E-Book, Deutsch, Band 2, 336 Seiten
Reihe: Man of the Year
Layne Man of the Year - True Love
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7363-1707-9
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2, 336 Seiten
Reihe: Man of the Year
ISBN: 978-3-7363-1707-9
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Manchmal findet man das Glück, wo man es niemals erwartet hätte ...
Olive Dunn kann nicht leugnen, dass ihr Highschool-Schwarm Carter Ramsey schon immer ein gut aussehender Charmeur war. Heute ist er zudem ein erfolgreicher Baseballspieler, dem noch dazu der Titel 'Man of the Year' des Citizen Magazins verliehen wurde. Als Carter in ihre Heimatstadt zurückkehrt, um sich von einer Verletzung zu erholen, ist sie deshalb fest entschlossen, ihre Gefühle rein freundschaftlich zu halten. Doch der Profi-Sportler macht es ihr nicht leicht, kann er es doch nicht lassen, ständig mit ihr zu flirten. Und schon bald wird Olives Vorsatz auf eine harte Probe gestellt ...
'Eine leichte und heitere Liebesgeschichte.' PUBLISHERS WEEKLY
Band 2 der MAN-OF-THE-YEAR-Reihe von Bestseller-Autorin Lauren Layne
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2
Freitag, 7. August
»Verdammter …«
Sie klappte den Mund zu, bevor sie den Fluch ganz ausgesprochen hatte. Das lag zum einen an der mit Glitterspray gesättigten Luft und zum anderen an ihrer jahrelangen Übung, sich vor ihren Schülern auf die Zunge zu beißen, bevor ihr ein »Kraftausdruck«, wie ihr Vorgesetzter es nannte, herausrutschte.
Dann harrte Olive Dunn mit zugekniffenen Augen und zusammengepressten Lippen reglos aus, bis sie glaubte, die sie umwabernde grüne Glitterwolke habe sich gelegt, und betete im Stillen, dass sich das Ganze am Ende wenigstens gelohnt haben würde.
Schließlich öffnete sie die Augen wieder und blickte auf das Ergebnis ihrer Anstrengung. Seufz. Es hatte sich nicht gelohnt.
Diese dreiste Martha »Gernegroß« Stewart auf YouTube hatte es trügerisch einfach aussehen lassen. Doch was ein mit grünem Glitter umrandeter Löwe auf schwarzem Plakat sein sollte, ähnelte eher Slimer aus Ghostbusters. Zwar war Olive schon immer irgendwie ein Fan von Slimer gewesen, aber er war nun mal nicht das Maskottchen der Haven High. Schade.
»Mist«, sagte Olive vehement, den Mund voller Glitter. Das Schuljahr würde erst in gut einem Monat beginnen – bis dahin durfte sie sich noch ein paar »Kraftausdrücke« leisten.
Der Fluch blieb nicht ohne Folgen. Sie musste husten, weil sie eine neue Ladung Glitter in den Mund bekam. Räuspernd und hustend schnappte sie sich ein Papiertuch, um – wenn auch vergeblich – das Glitterzeug von ihrer Zunge zu wischen.
»Mist, Mist, Mist«, wiederholte sie. Wenn sie schon einem Laster nachgab, dann gleich richtig.
Olive warf das Papiertuch in den Müll, schenkte sich ein Glas Wasser ein und spülte sich damit den Mund aus. Das half ihr, aber nicht dem unseligen Kunstprojekt auf ihrem Küchentisch.
Die naturwissenschaftliche Arbeit im Labor hatte ihr schon immer mehr gelegen als der Kunstunterricht; offenbar hatte sich daran in den zehn Jahren seit ihrem Highschool-Abschluss nicht viel geändert. Und eigentlich war es ihr sogar ganz recht, dass der Glitter jetzt den größten Teil des Plakats bedeckte. Verbarg er doch ihren missglückten Versuch, »10 Jahre!« in kunstvollen Blockbuchstaben zu schreiben, bei dem das Ausrufezeichen aus unerfindlichen Gründen eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Penis samt Hoden gezeigt hatte.
Soweit sie es beurteilen konnte, denn besonders nahe war sie den männlichen Genitalien schon lange nicht mehr gekommen.
Olive spülte sich weiter den Mund, während sie mit schräg gelegtem Kopf das Poster studierte. Vielleicht wäre ein Poster, das an Jungsteile erinnerte, gar keine so schlechte Sache. Ein Penisposter wäre wahrscheinlich noch das Aufregendste an dem bevorstehenden Zehnjahrestreffen der Haven High.
Sie wusste immer noch nicht genau, wie sie in letzter Minute im Organisationskomitee gelandet war. Eigentlich konnte sie sich noch nicht einmal für die bloße Teilnahme begeistern, geschweige denn dafür, das Ganze mitzuorganisieren. Nicht weil die Highschool schlechte Erinnerungen weckte oder die Gefahr bestand, dass irgendwelche dunklen Geheimnisse über sie ans Licht kämen. Nur wenn man nach einer mittelmäßigen Highschoolzeit in derselben Kleinstadt wohnte, in der auch die meisten anderen aus der Abschlussklasse geblieben waren, erschien ein Wiedersehenstreffen irgendwie überflüssig. Die Hälfte ihres Geometriekurses aus der zehnten Klasse traf sie bereits, wenn sie nur zu Walgreens ging.
Leider hatte sie sich irgendwann in den letzten Jahren mit der Sprecherin des Abschlussjahrgangs angefreundet, und wie sich herausstellte, war es so gut wie unmöglich, einer schwangeren Caitlyn Cortez etwas abzuschlagen. Vor allem, wenn ihre Freundin über geschwollene Knöchel und Schwangerschaftsdemenz jammerte. Beides Dinge, mit denen Olive keine persönliche Erfahrung hatte, aber sie liebte es, Verantwortung zu übernehmen. Außerdem war Olive Lehrerin an derselben Highschool, an der sie ihren Abschluss gemacht hatte. School spirit gehörte praktisch zur Jobbeschreibung.
Und so stand sie jetzt hier, voller Glitter.
Olive beugte sich über das Waschbecken und spuckte das grüne Zeug aus. Dann stellte sie das Wasserglas beiseite und zog eine Mülltüte unter dem Waschbecken hervor, denn sie war sich relativ sicher, dass ihr Plakat unrettbar war. Für den Rest ihrer Reinigungsaktion würde sie sich fachlichen Rat bei einer glittererfahrenen Grundschullehrerin holen. Mit anderen Worten: bei Kelly Byrne.
In ihrer Jugend hatten sie und Kelly – inzwischen nicht mehr Byrne, sondern Blakely – sich nicht nahegestanden. Aber damals hatte Olive niemandem nahegestanden. Kelly hatte ihren Abschluss zwei Jahre vor ihr gemacht, außerdem war Olive nicht gerade die Art von Zehntklässlerin gewesen, die von Absolventen als gleichrangig angesehen wurde, selbst wenn es sich um eine freundliche Absolventin wie Kelly gehandelt hatte. Aber nachdem sie letztes Jahr bei einer Lehrerkonferenz im Hudson Valley für ein paar Tage Zimmergenossinnen gewesen waren, hatten sie sich schnell angefreundet. Also würde sie Kelly gleich fragen.
Das Geräusch eines Autos und eine Bewegung vor ihrem Fenster erregten Olives Aufmerksamkeit und ließen alle Gedanken an Glitter und Kelly und penisförmige Ausrufezeichen verblassen.
Olive lebte am äußersten Ortsrand von Haven und hatte nur ein einziges Haus in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft. Es lag gegenüber und stand leer. Genau das gefiel ihr. Niemand sah ihre ABBA-Tanzpartys oder erfuhr, dass sie Namen für jede einzelne der Krähen hatte, die sich jeden Wintermorgen in ihrem Garten versammelten, um das Brot aufzupicken, das sie extra für sie gekauft hatte.
Es bedeutete aber auch, dass jegliche Art von Verkehr ungewöhnlich war.
Sie ging zum Fenster und kniff die Augen zusammen, als ein schwarzes Auto am Bordstein vor dem leer stehenden Nachbarhaus hielt. Das Auto war glänzend neu, eine Limousine der Art, in der reiche, möglicherweise vernarbte Filmschurken herumgefahren wurden.
Die Hausbesitzer vielleicht? Sie hatte sie nie kennengelernt. Gerüchten zufolge hatte ein mondänes Paar aus Manhattan das Haus gekauft, um der Stadt entfliehen zu können, aber einer von ihnen war beruflich nach London versetzt worden, und keiner von beiden hatte sich die Mühe gemacht, ihre Zuflucht in Haven wieder zu verkaufen.
Eine Wartungsfirma schickte einmal im Monat Leute, um den Rasen zu mähen, Wasser durch die Rohre laufen zu lassen und das Anwesen auf Ungezieferbefall zu kontrollieren. Abgesehen davon hatte sich in den drei Jahren, die Olive hier wohnte, so gut wie nichts in dem Haus abgespielt.
Die Fahrertür öffnete sich und ein waschechter Chauffeur stieg aus, mit Uniform und Mütze und allem. Bevor er aber die Tür zum Fond öffnen konnte, hatte der Fahrgast sie bereits von innen aufgestoßen.
Olive kniff die Augen noch mehr zusammen, als ein langes, sehr langes, in Jeans gekleidetes Bein in Sicht kam.
Das Bein war nicht von hier.
Sie beobachtete, wie der Mann, der zu dem Bein gehörte, ganz ausstieg, dem Chauffeur etwas sagte, die Autotür zuschlug und durch seine Sonnenbrille zu dem unbewohnten Haus hinaufblickte.
Alles an ihm sah irgendwie teuer aus. Er trug zwar Jeans, aber sie schienen mehr zu kosten als Olives Abzahlungsraten für ihr Auto. Das schwarze T-Shirt war zu glatt und zu gut geschnitten, um von Walmart zu sein, und schmeichelte einem sehr beeindruckenden männlichen Körper. Das Einzige, was die Perfektion trübte, war eine Schlinge, in der sein linker Arm steckte. Irgendwie interessant. Wahrscheinlich eine Segelverletzung.
Olive beobachtete weiter, wie der Chauffeur an den Kofferraum des Wagens trat und daraus eine elegante silberne Trolleytasche und einen schwarzen Seesack hervorholte. Diese Menge an Gepäck konnte nur bedeuten, dass der verletzte Mr Schick bleiben würde, zumindest für eine kleine Weile.
Das machte aus »Irgendwie interessant« ein »Muss Näheres in Erfahrung bringen«.
Ihm mochte vielleicht das Haus gehören, aber das hier war ihr Revier, und in Haven war es einfach völlig unmöglich, dass Fremde Fremde blieben, vor allem dann, wenn es sich um einen alleinstehenden Mann in direkter Nachbarschaft zu einer alleinstehenden Frau handelte und sie noch keine Gelegenheit gehabt hatte einzuschätzen, wie viel Potenzial zum widerlichen Idioten in ihm steckte.
Also nahm sie die Sache sofort in Angriff, da der Chauffeur als Zeuge dienen könnte, falls der Typ versuchen sollte, sie zu ermorden.
Olive riss sich vom Fenster los, schoss zur Haustür hinaus und durch den Vorgarten. »Entschuldigen Sie, Sir?«
Der Mann drehte sich langsam zu ihr um, aber mit der Sonnenbrille und einer Baseballkappe der New York Hawks, die sein Gesicht verdeckten, konnte sie ihn von vorn auch nicht besser einschätzen als eben von der Seite.
Bis auf die Tatsache, dass er umso männlicher wirkte, je näher sie kam.
Olive war eins achtundsiebzig groß, und zwar keine spindeldürren, modelmäßigen eins achtundsiebzig, sondern massive, wikingermäßige eins achtundsiebzig. Nur sehr wenige Menschen ließen sie zierlich erscheinen.
Dieser Mann tat es.
»Hallo«, sagte sie, leicht außer Atem von ihrem spontanen Sprint. »Ich wohne gleich gegenüber. Und Sie sind?«
Er brauchte seine Pilotenbrille gar nicht abzunehmen, sie wusste auch so, dass er sie abschätzend musterte, während er...




