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E-Book, Deutsch, Band 2487, 64 Seiten

Reihe: Fürsten-Roman

Lausitz Fürsten-Roman 2487

Ein Cafébesuch mit Folgen ...
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-2051-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Cafébesuch mit Folgen ...

E-Book, Deutsch, Band 2487, 64 Seiten

Reihe: Fürsten-Roman

ISBN: 978-3-7325-2051-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Weil Wiebeke etwas Abwechslung in das eintönige Leben ihrer Freundin Prinzessin Alexandra bringen will, schreibt sie in deren Namen eine Flaschenpost, die sie noch am selben Tag auf Reisen schickt. Die junge Frau kann nicht glauben, dass sich bald darauf tatsächlich ein Mann bei ihr meldet, der die Flaschenpost gefunden hat. Kurzerhand arrangiert Wiebeke für die Freundin ein Treffen mit dem Fremden. Mit Prinzessin Alexandra verabredet sie sich unter einem Vorwand.

Ahnungslos macht sich Alexandra von Haldersee wenige Tage später zu dem kleinen Café in der Innenstadt auf. Dort angekommen staunt sie nicht schlecht, als plötzlich anstelle ihrer Freundin ein sehr attraktiver junger Mann vor ihr steht, der sich als Tim Beeckmann vorstellt. Die beiden kommen ins Gespräch und verstehen sich auf Anhieb sehr gut. Weder Prinzessin Alexandra noch Tim ahnen in diesem Moment, dass diese Begegnung ihr Leben für immer verändern wird ...

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»Etwas weiter nach backbord! Auf die gelbe Tonne dort hinten zu!«

Wiebeke Hansen richtete sich auf und hielt mit einer Hand ihre wilden, roten Locken aus dem Gesicht. Sie blickte zu ihrer Freundin Alexandra, die konzentriert am Ruder des hübschen Holz-Motorbootes saß, das gemächlich über die Wellen tuckerte.

»Backbord?« Alexandra sah verwirrt zu Wiebeke. »Aber die gelbe Tonne ist doch, von mir aus gesehen, links.«

»Sage ich doch: backbord.« Wiebeke lachte. »Eine Seemannsbraut bist du ja nicht gerade. Dabei dachte ich, dass euch in euren Kreisen der Umgang mit noblen Jachten quasi in die Wiege gelegt wird.«

»Sehr witzig.« Alexandra verzog ihr schmales, zartes Gesicht, aus dem ihre großen, dunkelblauen Augen leuchteten. Auch ihr wehten ihre glatten, dunklen Haare um die Ohren, die sie halb lang trug.

»In unseren Kreisen«, machte Alexandra jetzt ihre Freundin nach. »Klar, in unseren Kreisen spielen wir von Geburt an Golf, reiten und segeln und donnern mit teuren Motorjachten über das Wasser. Allerdings mit richtigen Motorjachten.« Alexandra sah sich spöttisch um. »Nicht mit solch jämmerlichen Nussschalen wie dieser hier.«

»Eure Hoheit können gern aussteigen, wenn mein bescheidener Kahn Euch nicht zusagt«, gab Wiebeke schnippisch zurück – und dann brachen die beiden jungen Frauen in fröhliches Gelächter aus. Dass Alexandra tatsächlich eine Prinzessin von Haldersee war, sorgte für ständige Witzeleien zwischen ihr und ihrer besten Freundin.

Alexandra schätzte es sehr, dass Wiebeke von diesem Titel und Alexandras familiärem Hintergrund nicht im Geringsten beeindruckt war. Sie wusste, dass Wiebeke sie um ihrer selbst willen mochte, und Alexandra hätte die Freundschaft zu der großen, schlanken Rothaarigen, die immer leger in Jeans und Lederjacke unterwegs war, auf keinen Fall missen wollen.

»Wir fahren ganz entspannt dahinten zu dem Anleger.« Wiebeke wies zum Horizont. »Dort machen wir das Boot fest, und dort bekommen wir sicher auch irgendwo einen Kaffee und ein Stück Kuchen.«

Sie wühlte erneut in einer der Kisten herum, in denen sich die Schwimmwesten, die Rettungsringe und andere wichtige Ausrüstungsgegenstände befanden.

»Was suchst du eigentlich die ganze Zeit?« Alexandra sah Wiebeke fragend an, konzentrierte sich jedoch rasch wieder auf den richtigen Kurs.

Es war Wiebekes Idee gewesen, mit dem Boot ihrer Eltern einen kleinen Ausflug zu machen. Alexandra hatte begeistert zugestimmt, dann aber schnell eingesehen, dass sie an Bord noch eine Menge zu lernen hatte.

»Eigentlich müsste hier ein kleiner Anker verstaut sein.« Wiebeke kramte weiter. »Aber ich kann ihn einfach nicht finden. Vielleicht ist es das hier …« Überrascht hielt sie einen grünen Gegenstand in die Höhe.

Alexandra erkannte eine offenbar sehr alte Glasflasche mit einem Bügelverschluss.

»Schon so durstig?«, zog sie Wiebeke auf.

»Unsinn.« Die Freundin schüttelte den Kopf. »Die Flasche ist leer. Und sie sieht so aus, als wäre sie schon seit mindestens fünfzig Jahren leer.« Sie musterte ihren Fund prüfend. »Eine echte Antiquität, wenn du mich fragst.«

»Ich frage dich aber nicht.« Alexandra sah wieder geradeaus. Der blaue Himmel spiegelte sich im leicht gekräuselten Wasser, einige Schäfchenwolken zogen in Richtung Horizont. Zahlreiche Segelboote dümpelten vor sich hin. »Du bist Redakteurin beim Stadtmagazin. Es wäre mir neu, dass dich das als Gutachterin für altes Glas qualifiziert.« Entschlossen zog Alexandra das Ruder ein wenig zu sich heran.

»Man weiß nie.« Wiebeke dachte nach, dann erhellte sich ihr Gesicht. »Du könntest etwas darauf malen, etwas Ausgefallenes, Edles. Dann wäre die Flasche bestimmt viel wert!«

»Unsinn.« Alexandra zog die Nase kraus. »Das ist Glas, und ich bin Porzellanmalerin, wie du weißt. Abgesehen davon, glaubst du, du wirst mit dieser Flasche reich, wenn ich sie mit blauen Ranken und einem springenden Fisch verziere?«

»Nein, wohl eher nicht.« Wiebeke seufzte. »Da hilft dann nicht einmal das schöne ›GH‹ weiter, wenn du es darunter setzt.«

Diese Anspielung auf ihr Familienerbe ließ Alexandra unkommentiert. GH stand für »Gut Haldersee«, wo sie mit ihrer verwitweten Mutter Helena Fürstin von Haldersee lebte.

Die Initialen GH waren international bekannt bei allen, die etwas von gutem Porzellan verstanden, denn in der Halderseer Manufaktur wurde seit zweihundertfünfundzwanzig Jahren edles Geschirr produziert und bemalt. Die Halderseer Muster orientierten sich am klassischen niederländischen Design, wiesen aber ihre eigenen Besonderheiten auf. Das Markenzeichen war ein springender Fisch im berühmten Halderseer Blau, der auf allen Tassen, Tellern, Platten und Schüsseln zu finden war.

Die Halderseer Manufaktur florierte. Fürstin Helena führte die Geschäfte sehr erfolgreich. Ihre Tochter Alexandra hatte sich aber schon als Kind viel mehr für den handwerklichen als für den betriebswirtschaftlichen Aspekt des Familienunternehmens interessiert und sich nach der Schule für eine Ausbildung zur Porzellanmalerin entschieden. Sie war damit die Erste aus dem Fürstengeschlecht Haldersee, die diesen Beruf ergriffen hatte.

Fürstin Helena war mit der Wahl ihrer Tochter einverstanden: Sie war trotz ihrer adligen Herkunft eine moderne, aufgeschlossene Frau und froh darüber, dass sich ihr einziges Kind der Manufaktur so verbunden fühlte.

»Jetzt habe ich aber eine super Idee! Halt dich fest!« Wiebeke sprang auf und schwenkte die grüne Flasche triumphierend vor Alexandra hin und her.

»Wir schreiben eine Flaschenpost. Das ist es! Eine romantische Flaschenpost, die über die Wellen den Weg zum Prinzen deines Herzens finden wird und …«

»Hör schon auf.« Alexandra winkte ab. »Eine Flaschenpost. In welchem Jahrhundert lebst du denn? Außerdem glaube ich kaum, dass es heutzutage noch erlaubt ist, Altglas im Meer zu entsorgen.«

»Altglas, ha! Damit bringe ich eine Eins-a-Kontaktanzeige für dich in Umlauf, du wirst schon sehen.« Wiebekes Wangen glühten vor Aufregung.

»Vergiss es. Nein!«, erklärte Alexandra entschieden, als sie Wiebekes strahlende, grüne Augen sah. »Im Übrigen bin ich verlobt, das dürfte dir eigentlich bekannt sein. Du kannst ja für dich selbst eine Kontaktanzeige in die alte Flasche stecken, wenn dir so viel daran liegt.«

»Ach was, ich brauche das nicht. Mir rennen ohnehin schon genug Männer hinterher.« Wiebeke machte eine wegwerfende Geste. »Du bist diejenige, die frischen Schwung braucht, neue Impulse. Sonst landest du am Ende tatsächlich noch mit Prinz Valium vor dem Altar.«

»Nenn ihn nicht ›Prinz Valium‹. Das ist nicht nett.« Alexandra versuchte, streng zu gucken, aber sie konnte sich ein Lächeln kaum verkneifen.

Gleich nach ihrer ersten Begegnung mit Christian Prinz von Wehlburg hatte Wiebeke ihm diesen Spitznamen verpasst und Christian auch schon direkt damit angesprochen. Er hatte es mit Humor genommen, auf seine freundliche, besonnene Art, wie er überhaupt das ganze Leben freundlich und besonnen zu meistern schien.

Alexandra seufzte und verlor sich in Gedanken. Sie kannte den sieben Jahre älteren Prinzen von Wehlburg praktisch seit ihrer Geburt. Sie und Christian waren immer gute Freunde gewesen. Es gab nur wenige Menschen, denen sich Alexandra so anvertrauen konnte wie ihm.

Christian war groß, gut aussehend, sportlich, stets korrekt gekleidet und ausgezeichnet erzogen. Eine Verlobung mit ihm schien nur folgerichtig zu sein, also hatten Alexandra und Christian diese vor einem halben Jahr gefeiert. Allerdings ohne Wiebekes Segen.

»Kein Feuer, keine Romantik, keine Liebe – lass es«, hatte sie Alexandra geraten. »Willst du für den Rest deines Lebens neben deinem besten Freund einschlafen? Da kannst du dich ja gleich mit mir verloben!«

Ausnahmsweise aber hatte Alexandra nicht auf Wiebeke gehört. Eine standesgemäße Verbindung war sie ihrer Familie, ihrer verwitweten Mutter und dem Gut schuldig, glaubte die Prinzessin. So gesehen war Christian die beste Wahl, die sie hatte.

»Ich nenne ihn so lange Prinz Valium, wie ich möchte.« Brummend kletterte Wiebeke mit der Flasche in die Kajüte hinunter. »Warte es nur ab, Prinzessin«, murmelte sie vor sich hin. Ein Stück Papier und ein Kugelschreiber waren schnell gefunden. »So«, flüsterte Wiebeke, überlegte kurz und schrieb los:

Einsame Prinzessin sucht fröhlichen Begleiter für romantische Spaziergänge bei Sonne und Regen. Bei Interesse freue ich mich über eine E-Mail.

Kritisch musterte Wiebeke diese Zeilen.

»Na gut.« Sie zuckte mit den Schultern. »Kein Shakespeare, aber egal.« Schnell kritzelte sie noch ihre E-Mail-Adresse und ihren Spitznamen »Sonnenschein333« darunter, rollte das Papier zusammen, steckte es in die Flasche und verschloss diese sorgfältig mit dem Bügel.

»Was machst du da unten?«, rief Alexandra.

»Nichts, ich komme gleich«, gab Wiebeke zurück.

Sie öffnete eines der winzigen Bullaugen an der Seite und warf die Flaschenpost hinaus. Ein leises Platschen kündete davon, dass die Flasche im Wasser gelandet war.

***

Der auflandige Wind der vergangenen Nacht hatte eine Menge Seegras an den Strand gespült, das sich jetzt zu großen Haufen auftürmte. Vereinzelt ließen sich Möwen darauf nieder und suchten nach Muscheln, bis sie vor Spaziergängern davonflogen.

Zwei Menschen hatte der frische Wind an...



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