es gleichfalls dunkel und still war. Mit jedem Schritt wurde Miranda ihrer Umgebung mehr gewahr. Es herrschte eine erstaunlich gediegene Atmosphäre, alles schien solide und geschmackvoll zu sein. Alt war das Haus indes nicht; es hieß, Roscoe habe es nach seinen Vorstellungen erbauen lassen. Vielleicht erklärte das die hochwertige Ausstattung, die sie im Halbdunkel mehr erahnte denn sah. Jede Linie, jede Form zeugten von zurückhaltender Eleganz, ergänzt nur von einem Hauch Luxus in Draperie und Dekor. Ihr blieb keine Zeit, stehen zu bleiben und sich umzusehen, aber die gerahmten Gemälde an den Wänden bemerkte sie dennoch. Es schienen Originale zu sein – und von recht namhaften Künstlern noch dazu.

Sie fragte sich, ob die solide Bauweise des Hauses die seltsame Stille erklärte. Vielleicht...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.