E-Book, Deutsch, Band 3, 284 Seiten
Reihe: Eingeschneit
Lay Eingeschneit
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-947634-37-8
Verlag: Obo e-Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Santa zum Verlieben
E-Book, Deutsch, Band 3, 284 Seiten
Reihe: Eingeschneit
ISBN: 978-3-947634-37-8
Verlag: Obo e-Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Cara Lay schreibt Romane mit viel Herz, Spannung und einer Prise Erotik. Weil sie im Winter den Schnee und die Berge sowie im Sommer die See und den Strand liebt, spielen ihre Geschichten häufig an Orten, die Lust auf Urlaub im Kopf machen.
Autoren/Hrsg.
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1
Cadie
»Der heiße Typ beobachtet dich.«
»Was?« Cadence warf einen Blick über ihre Schulter. Sie war damit beschäftigt, das altersschwache Ungetüm von Kaffeemaschine zur Arbeit zu überreden. »Mistding!« Mit der flachen Hand schlug sie frustriert gegen das Gehäuse. Das Mahlwerk kam daraufhin stotternd in Gang. »Na, geht doch.« Jetzt konnte sie ihrer Freundin die volle Aufmerksamkeit widmen. »Was war?«
»Nicht was, sondern wer.« Brenda deutete mit einer Augenbewegung zum einzigen besetzten Platz im Innenraum. Cadence grinste über die unbeabsichtigte Grimasse ihrer Freundin, dann folgte sie der angezeigten Richtung und ihr Herz hüpfte kurz.
»Nicht so offensichtlich!« Brenda runzelte die Stirn.
Doch zu spät. Der Gast hatte Cadies Blick bemerkt und lächelte sie an, bevor er sich wieder seinem Smartphone zuwandte. Sie konnte gar nicht anders als das Lächeln zu erwidern. Seit er sich die Haare vorhin zurückgestrichen hatte, fielen ihm einige Strähnen ungeordnet in die Stirn. Seine Haut hatte in den vergangenen Tagen Farbe bekommen, dazu trug er einen Dreitagebart und gab das perfekte Bild eines Lausbuben ab. Eines ausgesprochen attraktiven Lausbuben, wie Cadie seit beinahe einer Woche jeden Morgen feststellen musste.
»Los, bedien du ihn heute, sonst kommt ihr nie ins Gespräch.« Brenda drückte Cadence das Tablett in die Hand. Ein Croissant, ein Orangensaft. Wie jeden Morgen, bevor er zu einer Wanderung aufbrach. Nur der Kaffee fehlte ausnahmsweise. Ehe sie protestieren konnte, schob Brenda Cadence um den Tresen herum. Zuckten da etwa die Mundwinkel des Typen? Mehr als einen Seitenblick wagte Cadence nicht. Wie peinlich, falls er Brendas Manöver beobachtet hatte! Aber nun gab es kein Zurück, alles andere wäre noch blamabler.
Sie setzte ein professionell freundliches Gesicht auf, straffte die Schultern und steuerte auf den Tisch zu. Der Mann dahinter hob den Blick vom Smartphone. Blaue Augen, registrierte sie beim Näherkommen. Und Grübchen, sobald sich die Mundwinkel nach oben bogen.
»Vielen Dank.« Seine Stimme war volltönend tief. Aber nicht auf eine grummelnde Art, sondern warm. Er beobachtete, wie sie seine Bestellung servierte, und Cadence schaffte es zu ihrem eigenen Erstaunen trotzdem, nichts zu verschütten.
»Sehr gerne.« Hörte sie sich tatsächlich ein wenig atemlos an, oder klang sie nur in ihren Ohren so fremd? »Haben Sie sonst noch einen Wunsch?« Himmel, konnte man das noch steifer ausdrücken?
»Ja, ich hätte gerne einen großen Kaffee.« Sein Blick wanderte in Richtung Theke. »Sie haben die Maschine doch repariert, oder nicht?«
Deshalb also hatte er sie so interessiert beobachtet. Er hatte auf einen Kaffee gehofft.
»Vermutlich schon.« Sie zuckte mit den Schultern, seine fragende Miene forderte allerdings eine nähere Erklärung. »Seit Monaten wächst mein Verdacht, dass es sich bei diesem Monstrum um ein als Gastronomie-Kaffeemaschine getarntes, fehlgeschlagenes Genexperiment handelt. Irgendwer muss versucht haben, die Überbleibsel einer Apollo-Mission mit einem Esel zu kreuzen. Heraus kam ein altersschwacher Stahlkasten, der störrisch den Dienst verweigert.«
Ihr Gegenüber starrte sie einen Moment ungläubig an, dann lachte er laut los. Ein offenes, fröhliches Lachen.
»Würden Sie sich für mich der Herausforderung stellen, diesem bionischen Wunderwerk einen Kaffee abzuringen?«
»Ich kann mein Glück versuchen.« Cadence lächelte ihm auf eine Weise zu, die deutlich machte, wie wenig sie an einen Erfolg glaubte, und begab sich hinter die Theke, um den Kampf aufzunehmen.
»Na, war er aus der Nähe genauso attraktiv, wie du gedacht hast?« Brenda grinste sie an.
Cadence schnitt ihr eine Grimasse und kontrollierte die Wassertemperaturanzeige der Kaffeemaschine. Was immer da gleich herauskäme, wäre immerhin heiß. »Was du wieder denkst«, fertigte sie ihre Freundin kurz ab. Seit Cadence als Single aus Denver zurückgekehrt war, hatte Brenda es sich zu ihrer Aufgabe gemacht, sie zu verkuppeln.
»Ach komm, ich habe doch Augen im Kopf.« Brenda polierte ungerührt weiter Gläser. »Seit der Kerl das erste Mal das Plansprings Inn betreten hat, schmachtest du ihn von der Theke aus an.«
Cadence schoss die Hitze ins Gesicht. War das so deutlich gewesen? Hatte er es am Ende auch bemerkt? Sie kroch fast in das Display, während sie die Auswahl für einen schwarzen Kaffee eingab. Natürlich hatte sie immer mal wieder einen Blick riskiert. Wie hätte sie das auch nicht tun können? Er sah umwerfend aus. Groß, athletisch, dunkelhaarig. Markante Gesichtszüge, streng genug, um männlich zu sein, ohne roh zu wirken.
Brenda stieß sie leicht in die Seite. »Hast du ernsthaft gedacht, mir fällt das nicht auf? Ich bin seit Kindertagen deine beste Freundin!«
»Es macht mir mehr Sorge, dass es ihm aufgefallen sein könnte«, murmelte Cadence. »Wie peinlich wäre das denn?«
»Das wäre nicht peinlich, das wäre der erste Schritt. In Kennerkreisen auch bekannt unter ›Flirten‹. Mensch, Cadie, du bist wirklich eingerostet. Der Typ steht auf dich!«
»Oder auf seinen Kaffee. Vielleicht wollte er nur wissen, ob ich dieses Mistding zum Laufen kriege.«
Wie zum Protest gegen diese abwertende Titulierung gab das Mahlwerk nur ein kurzes Kreischen von sich und trat in den Streik. Mit einem Seufzen schlug Cadence gegen das Gehäuse und wartete auf das erlösende Stottern.
»Die letzten beiden Tage gab es Kaffee und er hat trotzdem ständig zu dir gesehen«, beharrte Brenda. »Er sitzt bestimmt nicht ohne Grund im Innenraum, obwohl es draußen auf der Terrasse warm und sonnig ist.«
Das Getöse der reanimierten Maschine beendete glücklicherweise das Gespräch. Cadence würde den Kaffee jetzt mit ihrem strahlendsten Lächeln servieren und Brenda ein für alle Mal beweisen, dass es dem Gast nur um das Getränk ging.
Der Typ lächelte ihr entgegen und der Glanz seiner Augen ließ Cadence einen Moment lang glauben, Brenda könnte recht haben. Ihr Puls beschleunigte sich.
Doch er nickte nur, als sie die Tasse vor ihm abstellte. Cadence fuhr das Strahlen zurück auf ein höfliches Niveau und wandte sich in Richtung Theke.
»Warten Sie bitte!«
»Ja?« Sie drehte sich zu ihm herum.
»Ich reise am Sonntag ab. Da ich nicht weiß, ob Sie am Wochenende arbeiten, ist heute meine letzte Chance zu fragen: Darf ich Sie zum Essen ausführen?«
Aus einer Ecke, in der Brenda angelegentlich Zuckerstreuer nachfüllte, erklang etwas, das sich verdächtig nach »na, endlich« anhörte. Die Mundwinkel des Gastes zuckten leicht. Cadence beeilte sich, die Einladung anzunehmen, bevor Brenda das am Ende für sie erledigte.
»Ich freue mich sehr.« Er hielt ihr die Hand hin. »Ich bin Noel.«
»Cadence, aber so nennen mich nur meine Eltern, wenn sie schlecht auf mich zu sprechen sind. Sonst Cadie.« Sie ergriff seine Hand. Sie fühlte sich gut an. Warm und kräftig. Er hielt sie genau die richtige Zeitspanne lang fest, das hatte Stil. Sie fand einen waschlappenartigen Händedruck ebenso unattraktiv wie Männer, die diese erste Begrüßung zu einer Art Vorspiel machten.
»Meine Schicht endet am Nachmittag um fünf, dann habe ich frei bis Montag.«
»Bestens. Sagen wir heute Abend um sieben?«
Cadence hatte einen Moment gezögert, sich von Noel zuhause abholen zu lassen. Die Alternative wäre das Plansprings Inn gewesen. So oder so bekäme es der halbe Ort mit, dass sie ein Date hatte. Die andere Hälfte wüsste es spätestens morgen. Plansprings war eine winzige Gemeinde, da funktionierten die Buschtrommeln einwandfrei.
Doch warum sollte sie überhaupt ein Geheimnis daraus machen? Sie war Single und hatte seit Ewigkeiten kein Date mehr gehabt. In Denver war das nicht nötig gewesen, da gab es Laurent, und seit der sie still und heimlich hatte sitzen lassen, war ihr ohnehin nicht mehr nach Männerbekanntschaften zumute. Wenn Brenda nicht eine solche Nervensäge wäre, hätte sie sich wahrscheinlich noch immer nicht auf eine Verabredung eingelassen, doch Brenda hätte ihr die Hölle heiß gemacht. Und nun, da sie in einem knielangen Rock, einem figurbetonten Oberteil und neuen Booties auf ihn wartete, kribbelte mit einem Mal echte Vorfreude in ihr.
Pünktlich um sieben hielt ein dunkler Jeep Cherokee vor ihrem Haus und Cadence trat vor die Tür. Noel kam auf sie zu und sie sah ihn zum ersten Mal in etwas anderem als Wanderklamotten. Er trug eine tintenblaue, fast schwarze Jeans, die wie angegossen saß, dazu ein hellgraues Hemd und ein Sakko. Seine Haare waren akkurater frisiert als morgens, bevor er zu seinen Wanderungen aufbrach. Trotzdem hatte sich schon wieder eine Strähne dem Kamm widersetzt und fiel ihm in die Stirn.
Cadies Herz tat einen Extraschlag. Diese Strähne war es, die ihre Aufmerksamkeit sofort auf sich gezogen hatte, als er das Plansprings Inn zum ersten Mal betreten hatte. Sie lächelte bei der Erinnerung an den unsinnigen Drang, ihm die Strähne aus der Stirn zu streichen, den sie von diesem Moment an jedes Mal verspürte, wenn sie ihn ansah.
Noel lächelte zurück. Er beugte sich vor und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange. Die Ahnung eines exquisiten Aftershaves streifte ihre Nase. »Du siehst gut aus.«
...



