E-Book, Deutsch, Band 1791, 160 Seiten
Reihe: Julia
Lawrence Kalte Rache - heisse Küsse
1. Auflage 2007
ISBN: 978-3-86295-808-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1791, 160 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-86295-808-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Direkt in die dunklen Augen eines Fremden schaut die aparte Becca - und liest so viel männliche Bewunderung darin, dass es ihr den Atem raubt! Vergessen ist der Plan, warum sie sich auf die Party der High Society eingeschlichen hat: Sie wollte sich an der reichen, skrupellosen Familie Carides rächen. Stattdessen verlässt sie die Gesellschaft mit dem faszinierenden Unbekannten und verbringt eine sinnliche Nacht mit ihm. Lichterloh brennt die Leidenschaft. Bis sie am nächsten Morgen entsetzt erfährt, mit wem sie das Bett geteilt hat: mit Christos Carides - ihrem Feind ...
Kim Lawrence, deren Vorfahren aus England und Irland stammen, ist in Nordwales groß geworden. Nach der Hochzeit kehrten sie und ihr Mann in ihre Heimat zurück, wo sie auch ihre beiden Söhne zur Welt brachte. Auf der kleinen Insel Anlesey, lebt Kim nun mit ihren Lieben auf einer kleinen Farm, die schon seit drei Generationen in Familienbesitz ist. Auf dem Eiland spricht man größtenteils walisisch - eine Herausforderung für Kim doch mit der Zeit lernte sie, diese schwierige Sprache fließend zu sprechen. Und auch mit der Einsamkeit auf dem idyllischen Fleckchen weiß Kim mittlerweile umzugehen: Packt sie die Sehnsucht nach der Großstadt, fährt sie mit der Fähre einfach ins nahe gelegene Dublin. Wenn sie nicht schreibt, verbringt Kim viel Zeit in ihrem Garten oder kocht. Auch joggen geht sie gern - am liebsten am Strand mit ihrem Terrier Sprout.
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1. KAPITEL
Der Millionär Carl Stone hatte sein Firmenimperium perfekt unter Kontrolle, doch das Wetter konnte er zu seinem Leidwesen nicht beeinflussen. Ausgerechnet heute, am Hochzeitstag seiner einzigen Tochter, sollte es laut Wetterbericht den ersten Schnee geben.
Die dunklen Wolken, die am Himmel aufzogen, verhießen nichts Gutes. Und tatsächlich, in dem Augenblick, als die ersten Gäste eintrafen und sich den Weg durch die Zuschauermenge vor der Absperrung rund um die Kathedrale bahnten, fielen die ersten dicken Flocken. Doch das konnte niemandem die Laune verderben. Wenn es hätte sein müssen, wären die Leute in ihren Designeroutfits auch durch hohen Schnee gestapft, um die Hochzeit des Jahres nicht zu versäumen.
Nur der große, schlanke Mann, der mit den Händen in den Hosentaschen scheinbar gelangweilt abseits vom Geschehen an dem Stamm der imposanten alten Eibe lehnte, schien dem bedeutenden Ereignis nichts abgewinnen zu können. Schneeflocken bedeckten sein dunkles Haar und das Jackett seines eleganten dunklen Anzugs, er war jedoch offenbar völlig immun gegen den schneidenden Wind.
Nur gelegentlich, wenn er den Gruß eines Freundes oder Familienmitglieds erwiderte, hellte sich seine finstere Miene auf.
Für die wenigen, die ihn nicht kannten, war klar, dass er Grieche und ein Verwandter des Bräutigams sein musste. Das verrieten sein dunkles Haar, seine gebräunte Haut und das markante Profil. Die Frage nach seiner Identität stellte sich jedoch nicht, denn unter den Gästen befand sich kaum jemand, der nicht wusste, wer er war. Die meisten kannten vermutlich sogar sein Sternzeichen und seine Schuhgröße und spekulierten über die Höhe seines riesigen Vermögens.
Christos Carides, der Besitzer des Firmenimperiums Carides Empire, strahlte Macht und Autorität aus und war genauso bekannt und berühmt wie der Gastgeber. Wie aus zuverlässigen Quellen verlautete, war er sogar noch reicher als Carl Stone – und er war wesentlich attraktiver als dieser, wie man mit Fug und Recht behaupten konnte.
Allerdings täuschte der Eindruck, er sei unempfindlich gegen den frühen Wintereinbruch. Nach seinem vierwöchigen Aufenthalt im sonnigen Australien empfand er die eisige Kälte als genauso unangenehm wie die frostige Atmosphäre, die zwischen ihm und dem Bräutigam herrschte.
Als er an seinen Cousin Alex dachte, verzog er sekundenlang die so verführerisch und sinnlich wirkenden Lippen.
In dem Moment kam ein junger Mann mit blondem Haar auf ihn zu. „Ich bin Peter“, stellte er sich atemlos vor.
„Ja, ich erinnere mich an dich. Du bist Carls Patensohn, stimmt’s?“
Peter nickte. „Ich bin Trauzeuge, weil du …“ Er verstummte.
„Weil ich mich geweigert habe“, half Christos ihm aus der Verlegenheit.
„Du ahnst ja nicht, wie sehr ich mich freue, dich zu sehen.“
„Fein, dass ich dich glücklich machen konnte“, antwortete Christos spöttisch. „Kann ich dir irgendwie helfen?“, fügte er hinzu, als der junge Mann keine Anstalten machte, weiterzugehen.
„Du musst unbedingt mitkommen.“
Bei der dramatisch klingenden Feststellung straffte Christos die Schultern und stieß sich mit einer eleganten Bewegung von der Eibe ab. „So? Muss ich das?“
Seine ironisch klingende Stimme und sein kühler Blick ließen Peters Hoffnungen schwinden. „Alex braucht dich unbedingt. B… bitte, Christos“, stotterte er. „Ich weiß nicht, was ich machen soll. Er ist völlig fertig, und wenn mein Onkel ihn so sieht, ist die Hölle los“, prophezeite er düster. „Alex hat sich gestern Abend sinnlos betrunken und ist nicht mehr er selbst.“
Christos war nicht überrascht. Es hätte ihn sogar erstaunt, wenn sich sein Cousin keinen Ausrutscher erlaubt hätte. In Stresssituationen verlor er immer die Nerven, und die Erbin und einzige Tochter eines der reichsten Männer Englands zu heiraten fiel bestimmt unter diese Kategorie.
„Wenn du Alex besser kennen würdest, wüsstest du, dass er momentan ganz er selbst ist“, antwortete Christos gleichgültig.
Hinter Alex’ charmantem Auftreten verbarg sich ein schwacher Mensch. Und wie so viele unsichere Männer reagierte er gehässig und boshaft, wenn ihm etwas gegen den Strich ging.
„Ich glaube, du hast mich nicht richtig verstanden. Alex kann kaum noch gerade stehen und fängt immer wieder an …“, Peter machte eine Pause und sah sich vorsichtig um, „… zu weinen.“
Einen Mann weinen zu sehen ist für Peter offenbar das Peinlichste an der ganzen Situation, dachte Christos. „Was habe ich damit zu tun?“, fragte er betont langsam.
„Willst du ihm etwa nicht helfen?“ Peter war schockiert und empört.
„Nein“, erklärte Christos ungerührt.
Unter normalen Umständen hätte der jüngere Mann nicht gewagt, Christos Carides zu kritisieren. Aber die Aussicht, ganz allein mit der schwierigen Situation fertig werden zu müssen, ließ ihn jede Vorsicht vergessen.
„Ich wollte Alex nicht glauben, als er dich als einen gefühllosen und hartherzigen Menschen geschildert hat!“
Christos lächelte kühl. „Das war ein Fehler von dir“, erwiderte er nachsichtig. „Falls du einen Rat brauchst: Am besten steckst du Alex mit dem Kopf in einen Eimer eiskalten Wassers und flößt ihm anschließend einen starken schwarzen Kaffee ein. Aber mach dir keine Sorgen“, fügte er hinzu, „er ist unverwüstlich. Wenn du mich jetzt bitte entschuldigst, ich warte auf jemanden.“ Mit einem flüchtigen Kopfnicken verabschiedete er Peter.
„Mein Onkel hat recht. Du und der Rest der Familie Carides mögt euch ja für etwas Besseres halten, doch in Wahrheit seid ihr verdammte Schurken. Ihr kennt keine Moral, keine Skrupel und habt keine Manieren“, rief Peter zornig aus.
Statt beleidigt zu sein, schenkte Christos ihm ein strahlendes Lächeln. „Waren das seine Worte?“, erkundigte er sich spöttisch.
Obwohl Peter ihm körperlich unterlegen war, weckte Christos’ Reaktion in ihm den heftigen Wunsch, mit den Fäusten auf ihn loszugehen. So dumm war er dann aber doch nicht, so etwas zu tun. Immerhin war Christos mindestens einsfünfundachtzig groß und sehr sportlich.
Erst nachdem er sich beruhigt hatte, wurde ihm bewusst, dass einige der Gäste die Szene neugierig verfolgten, was Peter im Gegensatz zu Christos ausgesprochen peinlich war. Er biss die Zähne zusammen und ging mit so viel Würde, wie er unter den Umständen aufbringen konnte, davon.
Langsam näherte sich Becca Summer der Absperrung. Vor lauter Nervosität war ihre Kehle so trocken, dass sie keine zwei Worte herausgebracht hätte, und das Herz klopfte ihr zum Zerspringen. Vor sechs Wochen hatte sie sich noch viel stärker gefühlt und sich weitaus kämpferischer gegeben.
„Leute wie die Carides machen mich ganz krank“, hatte sie verächtlich erklärt und ihre jüngere Schwester Erica mitfühlend angeschaut. „Sie glauben, sich wegen ihres Reichtums und ihrer Macht alles erlauben zu können.“
„Ach, Becca, es bringt doch nichts, sich aufzuregen“, entgegnete Erica deprimiert.
„Was soll ich denn sonst tun? Es ihm heimzahlen?“
„Du liebe Zeit, meinst du das ernst?“ Erica lachte auf. „Wir reden hier von den Carides’!“
„Bist du etwa der Meinung, diese Leute dürften ungestraft auf den Gefühlen anderer herumtrampeln?“, fragte Becca.
„Sie tun es einfach, keiner kann sie daran hindern, Becca“, antwortete Erica freudlos.
Becca hatte mit den Tränen gekämpft und hitzig erklärt: „Eines Tages werde ich ihnen zeigen, dass sie mit anderen nicht so rücksichtslos und grob umspringen können, wie es ihnen gerade passt, ohne dass jemand sie zur Rechenschaft zieht.“
Sie hatte es in der Hitze des Gefechts gesagt und vermutlich selbst nicht daran geglaubt, dass sich ihr jemals die Gelegenheit bieten würde, dem Mann, der ihre Schwester so schäbig behandelt hatte, einen Denkzettel zu erteilen. Jetzt aber war es so weit. Worauf habe ich mich da nur eingelassen?, überlegte sie und bereute plötzlich ihren spontanen Entschluss.
Als jemand sie im Vorbeigehen interessiert musterte, nahm sie rasch die Kappe ab, mit der sie in diesem exklusiven Rahmen fehl am Platz wirkte, und fuhr sich mit der Hand durch die zerzausten tizianroten Locken. Dann schüttelte sie den Kopf, sodass ihr das lange Haar über den Rücken fiel.
Ich darf nicht aufgeben, mahnte sie sich, obwohl sie sich zu Tode ängstigte. Zu allem Überfluss war sie nach der langen Fahrt sehr erschöpft. Am Abend zuvor hatte sie sich kurz entschlossen in ihren alten VW-Käfer gesetzt und war von Yorkshire nach London gefahren, nachdem sie in der Zeitung den Bericht über die Hochzeit des Jahres gelesen hatte.
Es ist erstaunlich, was man auf sich nimmt, wenn man sich für die jüngere Schwester verantwortlich fühlt und sie beschützen will, dachte sie. Da ihr unterwegs das Benzin ausgegangen war, hatte sie um drei Uhr in der Nacht zu Fuß eine einsame Landstraße entlang fünf Meilen zur nächsten Tankstelle laufen müssen. Die Erfahrung hätte sie sich gern erspart. Dass es angefangen hatte zu schneien, hatte alles noch schlimmer gemacht. Es war recht außergewöhnlich, dass Anfang November schon Schnee fiel.
Die nächtliche Wanderung hatte Becca eine Blase am rechten Fuß eingebracht und die Erkenntnis, dass so spontane Aktionen vielleicht doch nicht das Wahre waren. Wenn das hier vorbei war, würde sie sich nie wieder zu so etwas hinreißen lassen, denn im Grunde war sie ein vernünftiger, vorsichtiger und besonnener Mensch. Und das war auch einer...




