E-Book, Deutsch, 95 Seiten
Reihe: CORA Verlag
Lawrence Julia Extra Band 381 - Titel 2: So schön und doch so kalt
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7337-0402-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 95 Seiten
Reihe: CORA Verlag
ISBN: 978-3-7337-0402-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Schlossherr Cesare glaubt, dass die hübsche Privatlehrerin seiner Nichte eine rücksichtslose Herzensbrecherin ist. Um Anna trotz seiner wachsenden Gefühle auf Distanz zu halten, gibt er sich betont rüde. Er ahnt nicht, dass er sie mit einer anderen verwechselt …
Kim Lawrence, deren Vorfahren aus England und Irland stammen, ist in Nordwales groß geworden. Nach der Hochzeit kehrten sie und ihr Mann in ihre Heimat zurück, wo sie auch ihre beiden Söhne zur Welt brachte. Auf der kleinen Insel Anlesey, lebt Kim nun mit ihren Lieben auf einer kleinen Farm, die schon seit drei Generationen in Familienbesitz ist. Auf dem Eiland spricht man größtenteils walisisch - eine Herausforderung für Kim doch mit der Zeit lernte sie, diese schwierige Sprache fließend zu sprechen. Und auch mit der Einsamkeit auf dem idyllischen Fleckchen weiß Kim mittlerweile umzugehen: Packt sie die Sehnsucht nach der Großstadt, fährt sie mit der Fähre einfach ins nahe gelegene Dublin. Wenn sie nicht schreibt, verbringt Kim viel Zeit in ihrem Garten oder kocht. Auch joggen geht sie gern - am liebsten am Strand mit ihrem Terrier Sprout.
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2. KAPITEL
Es war einzig und allein ihrem Stolz zu verdanken, dass Anna es schaffte, lächelnd und mit erhobenem Haupt den Raum zu verlassen. Nein, sie wollte Cesare Urquart nicht auch noch die Genugtuung verschaffen, sie schwach zu sehen. Also biss sie die Zähne zusammen.
Er wich ihrem Blick nicht aus und versuchte nicht einmal, sein schadenfrohes Lächeln vor ihr zu verbergen. Mehr noch, er schien sogar höchst zufrieden mit sich zu sein. So als hätte er ganze Arbeit geleistet. Die restlichen Anwesenden blieben still. Niemand sah sie an, was vielleicht auch besser war. Denn ein tröstendes Wort würde vermutlich ausreichen, und sie würde sofort in Tränen ausbrechen.
„Ich rufe Ihnen ein Taxi.“
Sein Angebot war definitiv nicht nett gemeint. Also schaffte es Anna, nicht zusammenzubrechen. Doch es gelang ihr nicht, den verwirrten Schmerz in ihren blauen Augen zu verbergen.
Ihr Peiniger wandte den Blick von ihr ab, nahm einen Kugelschreiber, drehte ihn kurz zwischen seinen langen Fingern und strich dann mit einem langen Strich etwas durch. Er hat mich soeben von der Bewerberliste gestrichen, dachte Anna frustriert.
Warum hat er das getan? Nur weil er es kann? Und warum habe ich das zugelassen?
Draußen im Flur brach ihre mühsam aufrecht erhaltene Fassade zusammen, und sie fühlte sich wie eine Marionette, deren Fäden man soeben durchtrennt hatte. Eine Migräne kündigte sich an. Anna lehnte sich gegen die Wand und fühlte die Kälte der Steine durch ihr dünnes Jackett.
Ihr warmer Mantel lag noch im Raum über der Stuhllehne. Aber lieber an einer Lungenentzündung sterben, als dort wieder hineingehen, dachte Anna.
Das Ticken der Uhr an der gegenüberliegenden Wand hallte leise durch den Flur. Es war noch keine fünf Minuten her, da war ihr Traumjob noch zum Greifen nah gewesen. Doch Cesare Urquart hatte es innerhalb dieser kurzen Zeit geschafft, sie wie eine inkompetente Anfängerin aussehen zu lassen.
Und sie hatte es geschehen lassen. Kopfschüttelnd ging sie zum Ausgang, dabei klapperten ihre Absätze wütend über den Boden.
Das Taxi wartete draußen bereits auf sie, und während sie sich hineinsetze, musste sie an jede einzelne seiner Fragen denken, die er ihr scheinbar unschuldig gestellt hatte. Es war, als hätte er sie an einen tödlichen Abgrund herangeführt. Doch sie war es gewesen, die gesprungen war. Und er hatte ihren tiefen Fall genossen.
Bis jetzt hatte Anna unbeirrt an das Gute im Menschen geglaubt, umso schwerer fiel ihr die Einsicht, dass dieser Mann offensichtliches Vergnügen an ihrem Versagen verspürt hatte. Genau so war es gewesen. Hinter seinem schönen Äußeren verbarg sich ein zutiefst grausamer Mensch. Es hatte ihm Freude gemacht, ihr beim Stottern und Stolpern zuzusehen.
Sie betrachtete ihre zitternden Hände und traf eine Entscheidung. „Würden Sie bitte kurz auf mich warten?“, bat sie den Taxifahrer, als er vor ihrem Hotel hielt. Sie fühlte sich viel zu durcheinander, um mit dem Mietwagen die vierzig Meilen zurück nach Inverness zu fahren. Es war ihr sogar egal, was sie diese Taxifahrt kosten würde, aber sie wollte keine Sekunde länger an diesem Ort bleiben. Das war es ihr wert.
Nachdem sie dem Autovermieter versichert hatte, die anfallenden Kosten für die Rücküberführung zu übernehmen, packte sie innerhalb von dreißig Sekunden ihren Koffer. Sie hatte im Hotel zwei Übernachtungen gebucht. Der Blick von ihrem Zimmer ging hinaus auf den malerischen Hafen. Doch die Aussicht konnte Anna nun nicht mehr locken – die ganze Gegend hatte plötzlich ihren Reiz verloren.
Sie hatten alle recht gehabt. Es war ein Fehler gewesen herzukommen. Nicht wegen der wenigen Männer, so wie es ihr Rosie vorhergesagt hatte – das wäre gar nicht weiter schlimm gewesen – sondern wegen eines einzigen Mannes. Und es fiel ihr schwer, nicht an diesen einen zu denken und gleichzeitig etwas kaputt machen zu wollen. Sein Kopf zum Beispiel wäre ein guter Anfang.
Sie setzte sich zurück ins Taxi und schlug mit einem entschlossenen Knall die Tür hinter sich zu, bevor sie sich anschnallte. „Zum Bahnhof von Inverness, bitte.“
Anna saß bereits im Abteil, als eine Durchsage alle Fahrgäste dazu aufforderte, wieder auszusteigen. Unwetter und eine Überschwemmung der Gleise ließ die Verbindung zwischen Inverness und Glasgow ausfallen.
„Hagelkörner so groß wie Golfbälle.“
Jenen Passagieren, die vorhatten, auf den Bus auszuweichen, wurde mitgeteilt, dass auch die Busverbindung gesperrt war.
Anna, die normalerweise nichts so schnell aus der Fassung brachte, wurde zunehmend frustrierter.
Konnte dieser schreckliche Tag überhaupt noch schlimmer werden?
Nun, offensichtlich ja. Denn in diesem Moment tauchte der Mann wieder auf, ihr Peiniger.
Der glänzende Sportwagen, neben dem Cesare Urquardt stand, erweckte nicht den Eindruck, dass er zum verarmten Landadel gehörte. An dem Spruch Geld verdirbt den Charakter scheint also wirklich etwas dran zu sein, dachte Anna.
Aber so war wohl die menschliche Natur. Trotzdem blieb es für Anna weiter unbegreiflich, wie jemand Freude daran haben konnte, andere zu demütigen.
Es hätte jeden treffen können, versuchte sie sich zu trösten. Doch warum hatte es sich nur so persönlich angefühlt? Wäre dieser Mann kein totaler Fremder für sie, dann hätte sie angenommen, er hätte noch eine Rechnung mit ihr offen gehabt. Vielleicht hatte er aber auch einfach etwas gegen Rothaarige? Oder gegen das, was man Rothaarigen nachsagte. Dabei war ihr Temperament nicht zügelloser als das von Menschen mit anderer Haarfarbe. Erschöpft schloss sie für einen Moment ihre Augen und massierte ihre Schläfen. Sie hatte sich wirklich für eine ruhige und ausgeglichene Persönlichkeit gehalten.
Wie es sich gehörte, hatte Cesare nach Ende der Bewerbungsgespräche dem erfolgreichen Kandidaten gratuliert. Die Wahl war ihm nicht schwergefallen, auch wenn er die restlichen Mitglieder von seiner Entscheidung zunächst überzeugen musste. Und schließlich war die Rothaarige aus dem Rennen gewesen.
In seinem Inneren tauchte ein Bild ihrer großen kobaltblauen Augen auf, das er mit aller Kraft von sich schob. Er war überzeugt, dass genau dieser Wimpernaufschlag ihre Masche war, mit der sie sonst den Männern den Kopf verdrehte. Tapfer hatte sie gegen die aufsteigenden Tränen gekämpft und sich um Haltung bemüht. Sicherlich wären die restlichen Mitglieder des Gremiums leichter umzustimmen gewesen, wenn sie von der wahren Miss Henderson gewusst hätten.
„Also glaubst du, es ist eine gute Idee, einen Büroblock auf den Rasen zu bauen, nachdem wir ihn planiert …“
Cesare richtete seine Aufmerksamkeit auf seine jüngere Schwester. „Ja, wunderbar!“
Angels glockenhelles Lachen zog die Blicke einiger Umstehenden an. Doch seine bildschöne Schwester war es gewohnt, Blicke auf sich zu ziehen.
„Was denn?“, fragte er irritiert.
„Du hast nicht ein Wort von dem gehört, was ich gerade gesagt habe, oder?“
Er schenkte ihr einen leicht genervten Blick und öffnete die Beifahrertür. „Würdest du jetzt bitte einfach einsteigen?“
Ihre schön geschwungenen Brauen hoben sich. „Ich seh’ schon, Bruderherz, du hast schlechte Laune. Aber das ist noch lange kein Grund, diese an mir auszulassen.“
Cesare blickte sie finster an. „Ich habe keine schlechte Laune.“ Warum sollte er auch. Er hatte ein reines Gewissen, was das Wohlergehen der Kinder betraf.
Dieses Mal wurde das Lachen seiner Schwester von einer weiteren Lautsprecherdurchsage übertönt. Wieder wurde auf die gesperrte Strecke nach Edinburgh hingewiesen. Keine guten Nachrichten für die vielen gestrandeten Passagiere.
„Was für ein Glück, dass ich mit einem früheren Zug gekommen bin“, bemerkte Angel.
Anna zitterte in ihrem dünnen Jackett. Ein dicker Kloß in ihrem Hals ließ sie kaum atmen. Das Hämmern in ihrem Kopf wurde immer lauter, während sie weiter zu ihm hinübersah. Er stand dort, als würde ihm der ganze Platz gehören. Er trat auch nicht beiseite, sondern schien zu erwarten, dass alle anderen um ihn herumgingen … und sie taten es. Er stand im Weg und andere entschuldigten sich dafür, ihn anzurempeln.
Und sie hatte genau dasselbe getan. Nein, viel schlimmer. Sie hatte zugelassen, dass er einfach über sie hinweggetrampelt war. Sie hatte einfach nur dagesessen und hatte eingesteckt, was er ausgeteilt hatte. Ohne Gegenwehr. Nein, dies waren definitiv nicht ihre stärksten Momente gewesen.
Wenn sie ihm klar ins Gesicht sagen würde, was sie von ihm hielt, dann würde sie sich bestimmt nicht mehr so schlecht fühlen, denn jetzt, in diesem Augenblick fühlte sie sich …
„Erbärmlich!“, entfuhr es ihr laut.
„Alles in Ordnung mit Ihnen?“
Anna warf dem älteren Ehepaar neben ihr einen entschuldigenden Blick. „Ja, alles in Ordnung“, log sie. „Ich bin nur …“
Ihre Stimme und auch ihr Lächeln erstarb, als sie den großen verhassten Kerl dabei beobachtete, wie er eine Hand auf den Arm seiner schönen Begleiterin legte.
Sie atmete tief ein und schloss ihre Augen. Das war ihre Chance, um ihm zu sagen, was sie von ihm hielt. Sie nickte dem Paar zu, nahm ihren Koffer und bahnte sich einen Weg durch die Menge.
„Ich dachte, du bringst Jas mit. Geht es ihr gut?“
Während seine Schwester sich suchend nach ihrer Tochter umsah, deutete Cesare auf die geöffnete Beifahrertür. „Ihr geht es gut“, sagte er besänftigend. „Ich...




