E-Book, Deutsch, Band 0180, 448 Seiten
Reihe: Julia Bestseller
Lawrence Julia Bestseller Band 180
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-0737-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 0180, 448 Seiten
Reihe: Julia Bestseller
ISBN: 978-3-7337-0737-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
PALAST DER SINNLICHEN TRÄUME von LAWRENCE, KIM
Heißes Begehren erwacht in Scheich Rafik, als er Gabby im Palast begegnet. Doch dieses Gefühl sollte er besser ignorieren! Da er angeblich nicht mehr lange zu leben hat, und die junge Lehrerin seinen Bruder heiraten soll, darf er sich nicht nach ihrer Liebe sehnen - oder?
KALTE RACHE - HEIßE KÜSSE von LAWRENCE, KIM
Ein Blick in die Augen des sexy Fremden, und Becca vergisst, warum sie sich auf die VIP-Party eingeschlichen hat. Erst nach der sinnlichen Nacht mit ihm wird sie ernüchternd daran erinnert. Denn der Unbekannte ist Christos Carides - ihr Feind, an dem sie sich rächen wollte!
KOMM MIT MIR NACH IRLAND von LAWRENCE, KIM
Auf einem Herrensitz in Irland steht Scarlet vor einer schweren Entscheidung: Während sie Roman O'Hagan liebt, scheint er sie nur aus Vernunftgründen heiraten zu wollen. Soll sie trotzdem Ja sagen - in der Hoffnung, dass Roman irgendwann ihre Gefühle erwidert?
Kim Lawrence, deren Vorfahren aus England und Irland stammen, ist in Nordwales groß geworden. Nach der Hochzeit kehrten sie und ihr Mann in ihre Heimat zurück, wo sie auch ihre beiden Söhne zur Welt brachte. Auf der kleinen Insel Anlesey, lebt Kim nun mit ihren Lieben auf einer kleinen Farm, die schon seit drei Generationen in Familienbesitz ist. Auf dem Eiland spricht man größtenteils walisisch - eine Herausforderung für Kim doch mit der Zeit lernte sie, diese schwierige Sprache fließend zu sprechen. Und auch mit der Einsamkeit auf dem idyllischen Fleckchen weiß Kim mittlerweile umzugehen: Packt sie die Sehnsucht nach der Großstadt, fährt sie mit der Fähre einfach ins nahe gelegene Dublin. Wenn sie nicht schreibt, verbringt Kim viel Zeit in ihrem Garten oder kocht. Auch joggen geht sie gern - am liebsten am Strand mit ihrem Terrier Sprout.
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1. KAPITEL
Er zog sein Leinenhemd wieder an und setzte sich rittlings auf den Stuhl. Dort, wo der helle Stoff auseinanderklaffte, wurde Rafiks gebräunter, muskulöser Oberkörper sichtbar. Dadurch, dass er fast sieben Kilo an Gewicht verloren hatte, traten die Muskeln noch deutlicher hervor.
Sein Gesicht verriet nichts von dem Sturm, der in ihm tobte. Gegen den Drang ankämpfend, den grauhaarigen Franzosen von seinem Stuhl zu zerren und zu schütteln, ballte er die Fäuste.
Der Mann log. Er musste einfach lügen!
Aber das stimmte nicht. Nicht nur, dass der Arzt gute zwanzig Jahre älter war als er. Rafik merkte es sofort, wenn ihn jemand anschwindelte. Und dieser Mann war ehrlich. Er sagte die Wahrheit. Eine bittere Wahrheit zwar, die niemand gern hörte, aber die Wahrheit.
Rafik würde seinen fünfzigsten Geburtstag nicht mehr erleben. Oder, genauer gesagt, nicht einmal seinen dreiunddreißigsten.
Nachdem das Rauschen in seinen Ohren ein wenig abgeklungen war, ermahnte er sich immer wieder: „Du musst die Dinge nehmen, wie sie kommen.“
Das war so leicht gesagt.
Jahrelang in Selbstdisziplin geübt, gelang es ihm, Ruhe zu bewahren. Eine eisige Ruhe. „Wie viel Zeit bleibt mir noch?“
Pierre Henri strich seinen Anzug glatt und stand langsam auf. Bei seinem Ansehen hatte er keinen weißen Kittel nötig, um sich Respekt zu verschaffen. Er durchquerte den Raum, nahm die Röntgenbilder vom Leuchtschirm und ließ sie in den Umschlag gleiten. Dabei suchte er nach den passenden Worten.
Einem Patienten niederschmetternde Diagnosen beizubringen war eine der Tätigkeiten in seinem Beruf, die er am wenigsten schätzte. Aber so etwas gehörte auch dazu, und Pierre Henri stand in dem Ruf, hierin sehr einfühlsam zu sein. Normalerweise hatte er in solchen Situationen keine Probleme, die richtigen Worte zu finden.
Er wusste, wie wichtig die Körpersprache war – es kam nicht nur darauf an, was man sagte, sondern auch, wie man es tat. Natürlich hatte er auch gelernt, dass man behutsam vorgehen und unbedingt das Positive betonen musste, auch wenn es in einer solchen Lage kaum etwas Positives zu sagen gab. Aber für den Kranken machte so eine Ermutigung einen riesigen Unterschied.
So unterschiedlich seine Patienten auch waren, aufgrund jahrelanger Erfahrung wusste Pierre Henri, wie er mit jedem Einzelnen zu sprechen hatte.
Selbstverständlich gab es auch Ausnahmen. Und dieser Mann ist eine davon, dachte er, als er sich wieder auf seinen Stuhl sinken ließ.
Der finstere Blick seines Gegenübers hielt seinen fest, und Pierre merkte, wie er nervös wurde. Er war ein angesehener Arzt und ließ sich normalerweise nicht verunsichern. Doch nun, als ihn der Kronprinz von Zantara mit unergründlichem Blick aus silbergesprenkelten Augen ansah, schien es, als hätten Arzt und Patient die Rollen vertauscht.
Obwohl Rafik Al Kamil gerade eben die schlimmste Diagnose überhaupt erfahren hatte, war er derjenige, der das Heft in der Hand hatte.
Pierre wusste, dass es sinnlos war, zu versuchen, sich in seinen Patienten hineinzuversetzen. Dieser Mann war undurchschaubar – und zudem ein Einzelgänger. Keine dieser Eigenschaften war in seiner Macht und seinem Reichtum begründet. Obwohl die königliche Familie von Zantara in dieser Hinsicht Pierres oftmals begüterte und einflussreiche Patienten bei Weitem übertraf.
Pierre war ratlos. Erschütterung, Nicht-wahrhaben-Wollen und Wut – die Reaktionen waren so unterschiedlich wie die Patienten. Alles das hatte er immer wieder erlebt. Aber in seiner ganzen beruflichen Laufbahn war ihm noch nie jemand untergekommen, der überhaupt nicht reagierte.
Wie war es möglich, jemandem zu helfen, der den Eindruck machte, als benötige er keine Unterstützung?
Oft wirkte es Wunder, jemanden zur rechten Zeit freundschaftlich an der Schulter zu tätscheln, aber in diesem Fall wäre diese Geste unangemessen gewesen. Sie konnte als Respektlosigkeit verstanden werden und wäre möglicherweise sogar Hochverrat.
„Ich muss Sie also drängen, Herr Doktor.“
Pierre zuckte zusammen und wurde rot.
Zum ersten Mal zeigte der Prinz eine Regung, und zwar Ungeduld. Diese Reaktion war einschüchternd. Das hier war keine Gleichgültigkeit, sondern …
Pierre schüttelte den Kopf, ihm fiel kein passendes Wort dafür ein. Er als Nichtbetroffener verspürte mehr Wut und Verbitterung, als dieser junge Mann zu empfinden schien. Nie hatte Pierre seinen Patienten solche niederschmetternden Diagnosen mitteilen können, ohne sich dabei schlecht zu fühlen. Noch schwerer traf es ihn, wenn die betroffene Person noch ihr ganzes Leben vor sich gehabt hätte, wenn der Patient in der Blüte seiner Jahre stand. Dann erschien es ihm weitaus tragischer und sinnloser.
Plötzlich kam dem Arzt in den Sinn, dass die Haltung des Prinzen vielleicht daher rührte, dass ihm nicht klar war, wie schlecht es um ihn stand. Er rückte seine Brille zurecht und sah den Anwärter auf den Thron von Zantara freundlich an. „Vielleicht habe ich mich undeutlich ausgedrückt, Prinz Rafik?“
„Ich muss zugeben, dass mir manche der medizinischen Fachausdrücke nicht geläufig sind.“
Das bezweifle ich, dachte der Franzose. Er ließ sich von der Äußerung nicht irreführen. Der intelligente Blick des jungen Prinzen war ihm von Anfang an aufgefallen. Und spätestens anhand der Fragen, die dieser ihm gestellt hatte, hatte er erkannt, dass sein Patient mit einem messerscharfen Verstand ausgestattet war.
„Bitte unterbrechen Sie mich, wenn ich mich irre“, begann Rafik und dachte dabei: Bitte unterbrechen Sie mich unbedingt. Lassen Sie das alles nur ein großes Missverständnis sein. „Ich habe eine seltene Erkrankung des Blutes, und zwar in einem so weit fortgeschrittenen Stadium, dass keine Hoffnung mehr auf Heilung besteht.“ Fragend hob er seine dunklen Brauen. „Gibt es sonst noch etwas, was ich wissen sollte?“
Pierre Henri räusperte sich. „Sie fragen sich sicherlich, warum es ausgerechnet Sie getroffen hat?“
Rafik stand auf, um seinen Hemdsaum in den Hosenbund zu stecken, und zuckte mit den Schultern. Er zögerte, bevor er antwortete.
Mit seinen zwei Metern erschien er dem sitzenden Pierre wie ein Riese. Breitschultrig, langbeinig und muskulös, wie er war, stach Rafik hervor, auch ohne sein makelloses Gesicht von klassischer männlicher Schönheit.
„Warum nicht ich?“ Warum sollte ausgerechnet er von den grausamen Launen des Schicksals ausgenommen sein? Es gab genügend Unschuldige, die ein wesentlich schlimmeres Los getroffen hatte, und er war nicht unschuldig. Aber er hatte noch eine Mission zu erledigen.
Wahrscheinlich dachte jeder in dieser Situation, dass er mehr Zeit brauchte. Aber bei Rafik war es wirklich so – er hatte keine Zeit zu verlieren.
„Da haben Sie natürlich recht. Eine sehr … gesunde Ansicht. Eine fabelhafte Haltung.“
„Also, wie viel Zeit bleibt mir noch?“
Der Arzt senkte den Kopf und blickte zu Boden. „Nun ja … das lässt sich nicht so genau sagen.“
Das bedeutete nichts Gutes. Rafik stellte sich auf das Schlimmste ein. „Und was würden Sie als Fachmann schätzen?“
„Wenn Sie wollen, können Sie eine zweite Meinung einholen.“
Viele Patienten, die mit einer so schrecklichen Diagnose konfrontiert wurden, taten das. Vor allem solche, deren finanzielle Mittel es zuließen, im Privatjet Ärzte aus Paris einfliegen zu lassen.
„Sind Sie nicht der Beste in Ihrem Fachgebiet?“
Rafik wusste, dass er eigentlich etwas hätte empfinden sollen … doch was? Hilflosigkeit, Wut, Resignation, nahm er an. Aber nach dem ersten Schreck in dem Moment, in dem er begriffen hatte, wie es um ihn stand, hatte er kaum etwas anderes empfunden als Eile. „Wie viel Zeit bleibt mir noch?“
„Das ist schwer einzuschätzen, aber ich würde sagen, sechs …“
Rafik bemerkte, wie unwohl dem Arzt zumute war, aber er hatte kein Mitleid mit ihm. Stattdessen steigerte sich seine Ungeduld. „Sechs – was? Tage? Wochen? Monate?“ In keinem dieser Fälle würde er genug Zeit haben, um seinen jüngeren Bruder auf die Rolle des Thronfolgers vorzubereiten.
„Sechs Monate.“
Nichts an der Haltung des jungen Mannes verriet, dass man ihm gerade eben sein Todesurteil verkündet hatte.
„Selbstverständlich verläuft die Krankheit nicht immer gleich. Und wenn Sie die Schmerztherapie, über die wir gesprochen haben …“
„Wird diese Therapie mich beeinträchtigen? Hat sie Einfluss auf mein Denkvermögen?“
Der Arzt bestätigte die Frage mit einem Kopfnicken. „Aber Sie könnten damit ein halbes Jahr an Zeit gewinnen.“
Rafik machte eine wegwerfende Handbewegung. „Kommt nicht infrage.“
„Ich kann Ihren Zustand wöchentlich überprüfen.“
„Wie Sie wünschen, Herr Doktor.“
„Es tut mir sehr leid, Hoheit.“
Auf diese Mitleidsbekundung reagierte der junge Mann mit einem kalten, verächtlichen Blick. „Das ist nett von Ihnen“, sagte er aufgesetzt lächelnd, bevor er sich entschuldigte und den Raum verließ.
Auf dem Gang konnte Rafik Al Kamil die Maske fallen lassen. All seine Gefühle drängten explosionsartig an die Oberfläche. Er stieß einen Fluch aus und schlug mit der Faust gegen die Wand.
Durch die halb geschlossenen Lider sah er noch immer das Mitleid im Gesicht des Franzosen. Mitleid! So etwas konnte und wollte er überhaupt nicht ertragen. Er schauderte bei dem Gedanken,...




